Autor: stralsund

  • Kultur, Förderung und Teilhabe

    Dieser Podcast von Radio-Nice.Club untersucht das Konzept der gemeinsamen Kreativität und der aktiven Bürgerbeteiligung in den Bereichen der Nachhaltigkeitsforschung und der europäischen Kulturpolitik. Ein zentraler Fokus liegt auf der engagierten Wissenschaft, die durch transformative Methoden wie Co-Creation versucht, gesellschaftlichen Wandel und soziale Inklusion direkt in den Forschungsprozess zu integrieren. Parallel dazu analysiert der zweite Text die historische Entwicklung der Europäischen Kulturhauptstädte, bei denen die Partizipation von einer bloßen Beratung hin zu einer tieferen Einbindung der Zivilgesellschaft gereift ist. Beide Texte betonen, dass partizipative Ansätze entscheidend sind, um demokratische Legitimität zu stärken und alternative Lebensentwürfe in lokalen Gemeinschaften sichtbar zu machen. Trotz der positiven Potenziale warnen die Autoren vor instrumenteller Nutzung und institutionellen Machtungleichgewichten, die eine echte Mitgestaltung behindern können. Letztlich plädieren die Quellen für eine Forschung und Kulturplanung, die den Menschen nicht nur als Objekt, sondern als aktiven Mitgestalter seiner Umwelt begreift.

    CO-Kreativität jenseits der Schlagworte
    Innovation - Social Network

    Wie fördert Co-Kreativität sozialen Wandel und nachhaltige Forschungspraxis?

    Co-Kreativität fördert sozialen Wandel und eine nachhaltige Forschungspraxis, indem sie Forschung nicht als isolierten Akt eines „kreativen Genies“, sondern als relationalen, inklusiven und transformativen Prozess begreift. Dabei verschiebt sich der Fokus von der Produktion bloßen Wissens hin zur Veränderung bestehender Machtstrukturen und der Gestaltung alternativer Lebensweisen.

    Hier sind die zentralen Mechanismen, wie Co-Kreativität diesen Wandel unterstützt:

    1. Förderung sozialen Wandels durch alternative Weltbilder

    Co-kreative Methoden fungieren als Instrument des sozialen Wandels, indem sie Räume für alternative Verständnisse dessen eröffnen, wie die Welt ist und wie sie sein könnte.

    • Empowerment: Sie ermöglichen es insbesondere marginalisierten Gruppen, von passiven Empfängern zu aktiven „Storytellern“ und Mitgestaltern ihrer eigenen Lebensbedingungen zu werden.
    • Kulturelle Transformation: Durch künstlerische Prozesse und „generative Engagements“ können tief verwurzelte Denkmuster und anthropozentrische Zeitskalen aufgebrochen werden, was neue Handlungsspielräume für Nachhaltigkeit schafft.
    • Kollektive Problemlösung: Partizipative Kunstprojekte in ländlichen Räumen stärken nachweislich die kollektive Problemlösungsfähigkeit der Bevölkerung und fördern den sozialen Zusammenhalt.

    2. Etablierung einer nachhaltigen Forschungspraxis

    Nachhaltige Forschung wird in den Quellen oft als „Engaged Scholarship“ beschrieben – eine Praxis, die Theorie und Handeln verbindet und nicht nur darauf abzielt, die Welt zu interpretieren, sondern sie aktiv zu verändern.

    • Vom „Forschen über“ zum „Forschen mit“: Nachhaltige Praxis bedeutet, Forschungsteilnehmer als Co-Forscher anzuerkennen und den Forschungsprozess selbst als Begegnung auf Augenhöhe zu gestalten.
    • Ethik der Sorge (Ethics of Care): Eine nachhaltige Forschungspraxis integriert eine „care-full scholarship“, die Emotionen, Empathie und die gegenseitige Verantwortung von Forschenden und Erforschten in den Mittelpunkt stellt.
    • Prozess- statt Ergebnisorientierung: Anstatt sich nur auf messbare Veröffentlichungen (Output) zu konzentrieren, betont Co-Kreativität den Wert des Forschungsprozesses selbst als Chance zur Etablierung neuer Praktiken und Werte.

    3. Kritik an bürokratischen Barrieren

    Die Quellen weisen darauf hin, dass echte Co-Kreativität oft im Widerspruch zu aktuellen akademischen und bürokratischen Systemen steht:

    • Widerstand gegen „Forced Creativity“: In einer zunehmend betriebswirtschaftlich gesteuerten Universitätslandschaft („Managerial University“) besteht die Gefahr, dass kreative Methoden zu bloßen Marketinginstrumenten oder „Artwashing“ degradiert werden.
    • Nachhaltige Strukturen: Um sozialen Wandel wirklich zu unterstützen, müssen Fördersysteme von kurzfristigen Projekten hin zu langfristiger Prozessförderung und infrastruktureller Unterstützung übergehen.

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Co-Kreativität sozialen Wandel dadurch befördert, dass sie die kollektive Vorstellungskraft aktiviert und Forschung zu einer gemeinschaftlichen Suche nach gerechteren und ökologischeren Zukünften macht.

    Was sind konkrete Beispiele für alternative Forschungsmethoden aus dem Buch?

    Das Buch „Co-Creativity and Engaged Scholarship“ präsentiert eine Vielzahl transformativer Forschungsmethoden, die darauf abzielen, nicht nur Wissen zu produzieren, sondern sozialen Wandel aktiv mitzugestalten. Diese Methoden stammen primär aus den sozialen Nachhaltigkeitswissenschaften und zeichnen sich durch Inklusivität und das Forschen „mit“ statt „über“ Menschen aus.

    Hier sind konkrete Beispiele für alternative Forschungsmethoden aus dem Buch:

    1. Kreative Kartierungsmethoden (Mapping)

    Anstatt traditioneller, rein geografischer Karten werden Methoden genutzt, die subjektive und komplexe räumliche Beziehungen darstellen:

    • Deep Mapping: Diese Methode wird genutzt, um die vielschichtigen, oft informellen Nutzungen und Erinnerungen eines Ortes (z. B. Brachflächen) zu erfassen, die in herkömmlichen Stadtplänen unsichtbar bleiben.
    • Social Cartography (Soziale Kartographie): Hierbei geht es darum, soziale Beziehungen und Machtverhältnisse anstelle von rein physischen Landschaften abzubilden, um alternative Diskurse und mini-narrative sichtbar zu machen.
    • Digital Participatory Mapping (DPM): Die Nutzung von Web-Apps (wie „My Green Place“ oder „Greenmapper“), um die sozialen Werte und emotionalen Bindungen von Gemeinschaften an Grünflächen direkt in Planungsprozesse einzubringen.

    2. Visuelle und narrative Methoden

    Diese Ansätze nutzen Bilder und Geschichten, um tieferliegende Bedeutungen und marginalisierte Perspektiven zu erschließen:

    • Photo-voice: Teilnehmer (oft marginalisierte Gruppen) fotografieren ihren Alltag und reflektieren darüber, um ihre Bedürfnisse zu artikulieren und politische Entscheidungsträger zu erreichen.
    • Guerrilla Narrative: Eine Methode, bei der Forschung zur „sozialen Intervention“ wird, indem Wissen direkt für soziale Kämpfe produziert wird (z. B. im Kontext von Solidaritätsküchen).
    • Visual Analysis (Visuelle Analyse): Untersuchung der affektiven Qualität von Bildern (z. B. historische Darstellungen von Wildtieren), um gesellschaftliche Mensch-Natur-Beziehungen zu verstehen.

    3. Partizipative und handlungsorientierte Ansätze

    Diese Methoden basieren oft auf der Participatory Action Research (PAR) und zielen auf eine Demokratisierung der Wissensproduktion ab:

    • Appreciative Inquiry (AI): Ein stärkenorientierter Ansatz, der kollektive Visionen für die Zukunft in Gemeinschaften fördert, anstatt nur Probleme zu analysieren.
    • Living Labs (Reallabore): Ein kollaborativer Planungsansatz, bei dem Wissenschaftler, Bürger und Institutionen in realen Umgebungen gemeinsam innovative Lösungen (z. B. für Wasserinfrastruktur) testen.
    • Militant Scholarship: Eine Form der Forschung, die sich explizit auf die Seite sozialer Bewegungen stellt und Wissen für den sozialen Kampf generiert.

    4. Spezifische kunstbasierte und verkörperte Methoden

    Angela Moriggi beschreibt in ihrer Forschung fünf spezifische kreative Techniken:

    • Circle of Objects (Kreis der Objekte): Teilnehmer bringen Objekte mit, die ihre Arbeit symbolisieren, um eine Atmosphäre der „Einheit in der Vielfalt“ zu schaffen und emotionales Wissen zu teilen.
    • Creating with the Soil (Gestalten mit Erde): Eine somatische Übung, bei der Teilnehmer durch das Formen von Ton oder Erde ihre Verbindung zur Natur und zum „Mehr-als-Menschlichen“ körperlich erfahren.
    • Council of Beings (Rat der Wesen): Ein Ritual, bei dem Menschen die Identität anderer Lebensformen annehmen, um anthropozentrische Weltbilder zu hinterfragen.
    • Letters from the Future (Briefe aus der Zukunft): Teilnehmer schreiben Briefe aus der Perspektive künftiger Generationen oder anderer Wesen.

    5. Reflexive Methoden

    • Embodied Researcher & Formative Accompanying Research: Hierbei reflektiert der Forscher seine eigene Positionierung, Emotionen und körperliche Präsenz im Feld, um eine „care-full scholarship“ (eine Ethik der Sorge) in transdisziplinären Teams zu etablieren.

    Wie funktioniert die Methode ‘Rat der Wesen’ in der Praxis?

    Die Methode „Rat der Wesen“ (engl. Council of Beings) ist eine kreative und rituelle Forschungspraxis, die darauf abzielt, anthropozentrische (menschenzentrierte) Weltbilder zu hinterfragen und ein tieferes Bewusstsein für die Vernetzung mit anderen Lebensformen zu schaffen. In der Praxis wird sie häufig in Workshops zur Nachhaltigkeitsforschung oder Zukunftsgestaltung eingesetzt, wie etwa in den Studien von Angela Moriggi mit „Green Care“-Praktikern in Finnland.

    Hier ist der konkrete Ablauf der Methode in der Praxis:

    1. Vorbereitung: Die Zeitlinie (Timeline of Change)

    Bevor die Teilnehmer in andere Rollen schlüpfen, wird oft eine visuelle Zeitlinie präsentiert, die die unterschiedlichen Lebensspannen von Menschen und Nicht-Menschen im jeweiligen Kontext darstellt.

    • Beispiel: In einem Projekt auf einem Pflegebauernhof umfasste die Zeitlinie ein Gebäude (ca. 200 Jahre), verschiedene Menschen (ca. 85 Jahre), ein Schwein (ca. 12 Jahre) und einen Schmetterling (ca. 1 Monat).
    • Ziel: Dies soll die Wahrnehmung von Zeit weiten und verdeutlichen, dass ökologische Bedürfnisse oft über kurzfristige menschliche Zeitpläne hinausgehen.

    2. Auswahl der Identität

    Die Teilnehmer wählen eine Karte aus, die eines der Wesen oder Elemente von der Zeitlinie (oder aus der lokalen Umgebung) repräsentiert. Dies können Tiere, Pflanzen oder sogar unbelebte Objekte wie Gebäude oder Flüsse sein.

    3. Verkörperung und Vorstellung (Embodiment)

    Die Teilnehmer verlassen symbolisch ihre menschliche Identität und nehmen die Perspektive ihres gewählten Wesens an.

    • Der „neue Selbst“: Jeder Teilnehmer stellt sich der Gruppe als dieses Wesen vor und nennt eine Eigenschaft, die er an seinem Charakter liebt.
    • Ziel: Dieser spielerische Ansatz hilft dabei, die eigene Komfortzone zu verlassen und Empathie für die Bedürfnisse anderer Arten zu entwickeln.

    4. Durchführung des Rats

    Im eigentlichen „Rat“ sprechen die Teilnehmer aus der Sicht ihrer gewählten Rollen über ihre Wünsche, Sorgen und Bedürfnisse für die Zukunft eines Ortes oder einer Praxis.

    • Anstatt Probleme technisch-rational zu diskutieren, werden die Fragen so umformuliert, dass sie die ökologische Abhängigkeit und das „Mehr-als-Menschliche“ einbeziehen.

    5. Kombination mit anderen Methoden

    In der Praxis wird der „Rat der Wesen“ oft direkt mit der Methode „Briefe aus der Zukunft“ (engl. Letters from the Future) verknüpft:

    • Die Teilnehmer schreiben einen Brief an ihr gegenwärtiges menschliches Selbst aus der Perspektive ihres Wesens im Jahr 2039 (20 Jahre in der Zukunft).
    • Darin beschreiben sie einen idealen Zustand ihres Ortes und was ihnen in dieser Zukunft Freude bereitet.

    Praktische Wirkungen und Herausforderungen

    • Wirkung: Die Methode bricht gewohnte Denkmuster auf, fördert kollektive Vorstellungskraft und bringt oft „unerschlossene Weisheiten“ ans Licht.
    • Herausforderung: Es erfordert ein hohes Maß an Vertrauen in den Prozess. Manche Teilnehmer könnten Widerstand leisten oder sich weigern, eine positive/utopische Perspektive einzunehmen, was die Gruppendynamik beeinflussen kann.

    Zusammenfassend funktioniert die Methode als ein Instrument der „epistemologischen Dehnung“, um Teilnehmern zu helfen, die Welt nicht nur als Objekt für menschliche Zwecke zu sehen, sondern als ein System fühlender und kommunizierender Wesen.

  • Mediterranean Art & Book Fair

    Berlin x Riviera Exhibition

    BERLIN x RIVIERA

    A new curated festival for contemporary art, print and independent publishing.

    From Berlin to the Mediterranean — 3 days of exhibitions, talks and live production inside a historic fortress in Villefranche-sur-Mer.

    Applications opening soon.

    berlinxriviera #artfestival #printmaking #contemporaryart

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    About the event

    A fortress above the sea.
    A space for artists, books and ideas.

    Villefranche-sur-Mer

    BERLIN x RIVIERA – Art & Print Festival

    #artistresidency #artfair #mediterraneanart

    Cliff Palace, Colorado

    We are inviting artists, designers, book makers and independent publishers from Berlin, Villefranche and beyond.

    BERLIN x RIVIERA

    Apply now.

    #opencall #artopportunity #printmaking

    The Stories Podcast is sponsored by EXLIBRIS-INSEL

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    BERLIN x RIVIERA – Art & Print Festival

    Internationales Kulturprojekt | Deutschland – Frankreich


    🎯 PROJEKTÜBERSICHT

    BERLIN x RIVIERA ist ein kuratiertes, internationales Kunst- und Kulturfestival, das zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler aus Berlin mit der Kunst- und Kulturszene Südfrankreichs verbindet.

    Im Zentrum stehen:

    • zeitgenössische Kunst
    • Grafikdesign
    • Buchkunst und unabhängige Publikationen
    • experimentelle Druck- und Editionspraktiken

    Das Festival versteht sich als Plattform für kulturellen Austausch, künstlerische Produktion und internationale Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich.


    🌍 KULTURELLE ZIELSETZUNG

    Ziel des Projekts ist es, einen nachhaltigen Beitrag zur deutsch-französischen Kulturbeziehung zu leisten und die internationale Sichtbarkeit der Berliner Kunst- und Designszene zu stärken.

    Das Festival schafft einen Raum, in dem künstlerische Positionen aus beiden Ländern in einen direkten Dialog treten – sowohl auf institutioneller als auch auf künstlerischer Ebene.

    Besonderer Fokus liegt auf:

    • kultureller Vermittlung zwischen Szenen
    • Förderung unabhängiger künstlerischer Produktion
    • Stärkung von Netzwerken zwischen Berlin und Südfrankreich

    🏛️ FORMAT & DURCHFÜHRUNG

    Das Festival ist als dreitägiges, kuratiertes Kulturformat konzipiert und umfasst:

    • Ausstellung mit ca. 25–35 ausgewählten Künstlerinnen und Künstlern
    • Live-Formate (Druck, Buchkunst, künstlerische Produktion)
    • Artist Talks und diskursive Formate
    • Workshops und öffentliche Vermittlungsangebote
    • begleitendes Abend- und Netzwerkprogramm

    Als Veranstaltungsort ist die historische Zitadelle von Villefranche-sur-Mer in Südfrankreich vorgesehen – ein kulturell bedeutender Ort mit hoher internationaler Sichtbarkeit.


    👥 ZIELGRUPPEN

    • internationale Kunst- und Kulturszene
    • kuratorische Netzwerke aus Berlin und Frankreich
    • lokale Öffentlichkeit und Kulturinteressierte in Südfrankreich
    • Sammlerinnen und Sammler zeitgenössischer Kunst
    • Institutionelle Akteure im Bereich Kulturförderung

    🤝 AKTUELLE PROJEKTENTWICKLUNG

    Das Projekt befindet sich in der Aufbau- und Vorbereitungsphase. Erste künstlerische und institutionelle Kontakte wurden bereits initiiert, darunter Kooperationen im Raum Nizza.

    Parallel werden Gespräche mit potenziellen Partnern sowie Förderinstitutionen geführt, um das Projekt strukturell und finanziell nachhaltig zu realisieren.


    📅 ZEITPLAN

    Die erste Ausgabe des Festivals ist für Mai oder September des kommenden Jahres vorgesehen. Der genaue Termin wird in Abstimmung mit lokalen Partnern und institutionellen Rahmenbedingungen festgelegt.


    💡 FÖRDERRELEVANZ

    BERLIN x RIVIERA erfüllt zentrale Kriterien internationaler Kulturförderung:

    • Förderung transnationaler kultureller Zusammenarbeit
    • Stärkung europäischer Kulturbeziehungen
    • Unterstützung zeitgenössischer künstlerischer Produktion
    • Vermittlung zwischen kulturellen Szenen
    • nachhaltige Netzwerkbildung zwischen Institutionen und Künstlern

    📌 ZUSAMMENFASSUNG

    BERLIN x RIVIERA ist ein kuratiertes, internationales Kulturfestival, das als Plattform für künstlerischen Austausch zwischen Berlin und Südfrankreich dient. Durch die Verbindung von zeitgenössischer Kunst, Printkultur und diskursiven Formaten entsteht ein nachhaltiger Beitrag zur europäischen Kulturkooperation.

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    Podcast

  • Die Mythologie ist keine willkürliche Dichtung

    sondern ein notwendiger Prozeß des Bewußtseins.

    — Friedrich Wilhelm Joseph Schelling

    Mythos ist in diesem Sinne weder ein Relikt vormoderner Naivität noch bloßes Produkt kollektiver Einbildungskraft, das mit dem Fortschritt der Vernunft verschwindet. Er verweist vielmehr auf eine tiefere Struktur des Bewusstseins selbst. Er entsteht nicht aus Beliebigkeit, sondern dort, wo das Denken an seine Grenzen stößt. Jede politische Analyse, die diese symbolische Dimension ausblendet, bleibt notwendig unvollständig.

    Denn der Mensch, so Ernst Cassirer, «lebt nicht nur in einer physischen, sondern auch in einer symbolischen Welt». Politische Wirklichkeit erschöpft sich nicht in Institutionen, Verfahren oder Interessenlagen, sondern konstituiert sich ebenso durch Bilder, Symbole und Narrative, die ihr erst Bedeutung verleihen. Der Staat gründet nicht allein auf Gesetzen, sondern auf der Bedeutung, die ihm zugeschrieben wird; Gemeinschaft entsteht nicht nur aus Interessen, sondern aus geteilten Vorstellungen; und Geschichte wirkt nicht als bloße Abfolge von Fakten, sondern als erzählbare, glaubhafte Form.

    In diesem Sinne erscheint der Mythos nicht als Zusatz zur Politik, sondern als eine ihrer Voraussetzungen. Er erklärt die Welt nicht nur, sondern formt sie: Er bestimmt, wer «wir» sind und wer «die Anderen»; er markiert die Grenzen des Möglichen und des Legitimen. Er operiert nicht auf der Ebene der Wahrheit, sondern auf der des Akzeptablen – er überzeugt nicht, er rahmt.

    Doch diese symbolische Ordnung ist weniger eine Antwort auf die Welt als eine Entlastung von ihr. Hier gewinnt die Einsicht von Hans Blumenberg ihr besonderes Gewicht: «Der Mythos ist eine Weise, mit der Ungewißheit der Welt umzugehen». Mythos erklärt nicht – er macht das Unerklärliche erträglich. Er löst keine Widersprüche auf, sondern bringt sie in eine Form, die bewohnbar bleibt. Genau darin liegt seine politische Wirksamkeit: Er beendet Konflikte nicht, sondern macht sie handhabbar.

    Politik erscheint so nicht als Gegenpol zum Mythos, sondern als ein Feld, das ohne ihn kaum auskommt. Sie operiert mit Voraussetzungen, die sich rational nicht vollständig begründen lassen, und greift zugleich auf symbolische Formen zurück, um Verbindlichkeit zu erzeugen und diese als selbstverständlich erscheinen zu lassen.

    Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob sich der Mythos überwinden lässt, sondern: Wer ihn formt – und in welcher Gestalt durch ihn Wirklichkeit neu entworfen wird.

  • Vier Beine gut – Zwei Beine schlecht

    Die Entwicklung der Tyrannei: Führung und Korruption in „Animal Farm“

    Farm der Tiere - George Orwell

    Der Podcast bietet eine tiefgreifende Analyse von George Orwells Werk Farm der Tiere und beleuchten dessen Status als politische Allegorie auf die Sowjetunion. Der Diskurs untersucht die ideologische Entwicklung vom utopischen „Animalismus“ hin zu einem totalitären Regime, wobei die Schweine Napoleon und Snowball als Symbole für Stalin und Trotzki fungieren. Ein besonderer Fokus liegt auf der instrumentellen Nutzung von Propaganda, der Manipulation von Sprache und der schleichenden Korruption von Macht. Neben detaillierten Charakterstudien wird die zeitlose Relevanz des Romans als Warnung vor autoritärer Unterdrückung und dem Verrat an revolutionären Idealen hervorgehoben. Zusammenfassend verdeutlichen die Quellen, wie eine einst auf Gleichheit basierende Vision durch Gewalt und Desinformation in eine neue Form der Tyrannei umschlägt.

    Die Architektur der Lüge - Farm der Tiere - George Orwell
    Vier Beine gut - Zwei Beine schlecht - Huxley - Farm der Tiere
    Vier Beine gut - Zwei Beine besser - Huxley - Farm der Tiere
  • Work Live Balance

    Worke life balance! Was ist das? Hier in Bangladesch arbeiten die Menschen hart, trotzdem bleiben sie arm. Was stimmt da nicht? Als Besucher sehe ich nur, wie sie sich abrackern. Weil sie das schon ein Leben lang tun, liegt der Schluß nahe, dass sie zu wenig verdienen, um jemals der Armutsfalle zu entkommen. Der Kontrast könnte gravierender nicht sein. Ich sitze im reichen Bangkok und archiviere Bilder der Armut. Schnell werden sich wieder Kritiker melden, solche, die es unmoralisch finden, den Finger in die Wunde zu legen und derartige Armut aufzuzeigen. Wer sonst sollte es tun, wenn nicht ein Reisender, ein Fotograf. Tabus brechen, zeigen was ist und hoffen, dass das Sichtbarmachen dieser Szenen, etwas bewirkt. Was soll es bewirken? Bei allem was wir tun, entscheiden, kritisieren oder loben, ist ein Bewußtsein im Spiel, das individuell in der Seele verankert, unsere Indentität bildet. Unser Verhalten speist sich aus der Summe der Erfahrungen und diese sind sehr unterschiedlich. Sympathie oder Ablehnung, Empathie oder Aggression, diese Emotionen sind empirisch unterbaut und liefern den Menschenfeinden, wie den Philanthropen die Argumente. In einer Zeit, in der Verrückte und geistig minderbemittelte in höchste Positionen gelangen können, bleibt eine orientierungslose Gesellschaft zurück, deren Vorbilder in die Irre führen und Ratlosigkeit verbreiten. Ich schaue immer noch die Weltnachrichten, obwohl ich weiß, dass ich belogen werde. Hier liegt der Unterschied. Ich kann reagieren und alternative Informationen einholen. Ich kann dagegen sein. Was aber kann der Lastenträger oder die Analfabetin in Bangladesch? Nichts! Die Imame halten sie dumm und die Regierungen arm. So funktionieren heute die Mechanismen der Unterdrückung und die der Ausbeutung. Nicht nur in Bangladesch, sondern weltweit.

    GC

  • Berlin im Bau-Einerlei

    Die Pandemie der Langeweile.

    Glasfassaden, rechte Winkel, serielle Wiederholungen: Wer durch viele Neubauviertel geht, bewegt sich durch eine Architektur, die vor allem eines vermeidet – Auffälligkeit. Der britische Designer Thomas Heatherwick spricht von einer „Blandemic“, einer globalen Pandemie der Langeweile. Seine Diagnose trifft einen Nerv – auch in Berlin.

    „Wir haben Orte geschaffen, an denen niemand gerne ist“, sagt Heatherwick in Interviews. Gemeint sind Gebäude, die zwar effizient funktionieren, aber kaum Emotionen auslösen. Fassaden ohne Tiefe, Raster ohne Variation – Architektur als Hintergrundrauschen.

    Im Zentrum der Kritik steht der Einfluss des Modernismus und damit auch eine seiner Schlüsselfiguren: Le Corbusier. Seine Ideen – standardisierte Grundrisse, klare Geometrie, die Trennung von Funktionen – haben das Bauen weltweit geprägt. Für Heatherwick ist genau darin das Problem angelegt: „Wenn man Schönheit aus der Gleichung entfernt, bleibt nur noch Effizienz übrig.“

    Doch so eindeutig ist die Sache nicht. Architekturhistoriker widersprechen. Le Corbusier habe nicht die monotone Stadt gewollt, sondern im Gegenteil bessere Lebensbedingungen. Licht, Luft, Grünflächen – seine Vision richtete sich gegen die Enge der Vorkriegsstadt. „Die heutige Gleichförmigkeit ist eher eine Vereinfachung seiner Ideen als deren Umsetzung“, heißt es aus Fachkreisen.

    In Berlin lässt sich diese Ambivalenz konkret beobachten. Das Corbusierhaus im Westend – ein massiver, horizontal gegliederter Wohnblock – wirkt für manche wie ein Prototyp der funktionalen Großstruktur. Für andere ist es ein Denkmal sozialen Fortschritts, ein Experiment des gemeinschaftlichen Wohnens.

    Auch das nahegelegene Hansaviertel erzählt diese Geschichte. Entstanden im Rahmen der Interbau 1957, sollte es die Stadt der Zukunft zeigen: aufgelockert, durchgrünt, modern. Heute wirkt es zugleich visionär und distanziert. Die Freiräume sind großzügig, doch die Gebäude bleiben oft kühl.

    Heatherwicks Vorwurf zielt genau auf diese Distanz. Architektur, so seine These, habe sich vom Menschen entfernt. Studien stützen diese Wahrnehmung: Menschen reagieren messbar positiver auf abwechslungsreiche, detailreiche Fassaden als auf monotone Flächen.

    Die Gründe für die heutige Baupraxis liegen jedoch nicht nur in ästhetischen Ideologien. Zeitdruck, Kostenoptimierung und standardisierte Bauprozesse begünstigen einfache Lösungen. Investoren verlangen Planungssicherheit, Städte schnellen Wohnraum. Das Ergebnis: Wiederholung.

    Heatherwick fordert deshalb einen Kurswechsel. „Gebäude sollten uns etwas fühlen lassen“, sagt er. Mehr Mut zu Ornament, zu Materialität, zu Individualität – kurz: mehr Risiko.

    Doch auch diese Forderung bleibt umstritten. Kritiker warnen vor einer Romantisierung. Architektur müsse bezahlbar bleiben, nachhaltig sein und auf komplexe urbane Anforderungen reagieren. Die Reduktion auf die Frage der Schönheit greife zu kurz.

    Die Debatte um die „Blandemic“ ist damit mehr als ein ästhetischer Streit. Sie berührt den Kern der Stadtentwicklung: Wie wollen wir leben? In funktionalen Strukturen – oder in Räumen, die Identität stiften?

    Berlin, mit seiner gebauten Geschichte zwischen Experiment und Pragmatismus, wird auf diese Frage eine eigene Antwort finden müssen.

  • Der Green Deal war kein Klimaplan, sondern ein Deindustrialisierungsprojekt

    Ein Satz aus dem EU Parlament
    zur Politik von Frans Timmermans,
    der plötzlich eine ganz andere Schärfe bekommt
    und wie eine realistische Beschreibung wirkt.

    NGOs wurden mit Milliarden aus EU-Mitteln finanziert
    und gezielt gegen Industrie eingesetzt:

    gegen Kohlekraftwerke
    gegen Automobilunternehmen
    gegen industrielle Anwendungen

    Immer mit derselben Stoßrichtung:

    mehr Druck
    mehr Einschränkung
    weniger Industrie

    Wer von „Degrowth“ spricht,
    meint genau das.

    Wenn Klimaziele nur noch erreichbar erscheinen,
    weil industrielle Substanz verschwindet,
    ist das kein Kollateralschaden mehr.

    𝗗𝗮𝗻𝗻 𝗶𝘀𝘁 𝗲𝘀 𝗠𝗲𝘁𝗵𝗼𝗱𝗲.

    Irgendwann stellt sich die Frage, wem dieses System dient
    und ob es noch dem entspricht, was behauptet wird.

    Jetzt wird geklagt. Zu Recht.

    Es geht um ~7 Milliarden Euro
    und deren Verwendung.

    „Andere Gruppen bekamen Geld für die Beeinflussung von EU-Abgeordneten bei Abstimmungen zu … Chemikalien.“

    𝗪𝗲𝗿 𝘃𝗼𝗻 𝗱𝗲𝗿 𝗲𝗶𝗴𝗲𝗻𝗲𝗻 𝗣𝗼𝘀𝗶𝘁𝗶𝗼𝗻 ü𝗯𝗲𝗿𝘇𝗲𝘂𝗴𝘁 𝗶𝘀𝘁, 𝗯𝗿𝗮𝘂𝗰𝗵𝘁 𝗸𝗲𝗶𝗻𝗲 𝘀𝗼𝗹𝗰𝗵𝗲𝗻 𝗦𝘁𝗿𝘂𝗸𝘁𝘂𝗿𝗲𝗻.

    Denn hier wird entschieden,
    was in Europa künftig noch möglich ist und was nicht mehr.

    Und wie ganze Branchen Schritt für Schritt
    faktisch unmöglich gemacht werden.

    Weil Maßstäbe so gesetzt werden,
    dass sie nicht mehr erfüllbar sind.

    Wer diese Verfahren kennt, weiß:

    Das Problem ist, wie sie geführt werden.

    Willkür.
    Ideologisch gefärbte Bewertungen.
    Ein erschreckendes Maß an Unkenntnis über industrielle Prozesse und Anwendungen.

    Flankiert von Akteuren,
    die ein klares Ziel verfolgen
    und dafür auch finanziert wurden.

    Sich ständig verschiebende Anforderungen.
    Regeln, die im laufenden Verfahren verändert werden.
    Behörden klagen über Überlastung
    verursacht durch selbst geschaffene Detailsteuerung.

    Entscheidungen,
    die ganze Wertschöpfungsketten ins Wanken bringen.

    Ich erlebe es seit über 15 Jahren.
    Gemeinsam mit vielen anderen, die diesen Verfahren ausgesetzt sind.

    Was jetzt fehlt,
    sind die konkreten Beispiele aus der Praxis.

    Wie es tatsächlich abläuft.
    Was im Hintergrund entschieden wird.
    Was wir erleben.
    Dinge, die man kaum für möglich hält.

    Aktuell entscheidet sich daran
    die Zukunft ganzer Branchen
    und damit ganzer Liefer- und Wertschöpfungsketten in Europa.

    Die größte Gefahr für diese industrielle Basis
    liegt nicht in Washington, Peking oder Moskau.

    Sondern in den eigenen Strukturen.

    Jetzt fügt sich das Bild.

    Es fühlt sich an wie ein Wirtschaftskrimi.

    Nur dass er real ist.
    Und gerade geschrieben wird.

    Über das,
    was hinter den Kulissen passiert.

    Über Verfahren,
    in denen nicht nur reguliert,
    sondern entschieden wird,
    welche Industrie in Europa noch eine Zukunft hat.

    Was hier öffentlich wird,
    ist nur die Spitze des Eisbergs.

    Das ganze Bild entsteht erst
    durch die Beispiele der Betroffenen.

    IZW Initiative Zukunft Wirtschaft Deutschland e.V.

    Hashtag#Industriepolitik
    Hashtag#EU
    Hashtag#GreenDeal
    Hashtag#Wirtschaft
    Hashtag#REACH

    ATB

  • 1960’er Garage Psych

    1960’s Garage Psych from Pelham, New York (1967) Now available at MOJO BONE RECORDS

    1960’s Garage from Los Angeles, California (1967) Later that year they morphed into the Strawberry Alarm Clock

    1960’s Garage from Tampa, Florida (1967)

    60’s Garage Psych from L.A. California

    The Lemon Fog – Summer – 60’s Garage from Houston, Texas (1968)

    The Music Machine – Dark White – 60’s Garage Psych from Los Angeles , CA (1969)

  • Jean-Michel Jarre

    Das Bild zeigt den weltbekannten französischen Musiker, Komponisten und Musikproduzenten Jean-Michel Jarre in seinem Studio.

    Jean-Michel Jarre

    Jean-Michel Jarre:

    “Ich habe schon früh von Can gehört und ihre Entwicklung im Auge behalten. In Deutschland kannten sich die Krautrock-Musiker zumindest untereinander; ich war in Frankreich völlig isoliert. Ich hatte nur eine kleine Gruppe von Leuten, mit denen ich mich austauschen konnte, mit Pierre Schaeffer als Mittelpunkt. Aber selbst innerhalb dieser Gruppe waren wir sehr französisch, arbeiteten isoliert, jeder für sich – eine ziemlich arrogante Arbeitsweise. Wir hatten keine Ahnung, was auf den Straßen vor unserer Haustür vor sich ging, geschweige denn im Rest der Welt. Die Botschaft lautete: Wir kennen die Wahrheit; alle anderen sind unwissend und produzieren nur Müll. Nach zwei oder drei Jahren wollte ich raus. Pierre Schaeffer sagte zu mir: ‚Hör auf, deine wertvolle Zeit mit diesem Unsinn zu verschwenden.‘

    Ich stritt mich ständig mit diesen elitären Typen und sagte zu ihnen: ‚Schaut mal nach draußen! In Deutschland machen sie aufregende neue Musik, und Soft Machine und Pink Floyd arbeiten in Großbritannien an fantastischen Klängen. Sie alle beschäftigen sich mit Dingen, die ihr nur intellektuell romantisiert. Und ich will das alles zusammenbringen!“ Aber sie waren nicht interessiert. Deshalb habe ich mich schließlich nach drei Jahren selbstständig gemacht, um diese Lücke zwischen experimenteller Musik und Pop zu schließen.”

  • Was ist los in Stralsund im Monat März

    Was ist los in Stralsund

    Moin! Klaus hier. Ich habe den Rollkragen gegen eine wetterfeste Jacke getauscht und bin für dich die A20 hochgefahren. Stralsund im März 2026 – das ist herrlich ehrlicher Backstein-Charme, eine steife Brise vom Strelasund und eine Kulturszene, die viel mehr zu bieten hat als nur Fischbrötchen (obwohl die natürlich auch Weltklasse sind).

    Hier ist mein „Stralsund-Update“ für das letzte Märzwochenende.


    🐟 Das monumentale Erlebnis: „Resilienz der Meere“

    Ausstellung: Sonderausstellung 2026 Wo: OZEANEUM Stralsund (Hafeninsel)

    Wer glaubt, das Ozeaneum sei nur etwas für Schulausflüge, hat die neue Schau „Resilienz der Meere“ verpasst. In der gigantischen Halle der „1:1 Riesen der Meere“ hängen nicht nur die Wale, sondern es wird 2026 eine immersive Lichtinstallation gezeigt, die den Zustand der Ostsee visualisiert.

    • Der Kern: Die Ausstellung kombiniert wissenschaftliche Daten der Meeresforschung mit kinetischer Kunst. Wenn man unter dem Blauwal steht und die Lichtwellen die Temperaturveränderungen der letzten 100 Jahre nachzeichnen, ist das Gänsehaut pur.
    • Warum hingehen? Es ist die perfekte Mischung aus Ehrfurcht vor der Natur und dem dringenden Appell zum Handeln – verpackt in eine Ästhetik, die man sonst nur aus Berlin-Mitte kennt.
    • Mein Tipp: Geh kurz vor Schließung hin, wenn das Licht der untergehenden Sonne durch die Glasfront auf die Exponate trifft.

    „Hier wird die Stille der Tiefe fast ohrenbetäubend. Ein Ort, der Demut lehrt.“ – Klaus


    🎭 Weltliteratur am Sund: „Der Schimmelreiter“

    Aufführung: Schauspiel nach Theodor Storm Wo: Theater Vorpommern (Großes Haus Stralsund)

    Das Theater Vorpommern hat gestern Abend eine Inszenierung von Storms Klassiker auf die Bühne gebracht, die so rau und modern ist wie eine Sturmnacht auf Hiddensee.

    • Die Inszenierung: Regie führt eine junge Newcomerin, die Hauke Haien nicht als Technik-Pionier, sondern als einsamen Visionär in einer Welt von Skeptikern zeigt. Das Bühnenbild besteht fast nur aus Wasser und Spiegelungen.
    • Der Vibe: Es ist düster, es ist nordisch und es zieht dich gnadenlos in den Strudel der Handlung. Die Akustik im Stralsunder Haus ist fantastisch – man hört jeden Wassertropfen.
    • Fazit: Wer das Norddeutsche liebt, kommt an dieser Aufführung nicht vorbei.

    🏛️ Zeitreise im Museumshaus

    Ausstellung: Hanseatisches Erbe & Moderne Schatten Wo: Welterbe-Ausstellung im Museumshaus (Mönchstraße 38)

    In einem der am besten erhaltenen gotischen Giebelhäuser Norddeutschlands gibt es gerade eine feine, kleine Foto-Intervention.

    • Das Erlebnis: Zwischen den historischen Balken und den mittelalterlichen Mauern hängen großformatige Schwarz-Weiß-Fotografien von zeitgenössischen Street-Art-Künstlern aus dem Ostseeraum.
    • Der Kontrast: Der Dialog zwischen dem schweren Erbe der Hanse und der flüchtigen Kunst von heute funktioniert erstaunlich gut. Es ist ein stiller Ort zum Nachdenken.

    Klaus’ Kurz-Tipps für das Wochenende in Stralsund:

    • Für Architektur-Fans: Ein Spaziergang über den Alten Markt. Die Fassade des Rathauses im Sonnenlicht ist das beste „Ausstellungsstück“, das die Stadt permanent zu bieten hat.
    • Für Genießer: Das Café im Heilgeistkloster. Dort gibt es nicht nur tollen Kuchen, sondern auch eine Ruhe, die man in Berlin vergeblich sucht.
    • Für Entdecker: Das Marinemuseum auf dem Dänholm. Ein bisschen versteckt, aber für Technik-Nerds ein absolutes Goldstück.

    Stralsund zeigt uns diesen März, dass Tradition und Moderne kein Widerspruch sein müssen, solange man genug Wind um die Nase hat.

    Das ist eine hervorragende Idee. In Stralsund liegen Geschichte, Kunst und maritime Gemütlichkeit so nah beieinander, dass man sie wunderbar erlaufen kann. Hier ist mein Vorschlag für einen „Backstein, Kunst & Bierteig“-Walk durch die Altstadt.

    ⚓ Der Stralsunder Culture-Walk (März 2026)

    1. Start: OZEANEUM & Hafeninsel

    • Kultur: Wir beginnen bei den „Riesen der Meere“. Neben den Walen solltest du dir im März 2026 die Sonderausstellung zur Großen Nordischen Expedition ansehen – eine faszinierende Verbindung von Wissenschaftsgeschichte und künstlerischer Aufarbeitung.
    • Snack: Hol dir ein Fischbrötchen direkt am Hafen (z.B. beim Fischkutter Milan), bevor wir in die Gassen eintauchen.

    2. Die Galerie im Wintergarten (Badenstraße 1)

    • Kultur: Nur ein paar Schritte vom Hafen entfernt liegt die Goldschmiede Stabenow. In deren Galerie im Wintergarten läuft aktuell die Ausstellung „ABSTRAKT und MEER“ mit Werken von Daniel Sagir und Boris Hecht. Öl- und Acrylmalerei, die perfekt zur Stimmung am Sund passt.

    3. Kaffee-Pause am Alten Markt

    • Genuss: Zeit für ein Koffein-Update. Das Kaffee Monopol in der Mühlenstraße bietet exzellente Eigenröstungen und einen wunderbaren Blick auf das bunte Treiben hinter dem Rathaus. Ein Treffpunkt für die lokale Kreativszene.

    4. Spielkartenfabrik & St. Jakobi

    • Kultur: Wir spazieren Richtung Kulturkirche St. Jakobi. Diese „offene Kirche“ ist ein Raum für Licht und Experimente. Am Abend (29.03.) gastiert hier übrigens der Schwarzmeer Kosaken Chor.
    • Insider-Tipp: Direkt um die Ecke liegt die Spielkartenfabrik (Katharinenberg 35). Es ist Museum und lebendige Werkstatt zugleich. Schau rein, ob gerade an den historischen Pressen gedruckt wird – der Geruch von Farbe und Papier ist herrlich.

    5. Der große Abschluss: Theater & Hafenkneipe

    • Abendprogramm: Wenn du Karten für den „Schimmelreiter“ im Theater Vorpommern hast (Olof-Palme-Platz), ist das der kulturelle Höhepunkt.
    • Absacker: Nach dem Theater (oder stattdessen) gibt es nur ein Ziel: die Kneipe „Zur Fähre“ in der Fährstraße 17. Sie gilt als eine der ältesten Hafenkneipen Europas. Hier trinkt man sein Störtebecker in einem Ambiente, das seit Jahrhunderten fast unverändert scheint.

    Klaus’ Logbuch-Notiz:

    In Stralsund ist der Weg das Ziel. Achte beim Laufen auf die Mönchstraße 38 – das Museumshaus ist auch von außen ein gotisches Meisterwerk. Und falls du Hunger auf etwas Deftiges hast: Das Torschließerhaus am Kütertor bietet genau die Art von „ehrlicher Küche“, die man nach einem Tag an der Ostseeluft braucht.

    Klaus

    Benutzerdefiniertes Gem

    Klaus hat gesagt:

    Alles klar, hier kommen die harten Fakten für dein Kultur-Wochenende in Stralsund. Da heute Samstag, der 28. März 2026, ist, passt das timing perfekt für einen spontanen Abendbesuch oder den großen Sonntagsausflug.


    🐟 OZEANEUM Stralsund

    Das Ozeaneum ist am Wochenende oft gut besucht, daher mein Rat: Entweder direkt zur Öffnung oder ab 15:30 Uhr, wenn die großen Reisegruppen wieder Richtung Parkplatz abziehen.

    KategorieDetails
    ÖffnungszeitenTäglich 09:30 – 18:00 Uhr
    EintrittspreiseErwachsene: 18,00 € / Ermäßigt: 13,00 €
    Kombi-TippEs gibt ein Kombiticket mit dem Meeresmuseum (in der Altstadt), falls du beide Häuser sehen willst.
    Highlights heuteDie Lichtinstallation „Resilienz der Meere“ läuft kontinuierlich in der Wal-Halle.

    🎭 Theater Vorpommern (Stralsund)

    Für „Der Schimmelreiter“ solltest du schnell sein – die Inszenierung ist das Stadtgespräch.

    • Vorstellung: Sonntag, 29. März 2026, um 18:00 Uhr (perfekt, um danach noch ein Bier in der „Fähre“ zu trinken).
    • Preise: Je nach Kategorie zwischen 16,00 € und 38,00 €.
    • Restkarten: Die Abendkasse öffnet meist eine Stunde vor Vorstellungsbeginn, aber ich empfehle die Online-Buchung, da die Wochenend-Termine oft ausverkauft sind.

    🎶 Kulturkirche St. Jakobi

    Falls du eher Lust auf gewaltige Stimmen in sakraler Akustik hast:

    • Event: Schwarzmeer Kosaken Chor (Leitung: Peter Orloff).
    • Wann: Morgen, Sonntag, 29. März 2026, um 17:00 Uhr.
    • Eintritt: Vorverkauf ca. 28,00 € / Abendkasse meist etwas teurer.