Kategorie: Gesellschaft

  • Zukunftspreis Stralsund: Die Gewinner stehen fest

    Die Hochschule und Hansestadt Stralsund haben am 21. November erstmalig gemeinsam den Zukunftspreis verliehen. Bei der Premiere für diesen neuen Wettbewerb unter der Motto „Zukunft Stralsund – digital gemeinsam gestalten“ wurden in den drei Kategorien Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft Preise vergeben, die mit jeweils 1.000 Euro dotiert waren und von der IHK zu Rostock, der Hochschule Stralsund und der Hansestadt Stralsund gestiftet wurden.

    Gewinner in der Kategorie Zivilgesellschaft ist die SHV Handball GmbH Stralsund. Im Bereich Wirtschaft gewannen Angela Seibert und William Will mit einem Projekt zur 3D-Fertigung. Die Kategorie Wissenschaft konnte die unseKinder gGmbH mit digitalen Bildungslösungen zur Bewältigung des Fachkräftemangels für sich entscheiden.

    „Aus ein paar Gedanken in dieselbe Richtung ist ein ganz neues Format für Stadt und Hochschule geworden“, so Hochschul-Rektor Prof. Dr. Ralph Sonntag anlässlich der Preisverleihung. „Wir wollen gemeinsam eine Ideenschmiede sein für zivilgesellschaftliche Ideen, wirtschaftlich relevante und solche aus dem akademischen Raum. Wir wollen gemeinsam die Zukunft unserer Stadt denken.“ 

    Die Laudationen hielten Prof. Dr. Gero Wedemann, Leiter des Institute For Applied Computer Science (IACS) an der Hochschule (Kategorie Wissenschaft), Steffi Behrendt, Amtsleiterin für Kultur, Welterbe und Medien der Hansestadt Stralsund (Kategorie Zivilgesellschaft), sowie Torsten Grundke, Vizepräsident der IHK zu Rostock (Kategorie Wirtschaft). 

    In ihrer Laudatio auf den Stralsunder Handballverein SHV hob Steffi Behrendt hervor: „Was mit der Liebe zum Handball begann, hat sich zu einer Bewegung entwickelt, die Stralsund als Stadt des Miteinanders und der gemeinsamen Verantwortung stärkt.“ Zudem zeige der SHV „mit Initiativen wie der Spendenaktion zugunsten des Kinder- und Jugendhospizes oder der Unterstützung geflüchteter ukrainischer Sportler, wie gelebte Solidarität aussehen kann“. Und sie betonte: „Der SHV setzt den Teamgedanken nicht nur im Sport, sondern auch in der Gesellschaft um, indem er einen engen Zusammenhalt zwischen Spielern, der Vereinsführung und der Stadtgesellschaft fördert.“ 

    Prof. Dr. Gero Wedemann wiederum stellte in seiner Laudatio fest, dass „unseKinder weit mehr ist als eine Kita oder eine Schule – Es ist ein lebendiger Ort des Miteinanders, ein Raum, der Neugier entfacht, Talente entfaltet und Kinder als Gestalter ihrer Welt begreift“. Er betonte: „Der Kinder- und Jugendcampus hat nicht nur Stralsund bereichert, sondern setzt Maßstäbe für ganz Deutschland. Er zeigt, wie wir Bildung neu denken können: als Brücke zwischen Generationen, als Werkzeug für Chancengleichheit und als Schlüssel zu einer nachhaltigeren Zukunft.“ Und mit Blick in die Zukunft sagt er: „Durch digitale Kompetenzförderung, KI-gestützte Lernanwendungen und offene Lernformen schafft der Campus einen Lernraum, der nicht nur modern, sondern auch individuell ist – einen Raum, in dem jede und jeder den eigenen Weg gehen darf.“ 

    Torsten Grundke hob in seiner Laudatio in der Kategorie Wirtschaft hervor: „Mit ihrem Engagement und ihrer Leidenschaft sind Frau Seibert und Herr Will ein Gewinn für unsere Region. Sie zeigen, wie wir gemeinsam die Zukunft von Stralsund und darüber hinaus gestalten können. Dieses Projekt erfüllt alle Kriterien der Kategorie „Wirtschaft“ in herausragender Weise: Es hat einen starken Einfluss auf die Region, bietet eine hohe Übertragbarkeit – gerade für kleine Unternehmen – und trägt zur nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung bei. Das Team hat gezeigt, wie technisches Fachwissen und unternehmerisches Denken zusammenwirken können, um Innovationen zu schaffen, die wirtschaftlich und ressourcenschonend zugleich sind.“

    Im Anschluss gab es einen regen Austausch zwischen allen Beteiligten zu Zukunftsthemen und zu den vielfältigen Ideen der Bewerberinnen und Bewerber des Zukunftspreises. Sie präsentierten ihre Projekte auf Bannern und Präsentationswänden im Audimax.

    Für Dr. Sonja Gelinek, Senatorin und 2. Stellvertreterin des Oberbürgermeisters, steht bereits jetzt fest: „Schon mit diesem ersten Wettbewerb haben wir gesehen, welches Potenzial wir in unserer Stadt und auch außerhalb haben, um Ideen für Stralsunds Zukunft zu entwickeln. Das bestärkt uns darin, den Zukunftspreis von Hochschule und Hansestadt langfristig zu etablieren.“

    Die Gewinner im Porträt


    Kategorie Zivilgesellschaft
    SHV Handball GmbH Stralsund: Sei Teil des Teams

    Seit Januar 2023 hat sich der Stralsunder HV (SHV Handball GmbH Stralsund) unter der neuen Leitung von Steffen und Doreen Fischer stark weiterentwickelt. Im Fokus stehen dabei nicht nur sportliche Erfolge, sondern auch wirtschaftliches Wachstum. 
    Der SHV setzt auf professionelle Strukturen und baut ein starkes Netzwerk mit regionalen Unternehmen auf, um wirtschaftliche Synergien zu schaffen. Durch gezielte Partnerschaften und den „SHV-Business-Club“ werden der gewinnbringende Austausch und die Zusammenarbeit in der Region gefördert. Gleichzeitig zeigt der SHV große soziale Verantwortung durch Spendenaktionen und Projekte zur Jugendförderung, die den Zusammenhalt und die Integration in der Gemeinschaft stärken. 
    Ziel ist es, die 1. Männermannschaft bis 2030 in der 2. Handball-Bundesliga zu etablieren und gleichzeitig die wirtschaftliche Stärke der Region sowie das soziale Engagement nachhaltig zu fördern. 


    Kategorie Wirtschaft
    Projekt zur 3D-Fertigung

    Das Projekt zielt darauf ab, die Fertigung von Bauteilen im 3D-Druck-Verfahren Fused Deposition Modeling (FDM) durch Optimierung der Schichthaftung zu verbessern. Im Fokus steht eine Anwendung, die auf Basis gesammelter Daten Bauteile simuliert und Konstruktionen optimiert. Zugproben sollen entwickelt werden, um Einflussfaktoren wie Drucktemperatur oder Abkühlung besser zu verstehen. 
    Die Daten fließen in Materialmodelle ein, die zur genaueren Belastungsanalyse (FEM) genutzt werden. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz sollen die Erkenntnisse weiter automatisiert und zur Prozessoptimierung verwendet werden, um präzisere Vorhersagen und kostenoptimierte Fertigung zu ermöglichen. Zielgruppe sind Unternehmen, die FDM-Druck nutzen. 

    Kategorie Wissenschaft 
    Digitale Bildungslösungen zur Bewältigung des Fachkräftemangels

    In einer Zeit, in der der Fachkräftemangel insbesondere im Bildungssektor immer akuter wird, präsentiert der Kinder- und Jugendcampus Stralsund der unseKinder gGmbH eine zukunftsweisende Lösung, die nicht nur den Mangel an qualifizierten Lehrkräften adressiert, Unterrichtsausfall reduziert, sondern auch die Bildungsqualität nachhaltig verbessert. Durch die innovative Kombination von digitalen Bildungsangeboten und dem Einsatz von Fachlehrern aus anderen Bundesländern oder sogar aus dem Ausland, entsteht ein flexibles und effizientes Bildungssystem, das sich an die Bedürfnisse der Schüler und die Verfügbarkeit von Lehrkräften anpasst.

  • Einladung zur “Wir und KI”

    gerne möchten wir, – der MakerPort Stralsund, die Project Bay Lietzow und die Hochschule Stralsund – alle Interessierten am 05.09.2024 von 13:00 Uhr bis 18:00 Uhr an die Hochschule Stralsundzur 4. Regionalkonferenz für die Vorpommern-Rügen mit dem Thema „Wir und KI: Gemeinsam Zukunft mITgestalten“ einladen.

    Die Veranstaltung steht dieses Jahr im Zeichen von „Künstlicher Intelligenz“. Gemeinsam möchten wir mit den Teilnehmenden fokussieren, wie wir unsere Region und die KI-Technologie gestaltend verbinden können. Wir bieten einen Raum und die Gelegenheit für den Austausch, diese innovativen Technologien und Lösungen zu bewerten. Konkrete Tools und Best Practices werden vorgestellt und mit Formaten zum Erproben, Kennenlernen und Austauschen gefüllt. Das Ziel der Konferenz ist es, eine Verbindung von Ideen und Kooperationen in der Region zu entfachen, um gemeinsam die digitale Zukunft zu gestalten.

    Das ausführliche Programm und weiterführende Informationen zur Veranstaltung finden Sie unter: https://makerport.de/events/regionalkonferenz_092024 oder in der beigefügten Einladung.

  • Flaggentag der Mayors for Peace am 8. Juli 

    Stralsund zeigt Flagge für den Frieden Flaggentag der Mayors for Peace am 8. Juli.

    Kriege, Terror und eine weltweite Bedrohung der Demokratien: Vor diesem Hintergrund findet am 8. Juli der Flaggentag der Mayors for Peace statt. Auch die Hansestadt Stralsund als Teil des globalen Netzwerks und eine von knapp 900 Mitgliedstädten setzt mit dem Hissen der Mayors for Peace Flagge am Rathaus ein deutliches Zeichen gegen Kriege und für eine friedliche Welt ohne Atomwaffen. 

    Neun Länder verfügen aktuell über Atomwaffen, die meisten der akut einsatzbereiten Waffen besitzen die USA und Russland. China baut sein Atomwaffenarsenal in großer Schnelligkeit weiter aus. Die Zahl der in hoher Alarmbereitschaft gehaltenen Sprengköpfe stieg auf rund 2.100. In allen nuklear bewaffneten Staaten sieht das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI Bestrebungen, die Bestände zu modernisieren.

    Zudem geht der anhaltende russische Angriffskrieg auf die Ukraine einher mit einem Rückzug Russlands aus internationalen Verträgen, die den Besitz strategischer Kernwaffen begrenzen und Atomtests stoppen. 

    Oberbürgermeister und „Mayor for Peace“ Alexander Badrow zum Flaggentag
    „Uns alle eint der tiefe Wunsch nach Frieden. Er beginnt bei uns selbst und setzt sich über den eigenen Gartenzaun hinweg fort über die Grenzen unserer Stadt, des Landes und Europas. Als Mitglied eines weltweiten Netzwerks hissen wir jedes Jahr die weiß-grüne Flagge der Mayors for Peace – sie verleiht unserem Wunsch nach Verständigung und Vertrauen statt Aufrüstung und atomarer Abschreckung sichtbaren Ausdruck. Denn letztendlich geht es mir vor allem um die Sicherheit meiner Stralsunderinnen und Stralsunder.“

    Was ist der Flaggentag
    Am Flaggentag erinnern die Mayors for Peace an ein Gutachten des Internationalen Gerichtshofes in Den Haag vom 8. Juli 1996. Darin wurde festgestellt, dass die Androhung und der Einsatz von Atomwaffen gegen das Völkerrecht verstoßen, und dass eine völkerrechtliche Pflicht besteht, Verhandlungen zu führen – mit dem Ziel nuklearer Abrüstung.

    Wer sind die Mayors for Peace
    Die Organisation Mayors for Peace wurde 1982 durch den Bürgermeister von Hiroshima gegründet. Das weltweite Netzwerk setzt sich vor allem für die Abschaffung von Atomwaffen ein, greift aber auch aktuelle Themen auf, um Wege für ein friedvolles Miteinander zu diskutieren. Mehr als 8.390 Städte in 166 Ländern gehören dem Netzwerk an, darunter 895 Städte in Deutschland. Rund 600 Städte in Deutschland beteiligen sich in diesem Jahr am Flaggentag.

    Foto: HANSESTADT Stralsund l Pressestelle

  • In Erinnerung an John Reier Martinsen

    Politischer Hintergrund

    In den 1980er Jahren erlebten die Sami in Nordnorwegen eine Phase der politischen und kulturellen Erneuerung. Einer der führenden Akteure dieser Bewegung war John-Reier Martinsen, ein angesehener Aktivist und Intellektueller.

    John-Reier Martinsen setzte sich für die Rechte und Anerkennung der Sami ein, die jahrhundertelang marginalisiert und diskriminiert worden waren. Er war maßgeblich daran beteiligt, dass die Sami-Kultur und -Sprache in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen und respektiert wurden.

    In den 1980er Jahren entstanden auch viele neue Organisationen und Initiativen, die sich für die Belange der Sami einsetzten. Dies führte zu einer wachsenden Bewusstseinsbildung und einem stärkeren Gemeinschaftssinn innerhalb der Sami-Community.

    Martinsen selbst war ein Vordenker und Inspirator für viele junge Sami, die sich ebenfalls für ihre kulturelle Identität und Rechte einsetzten. Sein Engagement trug dazu bei, dass die Sami stärker in die norwegische Gesellschaft integriert wurden und ihre Stimme in politischen Entscheidungsprozessen Gehör fand.

    Die 1980er Jahre waren somit eine wichtige Zeit für die Sami in Nordnorwegen, in der sie einen wichtigen Schritt in Richtung Selbstbestimmung und Anerkennung machten. John-Reier Martinsen spielte dabei eine entscheidende Rolle und wird bis heute als einer der Pioniere der samischen Bewegung verehrt.

    Die späten 1970er und frühen 1980er Jahre waren eine politisch angespannte Zeit in den samischen Gebieten in Nordnorwegen. Eine Gruppe samischer Aktivisten protestierte gegen die traditionelle Fügsamkeit und erhöhte das Niveau des Aktivismus und der Forderungen.

    John-Reier Martinsen war Mitglied der maoistischen Partei AKP (m-l) und gehörte ab 1984 dem Zentralkomitee der Partei an. Während und nach der großen Alta-Umweltkontroverse in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren arbeitete er daran, radikale Sami aus den Sami-Organisationen zu rekrutieren, um gegen die seiner Ansicht nach illegale Besetzung samischer Gebiete (Sápmi / Sameland) durch den skandinavischen Nationalstaat und die Unterdrückung der samischen Bevölkerung zu kämpfen.

    1982 versuchten Martinsen und sein Freund Niillas A. Somby erfolglos, eine Brücke zu sprengen, um ein Entwicklungsprojekt zu stoppen. Die Sprengladung ging versehentlich hoch und zerstörte durch die Explosion Sombys Arm und Auge. Die Brücke wurde nicht wesentlich beschädigt. Martinsen sorgte dafür, dass Somby ins Krankenhaus gebracht wurde, und erstattete dann Anzeige bei der Polizei. Beide wurden wegen Brandstiftung angeklagt, worauf eine Höchststrafe von 21 Jahren drohte. Nach sechs Monaten Haft flüchtete Somby über Finnland nach Kanada, wo er und seine Familie von verschiedenen Indianerstämmen versteckt gehalten wurden. John-Reier Martinsen wurde wegen Vandalismus verurteilt und verbüßte insgesamt ein Jahr im Gefängnis.

    Einige der aktivsten Mitglieder dieser Bewegung wurden mit Morddrohungen, ja sogar Mordversuchen, Berufsverboten, Telefonabhörungen und finanziellen Schikanen konfrontiert. Dies geschah nicht nur von reaktionären Personen. Der norwegische Teil von Sameland ist auch ein sensibles NATO-Gebiet. Das Zurückbleiben war gut entwickelt. Die Reaktion war in der Arbeiterpartei organisiert. Aus diesen Bereichen kamen viele Aufrufe zur Gewaltanwendung gegen samische Aktivisten, Naturschützer und Kommunisten. John-Reier gehörte zu allen drei Kategorien.

    Der “Unfall”

    John-Reier Martinsen und sein Freund Hermann Hansen waren mit dem Hundeschlitten auf dem zugefrorenen Joatka-See unterwegs, sie waren auf dem Heimweg von Alta zurück nach Karasjok, nachdem sie sich einen Wettbewerb angesehen hatten. Sie waren bereits drei oder vier Stunden unterwegs. Es war dunkel, aber die Sicht war gut und die Bedingungen für die Hundeschlittenfahrt waren gut. Beide hatten Scheinwerfer auf dem Kopf und die Reflexe die Hunde trugen Reflex-Lampen. Der Abstand zwischen den beiden Hundeteams betrug einige hundert Meter.

    Ein Schneemobil kam aus der entgegengesetzten Richtung. Der Fahrer, ein 19-jähriger Mann, war etwas weiter weg in einer Hütte gewesen und fuhr wieder hinunter nach Alta. Die gut ausgetretene Schneemobilspur über den See ist vier Meter breit. Die Spur im Schnee zeigt, dass Martinsen und sein Hundeteam zwei Meter neben der gut ausgetretenen Spur standen, als sich der Motorroller näherte. 15-20 Meter vor dem Zusammentreffen der beiden kommt der Rollerfahrer von der Spur ab und steuert direkt auf das Hundegespann und Martinsen zu. Er rammt den Schlitten und tötet Martinsen und viele seiner Hunde. Dann biegt er auf den Rollerweg ab und fährt weiter, in Richtung Dorf. Hansen ist verletzt. Als er bei der ersten Hundestaffel ankommt, findet er John-Reier Martinsen tot vor, zusammen mit toten und halbtoten Hunden. Eine spätere Autopsie ergibt, dass John-Reier an so schwerer “stumpfer Gewalt” gegen die Schläfe gestorben ist, dass er Quetschungen am Gehirn erlitt.

    Hermann Hansen sieht Fußspuren im Schnee neben den Toten. Es sind menschliche Fußabdrücke, aber nicht die von John-Reiers Stiefeln. Es ist ein weiter Weg zu anderen Personen, die solche Spuren hinterlassen haben könnten, abgesehen von dem Motorschlittenfahrer. Die Polizei hat es später versäumt, diese Spuren zu sichern.

    Auf dem Weg hinunter ins Dorf trifft der Mörder auf zwei andere Motorschlittenfahrer. Die Zeitung Klassekampen schreibt, dass er ein paar Tage später damit prahlte, “dass er am Joatka-See ‘ein paar Hunde erlegt’ habe”. Als der 19-jährige Fahrer wieder im Dorf war, ging er zu einer Party und dann nach Hause.

    Gerichtsprozesse

    Im Juni 1987 stand der Schneemobilfahrer vor Gericht, angeklagt wegen “fahrlässiger Tötung” von John-Reier Martinsen. Da die Staatsanwaltschaft die Anklageschrift so formuliert hatte, konnte er nicht wegen vorsätzlichen Mordes verurteilt werden, ganz gleich, welche Beweise vor Gericht auftauchten.

    Zu den auffallend schlampigen Ermittlungen und Ungereimtheiten gehören:

    Der 19-jährige mutmaßliche Mörder erzählte dem Berufungsgericht von Hålogaland, was er als erstes tat, nachdem er von seinem Vater abgeholt worden war:

    “Ich wollte zur Polizei gehen, um den Fall zu klären und zu erklären, dass ich es nicht war, der das getan hat, aber als ich dort ankam und mich erklären musste, wurde ich gebeten, nichts zu sagen, bevor ich einen Anwalt hatte. “Wer hat Ihnen gesagt, dass Sie sich nicht erklären sollen?”, fragte der Staatsanwalt. “Einer der Beamten der Polizei”, antwortete der Angeklagte.

    Als sich die zwei Polizisten vor Gericht erklärten, sagten beide, dass nur der jeweils andere an diesem Morgen mit dem Mörder gesprochen habe. Einer der beiden muss gelogen haben.

    Am 11. Juni wurde der Hundeschlitten von John Reier Martinsen im Gerichtssaal gezeigt, mit Blutspuren auf dem rechten Ski. Aus den Untersuchungsunterlagen in diesem Fall geht hervor, dass von diesem Blut keine Proben genommen wurden. Das Gericht erfuhr nicht, ob es sich um menschliches Blut oder Hundeblut handelt.

    Die Ermittlungen ergaben keine eindeutige Antwort auf die Frage, wie John-Reier getötet wurde. Die Staatsanwaltschaft “vermutet”, dass der Motorschlitten die Mordwaffe ist. Das muss bedeuten, dass der Motorroller so weit vom Boden abhob, dass ein Ski John-Reier an der Schläfe traf. Als Verteidiger Olav Hestenes nach der Laterne fragt, die John Reier auf dem Kopf trug, antwortet der Staatsanwalt: “Ich zumindest habe sie nicht”. Keiner hat die Laterne. Es wird nicht besser, als der Verteidiger fragt, wo die mutmaßliche Mordwaffe – der Motorschlitten – ist. Ein Beamter des Sheriffs erklärt, dass der Angeklagte sie vor etwa fünf oder sechs Monaten zurückerhalten hat. Der Angeklagte erklärt, dass er seinerseits den Motorroller repariert und an jemanden verkauft habe, der ihn angeblich auch weiterverkauft habe. Ein solcher Umgang mit einer mutmaßlichen Mordwaffe ist nicht üblich, zumindest nicht, bevor der Prozess beendet ist.

    Ein Hundeschlittenführer befestigt den Schlitten mit einem Schneeanker, wenn er das Gespann anhält. John Reier Martinsen verwendete ein vier bis fünf Kilo schweres V-förmiges Eisenstück als Schneeanker. Es war mit Spikes versehen, damit es im harten Schnee gut hält. Als der Staatsanwalt vor Gericht Dias zeigte, sahen alle, dass sich auch auf dem Schneeanker Blutspuren befanden. Der Sachverständige der nationalen Ermittlungseinheit KRIPOS stand im Gerichtssaal spontan auf, ging zur Leinwand und erklärte, dass “hier wahrscheinlich Blutgerinnsel oder etwas Ähnliches sind, ja”. Als die Staatsanwältin die Polizei fragt, ob sie untersucht haben, ob Blut oder etwas Ähnliches auf dem Anker war, erhält sie nur ein stummes Nicken als Antwort. Die Staatsanwältin hebt den Anker vom Boden auf und erklärt, dass “jetzt jedenfalls nichts mehr da ist”. Der Beamte der Polizei ist blass und unruhig und sagt, dass sie den Anker wahrscheinlich untersucht hätten, wenn Blut daran gewesen wäre. Aber in den Unterlagen, die KRIPOS zur Analyse zugesandt wurden, steht kein Wort über Blutproben aus dem Schneeanker.

    Der Motorschlittenfahrer wurde wegen Totschlags verurteilt.

    Am 23. Januar 2020 bestätigte der Oberste Gerichtshof in Schweden, dass dem Sameby Girjas das alleinige Recht auf die Ausstellung von Jagd- und Fischereilizenzen auf seinem Gebiet zukomme …

  • Das Recht zu lesen

    Das Recht zu lesen.

    Der Rechtsstreit zwischen den Verlagen und dem Internet Archive (Hachette vs. Internet Archive) wird morgen (28. Juni) vor dem amerikanischen Berufungsgericht verhandelt. Unsere Position ist einfach: Wir wollen, dass unsere Bibliotheksbesucher die Bücher, die wir besitzen, ausleihen und lesen können, wie jede andere Bibliothek auch. Die Verlage, die uns verklagen, argumentieren jedoch, dass wir die Bücher, die wir besitzen, nicht ausleihen dürfen, was dazu geführt hat, dass über eine halbe Million Bücher aus unserer Bibliothek entfernt wurden.

    Sind Sie von dem Verlust des Zugangs zu diesen Büchern bei Ihrer Lektüre oder Recherche betroffen? Da wir weiterhin gegen die Entfernung von Büchern und den Zugang zu Lernmaterialien kämpfen, bitten wir unsere Nutzer dringend, uns auf verschiedene Weise zu unterstützen, von der Weitergabe Ihrer Geschichte bis hin zur Unterzeichnung eines offenen Briefes an die Verleger im Fall Hachette gegen Internet Archive. Im Folgenden erfahren Sie mehr darüber, wie Sie helfen können.

  • „Wahr – Zeichen – Zeitzeugen der Geschichte“

    Machen Sie mit beim Tag des offenen Denkmals am 8. September.

    So lautet das Motto des bundesweiten Tages des offenen Denkmals in diesem Jahr. Jeweils am zweiten Sonntag im September findet er statt. In diesem Jahr am 8. September.
    Jede Eigentümerin und jeder Eigentümer eines Baudenkmals ist in unterschiedlichem Maße auch Besitzer und Bewahrer von geschichtsträchtiger Bausubstanz, die etwas über die Erbauer, die Bewohner und die verschiedenen Veränderungen zu berichten weiß und somit Zeitzeuge der Geschichte ist. Manches aus der wechselvollen Geschichte drängt sich dem Betrachter förmlich auf. Anderes will entdeckt, gelesen, erforscht und interpretiert sein. 

    Lässt man sich auf die Suche und das Lesen von Wahrzeichen als geschichtliche Zeitzeugen ein, erschließen sich gerade in einer geschichtsträchtigen und denkmalreichen Stadt wie Stralsund bisher kaum wahrgenommene Bauten als ein wahres Füllhorn an Informationen. Nicht nur Denkmalpfleger, Restauratoren, Bauforscher, Historiker und Architekten können diese „Wahr-Zeichen“ entdecken, sie offenbaren sich auch dem interessierten und kundigen Laien. 

    Die Untere Denkmalschutzbehörde der Hansestadt Stralsund ruft alle Denkmaleigentümer auf, sich am Tag des offenen Denkmals zu beteiligen und die „Wahr-Zeichen“ ihres Denkmals erleben und vielleicht auch erkunden zu lassen. 
    Interessenten, die sich am Tag des offenen Denkmals beteiligen möchten, sich aber bisher noch nicht angemeldet haben, haben dazu noch bis zum 30. Juni Zeit.
    Die Anmeldung erfolgt dabei schriftlich bei der Unteren Denkmalschutzbehörde Stralsund, Badenstraße 17 oder ganz einfach per E-Mail bei stadtplanung@stralsund.de

    Alle Stralsunderinnen und Stralsunder und ihre Gäste sind jetzt schon aufgerufen, sich am Sonntag, dem 8. September, auf die Spurensuche zu Zeitzeugen der Geschichte zu begeben.

  • Landgrabbing in der Ukraine

    Das nächste Thema von Radio Stralsund wird das aktuelle Landgrabbing durch ukrainische Oligarchen und internationale Investoren in der Ukraine sein. Parallelen zum Ausverkauf europäischen Agrarlands werden hier in den Kontext gestellt. Bei einer Spendensumme über 150 Euro an Radio Stralsund erhalten Sie ein aktuelles Plakat zum Thema.

    Gibt es Landgrabbing in der Ukraine?

    Ja, Landgrabbing ist auch in der Ukraine ein Thema. Landgrabbing bezieht sich auf den großflächigen Erwerb von Agrarland durch in- oder ausländische Investoren, oft auf Kosten der lokalen Bevölkerung und mit problematischen sozialen und ökologischen Folgen.

    In der Ukraine hat Landgrabbing in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, besonders seit der Landreform und der Aufhebung des jahrzehntelangen Moratoriums für den Verkauf von Agrarland im Juli 2021. Dieses Moratorium hatte zuvor verhindert, dass Agrarland frei verkauft und gekauft werden konnte, was jedoch auch die Entwicklung eines informellen und oft undurchsichtigen Landmarktes förderte.

    Hier sind einige wichtige Aspekte und Entwicklungen im Zusammenhang mit Landgrabbing in der Ukraine:

    1. Landreform und Moratoriumsaufhebung: Mit der Aufhebung des Moratoriums hat die ukrainische Regierung den Weg für den freien Handel mit Agrarland geebnet. Dies wurde als Schritt zur Modernisierung der Landwirtschaft und zur Ankurbelung der Wirtschaft betrachtet, birgt aber auch die Gefahr, dass große Investoren und Agrarunternehmen Land in großem Umfang aufkaufen.
    2. Interessen großer Investoren: Internationale und nationale Agrarunternehmen sowie Investoren zeigen großes Interesse an ukrainischem Agrarland aufgrund der fruchtbaren Böden und der relativ niedrigen Landpreise im Vergleich zu anderen Ländern. Dies führt oft zu einer Konzentration von Land in den Händen weniger Akteure.
    3. Soziale und ökologische Auswirkungen: Landgrabbing kann erhebliche negative Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung haben, einschließlich der Verdrängung kleiner Landwirte, Verlust von Lebensgrundlagen und sozialen Konflikten. Auch ökologische Probleme wie Bodendegradation und Verlust der Biodiversität können Folgen von intensivem Agraranbau durch Großunternehmen sein.
    4. Rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen: Die rechtlichen Rahmenbedingungen und die institutionelle Kapazität zur Regulierung des Landmarktes und zum Schutz der Rechte kleiner Landwirte und lokaler Gemeinschaften sind entscheidend, um negative Auswirkungen des Landgrabbings zu minimieren. Es gibt jedoch immer wieder Berichte über Korruption, mangelnde Transparenz und schwache Rechtsdurchsetzung in der Ukraine.

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Landgrabbing in der Ukraine ein relevantes Thema ist, das sorgfältig beobachtet und reguliert werden muss, um sicherzustellen, dass die landwirtschaftliche Entwicklung nachhaltig und sozial gerecht gestaltet wird.

  • Über den Hass und die Bereitschaft zum Krieg

    Prof. Ulfried Geuter sagt: “Ich war einmal froh und stolz, ein Grüner zu sein. Ich bin am 5. Oktober 1978 beim Gründungstreffen der Alternativen Liste für Demokratie und Umweltschutz, die 1980 in die neu gegründeten Grünen überging, Mitglied geworden. Länger als ich kann man also nicht Mitglied der Grünen sein“, schreibt Geuter, der die Begründung für seinen Austritt auf dem Internetportal Blog der Republik veröffentlicht hat. Er verließ die Grünen unter anderem wegen der Außenpolitik von Annalena Baerbock, die seiner Meinung völlig der „Logik des Krieges“ verfallen sei, unzählige Todesopfer in Kauf nehme, und einen Atomkrieg riskiere.

    Ähnliche Ansichten vertrat Grünen Mitglied Antje Vollmer, die leider am 16. März 2023 verstorben ist, sie wurde 79 Jahre alt. Sie war Pazifistin, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und sie war Gegnerin des Kosovo-, Irak, und Afghanistan Krieges. Hier ein Text von ihr, welchen sie als politisches Vermächtnis in der Berliner Zeitung veröffentlichen wollte:

    “Ich stand auf dem Bahnhof meiner Heimatstadt und wartete auf den ICE. Plötzlich näherte sich auf dem Nebengleis ein riesiger Geleitzug, vollbeladen mit Panzern – mit Mardern, Geparden oder Leoparden. Ich kann das nicht unterscheiden, aber ich konnte geschockt das Bild lesen. Der Transport fuhr von West nach Ost. Es war nicht schwer, sich das Gegenbild vorzustellen. Irgendwo im Osten des Kontinents rollten zur gleichen Zeit Militärtransporte voller russischer Kampfpanzer von Ost nach West. Sie würden sich nicht zu einer Panzerschlacht im Stile des Ersten Weltkrieges irgendwo in der Ukraine treffen.

    Nein, sie würden diesmal erneut den waffenstarrenden Abgrund zwischen zwei Machtblöcken markieren, an dem die Welt sich vielleicht zum letzten Mal in einer Konfrontation mit möglicherweise apokalyptischem Ausgang gegenübersteht. Wir befanden uns also wieder im Kalten Krieg und in einer Spirale der gegenseitigen existenziellen Bedrohung – ohne Ausweg, ohne Perspektive. Alles, wogegen ich mein Leben lang politisch gekämpft habe, war mir in diesem Moment präsent als eine einzige riesige Niederlage.

    Bei Geschichte ist es immer wichtig, von welchem Anfang man sie erzählt.

    Es ist üblich geworden, zu Beginn jeder Erwähnung der ungeheuren Tragödie um den Ukraine-Krieg wie eine Schwurformel von der „Zeitenwende“, vom völkerrechtswidrigen brutalen Angriffskrieg Putins bei feststehender Alleinschuld der russischen Seite zu reden und demütig zu bekennen, wie sehr man sich geirrt habe im Vertrauen auf eine Phase der Entspannung und der Versöhnung mit Russland nach der großen Wende 1989/90. Diese Schwurformel wird wie ein Ritual eingefordert, wie ein Kotau, um überhaupt weiter mitreden zu dürfen. Die Feststellung ist ja auch nicht falsch, sie verdeckt aber häufig genau die zentralen Fragen, die es eigentlich zu klären gäbe.

    Wo genau begann die Niederlage? Wo begann der Irrtum? Wann und wie entstand aus einer der glücklichsten Phasen in der Geschichte des eurasischen Kontinents, nach dem nahezu gewaltfreien Ende des Kalten Krieges, diese erneute tödliche Eskalation von Krieg, Gewalt und Blockkonfrontation? Wer hatte Interesse daran, dass die damals mögliche friedliche Koexistenz zwischen Ost und West nicht zustande kam, sondern einem erneuten weltweitem Antagonismus anheimfiel?

    Und dann die Frage aller Fragen: Warum nur fand ausgerechnet Europa, dieser Kontinent mit all seinen historischen Tragödien und machtpolitischen Irrwegen, nicht die Kraft, zum Zentrum einer friedlichen Vision für den bedrohten Planeten zu werden?

    Für die Deutung historischer Ereignisse ist es immer entscheidend, mit welchen Aspekten man beginnt, eine Geschichte zu erzählen.

    Russlands große Vorleistung des Gewaltverzichts.

    Ich widerspreche der heute üblichen These, 1989 habe es eine etablierte europäische Friedensordnung gegeben, die dann Schritt um Schritt einseitig von Seiten Russlands unter dem Diktat des KGB-Agenten Putin zerstört worden sei, bis es schließlich zum Ausbruch des Ukrainekrieges kam. Das ist nicht richtig. Richtig ist: 1989 ist eine Ordnung zerbrochen, die man korrekter als „Pax atomica“ bezeichnet hat, ohne dass eine neue Friedensordnung an ihre Stelle trat. Diese zu schaffen, wäre die Aufgabe der Stunde gewesen. Aber die visionäre Phantasie Europas und des Westens in der Wendezeit reichte nicht aus, um sich das haltbare Konzept einer stabilen europäischen Friedensordnung auszudenken, das allen Ländern der ehemaligen Sowjetunion einen Platz verlässlicher Sicherheit und Zukunftshoffnungen anzubieten vermocht hätte.

    Zwei Gründe sind dafür entscheidend. Beide haben mit alten europäischen Irrtümern zu tun: Zum einen wurde der umfassende wirtschaftliche und politisch Zusammenbruch der Sowjetunion 1989 einseitig als triumphaler Sieg des Westens im Systemkonflikt zwischen Ost und West interpretiert, der damit endgültig die historische Niederlage des Ostens besiegelte. Dieser Hang, sich zum Sieger zu erklären, ist eine alte westliche Hybris und seit jeher Grund für viele Demütigungen, die das ungleiche Verhältnis zum Osten prägen.

    Die Unfähigkeit, nach so umfassenden Umbrüchen andere gleichberechtigte Lösungen zu suchen, hat in dieser fatalen Überheblichkeit ihre Hauptursache. Vor allem aber wurde so das ungeheure und einzigartige Verdienst der sowjetischen Führung unter Michail Gorbatschow mit einer verblüffenden Ignoranz als gerngesehenes Geschenk der Geschichte eingeordnet: Die große Vorleistung des Gewaltverzichts in der Reaktion auf das Freiheitsbestreben der Völker des Ostblocks galt als nahezu selbstverständlich.

    Michail Gorbatschow hat viele seiner Bürger enttäuscht.

    Das aber war es gerade nicht. Bis heute ist erstaunlich, ja unfassbar, wie wenig Gewicht dem beigemessen wurde, dass die Auflösung eines sowjetischen Weltimperiums nahezu gewaltfrei vonstatten ging. Die naive Beschreibung dieses einmaligen Vorgangs lautete dann etwa so: Wie ein Kartenhaus, hochverdient und unvermeidlich, sei da ein ganzes System in sich zusammengesackt. Dass gerade diese Gewaltfreiheit das größte Wunder in einer Reihe wundersamer Ereignisse war, wurde kein eigenes Thema. Sie wurde vielmehr als Schwäche gedeutet. Es gibt aber kaum Vorbilder in der Geschichte für einen solchen Vorgang. Selbst die schwächsten Gewaltregime neigen gerade im Stadium ihres Untergangs gesetzmäßig dazu, eine Orgie von Gewalt, Zerstörung und Selbstzerstörung anzurichten und alles um sie herum in ihren eigenen Untergang mitzureißen – wie exemplarisch beim Untergang des NS-Reiches zu sehen war.

    Die Sowjetunion des Jahres 1989 unter Gorbatschow, wiewohl politisch und wirtschaftlich geschwächt, verfügte über das größte Atompotential, sie hatte eigene Truppen auf dem gesamten Gebiet ihrer Herrschaft stationiert. Es wäre ein Leichtes gewesen, das alles zu mobilisieren. Das wurde ja auch von vielen Vertretern des alten Regimes vehement gefordert.

    Mit dem historischen Abstand wird noch viel deutlicher, welche staatsmännische Leistung es war, lieber „Helden des Rückzugs“ (Enzensberger) zu sein, als in einem letzten Aufbäumen als blutige Rächer und Schlächter von der Geschichte abzutreten. Die Wahl, die Michail Gorbatschow fast allein getroffen hat, hat ihm nicht zuletzt die Enttäuschung vieler seiner Bürger eingebracht. Es hieß, er habe nachträglich den Großen Vaterländischen Krieg verloren.

    Die großen Reformer haben Mut bewiesen, sie werden heute gerne vergessen.

    Wie ein stummes Mahnmal gigantischer europäischer Undankbarkeit steht dafür der erschreckend private Charakter der Trauerfeier um den wohl größten Staatsmann unserer Zeit auf dem Moskauer Prominenten-Friedhof. Es wäre ein Gebot der Stunde gewesen, dass die Granden Europas Michail Gorbatschow, der längst im eigenen Land isoliert war, ihre Hochachtung und ihren Respekt erwiesen hätten, indem sie sich vor ihm verneigten.  

    Zumindest aus Deutschland, das fast ihm allein das Glück der Wiedervereinigung verdankt, hätte ein Bundespräsident Steinmeier an diesem Grab stehen müssen. Die Einsamkeit um diesen Toten war unerträglich. So nutzte ausgerechnet Viktor Orbán die Chance, diesen Boykott einer angemessenen Würdigung zu unterlaufen. Es bleibt ein beschämendes Zeichen, ein Menetekel historischer Ignoranz. Wenige Tage später drängelten sich die Repräsentanten des europäischen Zeitgeistes dann alle mediengerecht am Grab der englischen Queen und des deutschen Papstes Benedikt XVI.

    Bis heute ist mir schwer verständlich, warum es nicht zumindest eine Demonstration der Dankbarkeit bei den eigentlichen Profiteuren dieses Gewaltverzichtes, bei den Bewegungen der friedlichen Bürgerproteste gegeben hat. Gerade sie hatten ja hautnah die Ängste erfahren, was alles hätte passieren können, wenn es 1989 in Ost-Berlin eine ähnliche Reaktion wie bei den Studentenprotesten in Peking gegeben hätte.

    Und tatsächlich ist ein Teil der heutigen Zurückhaltung im Osten Deutschlands gegenüber der einseitigen Anprangerung Russlands wohl dieser anhaltenden Dankbarkeit zuzuschreiben. Mediale Wortführer und Interpreten aber wurden andere – und sie wurden immer dreister. Immer kleiner wurde in ihren Interpretationen der Anteil am Verdienst der Gewaltfreiheit auf sowjetischer Seite, immer wirkmächtiger wurde die Legende von der eigenen großartigen Widerstandsleistung.

    Alle kundigen Zeitzeugen wissen genau, dass der Widerstand und der Heldenmut von Joachim Gauck, Marianne Birthler, Katrin Göring-Eckardt durchaus maßvoll war und den Grad überlebenstüchtiger Anpassung nicht wesentlich überschritt. Manche Selbstbeschreibungen lesen sich allerdings heute wie Hochstapelei. Sie verschweigen oder verkennen, was andere Kräfte zum großen Wandel beitrugen und dass mancher Reformer im System keineswegs weniger Einsatz und Mut gewagt hatte.

    Billige antirussische Ressentiments.

    Das mag menschlich, allzu menschlich sein und also nicht weiter erwähnenswert. Fatal allerdings ist, dass dieser Teil der Bürgerrechtler heute zu den eifrigsten Kronzeugen eines billigen antirussischen Ressentiments zählt. Dies knüpft dabei bruchlos an jene Ideologie des Kalten Krieges an, die vom berechtigten Antistalinismus über den verständlichen Antikommunismus bis hin zur irrationalen Slawenphobie viele Varianten von westlichen Feindbildern bis heute prägt.

    Die wichtigsten Fragen, die heute zwischen Ost und West verhandelt werden müssten, lauten: Was bedeutet es eigentlich, eine europäische Nation zu sein? Was unterscheidet uns von anderen? Welche Fähigkeiten muss eine Nation erwerben, um dazuzugehören? Was sind die Lehren unserer Geschichte? Welche Ideale prägen uns? Welche Irrtümer und Verbrechen? Diese Fragen werden in aller Deutlichkeit wachgerufen am Beispiel der Ukraine und ihres Abwehrkampfes gegen die russische Aggression.

    Europa sollte nicht immer auf der Suche nach Schurkenstaaten sein.

    In unseren Medien verkörpert die Ukraine das Ideal und Vorbild einer freiheitsliebenden westlichen Demokratie heroischen Zuschnitts. Die Ukraine, so heißt es, kämpfe nicht nur für ihre eigene Nation, sondern zugleich für die universale historische Mission des Westens. Wer sich machtpolitisch behauptet, wer seine Existenz mit blutigen Opfern und Waffen verteidigt, gilt als Bollwerk für die europäischen Ideale der Freiheit, koste es, was es wolle. Wer aber den Weg des Konsenses, der Kooperation, der Verständigung und der Versöhnung sucht, gilt als schwach und deswegen als irrelevant, ja als verachtenswert. Von daher sind Gorbatschow und Selenskyj die eigentlichen Antitypen in der Frage, was es heute heißt, Europäer zu sein und die europäischen Tugenden zu verkörpern.

    Neben diesem Hang zum Heroischen und zur Selbsterhöhung liegt hier die Wurzel, die ich für den Grundirrtum einer europäischen Identität halte: das scheinbar unausrottbare Bedürfnis nach nationalem Chauvinismus. Jahrhundertelang haben nationale Exzesse die Geschichte unseres Kontinents geprägt. Keine Nation war frei davon: nicht die Franzosen, schon gar nicht die Briten, nicht die Spanier, nicht die Polen, nicht die Ukrainer, nicht die Balten, nicht die Schweden, nicht die Russen, noch nicht einmal die Tschechen – und schon gar nicht die Deutschen.

    Es ist ein fataler Irrtum, zu meinen, durch den Widerstand gegen die anderen imperialen Mächte gewinne der eigene Nationalismus so etwas wie eine historische Unschuld. Das ist Selbstbetrug und einer der folgenschwersten europäischen Irrtümer. Er verführt auch heute noch viele junge Demokratien dazu, sich nur als Opfer fremder Mächte zu sehen und die eigene Gewaltgeschichte, die eigenen Gewaltphantasien für berechtigt zu halten. Was Europa immer wieder zu lernen hatte und historisch meist verfehlte, ist die Kunst der Selbstbegrenzung, der friedlichen Nachbarschaft, der Fairness, der Wahrung gegenseitiger Interessen und des Respektes voreinander. Was Europa endlich verlernen muss, ist das ständige Verteilen von Ketzerhüten, das Ausmachen von Achsen des Bösen und von immer neuen Schurkenstaaten.

    Die Vision von Helmut Kohl und Hans-Dietrich Genscher.

    Ach Europa! Jedes Mal, wenn wieder eine der großen Krisen und Kriege des Kontinents überstanden war – nach dem 30-jährigen Krieg, nach dem Feldzug Napoleons gegen Russland, nach zwei Weltkriegen, nach dem Kalten Krieg –, konnte man hoffen, der machtpolitische Irrweg sei nun durch bittere Erfahrung widerlegt und gebe einem überlebenstüchtigeren Weltverständnis endlich Raum. Und jedes Mal fielen wie durch einen Fluch die Völker Europas wieder der Versuchung anheim, den Weg der Dominanz und der Konfrontation zu gehen.

    Umso wertvoller ist aber das große Gegenbeispiel: Gorbatschows Hoffnung, dass auch für alle ehemaligen Staaten der Sowjetunion eine neue Sicherheitsordnung möglich sei, die den unterschiedlichen Sicherheitsbedürfnissen gerecht werden würde, war in der Charta von Paris durchaus angedacht als Raum gemeinsamer wirtschaftlicher und politischer Kooperation zwischen dem alten Westeuropa und den neuen östlichen Staaten. Das war damals auch die Vision von Helmut Kohl und Hans-Dietrich Genscher. Aber es gab keinen Plan, kein Konzept, die Vision war einfach zu undeutlich.

    Der Krieg verschlingt sinnlos die Milliarden.

    Wie schnell sich wieder das Gefühl des leichten Triumphes einstellte, lässt sich an einem traurigen Beispiel gut ablesen: am Umgang mit Jugoslawien. Jugoslawien gehörte zu den blockfreien Staaten, es hatte sich rechtzeitig vom Stalinismus gelöst und die jahrhundertealten nationalen Rivalitäten aus der Zeit der Donau-Monarchie einigermaßen befriedet. Es wäre nichts leichter gewesen, als diesem Jugoslawien als Ganzem 1989 eine Öffnung nach Europa und zur EU anzubieten.

    Es hätte Zeit gebraucht, aber es wäre möglich gewesen. Man hätte nur darauf verzichten müssen, dem nationalen Drängen der Slowenen und Kroaten zu schnell nachzugeben und das neue Feindbild der aggressiven Serben zu pflegen. Solche Weisheit allerdings fehlte völlig im Überbietungswettstreit um die Anerkennung neuer Nationalstaaten auf dem Balkan. Der bosnische Bürgerkrieg, Srebrenica, die Zerstörung Sarajewos, Hunderttausende Tote und traumatisierte Menschen, der völkerrechtswidrige Angriffskrieg der Nato gegen Belgrad, die völkerrechtswidrige Anerkennung des Kosovo als selbständiger Staat, das vielfältige Aufbäumen von neuen nationalen Chauvinismen wären vermeidbar gewesen.

    Was bedeutet das alles für die unmittelbare Gegenwart und für die deutsche Politik im Jahre 2023?

    Die Koordinaten haben sich entscheidend verschoben. Bis zum Ende der Regierung Schröder konnte man davon ausgehen, dass gerade Deutschland aus der Zeit der Entspannungspolitik einen privilegierten Zugang, zumindest einen gewissen Spielraum zum Konfliktausgleich zwischen den großen geopolitischen Spannungsherden innehatte. Diese Zeit ist endgültig vorbei.

    Ungefähr im Jahre 2008 begann Putin, dem Status quo zu misstrauen und seinen Machtbereich gegen den Westen auszurichten. Deutschland begann, sich als europäischer Riegenführer im neuen Konzept der Nato zu definieren. Im Rahmen der Reaktionen auf den Ukrainekrieg rückte es endgültig ins Zentrum der antirussischen Gegenstrategien. Das begrüßenswerte, aber medial vielgescholtene Zögern des Kanzlers Olaf Scholz war zu wenig von einer haltbaren politischen Alternative unterfüttert und geriet so ins Rutschen.

    Wirtschaftlich und politisch zahlen wir dafür einen hohen Preis. Der deutsche Wirtschaftsminister bemüht sich, die alten Abhängigkeiten von Russland und China durch neue Abhängigkeiten zu Staaten zu ersetzen, die keineswegs als Musterdemokratien durchgehen können. Die Außenministerin ist die schrillste Trompete der neuen antagonistischen Nato-Strategie.

    Ihre Begründungen verblüffen durch argumentative Schlichtheit. Dabei wachsen die Rüstungskosten und der Einfluss der Rüstungs- und Energiekonzerne ins Unermessliche. Der Krieg verschlingt sinnlos die Milliarden, die für die Rettung des Planeten und gegen die Armut des globalen Südens dringend gebraucht würden. Das aufsteigende China aber wird propagandistisch als neuer geopolitischer Gegner ausgemacht und in der Taiwan-Frage ständig provoziert. Das sind alles keine guten Auspizien.

    Der Frieden und das Überleben des ganzen Planeten.

    Und dennoch: Wenn mich nicht alles täuscht, steht Europa kurz vor der Phase einer großen Ernüchterung, die das eigene Selbstbild tief erschüttern wird. Für mich aber ist das ein Grund zur Hoffnung. Der so selbstgewisse Westen muss einfach lernen, dass die übrige Welt unser Selbstbild nicht teilt und uns nicht beistehen wird. Die eilig ausgesandten Sendboten einer neuen antichinesischen Allianz im anstehenden Kreuzzug gegen das Reich der Mitte scheinen nicht besonders erfolgreich zu sein.

    Wie konnten wir nur annehmen, dass das große China und die Hochkulturen Asiens die Zeit der willkürlichen Freihandels- und Opiumkriege je vergessen würden? Wie sollte der leidgeprüfte afrikanische Kontinent die zwölf Millionen Sklaven und die Ausbeutung all seiner Bodenschätze je verzeihen? Warum sollten die alten Kulturen Lateinamerikas den spanischen und portugiesische Konquistadoren ihre Willkürherrschaft vergeben? Warum sollten die indigenen Völker weltweit das Unrecht illegaler Siedlungen und Landraubs einfach beiseiteschieben in ihrem historischen Gedächtnis?

    Die Grünen waren mal Pazifisten.

    Meine ganz persönliche Niederlage wird mich die letzten Tage begleiten. Gerade die Grünen, meine Partei, hatte einmal alle Schlüssel in der Hand zu einer wirklich neuen Ordnung einer gerechteren Welt. Sie war durch glückliche Umstände dieser Botschaft viel näher als alle anderen Parteien.

    Wir hatten einen echten Schatz zu hüten: Wir waren nicht eingebunden in die machtpolitische Blocklogik des Kalten Krieges. Wir waren per se Dissidenten. Wir waren gleichermaßen gegen die Aufrüstung in Ost wie West, wir sahen die Gefährdung des Planeten durch ungebremstes Wirtschaftswachstum und Konsumismus. Wer die Welt retten wollte, musste ein festes Bündnis zwischen Friedens- und Umweltbewegung anstreben, das war eine klare historische Notwendigkeit, die wir lebten. Wir hatten dieses Zukunftsbündnis greifbar in den Händen.

    Was hat die heutigen Grünen verführt, all das aufzugeben für das bloße Ziel, mitzuspielen beim großen geopolitischen Machtpoker, und dabei ihre wertvollsten Wurzeln als lautstarke Antipazifisten verächtlich zu machen?

    Gegen Hass und den Krieg.

    Ich erinnere mich an meine großen Vorbilder: Die härtesten Bewährungsproben hatten die großen Repräsentanten gewaltfreier Strategien immer in den eigenen Reihen zu bestehen. Gandhi hat mit zwei Hungerstreiks versucht, den Rückfall der Hindus und Moslems in die nationalen Chauvinismen zu stoppen, Nelson Mandela hatte äußerste Mühe, die Gewaltbereitschaft seiner jungen Mitstreiter zu brechen, Martin Luther King musste sich von den Black Panthers als zahnloser Onkel Tom verhöhnen lassen. Ihnen wurde nichts geschenkt. Und das gilt auch heute für uns letzte Pazifisten.

    Der Hass und die Bereitschaft zum Krieg und zur Feindbildproduktion ist tief verwurzelt in der Menschheit, gerade in Zeiten großer Krisen und existentieller Ängste. Heute aber gilt: Wer die Welt wirklich retten will, diesen kostbaren einzigartigen wunderbaren Planenten, der muss den Hass und den Krieg gründlich verlernen. Wir haben nur diese eine Zukunftsoption.”

  • Was ist bloß los am Richard-Wossidlo-Gymnasium?

    Was ist bloß los am Richard-Wossidlo-Gymnasiums in Ribnitz-Damgarten und seinem Schulleiter Jan-Dirk Zimmermann? Dieser Direktor hatte am 27. Februar die Polizei mit der Bitte angerufen einer seiner Schülerinnen wegen möglicherweise strafrechtlicher Sachverhalte zu überprüfen.

    „Gegen 09:45 Uhr informierte der Schulleiter die Polizei über einen möglicherweise strafrechtlichen Sachverhalt“, erklärt Marcel Opitz, der Pressesprecher der zuständigen Polizeinspektion Stralsund. Der Pressesprecher der Polizei sagt weiter: „Demnach lägen Informationen vor, wonach eine 17jährige Schülerin mutmaßlich verfassungsfeindliche Inhalte in sozialen Netzwerken verbreitet haben könnte. Es wurde ein Funkwagen zur Schule entsandt, um diesen Sachverhalt zu prüfen.“

    Die 17 jährige Schülerin hatte auf TikTok gepostet, das Deutschland ihre Heimat sei und nicht nur ein Ort auf der Landkarte ist. Auch hatte sie ein Schlümpfe-Video mit der Bemerkung gezeigt, die Schlümpfe sind blau und Deutschland auch. Und deswegen wurde sie von 3 Polizisten aus ihrem Unterricht geholt, um dann durch die ganze Schule zum Lehrerzimmer eskotiert zu werden. Die Mutter des Mädchens sagt hierzu: „Und dann sagten die Polizisten zu meiner Tochter, daß zu ihrem eigenen Schutz die Beamten sie darum bitten möchten, solche Posts in Zukunft zu unterlassen. Die wußten also vorher, was meine Tochter gepostet hatte, sie wußten, daß es nicht strafbar war und trotzdem dieser Aufmarsch, diese Drohungen, diese Unterdrückungen der Meinungsfreiheit.“

    „Der größte Lump im ganzen Land ist und bleibt der Denunziant“ – das wusste schon Hoffmann von Fallersleben Mitte des 19. Jahrhunderts.

    Schulanweisungen unter Verschluß …

    Schulleiter äußert sich: Habe nur Vorschriften befolgt …

    UPDATE Gerichtsurteil in Greifswald vom 01.07.2025

    und unmögliche Stellungnahme dazu vom SPD Innenminister Christian Pegel von Mecklenburg Vorpommern im Landtag: “Machen Sie bitte weiter so, jawohl, wir werden dann auch in Einzelfällen Gerichtsentscheidungen kriegen …”

    Pressemitteilung-Wossidlo-Gymnasium
    MVP Christian Pegel
  • Das European Democracy Lab

    ___Das European Democracy Lab e.V. wurde am 14. März 2014 als Antwort auf die in der Bankenkrise zutage getretenen undemokratischen Strukturen der EU gegründet.

    Das European Democracy Lab (EDL) entwickelte damals die Idee der Europäischen Republik, eines dezentralen und demokratischen Europas.

    2018, einhundert Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, haben wir in einer Kunstaktion in 140 Städten mit ca. 25.000 Europäischen Bürgern die Europäische Republik ausgerufen.

    Zäsur

    ___Das ist genau 5 Jahre her!
    ‍

    Doch inzwischen ist Europa von zwei Kriegen zerfurcht, einem “Krieg gegen ein Virus” und einem Krieg in und um die Ukraine, der Europa, das einstige Friedensprojekt, in seinem Wesenskern zerstört. Freiheit und Frieden sind in Europa wieder in Gefahr!

    ___Wir wollen den europäischen Geist wiederbeleben und die Arbeit an einem politisch geeinten Europa und einer kontinentalen Friedensordnung unter Einschluss Russlands wieder aufnehmen.

    Wir wollen ein Europa, das seine Bürger vor den Nivellierungstendenzen der Globalisierung schützt, statt diese wie die EU voranzutreiben. Angesichts der Tiefe der aktuellen Krise ist es notwendig, grundsätzlich über die Geschichte, Kultur und Zukunft Europas und seinen Platz in der Welt nachzudenken.

    Deswegen nimmt das EDL zu seinem 9. Geburtstag nach 3-jähriger Unterbrechung seine Aktivitäten mit folgender Zielsetzung wieder auf.

    Endspiel Europa - Warum das politische Projekt Europa gescheitert ist - Und wie wir wieder davon träumen können