Autor: stralsund

  • Krieg und Medien

    Wird versucht einen Krieg vorzubereiten, kann man zunächst in den Medien lesen und hören:

    Wir wollen den Krieg nicht

    Das gegnerische Lager trägt die Verantwortung

    Der Führer des Gegners ist ein Teufel

    Wir kämpfen für eine gute Sache

    Der Gegner kämpft mit unerlaubten Waffen

    Der Gegner begeht mit Absicht Grausamkeiten, wir nur versehentlich

    Unsere Verluste sind gering, die des Gegners enorm

    Künstler und Intellektuelle unterstützen unsere Sache

    Unsere Mission ist heilig

    Wer unsere Berichterstattung in Zweifel zieht, ist ein Verräter.

    Anne Morelli

    Anne Morelli schrieb das Buch Principes élémentaires de propagande de guerre in Ahnlehnung an Arthur Ponsonbys Klassiker zur Propagandaforschung.

    Es ist interessant zu beobachten, wie so mancher Journalist nicht wertfrei seine Recherche und Arbeiten zu irgeneinem Thema veröffentlichen kann, sondern vielmehr den üblichen Narrativen folgt. Beängstigend ist dann zu beobachten, wie in Folge die Personen mit diametral entgegengesetzte Sichtweisen, demzufolge oft sehr schnell beschimpft, herabgestuft und gemieden werden.

    Eigentlich ist das alles nicht neu. Neu ist nur der vehemente Anspruch und die Deutungshoheit und Positionierung von Wahrheit und Lüge, (neudeutsch Fake und Hassrede) im Interesse der Regierenden. Die Opposition und so mancher Bürger weden schnell verunglimpft. Dabei ist es die Aufgabe der Opposition seit den Griechen und ihrer Erfindung der Demokratie vor 2500 Jahren, die Herrschenden in Schach zu halten, da die Erfahrung lehrte, das diese all zu schnell nur ihre eigenen Interessen verfolgen und im Klüngel den eigentlichen Souverän übergehen.

    Die Wörter “Populus”, “Volk” und “Souveränität” sind eng miteinander verbunden im Kontext der Politik und Philosophie. Sie beziehen sich auf die Quelle und das Wesen der staatlichen Macht.

    “Populus” (lateinisch):

    Bezeichnet das Volk als eine Gesamtheit von Menschen, die in einem bestimmten Gebiet leben und politisch organisiert sind

    In der Schule waren die Besserwisser schnell verpönt. Heutzutage haben erwachsene Besserwisser in der Politik zahlreiche Tools den anderen zu diffamieren, sei es ihn als Nazi zu bezeichnen oder der Hassrede zu bezichtigen. Das reicht schon als Mittel der Ausgrenzung.

    Und am Narrativ gearbeitet wird mit allen Mitteln.

    Administratoren in sozialen Medien, die z.B. der Verfassungsschutz mittels V-Männern betreibt, zeigen schon die Fragwürdigkeit dieser Behörde. Brisant an der Sache ist, daseinige Fake-Profile der Verfassungsschutzämter gezielt provozieren, hetzen und womöglich sogar strafrechtlich relevante Handlungen begehen könnten.

    Verfassungsschutz Brandenburg betreibt 287 Fake Accounts.

    Wie aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion hervorgeht, betreibt der Brandenburger Verfassungsschutz insgesamt 287 sogenannte „Fake-Accounts“ in sozialen Netzwerken. Die Landesregierung hatte die Auskunft zunächst unter Verweis auf das „Staatswohl“ verweigert und lieferte die Informationen erst auf erneuten Druck in Form eines Konfrontationsschreibens nach.

  • Die „Menschlichkeit“ ist nicht immer eine Tugend

    Die „Menschlichkeit“ ist nicht immer eine Tugend – sie kann auch ein sanfter Mechanismus sein, um die zivilisiertesten Formen von Gewalt hervorzubringen.

    Wenn das Banner des Menschen gehisst wird, wird der reale Mensch oft zugunsten eines metaphysischen Bildes verdrängt, das alles rechtfertigt.

    Dann ist „Menschlichkeit“ kein ethisches Versprechen mehr, sondern wird zum Vorwand: mal für Interventionen, mal für Liquidationen und oft genug für das bewusste Übersehen.

    Carl Schmitt, einer der schärfsten Entzauberer der Politik, brachte es klar auf den Punkt:

    Wer die Fahne der „Menschlichkeit“ schwenkt, sucht nicht unbedingt nach Gerechtigkeit, sondern oft nach einer Legitimation, den Feind aus dem Bereich des Menschlichen auszuschließen – ihn außerhalb von Recht und Mitgefühl zu stellen.

    Es ist eine Mahnung: Wird der Diskurs der Menschlichkeit als moralisches Absolutum eingesetzt, bringt er keinen Frieden hervor – er bereitet vielmehr die Bühne für eine grenzenlose Gewalt.

    Denn wer davon ausgeschlossen wird, wird neu definiert – als „Nicht-Mensch“, dem weder Rechtsschutz noch sprachliche Anerkennung zusteht.

    So verwandelt sich die „Menschlichkeit“ von einem ethischen Versprechen in ein Instrument der existenziellen Auslöschung:

    Der Feind erscheint nicht mehr als ein zu verstehendes oder zu konfrontierendes Wesen, sondern als ein Defekt, der beseitigt werden muss.

    Jede „Menschlichkeit“, die dem Feind seine Menschlichkeit abspricht, ebnet den Weg zu seiner Vernichtung – im Namen des „Guten“.

    Kann ein wahrhaft menschlicher Mensch seine Menschlichkeit bewahren, während er in ihrem Namen Krieg führt?

    Ist es nicht an der Zeit, „Menschlichkeit“ neu zu denken – nicht als Schlagwort, sondern als Verantwortung?

    Vielleicht ist die entscheidendere Frage nicht, wer im Namen des Menschen spricht – sondern wer den Mut hat, das zu hinterfragen, was in seinem Namen begangen wird.

    von Muhammed Sabbah

    Krieg: das ist das grausam-lächerliche Abenteuer, in das sich Männer einlassen, wenn sie der Hafer des Wahnsinns sticht…

    Siegfried Lenz

    Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin der Antifaschismus.

    Ignazio Silone

    Junge
  • Pink Floyd – Interstellar Overdrive

    Pink Floyd – Interstellar Overdrive

    Pink Floyd – Interstellar Overdrive at Fillmore West 1970

    What Pink Floyd proposed musically was an irreparable break with the status quo: no more choruses and solos according to predetermined patterns, but rather the idea that with traditional rock instrumentation one could conceive songs, or more often suites, imaginative and elusive, with a progression and ups and downs that aspire to the complexity of a classical score. A futuristic intuition in 1971 and variously imitated but never approached in the following half century.

  • Kriegstüchtigkeit, was bedeutet das überhaupt?

    Will ich erobern oder mich verteidigen, will ich mich rächen oder Resourcen für meine Gruppe garantieren? Ja, der vermeintlich Stärkere kann sich nicht erpressen lassen! Er wird bis zum umfallen kämpfen (zumindest seine Untertanen). Ja diese werden für seine Werte sterben, ihr Fürst, ihr Regierender, Vertreter ist ja der Stärkere und von daher der “Rechte” Inhaber.

    Die Destruktivität eines Krieges nimmt er in Kauf, ist Beiwerk einer schnörkellosen Realität.

    Dies waren zumindest die Slogans der Neocons der Vereinigten Staaten der 80er Jahre wie Charles Krauthammer, Paul Wolfowitz und Dick Cheney, Verfechter eines wirklichen Imperiums amerikanischer Tradition. Ein Zitat, welches Karl Rove zugeschrieben wird, ist im Kontext bezogen auf einen Text eines Journalisten, der sich auf die Prinzipien der Aufklärung und des Empirismus bezog: “So funktioniert die Welt nicht mehr wirklich. Wir sind jetzt ein Imperium, und wenn wir handeln, schaffen wir unsere eigene Realität. Und während Sie diese Realität studieren – mit Bedacht, wie Sie wollen – werden Sie wieder handeln und andere neue Realitäten schaffen, die Sie ebenfalls studieren können, und so werden sich die Dinge klären. Wir sind die Akteure der Geschichte … und ihr, ihr alle, werdet nur noch studieren, was wir tun.”

    Die europäische Geschichte lehrt uns aber etwas anderes: der “Westfälische Friede” war eine vernunftbegabte Conclusio eines 30 jährigem blutigen Desasters, nämlich den “Anderen”, den “Feind” zu respektieren und jede andere Form zivilisatorischer, gesellschaftlicher Version, Entwicklung neben sich neutral (ohne Überstülpung der eigenen Werte) gewähren zu lassen. Und dies nicht unbedingt in Form von Akzeptanz, sondern in Form von dualistischem Grundsatz: Der “Andere” hat ein Anrecht auf “seine Welt”, und man kann ihm nur diplomatisch, auf keinem Fall mit einem Messer begegnen.

  • Es liegt in der Luft

    Deutsche Chansons

    “Es liegt in der Luft” war der Titel einer berühmten Berliner Kabarett-Revue. Darin war nicht von Umweltverschmutzung die Rede. Das Problem war 1928 noch nicht akut. Die Dinge, die damals “in der Luft” lagen, waren anderer Art: was Erotisches, was Hypnotisches, eine Sachlichkeit, eine Stachlichkeit”, womit ja eindeutig geistige Strömungen in der Atmosphäre bezeichnet sind. Das Lied “Es liegt in der Luft” machte wie die Revue Sensation. Fünf Jahre lang trällerte, sang, summte es ganz Berlin. Dann, 1933, wurde es wie so viele andere Lieder, Bücher und Gedanken verboten. Aus der Distanz, die wir inzwischen zu jenem Zeitabschnitt gewonnen haben, erscheint das Lied nicht nur wie ein Hymnus, sondern schon wie ein Abgesang auf das brodelnde Berlin der legendären 20er Jahre, die die in einen Chronisten die “goldenen” und die anderen die “bitteren” nennen. Mehr noch: das Chanson “Es liegt in der Luft” klingt uns heute wie ein Motto für die ersten Kapitel deutscher Kabarettgeschichte.

    Die Geschichte des deutschen Kabaretts begann mit dem neuen Jahrhundert. Genau gesagt: sie begann am 18. Januar 1901. An diesem Tag, exakt 30 Jahre nach der Kaiserproklamation von Versailles, proklamierte Ernst von Wolzogen in Berlin das “Überbrettl”. Es sollte ein höheres Niveau als das “Brettl” haben, wie mann in Süddeutschland das Varité nannte und doch kein Theater sein. Wolzogen selbst – der sich zu seiner Idee von den Bohème-Cabarets aus dem Pariser Montmartre hatte anregen lassen – Detlev von Liliencron und Otto Julius Bierbaum schrieben Szenen und Verse, aus denen die jungen Komponisten Oscar Strauss und Leo Fall, noch ohne Operettenruhm und Operettenroutine, Chansons machten. Aber der literarische Hauch von Jugendstil, den Wolzogen seinen Creationen mit auf den Weg gab, war im Bierdunst der Vorstadkabaretts oder im Champagnerzwang der feineren Etablissements rund um die Friedrichstraße, wo man Wolzogens aristokratische Unternehmung nachahmte, rasch verweht. Hier wurde Amusement großgeschrieben. Erotik war Trumpf, Erotik im fleischfarbenen Trikot.

  • Was wollen wir?

    Im Jahre 12025: Was wollen wir damit anfangen, wollen wir Ihnen Schnurbärte machen und ihnen Säbel anhängen?

    Panzer zu Autos
  • Massenwahn und Aufrüstung

    Sie spielen mit dem Feuer.

    Die Aktien der Militärindustrie wie Moog Inc. (Class A), Northrop Grumman Corp., Rheinmetall AG, SAFRAN S.A. usw. steigen immens.

    Manfred Weber aus der EU, EVP Chef fordert die Umstellung in der EU auf Kriegswirtschaft.

    Die Bedrohungsphantasien steigern sich von Tag zu Tag und bestimmen zunehmend den Alltag. Hier einige Zitate, welche nachdenklich machen aber äußerst hilfreich für die Geschäfte der Rüstungsindustrie sind.

    “Bedrohungslage geht vor Kassenlage”, sagt Boris Pistorius.

    “Vielleicht ist dieser Sommer, der letzte den wir im Frieden erleben”, sagt Söhnke Neitzel, Historiker Militärgeschichte.

    “Wir befinden uns in der Vorkriegszeit. Wenn wir vom schlimmsten Fall ausgehen kann es dazu kommen das wir schon im kommenden Jahr einen größeren Krieg in Europa haben” sagt Gustav Gressel, Militärexperte und österreichischer Politikwissenschaftler.

    “Rüstungsinvestitionen sind Wachstumtreoiber” sagt Moritz Schularik, Ökonom, Präsident des Kiel-Instituts für Weltwirtschaft (IfW).

    “Deutschland ist neben Frankreich das klassische Wehrpflichtland” sagt Söhnke Neitzel.

    “Die Wehrpflicht muß wieder eingeführt werden und zwar für beide Geschlechter” sagt Joschka Fischer.

    Wenn man durch Überregulierung ganze Industrien schädigt, dann folgt Abstrusität. Mir kommt das alles vor wie das “Hurra” Geschrei vergangener Zeiten.

    Was ist der militärisch-industrielle Komplex?

    Der Ausdruck „militärisch-industrieller Komplex“ (MIC) beschreibt die Beziehung zwischen dem Militär eines Landes und der Rüstungsindustrie, die es beliefert. Beide werden gemeinsam als eine Interessengruppe betrachtet, die Einfluss auf die öffentliche Politik hat.

    „Miltärisch-lndustrieller Komplex”(MIK) wurde als Begriff von Präsident Dwight D. Eisenhower geprägt und ist fester Bestandteil soziologischer Analysen und ideologischer Auseinandersetzungen nach dem Zweiten Weltkrieg. Gut 20 Jahre vor Eisenhower war es bereits ein anderer amerikanischer Präsident, Franklin D. Roosevelt, der auf bedenkliche wechselseitige Beeinflussungen zwischen Militär und Industrie hinwies.

    Autos zu Rüstung. Wollen wir in Zukunft anstatt Autos Panzer bauen?

    Das rot/grüne Wirschaftswunder: Autoland zu Panzerland.

    Panzer zu Autos

    z.B. Aktienkurve Rheinmetall

    Rheinmetall Aktien

  • Der Tag, an dem das Geld an den Bäumen wachsen soll?

    Der deutsche Bundestag hat heute, an einem einzigen Tag, in der Summe so viel Schulden gemacht wie in der Summe Deutschland seit 1950 bis 2009 zusammen, 1 Billion €. Die sowieso schon immense Zinslast für die bisherigen Schulden wird sich weiter enorm erhöhen. Geplante Investitionen in Militär und NGOS werden keine Rendite bringen. Abgaben und Steuern werden für den Bürger massiv steigen. Und demnächst werden die Zinszahlungen wohl das Budget der ganzen Sondervermögen erreichen.

    Fakt ist, das die Insolvenzen steigen und immer mehr Menschen entlassen werden, ergo werden die Steuereinnahmen massiv sinken. Einsparungen im Staatshaushalt wären also hilfreich, aber man empfindet ja selbst klein Anfragen über die gezahlten Gelder an NGOS als Sakrileg.

    Wie hoch ist die Verschuldung von Deutschland und was ändert sich 2025?

    Zum Ende des dritten Quartals 2024 betrug die öffentliche Verschuldung Deutschlands etwa 2,49 Billionen Euro, was einem Anstieg von 1,8 % gegenüber dem Jahresende 2023 entspricht.

    Statistisches Bundesamt

    Im Jahr 2025 plant die Bundesregierung ein umfangreiches Finanzpaket in Höhe von 500 Milliarden Euro. Dieses soll in Bereiche wie Militär, Infrastruktur und Klimaschutz investiert werden. Das Paket beinhaltet die Schaffung eines Sondervermögens für Infrastrukturprojekte und eine Lockerung der bisherigen Schuldenbremse für die Bundesländer.

    DIE WELT

    Diese Maßnahmen führen zu einer Erhöhung der Staatsverschuldung, was Fragen zur langfristigen Tragfähigkeit der Staatsfinanzen aufwirft. Dennoch zeigen Finanzmärkte eine optimistische Reaktion, wobei weiterhin Reformbedarf besteht.

    The Guardian

    Kritiker warnen vor möglichen finanziellen Belastungen für zukünftige Generationen und fordern klare Pläne zur Sicherstellung von Wirtschaftswachstum und zur Bewältigung der steigenden Zinszahlungen.

    DIE WELT

    Für detaillierte und aktuelle Informationen empfiehlt es sich, die offiziellen Veröffentlichungen des Bundesfinanzministeriums und des Statistischen Bundesamts zu konsultieren.

    Wieviel Zinsen für Schulden hat Deutschland in den letzten Jahren gezahlt?

    In den letzten Jahren sind die Zinsausgaben Deutschlands aufgrund der veränderten Zinssituation deutlich gestiegen. Im Jahr 2021 betrugen die Zinsausgaben des Bundes etwa 4 Milliarden Euro.

    Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Im Jahr 2023 stiegen sie auf etwa 30 Milliarden Euro an.

    CrP Infotec Laut dem Bundesfinanzministerium lagen die Zinsausgaben im Jahr 2021 bei 0,7 % der Gesamtausgaben des Bundeshaushalts und stiegen im Jahr 2023 auf 8,2 % an.

    Bundesministerium der Finanzen Dieser Anstieg ist auf die ab 2022 erhöhte Zinssituation zurückzuführen, die die Refinanzierungskosten des Bundes erheblich beeinflusste.

    Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

    Bemerkenswert:

    Das gab es noch nie: Ein Mann, der noch garnicht zum Kanzler gewählt war, handelt mit Parteien, die die Wahl verloren haben, die größte Schuldenaufnahme in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland aus, und das in einem Bundestag der längst aufgelöst wurde. Ein Tag, der uns viel gelehrt hat.

  • Was bedeutet Demokratie?

    Niemand wird bestreiten, dass in einer Demokratie die Vertreter der Mehrheit das Recht haben, die Regierung zu bilden und in einer Vielzahl ihrer Themen ihre Vorstellungen durchzusetzen.

    Ein Wahlsieg sichert aber keine unbegrenzte Macht. Autokraten sind hierüber meist verblüfft, oft halten sie gerade die Gewaltenteilung für undemokratisch. Doch Demokratie ist eben nicht gleichbedeutend mit der Herrschaft der Mehrheit. Demokratie bedeutet Freiheit und Gleichheit für alle. Demokratie garantiert allen Bürgern bestimmte Freiheiten, die selbst eine Mehrheit ihnen nicht wegnehmen kann.

    Nehmen wir an, 51 Prozent der Wähler stimmen für eine Regierung, die in der Folge den übrigen 49 Prozent der Wähler (oder vielleicht auch nur einem Prozent) das Stimmrecht entzieht. Ist das demokratisch? Politischen Gegnern die Rechte zu nehmen bedeutet, einen lebenswichtigen Selbstkorrekturmechanismus demokratischer Netzwerke auszuschalten. Mithilfe von Wahlen kann das Netzwerk sagen: “Wir haben einen Fehler gemacht; probieren wir etwas anderes.”

  • Über die Mann’s und die Stadt Nizza

    Thomas und Klaus Mann über Nizza: Ein Blick aus 1930 und heute

    Nizza im Jahr 1930 aus der Sicht von Thomas Mann

    Es ist ein sonniger Nachmittag in Nizza, und die Strahlen der Wintersonne streifen die azurblauen Wellen des Mittelmeers, während die Eleganz der Promenade des Anglais den Charme der französischen Riviera widerspiegelt. Der junge Thomas Mann, damals 54 Jahre alt, schlendert entlang der Küste, von der sanften Brise umhüllt, und lässt sich von der Zeit und dem Licht dieser Stadt einnehmen. Für ihn ist Nizza zu dieser Zeit ein Ort der Zuflucht, eine Stadt, die sowohl im Schatten der Wellen als auch im Glanz der Sonne eine gewisse Melancholie zu tragen scheint.

    Nizza bietet Thomas Mann eine Zuflucht vor den Herausforderungen seines öffentlichen Lebens und seiner tiefen Auseinandersetzungen mit der deutschen Gesellschaft. In Nizza findet er eine besondere Art der Ruhe und das Gespür für die „Grenzen der Welt“, die er in seinen Werken beschreibt. Es ist ein Ort, an dem sich der Sturm der politischen und gesellschaftlichen Veränderungen Europas in seiner Wahrnehmung kaum spürbar macht. Nizza, die Stadt, die von der gehobenen Gesellschaft der Zeit geliebt wird, zieht auch den Schriftsteller an, der sich zwischen den Welten von Kunst, Gesellschaft und persönlicher Isolation bewegt.

    Die Altstadt von Nizza, mit ihren verwinkelten Gassen und dem Trubel der Märkte, scheint fast aus einer anderen Zeit zu stammen. Die Mischung aus italienischer und französischer Kultur, die in der Architektur und im Alltag sichtbar wird, hebt sich wohltuend von der getriebenen Atmosphäre der Großstadt ab. Thomas Mann, der mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus in Deutschland haderte, würde hier die Kontinuität einer Kultur erleben, die trotz aller Veränderungen eine gewisse Beständigkeit bewahrt hat. Die hohen Palmen, die zur Allee führen, der bunte Marktplatz und das gemächliche Leben vermitteln dem Schriftsteller eine Welt, die im Vergleich zur deutschen politischen Spannung fast als heilsam erscheint.

    Nizza aus der Sicht von Klaus Mann heute

    Klaus Mann, der die Erfahrungen seines Vaters in dieser Stadt sicherlich auch geteilt hat, betrachtet Nizza heute aus einer sehr anderen Perspektive. Für ihn, der sich mit seiner eigenen Identität und der gelebten Geschichte auseinandersetzt, ist Nizza mittlerweile ein Symbol des Wandels und des globalen Kapitalismus, der in den letzten Jahrzehnten in der Stadt Einzug gehalten hat.

    Die mediterrane Sonne ist noch immer präsent, doch die Straßen von Nizza, die im Jahr 1930 eine gewisse Intimität und französische Eleganz ausstrahlten, haben sich verändert. Klaus Mann würde heute die breiten, glitzernden Boulevards der Stadt durchqueren, die jetzt von internationalen Hotelketten und luxuriösen Geschäften gesäumt sind. Die schimmernde Promenade des Anglais ist nach wie vor ein Höhepunkt der Stadt, doch die Atmosphäre ist weniger von der klassischen europäischen Ruhe geprägt und mehr von einem internationalen, globalisierten Flair.

    In den letzten Jahrzehnten hat sich Nizza, das einst ein Rückzugsort für Künstler und Intellektuelle war, zunehmend zu einem Zentrum für den Massentourismus entwickelt. Die Ankunft zahlreicher Touristen, die nach dem mediterranen Traum suchen, hat die Stadt verändert. Die traditionellen Cafés und Boutiquen, die für Thomas Mann einst so verlockend waren, sind nun oft durch kommerzielle Angebote ersetzt worden, die die authentische Atmosphäre verdrängen. Nizza scheint heutzutage, besonders für junge Menschen, eher ein Ort der flüchtigen Begegnungen als der tiefgründigen Reflexion.

    Doch in Klaus Manns Augen ist dies vielleicht nicht nur ein Verlust, sondern auch ein Hinweis auf die Unaufhaltsamkeit der Veränderung. Die Stadt ist mehr denn je ein Spiegelbild der modernen Welt, in der sich die kulturelle Identität ständig im Wandel befindet. Das, was einst als Ruhepol galt, ist heute ein globaler Treffpunkt, an dem Kultur und Kommerz miteinander verwoben sind. Für Klaus Mann, der in seiner Schriftstellerei mit den Themen Identität, Kunst und gesellschaftlicher Veränderung ringt, könnte dies ein besonders faszinierender Aspekt Nizzas im Jahr 2025 sein.

    Nizza: Ein Ort der Kontraste

    Die Stadt Nizza bleibt ein Ort der Spannung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Für Thomas Mann war sie ein Refugium der Ruhe und des reflektierten Lebens, ein Ort der Flucht vor der politischen Unruhe in Deutschland. Für Klaus Mann, der heute eine globalisierte, technisierte Welt erlebt, ist sie ein Sinnbild der Veränderungen, die die Welt erfasst haben. Nizza hat sich von einem ruhigen Rückzugsort zu einem pulsierenden internationalen Zentrum entwickelt, das die Veränderungen der letzten hundert Jahre widerspiegelt. Doch trotz aller Modernisierung und Veränderung bleibt das Meer, der Himmel und die „Seele der Stadt“ ein konstant beglückendes Erlebnis, das sowohl Thomas als auch Klaus Mann, wenn auch auf sehr unterschiedliche Weise, inspiriert hätte.