Autor: stralsund

  • Wider den Gottesdienst der Kriegstreiberei

    Er wuchs in den Vororten von Washington D.C. auf, wo seine Familie bis heute lebt. Aber seit seiner Rückkehr aus dem Krieg springt er zwischen Washington und dem Süden hin und her. 2011 – sieben Jahre nach seiner Rückkehr aus dem Irak. – ist er schließlich in Savannah gelandet, weil ihn in Washigton oder Nordvirginia die Angst umtrieb, dass es dort zu viele Araber auf den Straßen gebe. Überall witterte er sie dort, fühlte sich ständig von ihnen umzingelt. Seine Vergangenheit als berüchtigter Experte für Leibesvisitiationen und Verhöre in amerikanischen Gefängnissen in Afghanistan und Irak nährt seine Angst, dass ihm nun aus jeder Ecke Vergeltung droht.

    Seine Zeit als Verhörleiter, zuerst im Bagram-Gefängnis in Afghanistan und später, und noch schmerzlicher, in Abu Ghraib – dem höllenähnlichsten Ort, den Damien Corsetti je auf Erden sah – hat etwas in ihm abgetötet. “Abu Ghraib: Wenn es je einen üblen Ort gab, dann den. Es war alles einfach nur Tod, beschissener Tod. Dieser Ort hat jeden, der dort war, verändert. Etwas Krebsartiges wucherte da.”

    Textauszug aus “Krieg um jeden Preis” von James Risen.

    Krieg um jeden Preis, über Gier, Machtmissbrauch und das Milliardengeschäft mit dem Kampf gegen den Terror.

    Trommler und Krieg
  • Song “Zwischen Seiten und Zeiten”

    🎵 Titel: “Zwischen Seiten und Zeiten (Exlibris Insel)” 🎵
    Strophe 1:
 Zwischen Gleisdreieck und Viktoriapark,
find’ ich Ruhe in gedruckten Reisen.
Ein Laden wie ein stiller Traum,
aus Geschichten wächst hier ein Bücherbaum.
    Regale flüstern leise Namen,
von Klassik bis zu wilden Dramen.
Ob Rarität, ob Taschenbuch –
hier wird jede Zeile zum Besuch.
    Refrain:
Oh Exlibris, meine Insel in Berlin,
zwischen Seiten kann ich alles sein.
Alte Schätze, neue Träume,
Poesie in stillen Räumen.
Exlibris – wo die Zeit still steht,
und mein Herz mit jedem Buch weitergeht.
    Strophe 2:
Kunstbände, Vinyl im Regal,
Grafik, Lyrik – keine Wahl ist banal.
Ein bisschen antiik, ein bisschen neu,
dieser Ort macht jeden Bücherfreund frei.
    Ein Café nebenan, Duft von Papier,
ich bleib’ noch ‘ne Stunde oder vier.
Philosophie im Taschenformat,
und plötzlich wird der Alltag zart.
    Refrain:
Oh Exlibris, meine Insel in Berlin,
zwischen Seiten kann ich alles sein und fliehn.
Alte Schätze, neue Träume,
Poesie in stillen Räumen.
Exlibris – wo die Zeit still steht,
und mein Herz mit jedem Buch weitergeht.
    Bridge:
Hier verliert man sich und findet Sinn,
in Eselsohren und Gedankenspinn’.
Zwischen Zweitverwertung und Kultur,
lebt Literatur in ihrer reinsten Spur.
    Letzter Refrain (mit Steigerung):
Oh Exlibris, meine Insel in Berlin,
wo Geschichten wie der Wind durch Seiten ziehn.
Unterm Staub liegt pure Magie,
jede Zeile wie Symphonie.

  • Sozio technische Entwicklungen aus dem Jahre 2016

    Sozio-technische Entwicklungen – Erwartungen an den Cyberspace – Der Geist des Internet – Bionische Engel – Teilhabe an Gewinnen geschöpfter Energie – Blockchain – Open Data / Open Access – MOOCs – Maker Faires

    Sozio-technische Entwicklungen – Erwartungen an den Cyberspace – Der Geist des Internet – Bionische Engel – Teilhabe an Gewinnen geschöpfter Energie – Blockchain – Open Data / Open Access – MOOCs – Maker Faires. Der frühe Geist in der wilden Phase des ursprünglichen Internet wird assoziert mit einem kooperativen sozialen Raum, einer Tauschökonomie für Software und Information, einer graswuzelbasierten Selbstorganisation sich entwickelnder Communitys und einem Hackergeist, der jede Beschränkung des Zugangs und des freien Informationsflusses zu umgehen weiß.

    In den 1980ern filmte ich mit großen Video-Umatic Systemen meine Umwelt. Brecht´s Radiotheorie bekam eine Form. Jeder konnte jetzt filmen und über eingerichtete „Offene Kanäle“ mit festen Sendeplätzen seine Projekte im Bürgerfernsehen publizieren.

    Als dann das Usenet, die Mailboxen, die Bulletin Board Systeme hinzu kamen, versprach all dies einen emanzipatorischen Fortschritt in der Kommunikations- und Machtstruktur jener Zeit. Man träumte von einer horizontalen und nicht vertikalen Demokratie. Dies alles beförderte eine Euphorie in den 1990ern, die an einer gerechteren Welt jeden zur Mitarbeit aufrief. Der gesellschaftspolitische Alltag zog in das Internet.

    Es war dann ein Buch von Gundolf S. Freyermuth: „Cyberland aus dem Jahre 1996“, welches mich in die digitale Welt hineinzog. Freyermuth beschrieb eine kalifornisch utopische Energie, einen Willen, sich selbst und das eigene Leben neu zu erfinden. Und das Kommunikations-Werkzeug hierfür sollte nach den Drogenerfahrungen und einhergehenden Bewußtseinserfahrungen der Hippies, nun das Internet werden.

    Über Jahrhunderte zog die „Neue Welt“ die Menschen an, weil sie dem Einzelnen und unterdrückten Minderheiten sowie politischen Utopisten und religiösen Sekten einen Neuanfang bot. Hier war die Sehnsucht nach Veränderung und Abenteuer stärker als der ängstliche Wunsch nach Erhalt des Erreichten. Und hier bereiteten die zahlreichen Subkulturen und avantgardistische High-Tech-Pioniere die Eroberung des Cyberspace vor. Es kursierten Begriffe wie Gehirnhacking, Körperhacking, Bionische Engel, Cyborgs, Cyberpunks.

    Heute wird gehackt, was nicht bei 4 auf den Bäumen ist. Gehackt werden soll die Denkfähigkeit durch Gehirn-Upgrades und Vernetzung (Brain Hack). Gehackt werden sollen die Sinne (Sensory Hack), indem das Vorhandene gesteigert oder modifiziert wird – besser sehen, hören, riechen sowie Ohren und Nasen, die sich schließen lassen – oder, indem ganz neue Wahrnehmungsbereiche eröffnet werden: Sinne für andere Frequenzen, Schallwellen, Radar oder Radiaktivität.

    Diese Utopie des Cyberland, damals quasi gedacht als eine Parallelwelt zu unserer vorhandenen Welt, war noch nicht im Focus ökonomischer Prioritäten. Die Grabber AOL, Facebook usw. gab es noch nicht. Man befand sich im Wildwest der sozio-technischen Evolution und in Deutschland war man mit seiner geschulten Medienkritik recht gut positioniert gegenüber den Denkstrukturen des Silicon Valley.

    Es waren zu jener Zeit Organisationen aus Kunst und Kultur, die an der Programmierung von Webportalen gearbeitet haben. Interessant sind hier z.B. „De Digitale Stad Amsterdam“ aus dem Jahre 1994. Die DDS wurde von einem Kulturzentrum und einem Hackerkollektiv ins Leben gerufen. Der Grund für die Initiative waren grade stattfindende Kommunalwahlen in Amsterdam und man erhoffte sich über die neuen Informationssysteme einen regen Diskussions-Austausch aller Beteiligten.*1

    Ein anderes interessantes Projekt war „Die internationale Stadt“, gegründet von einer Berliner Kunstinitiative aus dem Jahre 1995.*2

    Und, wo liegt nun der Geist des Fortschritts, die Idee des Mensch-Seins und des Sharing? Wie können wir Menschen die neuen Technologien nicht einzeln und egoistisch als Gadgets nutzen, sondern als Gesellschaft an den neuen Möglichkeiten partizipieren?

    Heute möchten datengetriebene Technologiemodelle uns „The paradise of human beeings“ bescheren. Mittlerweile weiß aber wohl jeder, auch ohne Gadget Messung, daß es zu viele Emmissionen von zu vielen Dreckschleudern gibt. Die Mess Spots erfüllen nur noch, -ja welche Zwecke eigentlich?

    Blockchain / Dokumentation von Geld und Besitz

    Vor Jahren haben wir schon einmal über „das Geschäftsmodell der Banken“ und das digitale Geld anhand des Bitcoin, einer Kryptowährung, gesprochen. Zur Zeit hat dieses Thema wieder Hochkonjunktur. Der Code des Bitcoin basiert auf der sogenannten „Block Chain“. Mit dieser Technologie wird bei jedem Besitzerwechsel dem transferierten Geld ein neuer Codeschnipsel angehängt (von daher der Begriff Block) um eben diesen Artikel zu referenzieren und einwandfrei bisher stattgefundene Besitzerwechsel zu dokumentieren. Dieser Code wird dezentral auf verschiedenen Servern gespeichert. Der eigentlich umwerfende Aspekt ist hier zum einen, daß man den angehängten Code nur bis zu 24 Millionen Bitcoins realisieren kann, die Geldmenge wäre dann also gedeckelt. Der andere interessante Aspekt der Nutzung der „Block Chain Technologie“ ist die mögliche Verwaltung der Eigentumsnachweise und Dokumentantion von Besitzerwechseln wie bei Hausbesitz, Urkundenbesitz, Testamente, Patentverzeichnisse usw. usf. Die Speicherung der „Block Chain“ Daten läuft dezentral. Jede zentrale Speicherung von Daten, wie sie z.B. Banken über das Geld und die Kunden ausüben, wäre dann obsolet. Die Banken wissen das mittlerweile auch und arbeiten in einem Konsortium an eigenen digitalen Währungen und sammeln und kaufen hierfür fleißig Patente.

    Opendata und Open Access

    Auf http://www.mundraub.org werden auf einer Karte Obstbäume, welche der Allmende zuzurechnen sind und die von daher von jedem beerntet werden können, verzeichnet.

    In Berlin gibt es schon einige wenige Opendata Applikationen unter http://www.daten.berlin.de zu sehen. Open Data legt einfach die API’s / Schnittstellen offen, so daß jeder bereits erstellte Datenbanken benutzen kann. Ein Beispiel wäre hier die Visualisierung der Verbrauchsdaten der Berliner Bezirke von Strom. Hier kann man einen Bezirk, z.B. Berlin Mitte aufrufen und sieht dann die Daten für z.B. Erzeugte Energie, Verbrauch absolut, Einwohnerzahl, Verbrauch pro Einwohner usw.

    In Wien entwickelt man das Open Access Network Austria (OANA). Diese schreibt: „Wissenschaft ist ein öffentliches Gut, das erst durch Teilen und Weiterverwendung nutzbar wird.[]Da die digitale Revolution es ermöglicht, viele Informationen von jedem Ort und jeder Zeit zugänglich zu machen, ist es das Ziel von Open Access, alle wissenschaftlichen Publikationen frei im Internet zur Verfügung zu stellen. Hierfür gibt es auch eine Agenda. Auch die European Research Area (ERA) oder die Max-Planck-Gesellschaft entwickeln hierzu Roadmaps.

    Wenn man über Open Data spricht, muß man über die Diskrepanz von freien Zugängen zu Datenbanken mittels freier API’s und über die alten Geschäftsmodelle, Wissen und Erfindungen geheim zu halten, sprechen. Große Konzerne, z.B. die aus der Pharmaindustrie, haben durch z.B. in Deutschland geeignete Rechtsmodelle, Erfindungen, die oft über die staatlichen Universitäten erarbeitet wurden, über lange Zeit zu monetarisieren gewußt. Länder wie Indien konnten das über Druck teilweise reduzieren, Länder wie Deutschland befinden sich in der Falle. Zumal mittlerweile auch einzelne Pharma Konzerne öffentlich zugeben, daß Forschung und Entwicklung nicht mehr in ihren Bereich gehören, sondern das diese outgesourct werden müssen. Hier sollten generell einige neue Fragen gestellt werden.

    Heute, im digitalen Zeitalter werden all diese Problematiken wieder neu besprochen. Man fragt sich, ob das Geschäftsmodell wissenschaftlicher Verlage noch zeitgemäß ist? Die OANA ( Open Access Network Austria) in Österreich möchte bis 2025 die gesamte wissenschaftliche Publikationstätigkeit auf Open Access umstellen. Das bedeutet, daß alle wissenschaftlichen Publikationen, die aus Unterstützungen mit öffentlichen Mitteln hervorgegangen sind, ohne Zeitverzögerung und in der finalen Version im Internet frei zugänglich sind. Die notwendigen Mittel werden den AutorInnen zur Verfügung gestellt, – oder die Kosten der Publikationsorgane werden direkt von den Wissenschaftsorganisationen getragen. Österreicher erhalten erstmals ein grundsätzliches Recht darauf, mit Steuergeldern finanzierte Dokumente für eigene Zwecke zu gebrauchen. Im Juli 2015 trat eine Nouvelle des Informationsweiterverwendungsgesetzes in Kraft, das die Nutzungvon Dokumenten regelt, die sich im Besitz öffentlicher Stellen befinden.

    Bildung und MOOCs

    Wie der Erziehungswissenschaftler Sugata Mitra 2013 einmal über die Geschichte der Lernmethodeen referierte, beschrieb er einmal die zu Zeiten des britischen Empire ausgeübten schulischen Ziele: eine gute Handschrift, weil alle Daten mit der Hand geschrieben wurden, sie mußten lesen können, und sie mußten in der Lage sein, im Kopf zu multiplizieren, zu dividieren, zu addieren und zu subtrahieren. Es wurde für den globalen bürokratischen Verwaltungsapparat ein Schule benötigt, um einen globalen Computer aus Menschen zu schaffen.

    Heute gibt es MOOCs (Massive Online Open Courses) – offene Online-Kurse für alle. Hier können die besten aller Lehrer ihre Lehre betreiben und in Schulen können hierzu dann die Besprechungen und Hausaufgaben ablaufen.

    So hatte das berühmte MIT (Massachussets Institute of Technology) einmal einen Kurs mit Prüfung weltweit online gestellt, und die 400 besten Teilnehmer waren dann gar nicht mehr vom MIT selbst, sondern es waren Menschen die online dazu gestoßen waren.

    Maker Faires

    Hacker-, DIY- (Do It Yourself) und Maker-Kulturen sind in den Mainstream eingegangen. Ihre Formate und Methoden gelten mittlerweile als “moderne” Aspekte vieler Politik-, Kultur- und Bildungsprogramme. Dieser Umbruch zeigt sich auch im Wiederaufleben von Craft-Kulturen und im Aufkommen neuer Formen kritischen und aktivistischen Designs als mögliche Gegenpole. All diese Praktiken haben jedoch nie isoliert existiert: Eingebettet in größere soziokulturelle, ökonomische und politische Kontexte haben sich Hacker-, DIY- und Maker-Kulturen schon immer gegen vorherrschende Narrative des Marktes positioniert.

    Transmediale 2016 und Kunsprojekt Autonomy Cube

    Hier noch ein Anmerkung zur diesjährigen Transmediale, dem Mediumkunst-Festival im Haus der Kulturen der Welt. Hier heißt es: Angesichts zahlreicher Probleme und globaler Krisen müssen wir uns fragen, wie eine Gesprächskultur im digitalen Zeitalter aussehen kann? Im internationalen Wettbeweb zwischen Staaten, Unternehmen, Netzwerken und Individuen werden wichtige globale Angelegenheiten auf Worthülsen reduziert. Die Macher der Transmediale sagen: wir sprechen von Flüchtlingskrise, Finanzkrise, Klimawandel, Big Data, dabei ist längst nicht klar, worüber wir reden. Wie tauscht man in einer global vernetzten Medienwelt Argumente und Ansichten über komplexe Sachverhalte aus? In Zeiten sich überlagernder Krisen möchten viele Menschen aktiv werden. Aber wie? Die Ambivalenz zwischen Tatendrang und Resignation bildete den inhaltlichen Nährboden der Transmediale 2016. „Anxious to Act, Anxious to Make, Anxious to Share, Anxious to Secure“ (bestrebt zu handeln, bestrebt zu kreiren, bestrebt zu teilen, bestrebt zu sichern), so formulierten es die Veranstalter. Der Drang zu handeln und zu teilen ist groß, gleichzeitig wissen wir nicht, wie wir es richtig machen können, ohne etwa Großkonzernen in die Hände zu spielen.

    Zum Abschluss noch eine Bemerkung zum „Autonomy Cube“ Projekt von Tevor Paglen und Jakob Appelbaum. Sie bauten einen transparenten Cube mit 4 Rechnern und einem offenen Wifi-Hotspot. Implementiert wurde die Software TOR, welche eine Anonymisierung von Daten ermöglicht. Diese Skulptur wurde in Oldenburg 4 Monate im Edith-Russ-Haus ausgestellt und konnte auch praktisch als Einwahlknoten voll benutzt werden.

    Auswirkungen des Internet in den USA versus EUROPA im Jahre 2016

    Steven Hills, ein Fellower der American Academy in Berlin untersucht zur Zeit die Auswirkungen der Share Ökonomie. Ich selbst war damals begeistert von den ersten Mitfahrzentralen, war fasziniert davon, einfache materielle Dinge zu teilen. Und heute?

    Steven Hills beobachtet die Unternehmen, die meist nur eine Webseite und ein paar Apps haben und mit ihrem Mischmodell aus Technologie à la Silicon Valley und der Gier à la Wall Street ihre lukrativen Unternehmen aufgebaut haben. Dies sind Unternehmen wie „Uber“, „Upwork“ und „Task Rabbit“. Hier wird vorgegeben, daß jeder Mensch ein selbständiger Unternehmer, ein Geschäftsführer, ein Selbstständiger werden kann. Was früher von Unternehmen an Arbeit einfach in Billig Lohn Länder outgesourct wurde, wird heute mit Schein-Selbständigen im eigenen Land zum Billig-Lohn Tarif praktiziert. Und dieser Steven Hill möchte in seiner Studie den prekären Zustand von ¾ der Amerikaner, die mittlerweile sich nur noch in ihren Jobs von Gehaltsabrechnung zu Gehaltsabrechnung durchhangeln, vergleichen mit den Auswüchsen einer Sharing Ökonomy in einem Wohlfahrtsstaat mit einflussreicheren Gewerkschaften und stärkerer staatlicher Regulierung. Können wir Wohlstand erhalten, wenn unsere Wirtschaftssystem auf einseitigen Arbeitgeber-Arbeitnehmer Beziehungen basieren? Oder erfordert Wohlstand mehr Mitbestimmung zwischen den Akteuren?

    Die Versicherung Generali

    Der Versicherer plant das Sammeln von Gesundheitsdaten per App. Die Generali-Gruppe steigt ins Telemonitoring ein und kooperiert dazu mit dem südafrikanischen Versicherer Discovery. Die Südafrikaner haben das Gesundheitsprogramm Vitality entwickelt. Kunden, die auf Fitness, Lebensstil und Ernährung achten, werden mit Gutscheinen, Geschenken und Rabatten belohnt. Die Daten werden mittels App an den Versicherer übermittelt. So sollen beispielsweise Vorsorgetermine dokumentiert, Schritte gezählt und sportliche Aktivitäten gemessen werden.

    Generali selbst beschreibt Vitality so: Mit Generali Vitality bieten wir zukünftig eine Produktoption für die stetig wachsende Gruppe gesundheitsorientierter Menschen an. Die Vitality-Produkte unterstützen die Kunden auf für sie nachvollziehbare Weise dabei ein gesünderes Leben zu führen. Von der Idee her vergleichbar mit den Bonussystemen von Krankenkassen wird eine gesunde Lebensweise gefördert und belohnt, indem der Kunde beispielsweise Vergünstigungen (bei der Mitgliedschaft im Fitnessstudio, beim Kauf von Sportausrüstungen und gesunden Lebensmittel) oder Bonuspunkte erhält. Innovativ ist an dem Modell, dass es ganzheitlich ist, d.h. vom Gesundheits-Check über die Vergünstigungen bis zu Bonuspunkten geht und dass dabei auch digitale Anwendungen zum Tragen kommen, die eine intuitive und für den Versicherten einfache Nutzung ermöglichen.

    Kunden erhalten Prämiennachlässe

    In der ersten Stufe erhalten Versicherte die genannten Vergünstigungen, in einer zweiten Stufe sollen auch Prämiennachlasse beim Versicherungsschutz möglich sein. Damit ist Generali der erste große Versicherer, der Ernst macht mit „Big Data“. Nach Medienberichten sollen auch Allianz, Axa und weitere an ähnlichen Projekten arbeiten. Vorreiter dieser Entwicklung ist der US-amerikanische Krankenversicherer United Healthcare. Dort erhalten Versicherte nach entsprechendem Nachweis schon seit Jahren Preisnachlässe. „In Europa werden die Produkte zunächst in Deutschland, Frankreich und Österreich erhältlich sein und die Märkte dann sukzessive ausgeweitet. Weltweit ist der Kooperationspartner bereits in vielen Ländern aktiv, darunter Südafrika, USA, China, England, Australien und Südostasien“, sagt Generali-Unternehmenssprecherin Silvia Lorger-Michel.

    Bedenken hinsichtlich Datenschutz

    Hierzulande erntet das Vorhaben deutliche Kritik. Verbraucherschützer wie Peter Grieble von der Verbraucherzentralen Baden-Württemberg verweisen auf das Manko hinsichtlich Datenschutz. Der Kunde wisse gar nicht, wie seine Daten im Konzern verarbeitet werden und wer Zugriff darauf habe. Einige Kommentatoren in Publikumsmedien mokieren zudem, dass so das Prinzip der Versicherung ad adsurdum geführt werde. Denn es werden nicht mehr verschiedene Risiken zwischen vielen Kunden und über die Zeit ausgeglichen, sondern die Versicherer versuchen so die „guten“ Risiken für sich zu gewinnen und der Konkurrenz die „schlechten“ Risiken überzuhelfen. Ein Trend, der bei genauerer Betrachtung wahrlich nicht neu erscheint. Felix Hufeld, oberster Versichungsaufseher bei der BaFin, sagte in der Süddeutschen Zeitung: „Wenn wir den Gedanken zu Ende denken, kann das letztlich zu einer Atomisierung des Kollektivs führen.“ Und auch Schriftstellerin Juli Zeh schaltet sich in die Debatte ein: „Wir werden manipulierbar und unfrei“. Sie sieht totalitäre Strukturen im Gewand von Serviceangeboten. Von Zeh ist der Roman „Corpus Delicti“, der vor der Problematik einer Gesundheitsdiktatur in naher Zukunft warnt.

    Anhang

    *1. „Was ist eine ‚digitale Stadt‘? von Gert Lovink: http://thing.desk.nl/bilwet/Geert/Aufsaetze/dds.txt

    Digitale Staedte oder ‚Freenets‘ sind frei zugaengliche, kostenlose
    Informationssysteme innerhalb des Internets. Es handelt sich dabei um eine
    lokale Sammlung ‚virtueller Gemeinschaften‘ (Rheingold), wobei das gemeinsame
    Interesse die geografische Lage und die Muttersprache ist. Seit Januar 1994
    gibt es in Amsterdam eine solche digitale Stadt. Sie wurde von „De Balie“
    gegruendet, einem Zentrum fuer Politik, Theater und Kultur, sowie der
    „Hacktic“-Gruppe (Computerhacker, die den ‚XS4all‘ Internetserver betreiben).
    Das Ziel war anfaenglich, ein Experiment durchzufuehren, welches das Verhaeltnis
    zwischen den Buergern und dem Bereich der Politik im elektronischen Zeitalter
    untersucht. Anlass waren die Wahlen des Gemeinderats. Bald ging die
    Entwicklung dahin, die Diskussion ueber die Planung der ‚Datenautobahn‘ in
    Holland voranzubringen.
    Fuer viele war ‚dds‘ die erste Bekanntschaft mit dem Internet. Das System
    brach aufgrund des grossen Zuspruchs bald zusammen. Mittlerweile hat
    dds-Amsterdam 20.000 ‚Bewohner‘ und bis zu 4000 log-ins pro Tag. Seit Oktober
    1994 laeuft das System ueber das World Wide Web und die Bewohner haben die
    Moeglichkeit, eigene Homepages zu gestalten. Die Version 3.0 (Juni 1995) legt
    noch mehr Wert auf die individuelle Positionierung der einzelnen Benutzer, um
    das wachsende System weiter zu differenzieren.
    Im folgenden Text werden eine Anzahl von Alternativen und Dilemmas
    dargestellt, um so, ohne Einfuehrung, gleich einen Eindruck davon zu geben,
    welche Fragen sich bei der Planung oeffentlicher Netzsysteme ergeben.

    Kein elektronisches Kaufhaus, sondern Public Domain

    Die digitale Stadt ist kein in sich geschlossenes Einkaufszentrum oder
    Ladenpassage. Sie ist ein oeffentlicher Raum, der zwar Zugang zu kommerziellen
    Systemen oder Diensten ermoeglicht, selbst jedoch keine Waren aufnoetigt oder
    Mautgebuehren an den Zugangspforten erhebt. So wie es nichts kostet, auf der
    Strasse zu laufen, muss auch der Zugang zur Digitalen Stadt frei sein. Es
    herrscht das Recht der freien Meinungsaeusserung. Man kann sich ueber die
    ‚Strasse‘ in ein anderes System einloggen, in dem man fuer Information bezahlen
    muss, aber der oeffentliche Raum im Netz hat damit nichts zu tun. Wenn dieser
    grundlegende Unterschied zwischen oeffentlichem Raum und Privatheit nicht
    gemacht werden kann, gibt es keine Existenzberechtigung mehr fuer eine
    digitale Stadt und sie wird ein Computernetzwerk wie alle anderen. Eine
    digitale Stadt kann zwar ‚Verkaufsraum‘ vermieten, darf aber nicht darauf
    reduziert werden. Kommerzielle Systeme dagegen werden sich von Natur aus
    nicht mit dem Problem befassen, ob sie ein ‚Aussen‘ haben. Sie werden
    hoechstens Werbung fuer andere machen, indem sie ihnen die Moeglichkeit geben,
    eine Anzeige zu plazieren.
    Laut Joost Flint, zusammen mit Marleen Stikker einer der Koordinatoren, ist
    die Digitale Stadt sowohl eine Antwort auf die drohende Kommerzialisierung
    des Netzes, als auch ein Trendsetter. „dds schafft keinen Markt. In dieser
    Hinsicht sind wir Hippietouristen, die ein Fernes Land kennenlernen. Ich
    hoffe, dass Die Digitale Stadt ein Raum fuer nicht-kommerzielle Information
    bleibt, mit Gratiszugang und Moeglichkeiten, die man in kommerziellen Systemen
    nicht hat. Es ist angenehm fuer Menschen, zu wissen, dass sie nicht
    ‚gemonitort‘ werden. Jeder Schritt, den man in einem anderen Internetsystem
    tut, wird registriert. Die Information wird an eine Direkt-Marketing-Agentur
    verkauft. Privacy wird ab einem bestimmten Zeitpunkt ein Thema werden.

    *2. „Die digitale Stadt ist eine Metapher“

    Rob van der Haar ist einer der Designer des Interface fuer Die Digitale Stadt
    3.0. In einem Vortrag mit dem Thema ‚Die Stadt als Metapher‘ fuehrt er aus:
    „Warum sollte man einer elektronischen Umgebung den Namen ‚digitale Stadt‘
    geben? Zunaechst einmal, weil er als Metapher dienen kann, er erklaert
    unbekannte Dinge anhand von bekannten. Das Verhalten der elektronischen Stadt
    wird daher mehr oder weniger an das Bild (mentales Modell) anschliessen
    muessen, das die Zielgruppe von einer wirklichen Stadt hat. Das bedeutet nicht
    automatisch, dass eine digitale Stadt eine exakte Kopie einer wirklichen Stadt
    werden muss. Im Gegenteil, Phantasiestaedte wie Disneyland und symbolische
    Staedte wie ‚The Legible City‘ des Kuenstlers Jeffrey Shaw sprechen die
    Phantasie viel mehr an. In manchen Punkten darf eine digitale Stadt durchaus
    vom Erwartungsmuster des Benutzers abweichen, gerade Ueberraschungen und
    Entdeckungen laden ein, die Stadt oefter zu besuchen.“
    Ein Teil des Erfolgs der Digitalen Stadt ist sicher ihrem Namen zu verdanken.
    Die Stadtmetapher foerdert nicht nur die Wiedererkennbarkeit, es ist vor allem
    eine produktive Formel, welche sowohl die Phantasie der Macher, als auch der
    Benutzer reizt. Die ‚Stadt‘ zieht Ideen an und provoziert dazu, wilde Plaene
    zu schmieden. Diese Metapher erlaubt sowohl die Arbeit an einem strikten,
    uebersichtlichen Plan, in dem Funktionalitaet und Benutzerfreundlichkeit
    dominieren, als auch an einem Labyrinth von Gassen und kleinen Strassen, in
    denen sich dunkle, illegale, abenteuerliche Dinge abspielen. Eine Stadt kann
    so reich (und so arm) sein wie das Leben. Ausschlussmechanismen koennen
    aufgrund der zielbewussten Komplexitaet der Struktur nicht effektiv
    durchgefuehrt werden. Die Unuebersichtlichkeit schuetzt die Bewohner gegen die
    destruktiven Seiten der Transparenz und der Allgegenwaertigkeit. In der
    Computerterminologie bedeutet das, dass der kuehle, kalte High-Tech durch
    menschliche Exzesse und nichtvorgesehene Abweichungen gemildert wird. Neben
    dem Rathaus muessen auch der Sexshop und der Koffieshop ihre Annehmlichkeiten
    anbieten koennen. Man kann in die Schule gehen, aber auch schwaenzen. Die
    Digitale Stadt muss nicht per se sauber und gesund zu sein. Es muss auch
    anonyme Plaetze geben. Das System wird staendig umgebaut, mit laestigen
    Baustellen und aufgebrochenen Strassen. In der Literaturkritik ist die
    Metapher ein vertrautes Problem. Es ist an der Literaturwissenschaft, dieses
    Wissen in den Cyberspace zu verpflanzen und den Metaphergebrauch innerhalb
    von Systemen wie Die Digitale Stadt einer kritischen Untersuchung zu
    unterziehen. Die Stadtmetapher erscheint im Cyberspace zu einem Zeitpunkt, in
    dem es mit der Stadt Amsterdam als Verwaltungseinheit endgueltig vorbei ist,
    und die Stadt sich in der Region („ROA“) aufloest. Selbst in der reaktionaeren
    Vorstellung des Stadtstaates sehen wir, dass die Stadt sich als eine
    verdichtete Infrastruktur redefiniert, zu der auch die weitentfernten
    Aussenbezirke, Flughaefen, Industriegebiete, edge cities, Autobahnen,
    Handelszentren und Randgemeinden gerechnet werden. Die fruehere Stadt dagegen
    hatte eine deutliche Grenze (und Identitaet). Die digitale Stadt kann nun als
    zurueckgekehrte Metapher einen gewissen Schutz gegen die hochaufloesende
    Faehigkeit der neuen Technologien bieten. Sie hat neben utopischen auch
    nostalgische Zuege. Sie will den vergangenen Glanz der Stadt wieder zum Leben
    erwecken, nicht indem man gebaute Umgebung mit postmodernen Fassaden versieht
    oder die Bewachung verstaerkt, sondern indem man die Kuenstlichkeit konsequent
    ausbaut: digitaler Konstruktivismus.

    http://thing.desk.nl/bilwet/Geert/Aufsaetze/dds.txt
    http://www.digitalcraft.org/?artikel_id=249
    http://www.digitalcraft.org/dateien/358_0730164807.pdf

  • Neutralitätsstudien

    Ein Beitrag von Nel Bonilla.

    wenn Sie über mein kürzlich geführtes Interview mit Pascal Lottaz zum Thema Neutralitätsstudien hierher gelangt sind, danke ich Ihnen. Ich bin Ihnen sehr dankbar für Ihr Interesse an diesen Themen, die leider von Tag zu Tag dringlicher werden.

    Ein paar Worte zu meiner Person und was Sie von Worldlines erwarten können:

    Meine Ausbildung in Humangeographie, Migrationsstudien und Soziologie fließt in meine Analyse der Art und Weise ein, wie Systeme – und nicht nur Individuen (obwohl Individuen auch dazu gehören, aber meist als Teil größerer Gruppen) – globale Machtkonstellationen formen. Ich untersuche Elitenetzwerke, strukturelle und organisierte Gewalt und die verborgene Maschinerie der Geopolitik, manchmal mit dem Schwerpunkt, wie Institutionen Loyalität und Konflikte erzeugen.

    Bei Worldlines untersuche ich die weitgehend unsichtbare Architektur der zeitgenössischen Geopolitik, die ihr zugrunde liegenden Schaltkreise, zum Beispiel durch:

    🔹 Elite Strategy: Die Institutionen, Stiftungen und Drehtürkarrieren, die privates Kapital in öffentliche Politik umwandeln.

    🔹 Wie Konflikte gestaltet werden: Warum Begriffe wie „strategische Mehrdeutigkeit“ und „Multidomänen-Kriegsführung“ Blaupausen für endlose Eskalation sind und keineswegs der Lösung von Konflikten dienen.

    🔹 Strukturelle Kontinuitäten: Die anhaltende hegemoniale Logik, die die Eindämmung des Kalten Krieges mit dem heutigen „Großmacht-Wettbewerb“ mit all seinen menschlichen und politischen Folgen verbindet.

    Mein Ziel ist es nicht, Schlagzeilen zu verfolgen, sondern die langfristigen Prozesse zu verstehen, die sie antreiben. Gelegentlich reagiere ich auf bestimmte Nachrichtenereignisse, aber immer mit einem strukturellen Blickwinkel.

    Vorgeschlagene Einstiegspunkte
    Je nach Interesse können Sie hier mit einigen Beiträgen beginnen:

    🔹Elite Capture & European Self-Destruction
    Warum transatlantische Netzwerke die EU-Politik gegen ihre eigenen Interessen vorantreiben. Und insbesondere, warum Deutschlands Energiearmut und Aufrüstungspolitik fast schon konstruierte Ergebnisse sind.
    🔹Der Mythos der transatlantischen Spaltung
    Die „Autonomie“-Debatten der EU, erklärt: Warum die „Gräben“ zwischen den USA und Europa meist nur Theater sind.
    🔹Der Plan für US-Drohnenangriffe in Mexiko
    Ein Blick darauf, wie nominell neutrale Länder in der unipolaren-multipolaren Konfrontation ins Visier genommen werden.
    🔹Zölle als Belagerungsmaschinen
    Was der Zollkrieg gegen China über die langfristige Strategie der USA verrät.

    🔹Transatlantische Konvergenz: Frieden oder schlummernde NATO?
    Wie Europa im Rahmen einer neuen Einsatzdoktrin für den Krieg umgerüstet wird.

    🔹Das geopolitische Theater: Trump, die NATO und der Weg ins Jahr 2028
    Anzeichen dafür, dass die Eskalation kein Zufall ist, sondern Teil eines bewussten und inszenierten Kontinuums.

    🔹Warum unterstützen die regierenden Eliten schädliche Politiken?
    Eine Untersuchung des systemischen, ideologischen und institutionellen Drucks auf die Entscheidungsfindung der Eliten.


    Demnächst,
    Ich entwickle derzeit ein neues langes Stück mit dem Arbeitstitel:
    „Weaponizing Time & Uncertainty“. Darin wird untersucht, wie strategische Mehrdeutigkeit eingesetzt wird, um die Instabilität zu verlängern, was darauf hindeutet, dass globale permanente Spannungen das beabsichtigte Ergebnis sind. Natürlich wird dies noch viel ausführlicher erklärt und dargelegt werden.


    Ein Hinweis zu Rhythmus und Zeitplan
    Ich befinde mich in der Endphase meiner Doktorarbeit, daher erscheinen die wichtigsten Beiträge vorerst etwa alle drei Wochen. Sobald die Dissertation eingereicht ist, werde ich häufiger veröffentlichen und auch Fragen und Antworten, Forschungstipps und Beiträge hinter den Kulissen veröffentlichen. Dies sind historische Zeiten, und ich glaube, sie rechtfertigen eine sorgfältige und kritische Aufzeichnung.

    In jedem Fall bin ich besonders gespannt darauf, von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, zu erfahren, wie sich diese Analyse auf Ihren Kontext auswirkt (wo immer Sie sich in der Welt befinden). Teilen Sie Ihre Gedanken in den Kommentaren mit.

    https://substack.com/home/post/p-168426706

  • Wie umweltbelastend war die Sprengung von Nordstream?

    Die Sprengung der Nord Stream Pipelines hatte erhebliche Umweltauswirkungen, vor allem durch den Austritt von Methan und die Aufwirbelung von Sedimenten. Die freigesetzte Methanmenge wird auf 445.000 bis 485.000 Tonnen geschätzt, was zu einem erheblichen Beitrag zum Treibhauseffekt führt. Zudem wurden etwa 250.000 Tonnen mit Schwermetallen belastetes Sediment aufgewirbelt, was langfristige Auswirkungen auf das Ökosystem der Ostsee haben könnte.

    Wie viel Methan wurde durch Nord Stream freigesetzt?

    Das Leck gehört zu den größten jemals durch menschliche Aktivitäten verursachten Methanaustrittsfällen und ereignete sich, als die beiden Nord Stream-Pipelines Ende September 2022 brachen. Die Studie beziffert die wahrscheinliche Methanmenge, die aus den Gasleitungen unter der Ostsee austrat, auf 445.000 bis 485.000 Tonnen .

  • Kreativität 14.07.25

    In unserer Reihe Kreativität möchten wir heute die Künstlerin Suzy Sharpe vorstellen:

    Forschung & Inspiration

    Die Natur in ihrer wildesten und ungezähmtesten Form war schon immer meine größte Inspiration. Das Eintauchen in die Landschaft und das Beobachten der komplizierten Beziehungen zwischen Vögeln, Pflanzen und Tieren prägen meine kreative Praxis und erinnern mich an die tiefgreifende Rolle, die die Natur für die menschliche Existenz spielt. Durch meine Arbeit erforsche ich, wie Menschen und die natürliche Welt miteinander verbunden sind, und ich möchte zu einem tiefen Respekt für diese Beziehungen anregen.

    Ich stütze mich auf eine Vielzahl literarischer Gattungen und persönlicher Erfahrungen und erforsche in meiner kreativen Praxis die unterschiedlichen Arten, wie Menschen und nicht-menschliche Wesen die Welt wahrnehmen und erleben. Meine Arbeit soll zum Nachdenken anregen und eine aufmerksame Auseinandersetzung mit der Natur und der Landschaft im weiteren Sinne fördern. Ich untersuche den Einfluss geografischer Umgebungen auf unseren mentalen Zustand, unsere Stimmung und unser allgemeines Wohlbefinden und erkenne deren bedeutende Wirkung an.

    In meiner kreativen Praxis geht es um die Förderung einer aufmerksamen Auseinandersetzung mit der natürlichen Welt. Ob durch meine künstlerische Arbeit, meine Lehrtätigkeit oder die Zusammenarbeit mit Umweltorganisationen – mein Ziel ist es, die Menschen dazu anzuregen, darüber nachzudenken, wie wir mit der Natur umgehen und was wir zu ihrem Schutz tun können.
     

    Als Künstlerin und Pädagogin ist es mir ein Anliegen, mein Wissen mit einem größeren Publikum zu teilen. In meiner Arbeit geht es darum, andere zu befähigen, sich mit Druckgrafik, Zeichnen, Malen und verschiedenen anderen kreativen Techniken zu beschäftigen. Ich möchte Menschen auf der ganzen Welt dazu inspirieren, ihre Kreativität durch naturnahe Praktiken zu erforschen und sie dazu anleiten, mit verschiedenen künstlerischen Verfahren zu experimentieren. Durch eine Mitgliedschaft auf Patreon, Online-Workshops, Tutorials und eBooks hoffe ich, eine sinnvolle Verbindung zwischen Kunst, Natur und persönlichem Ausdruck zu fördern und gleichzeitig praktische Werkzeuge für diejenigen bereitzustellen, die ihre eigene kreative Praxis entwickeln wollen.

    Neben meiner persönlichen Arbeit setze ich mich für sinnvolle Veränderungen ein, indem ich mich aktiv an Projekten wie der Initiative Ghost of Gone Birds” beim Migration Festival, dem PAN-Projekt und der Zusammenarbeit mit dem British Trust for Ornithology Red67book und Wildlife Trusts beteilige. Ich unterstütze Wohltätigkeitsorganisationen, die sich für den Erhalt und Schutz von Vögeln, Pflanzen und Tieren einsetzen und das Bewusstsein auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene schärfen.

    Woodland Wonderlands Exhibition

    01:1201:12Woodland Wonderlands Exhibition

    Woodland Wonderlands Exhibition

    
    
    
    
    

    Drawing on the Coast

    Drawing at the Coast

    National Trust Exhibition

    National Trust 125 Years

    CV & Statement

    My practice is broadly based, spanning painting, drawing, printmaking, and sculpture. I graduated with distinction from the MA Illustration: Authorial Practice program at Falmouth University, following the completion of my BA in Fine Art and PGCE.

    I am a part-time Higher Education lecturer on an interdisciplinary BA (Hons) Art & Design Practice Course.

    Living in Cornwall, my daily life is intertwined with various non-human species in a wild and ever changing landscape, including livestock, pets, and wild flora and fauna, all of which inspire and inform my practice. Through my work, I continuously strive to foster dialogue around the intricate relationships between humans, animals, and the natural environment, exploring, questioning, and celebrating these interconnected bonds.

  • Kann man in der Wüste für Wasser sorgen?

    Ja, man kann auch in der Wüste für Wasser sorgen – es ist zwar eine Herausforderung, aber mit den richtigen Methoden durchaus möglich. Hier sind einige Möglichkeiten, wie man in der Wüste Wasser gewinnen oder verfügbar machen kann:


    🌧️ 1. Regenwasser sammeln

    • Auch in Wüsten gibt es gelegentlich Regen.
    • Mit großen, gut konstruierten Regenauffangsystemen (z. B. Zisternen, Auffangbecken, Planen) lässt sich Regenwasser speichern.
    • Dieses Wasser kann später gefiltert und genutzt werden.

    🌫️ 2. Kondensation und Luftfeuchtigkeit nutzen

    • Taukollektoren oder Kondensationsfallen nutzen den Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht, um Luftfeuchtigkeit zu kondensieren.
    • Spezielle Materialien wie hydrophile Stoffe oder sogenannte “Wasserernter” (Atmospheric Water Generators, AWGs) ziehen Wasser direkt aus der Luft.

    🏞️ 3. Grundwasser erschließen

    • Wenn es in der Tiefe Wasser gibt, können Brunnen gebohrt werden.
    • Tiefbrunnen sind aufwändig und teuer, aber in vielen Wüstenregionen ist Grundwasser vorhanden.

    🌱 4. Nutzung von Pflanzen

    • Einige Pflanzen (z. B. Kakteen oder bestimmte Wüstenpflanzen) speichern Wasser.
    • Manche indigene Gruppen wissen, wie man daraus trinkbares Wasser gewinnt.

    🌊 5. Meerwasserentsalzung (in Küstennähe)

    • Wenn die Wüste an eine Küste grenzt (z. B. Atacama, Teile der Arabischen Halbinsel), kann Wasser aus dem Meer entsalzt werden.
    • Solarbetriebene Entsalzungsanlagen sind dabei besonders geeignet.

    🔬 6. Innovative Technologien

    • Projekte wie der “Warka Tower” oder “Source Hydropanel” erzeugen Wasser aus der Luft – rein solarbetrieben.
    • In Marokko wurde ein ganzes Dorf mit Nebelnetzen ausgestattet, die aus Nebel Wasser „melken“.

    Wie haben die Nabatäer in der Stadt Petra das Problem behandelt?

    Die Nabatäer in Petra (heutiges Jordanien) haben das Problem der Wasserversorgung in der extrem trockenen Wüstenumgebung auf beeindruckend fortschrittliche Weise gelöst – durch ein komplexes Wassermanagement-System, das seiner Zeit weit voraus war. Hier ist eine Übersicht, wie sie das geschafft haben:


    💧 Wasserversorgung der Nabatäer in Petra

    1. Regenwassersammlung

    • Obwohl es in Petra wenig regnet, haben die Nabatäer jede Regenquelle effektiv genutzt.
    • Sie bauten Kanäle, Terrassen und Zisternen, um selbst kleinste Regenfälle aufzufangen.
    • Wasser wurde von Dächern, Hängen und Straßen in unterirdische Zisternen geleitet.

    2. Bewässerungssysteme und Kanäle

    • Die Nabatäer legten kilometerlange Kanäle an, die Regenwasser zu den Siedlungen und Gärten transportierten.
    • Die Kanäle waren oft in den Fels gehauen oder mit Ton ausgekleidet, um Wasserverluste zu minimieren.

    3. Zisternen und Speicher

    • In Petra gibt es über 200 Zisternen, viele davon direkt in den Fels gehauen.
    • Diese unterirdischen Wasserspeicher hielten das Wasser kühl und verhinderten Verdunstung.
    • Einige Zisternen konnten Zehntausende Liter fassen und sicherten die Wasserversorgung über Monate.
    Zisterne-Nabataer

    4. Wasserleitungssysteme mit Keramikrohren

    • Die Nabatäer nutzten Ton- und Keramikrohre, um Wasser gezielt durch die Stadt zu leiten.
    • Auch Druckunterschiede wurden beachtet – durch gefällebasierte Leitungen gelang Wasser auch in höher gelegene Gebiete.

    5. Schutz vor Sturzfluten

    • Petra liegt in einem engen Tal, das bei Regen zu gefährlichen Sturzfluten führen kann.
    • Die Nabatäer bauten Umleitungsgräben, Staudämme und Tunnel, um Flutwasser zu kontrollieren und zu nutzen, statt es zu fürchten.

    🏛️ Ergebnis:

    Dank dieser Systeme konnten die Nabatäer:

    • Petra zur blühenden Handelsstadt machen.
    • Frischwasser das ganze Jahr über bereitstellen – auch in Dürreperioden.
    • Parks, Bäder und Gärten anlegen, die in der Wüste sonst undenkbar wären.


    🌍 Überblick: Wassertechnik der Nabatäer in Petra

    1. Aquädukte & Terrakotta‑Rohrleitungen

    2. Zisternen & Speicher

    • Hunderte von Zisternen, teils in den Fels gehauen, teils gemauert und arkadenüberspannt – wie z. B. am Jebel Haroun (18 × 5 m) visitpetra.jo.
    • Große Speicher (bis zu 2 500 m³), mit Reinigung durch Sedimentationstanks (Decantation) und mehrfach kaskadierte Behälter zur Filtration Wikipedia.

    3. Dämme & Hochwasserschutz

    • Dämme und Barrieren in den Wadis (z. B. Wadi Mataha, Wadi Mousa) sammelten Regenwasser gezielt und schützten gleichzeitig die Stadt vor Überschwemmungen visitpetra.jo+5bible.ca+5Omrania+5.

    4. Robustheit & Redundanz

    • Mehrere Zuführungen und Pipelines aus verschiedenen Quellen wurden parallel betrieben – so blieb Wasser selbst bei Teilausfall verlässlich verfügbar .
    • Viele Kanäle wurden überdacht oder in den Fels eingelassen, um Verdunstung und Verschmutzung zu verhindern .

    🛠️ Technische Raffinessen

    • Gefällegenauigkeit: Bereits im 1. Jh. v. Chr. angewandt, lange bevor westliche Ingenieure ähnliche Genauigkeit erreichten .
    • Inversion-Siphons: Druckleitungen über Wadi-Senken – Technik, die man erst später bei den Römern kennt .
    • Sedimentationstechnik: Wasserreinigung durch abgestufte Becken – klug durchdacht und hygienisch .

    🏛️ Architektur & Design im Stadtbild

    • Große städtische Bauten wie der Große Tempel verfügten über eigene Zisternen (bis zu 327 000 l) und angeschlossene Kanäle in das Stadtwassernetz .
    • Der Pool- und Gartenkomplex diente repräsentativen Zwecken und demonstriert die Macht des Wassers als Symbol und Ressource Wikipedia.
    water_channels_petra_Jordan

    Fazit

    Die Nabatäer machten aus der Wüste ein nachhaltiges Wasserwunderland:

    MerkmalWirkung
    Regen- + QuellwassernutzungPermanente Versorgung
    Unterirdische RohrleitungenSchutz vor Verdunstung
    Zisternen & DämmeLangfristige Speicherung
    Redundanz & Kontrollehohe Zuverlässigkeit


    Wo sind solche Projekte erfolgreich umgesetzt worden?

    Ein besonders faszinierendes, modernes Beispiel für erfolgreiche Wasserversorgung in der Wüste ist das Projekt “Frequentes Nebelnetzwerk in Marokko” – konkret in der Region Ait Baamrane an der Atlantikküste nahe der Sahara.


    🌫️ Beispiel: Nebelnetze in Marokko – „CloudFisher“

    📍 Ort:

    Ait Baamrane, südwestliches Marokko, nahe Sidi Ifni

    🛠️ Projektname:

    CloudFisher – Nebelernter

    🚀 Durchgeführt von:

    • Wasserstiftung (Deutschland)
    • Dar Si Hmad (lokale NGO)
    • Technisches Know-how von Ingenieuren aus München

    💡 Wie funktioniert das?

    • In dieser Region zieht regelmäßig dichter Atlantiknebel über die Berghänge.
    • Spezielle Netze aus feinmaschigem Kunststoff („CloudFisher“) werden aufgestellt.
    • Der Nebel kondensiert an den Fasern, Tropfen fließen nach unten und werden aufgefangen.
    • Das Wasser wird in Tanks gesammelt und in Dörfer geleitet.

    📊 Ergebnisse:

    KennzahlWert
    Wassermenge pro Tagbis zu 22 Liter pro m² Netz
    Anzahl versorgter Dörferüber 16 abgelegene Dörfer
    Investitionskostenvergleichsweise niedrig
    Betriebskostenminimal (keine Elektrizität nötig)

    ✅ Vorteile:

    • 100 % nachhaltig – kein Strom, keine Chemie
    • Niedrige Wartungskosten
    • Wasserqualität ist trinkbar
    • Besonders geeignet für entlegene Wüstenregionen
  • Wie vertrauenswürdig ist die OECD

    Wer finanziert die OECD und welche Intereesen stehen dahinter?

    Die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) wird hauptsächlich von ihren Mitgliedstaaten finanziert. Ihre Finanzierung und die dahinterstehenden Interessen lassen sich wie folgt aufschlüsseln:


    💰 Finanzierung der OECD

    1. Beitragszahlungen der Mitgliedstaaten
      Jeder der aktuell 38 Mitgliedstaaten zahlt Beiträge, die sich hauptsächlich nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit (Bruttonationaleinkommen) des Landes richten.
      • Die USA, Deutschland, Japan, Frankreich und das Vereinigte Königreich gehören zu den größten Beitragszahlern.
      • Beispiel: Die USA tragen traditionell etwa 20-25 % des OECD-Budgets bei.
    2. Freiwillige Beiträge (Voluntary Contributions)
      Zusätzlich zum regulären Pflichtbeitrag leisten viele Länder und Organisationen freiwillige Zahlungen, oft zweckgebunden für spezielle Programme oder Forschungsprojekte.
    3. Zuwendungen von anderen internationalen Organisationen
      Auch Organisationen wie die EU oder UN-Organisationen fördern einzelne Projekte.

    🎯 Interessen hinter der OECD

    Die OECD ist kein rein neutraler Akteur, sondern spiegelt die Interessen ihrer Mitglieder – insbesondere der industrienationenbasierten westlichen Staaten – wider. Die wichtigsten Interessen sind:

    1. Förderung von Marktwirtschaft und Freihandel
      • Die OECD unterstützt wirtschaftliche Liberalisierung, Deregulierung und freien Kapitalverkehr.
      • Ziel: Förderung eines wettbewerbsfähigen globalen Wirtschaftssystems.
    2. Wirtschaftspolitische Koordination der Industrieländer
      • Die OECD ist eine Plattform zum Austausch von Politiken, Best Practices und zur Koordinierung globaler Maßnahmen.
    3. Stärkung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit
      • Auch wenn sie kein politisches Mandat hat, stehen demokratische Grundwerte im Zentrum der Mitgliedschaft.
    4. Förderung von Entwicklung und Armutsbekämpfung (in Partnerländern)
      • Die OECD engagiert sich über das „Development Assistance Committee“ (DAC) für entwicklungspolitische Ziele.
    5. Standardsetzung und Datenanalyse
      • Die OECD entwickelt weltweit genutzte Standards (z. B. in Steuerpolitik, Bildung, Digitalisierung, Umwelt) – z. B. PISA-Studien im Bildungsbereich oder BEPS-Initiative zur Bekämpfung von Steuervermeidung.

    📌 Kritikpunkte

    • Dominanz westlicher Industrieländer: Entwicklungs- und Schwellenländer haben keine gleichwertige Stimme.
    • Liberale Wirtschaftsideologie: Kritiker sehen eine einseitige Förderung neoliberaler Politiken.
    • Einfluss großer Mitgliedstaaten: Insbesondere die USA und die EU haben erheblichen Einfluss auf die Agenda und Themenauswahl.

    Hier ist eine detaillierte Übersicht zur Finanzierung der OECD und den dahinterstehenden Interessen:


    1. 💶 Finanzierung – Pflichtbeiträge (Part I)


    2. 📊 Programme mit freiwilliger Finanzierung (Part II)

    • Part II-Budgets dienen speziellen Themen oder Programmen und werden durch freiwillige Beiträge von interessierten Mitgliedern finanziert (z. B. Sektorprogramme, regionale Arbeitsgruppen) .
    • Solche Programme umfassen z. B. das Development Assistance Committee (DAC), das PISA, BEPS, Arbeitsgruppen zu Klima, Digitalisierung, etc.

    3. 🏛 Finanzierung durch internationale Partner

    • Neben Mitgliedsländern tragen gelegentlich auch nicht‑OECD‑Organisationen, z. B. EU-Institutionen oder UN‑Organisationen, über Zuwendungen oder Projektkooperationen zur Mitfinanzierung bei de.wikipedia.org.

    4. 🧭 Interessen und Einfluss hinter der Finanzierung

    1. Industrieländer prägen die Agenda
      • Länder mit größerer Wirtschaftsleistung zahlen mehr – und haben de facto mehr Mitspracherecht.
    2. Förderung liberaler Wirtschaftsstrukturen
      • OECD setzt sich stark für Marktwirtschaft, Freihandel, Deregulierung, globalistische Standards ein.
    3. Steuerharmonisierung & Zusammenarbeit
      • BEPS-Projekte, globale Mindeststeuer (z. B. USA unterstützen, aber treffen oft auf Kritik im Inland) .
    4. Sozial‑, Klima‑ und Diversitätsziele
      • Programme wie Gender-Budgeting, Nachhaltigkeit, inklusives Wachstum werden über freiwillige Beiträge gefördert, was innenpolitischen Spannungen auslösen kann – etwa in den USA thetimes.co.uk.
    5. Entwicklungspolitik über DAC

    5. 📝 Zusammenfassung in Zahlen

    BudgetbereichBetrag 2025Anteil
    Part I (Pflichtbeiträge)235 Mio €65 %
    Part II (freiwillig)126 Mio €35 %
    Gesamt361 Mio €100 %

    Größte Pflichtzahler:

    Entwicklungshilfe (DAC):

    • Gesamt 223 Mrd USD in 2023 (0,37 % GNI)
    • USA führend (~65 Mrd USD) – dann Deutschland, Japan, UK, Frankreich

    6. 🔍 Fazit

    • Die Finanzierung strukturiert sich in Pflichtbeiträge (Part I), die das Grundbudget decken, und in freiwillige Beiträge (Part II) für Projekte.
    • Die Großzügigkeit und Ausrichtung der OECD spiegelt vor allem die Interessen der westlichen Industrieländer wider.
    • Programmauswahl und Themen (Freihandel, Steuern, soziale Klima‑ und Entwicklungsziele) hängen entscheidend von den Prioritäten der Beitragsländer ab.

    🎯 DAC‑Projekte, Part II‑Programme, BEPS-Steuerinitiativen

  • Über Wahrheiten und ihre vielen Brüder und Schwestern

    Textauszug einer Rede von D. Foster Wallace, die er am 21. Mai 2005 vor Absolventen des Kenyon College hielt, behandelt Themen, welches die Menschheit, besonders die Jugend, immer wieder begleiten. Folgendes Zitat nimmt Bezug auf die Parabel von zwei Männern und deren Gespräch in einer Bar irgendwo in Alaska, der eine ist religiös, der andere Atheist. Die beiden diskutieren über die Existenz Gottes.

    Ein und dieselbe Erfahrung kann für zwei verschiedene Menschen unterschiedlichen Sinn haben, wenn die beiden über verschiedene Glaubensschablonen verfügen und auf verschiedene Weisen aus Erfahrungen Sinn konstruieren. Da Toleranz und Glaubensvielfalt uns so viel bedeuten, würden wir in unserer geisteswissenschaftlichen Analyse niemals zu behaupten wagen, die Interpretation des einen Mannes und die des anderen sei falsch oder schlecht, was ja gut und schön ist, nur reden wir dann auch nie darüber wo die jeweiligen Schablonen, also der jeweilige Glaube herkommt, will sagen wo im Inneren der beiden Männer diesen ihren Ort haben. Als wäre die grundlegende Sicht eines Menschen auf die Welt und den Sinn seiner Erfahrungen irgendwie automatisch in ihm verdahtet wie Körper- oder Schuhgröße oder als würden sie wie die Sprache von der Kultur vorgegeben. Als wäre unsere Konstruktion von Sinn keine Frage der persönlichen und ausdrücklichen Wahl und der bewussten Entscheidung.

    In “Die wahre Traurigkeit der Erwachsenen” versammelt David Foster Wallace vier große Texte “Am Beispiel des Hummers”, “This is Water/Das hier ist Wasser”, “Der Planet Trillaphon im Verhältnis zur Üblen Sache” und “Der große rote Sohn”

    Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.09.2018

    Wolfgang Schneider lauscht den gelesenen Essays von David Foster Wallace mal mit großem Vergnügen, mal mit Enttäuschung. Wenn etwa Christian Ulmen Wallaces Reportage über das Hummer-Festival in Maine intoniert, scheint ihm der Schauspieler die “hyperaktive Theatralik” im Text zu erfassen. Moritz von Uslar hingegen liest den Bericht des Autors von den “Annual Adult Video Awards”, der Oscarverleihung der Pornoidustrie, laut Rezensent zu cool, zu mürrisch und bringt das Ganze nicht zum Funkeln. Lars Eidinger wieder vermittelt den tödlichen Ernst hinter Fassade dieses Autors in seiner Lesung perfekt, meint Schneider.

    David Foster Wallace ist bekannt für seinen komplexen, oft philosophischen Stil und seine tiefgründigen Beobachtungen über moderne Gesellschaft, Medien, Technologie und den Zustand des menschlichen Bewusstseins. Hier sind einige prägnante Zitate aus seinen bekanntesten Werken:

    1. „Unendlicher Spaß“ (Infinite Jest)

    „Die Wahrheit ist, dass die meisten Menschen die meiste Zeit in ihrem Leben nicht wirklich leben, sondern von einem Moment zum nächsten huldigen, dass das Leben und die Welt den tiefen und erschütternden Eindruck hinterlassen, der zu der Erschaffung des Begriffs ‚Zeitvertreib‘ führte.“

    Unendlicher Spaß, David Foster Wallace

    Diese Passage verdeutlicht das Gefühl der Entfremdung und das Streben nach Bedeutung in einer oberflächlichen Gesellschaft.


    2. „This is Water“ (Commencement Speech, Kenyon College)

    „Es ist einfach, nicht wahrzunehmen, dass die alltäglichen Momente und Routinen des Lebens tatsächlich die wertvollsten und tiefgründigsten sind. Was du wirklich brauchst, um Glück zu finden, ist ein bestimmter Denkansatz.“

    This is Water, David Foster Wallace (Commencement Speech)

    Hier spricht Wallace über die Bedeutung der Achtsamkeit und wie wichtig es ist, die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen, um das Leben wirklich zu leben.


    3. „Der Spaß an der Arbeit“ (The Pale King)

    „Das große Problem ist nicht das Warten, sondern das Warten ohne Sinn. Es ist die Leere, die uns nicht nur an unsere Geduld fordert, sondern auch an unsere Fähigkeit, eine Bedeutung in den banalsten Aufgaben zu finden.“

    Der Spaß an der Arbeit, David Foster Wallace

    In diesem Zitat geht es um den Umgang mit monotonen Aufgaben und wie der Mensch in einer Welt, die wenig greifbare Bedeutung bietet, nach Sinn suchen muss.


    4. „Gibt es ein Leben nach dem Tod? Und was machen wir damit?“ (A Supposedly Fun Thing I’ll Never Do Again)

    „Die größte Enttäuschung im Leben ist nicht, dass man nicht bekommt, was man will, sondern dass man bekommt, was man will, und sich dann trotzdem leer fühlt.“

    A Supposedly Fun Thing I’ll Never Do Again, David Foster Wallace

    Wallace reflektiert über die moderne Konsumgesellschaft und die Entfremdung, die durch den ständigen Drang entsteht, immer mehr zu besitzen oder zu erleben, ohne jemals Zufriedenheit zu finden.


    5. „Der Tanz um das Nichts“ (This Is Water)

    „Es geht nicht darum, sich vor der Wahrheit zu verstecken, sondern darum, sie zu sehen und sie trotzdem zu akzeptieren. Zu erkennen, dass du dein eigenes Leben kontrollierst, unabhängig davon, wie viel Lärm und Chaos es gibt.“

    This Is Water, David Foster Wallace (Commencement Speech)

    In dieser Passage betont Wallace, wie wichtig es ist, die eigenen Gedanken zu steuern und die Kontrolle über das eigene Leben zu behalten, auch wenn die äußere Welt chaotisch wirkt.

  • Schwarm Dumm: So blöd sind wir nur gemeinsam

    Es ist heute ein Zeichen progressiven Denkens von “kollektiver Weisheit“ oder „Schwarmintelligenz“ zu schwärmen. Seit Wikipedia, Open-Source-Software und per Facebook organisierten sozialen Bewegungen, ist die Schwarmintelligenz die neue Hoffnung für Organisationen, Unternehmen und gesellschaftliche Probleme. Alles soll besser werden, wenn man nur auf die Weisheit Vieler vertraut.


    Wie ein kalter Guss wirkt da das neue Buch von Gunter Dueck “Schwarmdumm – so blöd sind wir nur gemeinsam”. Gunter Dueck, ehemaliger IBM Technik Vorstand, zieht ernüchternd Bilanz: “Einzeln sind wir intelligent – aber nicht im Schwarm”. Wenn viele gemeinsam ein Problem lösen bedeutet das nicht unbedingt, dass dabei die beste und intelligenteste Lösung herauskommt. Die Metapher der “sechs Blinden“, die jeder aus seiner subjektiven Perspektive heraus einen Elefanten beschreiben , illustriert diese Einsicht. Aus den jeweiligen Beschreibungen kann man unmöglich einen realen Elefanten erkennen – jeder beschreibt eben nur seine individuelle Sicht. Viele Wahrheiten führen nicht immer zu genialen Einfällen.

    Überforderung, Eigeninteressen und Wettkampf – die Zutaten der Schwarmdummheit
    Das “Heißlaufen” der Wirtschaft – also das ständige “am Limit arbeiten”, produziert zwar immer billigere Produkte, aber auch „gesellschaftliche Dummheit“. Wir wollen alles immer billiger kaufen und glauben, das dabei noch Qualität möglich sei. Die Wurst beim Discounter ist billiger ist als manches Hundefutter – guten Appetit…

    Freiraum ist kein Luxus, sondern ein Naturgesetz
    Das Warteschlangen-Phänomen ist die wissenschaftliche Begründung eines schwerwiegenden Schwarmdumm-Symptoms. Es besagt dass die erwartete Länge einer Warteschlange abhängig ist von der durchschnittlichen Auslastung. Bei 60% Auslastung warten nur 1,5 Kunden, bei 90% Auslastung schon 12. Wenn man die Auslastung steigert, wachsen die wartenden Menschen / Supportanfragen / Notfälle überproportional stark – das führt zu Fehlern, Überforderung und sinkender Qualität.

    Unternehmen brauchen eine ganzheitliche Kultur
    “Schwarmdummheit entsteht, wenn das Ganze nicht klar verstanden ist und kein Ganzes das Team einigt. Sie entsteht auch, wenn ein Ganzes angestrebt wird, das gar nicht erreicht werden kann oder wenn für den Weg zum Ganzen die Mittel und Fähigkeiten fehlen.” Teammeetings arten dann in mehr oder weniger offene Stellungskriege zwischen den Vertretern diverser Abteilungen oder Interessengruppen aus.

    Wettbewerb ist kein Kampf. Denn Kampf ist dumm
    Genauso führt eingennutzorientierter Wettkampf zu einer Eskalation aller gegen alle – und nicht zu einer guten Unternehmensgestalt, die eine sinnvolle Orientierung bietet. Schwarzdummheit ist dann vorprogrammiert.
    „Wir irren uns gewaltig, wenn wir den Grund unserer Misere in der Gier vermuten und nicht da, wo sie herkommt: aus dem gewollten Krieg aller gegen alle. Wir wollen den Wettbewerb, wir wollen die Mondziele, die harten Prüfungen und die Verschulung an den Universitäten, das G8-Abitur, die »objektiven Leistungsbeurteilungen« nach Zahlen, das Mobben der Minderleister und die Herstellung unserer Güter durch Asiaten unter Sklavenbedingungen. Dieser ganze stressende Rahmen erzeugt den künstlichen Krieg.“

    Auch gegenüber den Befürwortern einer neuen Managemenkultur, sei es charismatische Führung oder Selbststeuerung ist Dueck kritisch:
    „… es sind immer Firmen mit charismatischen Anführern, die aufgrund von Innovation und guter Konjunktur in den Himmel schießen. Ohne einen Steve Jobs (Apple) oder Richard Semler (Semco) trübt sich alles wieder schnell ein. Wenn das so einfach wäre, Schwarmintelligenz zu erzeugen, dann hätten wir sie doch in viel größeren Mengen und könnten daraus wieder an vielen Beispielen lernen, wie es noch besser geht, Schwarmintelligenz zu erzeugen. „

    Keine Lösung in Sicht?
    Duecks kritische Sicht auf unsere schwarmdumme Gesellschaft ist zwar aussichts-, aber nicht ganz hoffnungslos. Aber auch Dueck hat keine schnellen Lösung parat – er erteilt auch einigen der bekannten schnellen Reparaturideen eine Absage: Weder Entschleunigung, neue Werte, die Begrenzung der Managergehälter, höhere Steuern oder mehr Bildung noch „… das bedingungslose Grundeinkommen, die Abschaffung des Euro, das Eingreifen des Staates, das Nichteingreifen des Staates, das Verbieten von Zinsen, die Entmachtung der Banken, das Verteilen von iPads an Schüler …“ – nichts davon hilft gegen Schwarmdummheit und deeskaliert die schlimme Lage, die sich immer noch im Abwärtsstrudel befindet. Das bedeutet, dass wir im Augenblick nichts diskutieren, was unsere Lage wirklich verbessern könnte!

    Kommunikation und Führung ohne Macht – Wege uns aus vor Schwarmdummheit
    Metakommunikation ist zwingend notwendig – der Austausch im Team über die Art und Weise der Zusammenarbeit ist genauso wichtig wie die konkreten Arbeitsprozesse und – Ergebnisse. Denn nur so können ineffektive Widerstände, lähmende kalte Konflikte oder eine disfunktionale Machtverteilung beseitigt werden. Den ungesunden Wettkampf (im Gegensatz zu einem anspornenden Wettbewerb) müssen wir eindämmen, die Betonung von Einzelleistungen in Organisationen beenden. „Es wäre ein wichtiger Schritt raus aus der Schwarmdummheit getan, wenn Manager ihre Mitarbeiter so führen würden, als ob sie ein Freiwilligen-Team vor sich hätten.“ Führen ohne (formale) Macht wird somit die nächste, echte Herausforderung für ein „schwarmintelligentes“ Management.

    Dieses Buch wurde in unserem Betrieb ausgewählt um es gemeinsam im “Buchclub” zu lesen und es zu diskutieren. Das verwundert mich schon sehr, stellt der Autor doch all die hoch gepriesenen Gebote der internationalen Konzernführungen in Frage. Zwanghafte Optimierungen, Totsparen ganzer Unternehmen und Effizienzsteigerungen bis zum Kollaps sind in den meisten Führungsebenen das Einzige was es scheinbar zu wissen gibt, um ein Unternehmen erfolgreich zu führen. Das diese Thesen längst Überholt sind und das Endergebnis jahrzehntelangem “Gesundschrumpfens” von einstiger Premiumqualität nur noch zu “good enough” geführt hat, erklärt der Autor in logisch, ironischer Art und Weise. Dieses Buch sollte Pflichtlektüre für alle Verantwortlichen in den Chefetagen werden. Das geforderte Umdenken, wäre zu schön und niemand wird den Anfang machen, weil eben alle in ihrer Schwardummheit gefangen sind. Und letztendlich wären mit einem Male auch alle Unternehmensberater arbeitslos. Den außer Sparen wo kaum mehr was zu sparen ist und optimieren obwohl alles bestens läuft lernt man bei deren Seminaren nichts Neues. Zwar werden unzählige Kurse zur Prozessoptimierung und Effizienzsteigerung angeboten, doch zielen alle nur auf eines ab, funktionierende Betriebe für sehr viel Geld komplett um zu krempeln um eventuell ein paar Mitarbeiter in den untersten Ebenen entlassen zu können. Wenn dann gar nichts mehr funktioniert, jubeln alle. Denn nun hat man ja endlich doch etwas zu Optimieren. Und so suchen bereits heute viele Unternehmen nach Fachkräften die es nun nicht mehr gibt.