Kategorie: Gesellschaft

  • Städte am Wasser

    Nizza, eine südfranzösische Metropole zwischen Alpen und Mittelmeer, ist der Geburtsort des Literaturnobelpreisträgers Jean-Marie Gustave Le Clézio. Der Autor pflegt ein zwiespältiges Verhältnis zur Stadt, die er zum bedrückenden Schauplatz zwei seiner wichtigsten Frühwerke macht: Das Protokoll und die Kurzgeschichtensammlung Mondo. Sie handeln von einsamen Helden in einer von Flammen umzingelten und von einer schwarzen Sonne erdrückten Stadt. Bei Le Clézio gibt es keine Strände, Palmen und Luxushotels. Fernab von allen Klischees wirft er seinen Blick auf Nizza.

  • Lesen ist Kino im Kopf

    Wettstreit der Vorlesetalente
    Beste Vorleserin gekürt

    „Lesen ist Kino im Kopf“. Das verkündete Antje Stadler. Sie ist Kinderbibliothekarin der Stadtbibliothek Stralsund. Dazu ist sie  federführend im Organisationsteam des Regionalentscheides Stralsund/Rügen beim bundesweiten Vorlesewettbewerb, der aktuell läuft.
    Die Ergebnisse stehen jetzt fest.
    Die Jury würdigte nun nicht nur der entscheidenden Lesetechnik. Ins Wertungs-Gewicht fällt auch die Kunst, die vorgetragenen Geschichten durch eine gelungene Interpretation  zum Leben erwecken zu können. 
    Alle elf Schulsiegerinnen und Schulsieger der 6. Klassenstufe aus der Hansestadt Stralsund und von der Insel Rügen begeisterten in der ersten Runde mit den Lesebeiträgen aus ihrem selbst ausgewähltem Buch. 
    Die Herausforderung war, beim Vorlesen eines gänzlich unbekannten Buchtextes zu überzeugen. 
    Nach der Verteilung der Urkunden und eines Buchgeschenks an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer fieberten sie gemeinsam mit ihren Unterstützern im Veranstaltungskeller der Stadtbibliothek der eigentlichen Entscheidung entgegen. Eltern, Geschwister, Lehrerinnen und Lehrern sowie Freunde waren zum Daumendrücken mitgekommen. Schließlich wurde die beste Vorleserin bzw. der beste Vorleser gesucht.
    Zur besten Vorleserin dieser Runde und damit zur Gewinnerin des Tickets nach Schwerin wurde schließlich Senja Drechsler von der Regionalen Schule Adolph Diesterweg gekürt. In Schwerin werden die besten Vorleserinnen und -leser aus Mecklenburg-Vorpommern ihr Können präsentieren.
    Die Stadtbibliothek Stralsund bedankt sich ganz herzlich beim Förderverein der Stadtbibliothek Stralsund e.V., der Buchhandlung Hugendubel und dem Vorjahressieger Jonas Schüppler für ihre Mitwirkung in der Jury zum Vorlesewettbewerb.

    INFO Bundesweiter Vorlesewettbewerb
    Mit circa 600.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern jährlich ist der 1959 ins Leben gerufene Vorlesewettbewerb einer der ältesten und größten Schulwettbewerbe Deutschlands.  Die Etappen führen von den Schulentscheiden über Stadt-/Kreis-, Bezirks- und Länderebene bis zum Bundesfinale mit den 16 Landessiegerinnen und Landessieger am 19. Juni 2024 in Berlin beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb). Der Vorlesewettbewerb wird von der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels veranstaltet und steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten. 
    Fotos: HANSESTADT Stralsund

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  • Civic Coding – Innovationsnetz KI für das Gemeinwohl

    Mit der Initiative„Civic Coding – Innovationsnetz KI für das Gemeinwohl“ entwickelt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) vielfältige Maßnahmen, um gemeinwohlorientierte KI-Projekte aus der Zivilgesellschaft entlang des Innovationsprozesses zu unterstützen.  

    Eine dieser Maßnahmen war das Civic Coding-InnovationCamp – ein Wettbewerbsformat zur finanziellen und ideellen Unterstützung von Projekten in der Initialphase. Es fand am 2. und 3. Februar im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) in Berlin statt. Die zwei Teams KI Geisternetze Open Source und SeagrassWatch: Küsten-KI für den Schutz von Seegraswiesen aus Ihrem Verbreitungsgebiet zählten zu den 15 Gewinner*innen und wurde für deren Projektidee im Rahmen der Veranstaltung von den drei Bundesministerien prämiert. Anwesend waren unter anderem Lilian Tschan, Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), und Dr. Christiane Rohleder, Staatssekretärin im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) sowie Abteilungsleiterin Ana Dujić (BMAS), welche die Preisverleihung im Namen der drei Ministerien begleitete. 

    Für die (Weiter)Entwicklung ihrer gemeinwohlorientierten KI-Idee hin zu einer konkreten Anwendung erhält das Team nun eine finanzielle Unterstützung von bis zu 30.000 € sowie eine ideelle Unterstützung in Form eines viermonatigen Begleitprogramms mit Coaching und Beratung. Bis zur Abschlussveranstaltung im Juni 2024 soll mit dieser Unterstützung ein funktionsfähiger Prototyp entwickelt werden.  

    Weitere Informationen zur Veranstaltung und zur Initiative Civic Coding finden Sie auf unserem Webportal unter: https://www.civic-coding.de/. Wir stehen Ihnen jederzeit für Rückfragen zur Verfügung.  

    Projektleitung – Gabriele Dederer – Projektleiterin – Geisternetze – Meeresbiologin, Referentin World Wide Fund for Nature (WWF)

    Projektleitung – Finn Viehberg – Projektleiter – SeagrassWatch – Privatdozent Universität Greifswald

  • Aufruf in Baden-Würtemberg zum Stromsparen

    Während gestern um 7.30 Uhr die gesamte Stromerzeugung in Baden-Württemberg bei 4094 Megawatt lag, betrug die regionale Last zur gleichen Zeit mehr als das Doppelte: 9380 Megawatt. Der Netzbetreiber TransnetBW sagt hierzu, das man am Montag in der Zeit von 6:00 – 14:00 Strom sparen sollte und das man für Stromausfälle für mehrere Sunden immer vorbereitet sein muß. Schuld seien die überlasteten Transportkpazitäten der Leitungen aus dem Norden von Deutschland. Sie empfiehlt in diesen Zeiten weniger Strom zu verbrauchen oder zumindest den Zeitpunkt der Verbräuche zu verlagern.

  • Sächsischer Landrat verbietet 24 Bauern Demonstrationen

    Sächsischer Landrat verbietet von 31 angemeldeten, 24 Bauern Demonstrationen am 8. Januar. Es heißt, die öffentliche Ordnung sei gefährdet. Demokratie und Versammlungsfreiheit sind am 8. Januar gefordert und dann sowas??? Der Landrat Rico Anton (CDU) hat 24 Versammlungen verboten, zudem wurden Spontanversammlungen präventiv untersagt. In diesem Sinne: “Freiheit ich komme. Mein Ziel, das ist die Autobahn. Hans im Glück”

    [Quelle Kolja Barghoorn]

    Mein Ziel, das ist die Autobahn, Freiheit ich komme!

    Hans im Glück

    Die Tür ist offen
    Und der Himmel ist rot
    Die Entscheidung ist getroffen
    Und die Reise geht los
    Unter seinen Stiefeln
    Knirscht der Kies im Garten
    Erinnerungen kommen
    Doch er darf nicht darauf warten
    Hey, hey!

    Und die Zeit drängt
    Was hab’ ich nur verschenkt?
    Freiheit, ich komme!

    Sein Ziel das ist die Autobahn
    Er will in and’re Orte
    Das war sein lang erfasster Plan
    Doch denkt er an die Worte
    “Deine Haare sehen dreckig aus
    Seit Wochen keine Arbeit
    Ich schmeiß dich schon noch einmal raus
    Mit dir hat man nur Streit”
    Ein Auto hält, man fragt wohin
    Hans sagt ganz schnell nur “fort”
    Er denkt zurück an den Beginn
    Sie sprechen nicht ein Wort
    Hey, hey!

    Und die Zeit drängt
    Was hab’ ich nur verschenkt?
    Freiheit, ich komme!

    Hans im Glück
    Nimm mich mit
    Nicht nur ein Stück sondern für immer!
    Wie früher dir
    So geht’s jetzt mir
    Ich will heraus aus meinem Zimmer!

    Um 12 Uhr ist er in der Stadt
    Sein Ziel das ist erreicht
    Wo kann er bleiben über Nacht
    Zuhaus’ wär’s jetzt so leicht
    Sein Bett das ist bestimmt gemacht
    Und glaubt er kommt zurück
    Der Bruder hat gewiss gelacht
    Das bricht Hans das Genick
    So geht er dann die Straße lang
    Die Leute seh’n ihn nicht
    Da kommt ein Typ und fragt nicht lang’
    Und nimmt ihn mit zu sich
    Hey hey!

    Und die Zeit drängt
    Was hab’ ich nur verschenkt?
    Freiheit, ich komme!

    Hans im Glück
    Nimm mich mit
    Nicht nur ein Stück sondern für immer!
    Wie früher dir
    So geht’s jetzt mir
    Ich will heraus aus meinem Zimmer!

    Am nächsten Morgen in der Stadt
    Hält vor ihm ein grüner Wagen
    Die Suchmeldung zeigt sein Gesicht
    Sie packen ihn am Kragen
    Zuhause geht’s erst richtig los
    Die Mutter beginnt zu weinen
    Der Vater schreit “ich zog dich groß
    Dank dafür kennst du keinen”
    So geht’s dann ein paar Wochen lang
    Er kann’s nicht mehr ertragen
    Sein Ziel das ist die Autobahn
    Er wird es immer wieder wagen

    Hans im Glück
    Hans im Glück
    Dich gibt es so oft
    Es wird dich immer geben
    Solang man noch hofft
    Und die Tür ist wieder offen
    Und der Himmel wieder rot
    Und die Entscheidung ist getroffen
    Und die Reise geht wieder los
    Unter seinen Stiefeln
    Knirscht der Kies im Garten
    Erinnerungen kommen
    Doch er will nicht auf sie warten
    Hey, hey!

    Hans im Glück
    Nimm mich mit
    Nicht nur ein Stück sondern für immer!
    Wie früher dir
    So geht’s jetzt mir
    Ich will heraus aus meinem Zimmer!

    Am nächsten Morgen in der Stadt
    Hält vor ihm ein grüner Wagen
    Die Suchmeldung zeigt sein Gesicht
    Sie packen ihn am Kragen
    Zuhause geht’s erst richtig los
    Die Mutter beginnt zu weinen
    Der Vater schreit “ich zog dich groß
    Dank dafür kennst du keinen”
    So geht’s dann ein paar Wochen lang
    Er kann’s nicht mehr ertragen
    Sein Ziel das ist die Autobahn
    Er wird es immer wieder wagen

    Und die Zeit drängt
    Was hab’ ich nur verschenkt?
    Freiheit, ich komme!

    Hans im Glück
    Nimm mich mit
    Nicht nur ein Stück sondern für immer!
    Wie früher dir
    Ergeht’s jetzt mir
    Ich will heraus aus meinem Zimmer!

    Hans im Glück
    Nimm mich mit
    Nicht nur ein Stück sondern für immer!
    Wie früher dir
    Ergeht’s jetzt mir
    Ich will heraus aus meinem Zimmer!

    Hans im Glück
    Nimm mich mit
    Nicht nur ein Stück sondern für immer!
    Wie früher dir
    Ergeht’s jetzt mir
    Ich will heraus aus meinem Zimmer!

  • Das Jahr 2024 und die Meinungsvielfalt

    Wir haben jetzt das Jahr 2024 und wie jedes Jahr enorme Herausforderungen. Radio Stralsund wünscht uns Allen viel Kraft und Gesundheit um unsere Zukunft erfolgreich zu gestalten.

    Happy New Year
    Happy New Year ©Klaus Kampe

    Meinung oder Vorsicht?

    An dieser Stelle möchten wir Umfragen des IfD zum Thema “freie Meinungsäußerungen” und “Vorsicht bei der Äußerung von Meinungen” in unserer Gesellschaft sowie Verwandschaft und Freunden, zur Diskussion stellen.

    Eine große Sorge gilt der Beobachtung, das Menschen immer vorsichtiger in ihrer Meinungsäußerungen werden. Das IfD in Zusammenarbeit mit Media Tenor hat zu diesem Thema interessante Umfragen gemacht, hierzu im folgenden einige Diagramme und am Ende ein Film. Die letzte Folie ist besonders interessant, da sie eine Zusammenfassun der Antworten der stattfindenden Umfrageergebnisse von 1990 -2023 zeigt.

    Oft ist die Zurückhaltung der eigenen Meinung der Angst geschuldet, beruflich negative Konsequenzen zu erfahren.

    Man sollte gegenseitige Meinungen aushalten können. Dies fällt den Menschen immer schwerer. Hier nun die Diagramme und am Schluß ein Video von Prof. Dr. Christian Rieck und seinem Interview Partner Roland Schatz, Gründer des Instituts Media Tenor.

    “Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann vor allem das Recht, anderen Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen.” – George Orwell

    Freie Meinungsaesserung
    Freie Meinungsaesserung nach Parteien
    Zigeunerschnitzel
    Umfrage Meinungsklima
    Umfrage Freiheit und Vorsicht
    Umfrage Freiheit und Vorsicht
  • Historische Ereignisse

    In loser Reihenfolge widmet sich Radio Stralsund immer wieder historischen Ereignissen. Heute soll es um die Boston Tea Party gehen. Vor jetzt 250 Jahren fand dieses ikonische Ereignis am 16.12.1773 statt. Etwa 100 Rebellen der Sons of Liberty stürmten 5 Handelsschiffe der Engländer und warfen die Teeladung über Bord. Parolen wie: “Besteuerung ohne Mitbestimmung ist Tyrannei” wurden gerufen. Die Wünsche, das jeder seine Stimmme gehört haben wollte, jeder Mitbestimmung und Teilhabe forderte, all das lag in der Luft. Das in den USA zu jener Zeit herrschende Prinzip des Ungehorsams, sowie Traditionen und Establishment zu brechen, hatte bei den aus ihren Heimat Ländern geflohenen Menschen, oft wegen Verfolgung oder Hungersnöten, eine große Wirkkraft. Demokratie ist immer schwierig und unsere Verfassung immer noch ein Experiment. Demokatie vom Volk, durch das Volk und für das Volk ist immer noch nicht garantiert, die Freiheit ist nicht umsonst Interessant ist zu beobachten wie die Debatten heute, wenn wir darüber streiten, wie unsere Stimmen gehört werden sollen, noch die gleichen sind, wie die, die zur Bostener Tea Party geführt wurden.

  • In Schweden werden jetzt wieder echte Bücher in der Grundschule eingeführt

    Nach 4 Jahren fast ausschließlich digitalen Angeboten, verteilt die Lehrerin auf der Grundschule Lövestad, zum ersten Mal wieder ein echtes Mathe Buch in Papierform an ihre Schüler.

    Den Kindern fallen hierbei erste Unterschiede auf:

    • Eine Schülerin sagt: “Hier gibt es mehr Beschreibungen, das hatten wir auf dem Labtop nicht und was vielleicht schwieriger wird, das man jetzt selbst lesen muß. Früher hat der Computer die Aufgaben vorgelesen”.
    • Ein andere Schüler meint: “Der Vorteil ist, das sich ein Buch nicht wie ein Computer andauernd aufhängt. Aber ich habe auch Schwierigkeiten beim schreiben, da ich jetzt mit der Hand schreiben muß”.

    Natürlich gehören digitale Tools zum Handwerkszeug eines modernen Menschen, aber ob diese bereits in der Grundschule eingesetzt werden sollten, ist fraglich.

    Wieder in echten Seiten lesen zu können, ist schon eine gute Sache.

    Nach 4 Jahren fast ausschließlichem digitalen Angebot, verteilt die Lehrerin auf der Grundschule Lövestad in Südschweden, zum ersten Mal wieder ein echtes Mathe Buch in Papierform an ihre Schüler.

    Den Kindern fallen hierbei erste Unterschiede auf:

    Eine Schülerin sagt: “Hier gibt es mehr Beschreibungen, das hatten wir auf dem Labtop nicht und was vielleicht schwieriger wird, das man jetzt selbst lesen muß. Früher hat der Computer die Aufgaben vorgelesen”.

    Ein andere Schüler meint: “Der Vorteil ist, das sich ein Buch nicht wie ein Computer andauernd aufhängt. Aber ich habe auch Schwierigkeiten beim schreiben, da ich jetzt mit der Hand schreiben muß”.

    Natürlich gehören digitale Tools zum Handwerkszeug eines modernen Menschen, aber ob diese bereits in der Grundschule eingesetzt werden sollten, ist fraglich.

    Wieder in echten Seiten lesen zu können, ist schon eine gute Sache.

  • Neue Mitarbeiter aus dem digitalen Raum

    Radio Stralsund hat eine neue ausgezeichnete Mitarbeiterin gefunden!

  • Stadtwende in Stralsund

    Altstadtverfall | Bürgergruppen | DDR 1989

    „Zur Zeit stehen noch 1.350 Gebäude, von denen 273 als Baudenkmale eingestuft sind. Fachleute gehen davon aus, daß zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch 75% dieser Substanz zu retten sind.“

    Mit diesen Zahlen unterstrich der ehemalige Stralsunder Stadtarchivar Herbert Ewe 1990 seine Forderung an die damalige Bundesbauministerin Gerda Hasselfeldt, die Stadterneuerung in Stralsund maßgeblich zu unterstützen. Der Hintergrund: In den 1980er Jahren war der Verfall der Stralsunder Altstadt immer augenscheinlicher geworden. Nicht nur waren viele historische Gebäude marode, sondern auch die öffentlichen Räume und die technische Infrastruktur waren stark in Mitleidenschaft gezogen. Dazu kam, dass zum Beispiel immer mehr Geschäfte schließen mussten und die Altstadt als Wohnstandort nicht mehr attraktiv war. Die Folge waren Leerstand und weiterer Verfall.

    Im Umfeld des gesellschaftlichen Aufbruchs im Wendeherbst von ’89 mobilisierte Herbert Ewe viele Stralsunderinnen und Stralsunder, sich für die Altstadt einzusetzen. Schnell organisierte man sich als „Bürgerkomitee“, um den Anliegen der Denkmalpflege und Stadterneuerung mehr Nachdruck verleihen zu können. So forderte die Gruppe um Ewe zum Beispiel im Dezember 1989 einen allgemeinen Abrissstopp beim Rat der Stadt ein – mit Erfolg.

    Nicht nur in Stralsund, in vielen Städten der DDR entstand 1989 ein ganzes Spektrum an Initiativen und Gruppen, die sich für den Erhalt und die Erneuerung der teilweise stark verfallenen Altstädte einzusetzen. Diesen Aktivitäten widmet sich seit 2019 ein Forschungsprojekt, das aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven auf den Zusammenhang von Stadterneuerung, Friedlicher Revolution und Wiedervereinigung blickt. Forscherinnen und Forscher aus Kaiserslautern, Kassel, Weimar und Erkner bei Berlin untersuchen nicht nur diese Bürgergruppen aus bewegungsgeschichtlicher Perspektive, sondern zeichnen auch die Pfadabhängigkeiten der DDR-Altstadtpolitik nach, rekonstruieren Lebensläufe von Fachleuten, analysieren die Rolle von Kulturinstitutionen für die Altstadterneuerung oder fragen nach deutsch-deutschem Fachaustausch – vor, während und nach dem Herbst 1989. Stralsund ist eine von zehn Städten, die dabei als besonders aufschlussreich für die Forschung ausgemacht wurden.

    Das Engagement für die Erhaltung der Altstadt war nichts Neues in der Stadt am Strelasund. Schon 1956 gab es ein groß angelegtes Forschungsprojekt zur städtebaulichen Denkmalpflege am Beispiel Stralsunds, unter Leitung der Deutschen Bauakademie, der wichtigsten Forschungseinrichtung des Bauwesens in der DDR. Zusammen mit Görlitz und Quedlinburg hatte die DDR-Denkmalpflege die Altstadt schon 1962 als Ensemble in die erste offizielle Denkmalliste der DDR aufgenommen, was allerdings mehr symbolischen Charakter haben sollte. Es gab aber auch schon früh private oder fachliche Initiativen für Denkmalpflege. So war zum Beispiel Käthe Rieck, die ehemalige Leiterin des Kulturhistorischen Museums, in den 1960er Jahren die erste Vertrauensfrau für Denkmalpflege und in dieser Position ehrenamtlich dafür zuständig, sowohl in der Stadtbevölkerung als auch in der Verwaltung für die Belange der Denkmalpflege zu werben. In anderen Städten der DDR wurden in diesen Jahren umfangreiche Abrissplanungen für die alten Stadtkerne erstellt.

    Dann sollte sich der Wind drehen. Die Erneuerung von Altstädten wurde in der DDR rhetorisch aufgewertet und Mittel für die Modernisierung wurden immer wieder versprochen. In der Praxis passierte allerdings zu wenig. Neubaugebiete an den Stadträndern waren schließlich besser für die Bilanzen des DDR-Bauwesens. Der Altstadterhalt wurde staatlicherseits auf die lange Bank geschoben. Im Kleinen gab es aber ein ganzes Spektrum an Initiativen: 1975 gründete eine Gruppe junger Stralsunder Baufachleute zum Beispiel eine Fachgruppe für Denkmalpflege beim Kulturbund der DDR. Auch Herbert Ewe hat sich in seiner Position als Leiter des Stadtarchivs engagiert. Ihm ist besonders zu verdanken, dass viele Stralsunderinnen und Stralsunder nach Feierabend angepackt haben, um das Johanniskloster zu großen Teilen als Sitz des Archivs instandzusetzen. Ewe ist es gelungen, immer wieder Mittel, Material und helfende Hände dafür zu mobilisieren. 1989 war er es, der bis zu 300 Menschen um sich scharte, um die Stadterneuerung zum politischen Gegenstand der Demokratisierungsbewegung zu machen.

    Stadtwende Stralsund
    Stadtwende Stralsund
    Stadtwende Stralsund 2
    Das Heilgeistkloster in Stralsund war 1990 zwar in einem ruinösen Zustand, wurde aber noch von vielen Menschen bewohnt. Seine Sanierung war das erste größere Bauprojekt der Zeit nach der Wende. In der Zwischenzeit schienen sich die Interessen der Bauenden und der Bewohnenden zu widersprechen – ein Grund für Protest. Später resümiert die Architektin Adelheid Horn-Henn: „Zweifellos war es streckenweise ein holpriger Weg bis zum Ergebnis. Aber es ist auch spannend, was innerhalb von nur rund zehn Jahren ein einem ehemals gemiedenen Wohnquartier geschaffen wurde: Ein lebendiger Anziehungspunkt für Wohnungssuchende und Touristen.“ Abbildung: Stadterneuerungsgesellschaft Stralsund: Broschüre: Kloster zum Heiligen Geist. Gestalt und Farbe.

    Die Erneuerung der Stralsunder Altstadt ist aber auch Teil der deutsch-deutschen Geschichte der Stadterneuerung. Im Januar 1990 beschlossen die beiden deutschen Bauministerien ein

    Modellprogramm zur vorbildhaften Sanierung von erst vier, dann fünf ostdeutschen Städten. Stralsund wurde somit, zusammen mit Weimar, Meißen, Brandenburg an der Havel und später Halberstadt zu einem Experimentallabor, wo die Stadterneuerung erst als Kooperationsprojekt von Bundesrepublik und DDR, dann nach bundesdeutscher Gesetzgebung erprobt werden sollte.

    Zu einem Sonderfall kam es bei der letzten Sitzung des Runden Tisches in Stralsund, den „Stralsunder 20“. Sie beschlossen die Gründung der Stadterneuerungsgesellschaft Stralsund (SES), eines Sanierungsträgers, der zur Hälfte der Hansestadt und zur Hälfte einer Kieler Stadterneuerungsgruppe gehört. In wenigen anderen Städten in den Neuen Bundesländern wurden damit Kompetenzen und Kenntnisse eines Trägers so eng an die Kommune gebunden. Sanierungsträger unterstützen die Städte bei planerischen und organisatorischen Belangen der Stadterneuerung.

    Die Aufbruchsstimmung hielt allerdings nicht lange an. In ganz Ostdeutschland galt es nun, die Schwierigkeiten der Stadtentwicklung unter kapitalistischen Bedingungen zu meistern. Ein Hindernis stellte besonders das Prinzip „Rückgabe vor Entschädigung“ dar, das besagte, dass Alteigentum an die vormaligen Besitzer rückübertragen werden sollte. In allen Teilen Ostdeutschlands ächzten die Stadtverwaltungen unter der regelrechten Flut an Anträgen. In der Zwischenzeit wurden diese Objekte dem weiteren Verfall preisgegeben. Indes nutzten viele Familien die neuen Möglichkeiten und bauten Einfamilienhäuser am Stadtrand. An den Stadträndern entstanden zudem große Shopping-Center, die dem Einzelhandel in den Altstädten Konkurrenz machten. In Stralsund war die Talsohle 1998 erreicht. Nur noch knapp über 3.000 Menschen lebten damals in der Altstadt. Nur wenige Jahre später schon folgte die Eintragung in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes, in der Folge konnte der Trend nachhaltig umgekehrt werden.

    Die verbleibenden Baustellen in der Altstadt sind also überschaubar geworden. Während in anderen Städten die Erneuerung und Funktionserhaltung der Altstädte unter Bedingungen der Schrumpfung eine bleibende Aufgabe geblieben ist, werden im Stralsunder Zentrum schon länger die Flächen knapp. Umso leidenschaftlicher wird über jede Parzelle diskutiert. Dass dabei immer noch Akteure aus der Zeit der Friedlichen Revolution mitdiskutieren, ist keine Selbstverständlichkeit.

    So stellt die Ausstellung zur „Stadtwende“ folgerichtig die Frage: Wie wollen wir heute leben? Und wem gehört die (Alt-)Stadt? Denn unabhängig von den wirtschaftlichen oder sozialen Perspektiven erfreuen sich die Altstädte einer größeren Beliebtheit denn je. Was damals Teil der demokratischen Öffnung der DDR und der sich anschließenden Wiedervereinigung war, ist heute wieder bedroht. Seien es steigende Mieten, Kulissenarchitektur, die einseitige Ausrichtung auf den Tourismus oder allzu große Abhängigkeit vom Einzelhandel in den Fußgängerzonen – die Zukunft nicht nur der ostdeutschen Innenstädte muss stets neu verhandelt werden, ohne dabei zu vergessen, die Altstädte als etwas Gewordenes, als Ergebnis menschlichen Schaffens zu betrachten.

    Quelle:

    Beitrag von Jannik Noeske, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am
    Lehrstuhl Raumplanung und Raumforschung der Fakultät Architektur
    und Urbanistik an der Bauhaus-Universität Weimar und Projekt-Pate
    „Stadtwende in Stralsund“

    Abbildungsunterschriften:

    Abb. 1:

    Das Stralsunder Johanniskloster gehört zu den bedeutenden Klosteranlagen Norddeutschlands. 1944 wurde es teilweise zerstört. Der damalige Direktor des Stadtarchivs Herbert Ewe begann bereits 1963, Mittel und Wege für die Sanierung der denkmalgeschützten Klosteranlage zu sichern. Dazu gehörte besonders die Aktivierung von sogenannten Feierabendbrigaden, die nach der regulären Arbeit im Betrieb noch Hand bei der Sanierung des Klosters anlegten. Nach getaner Arbeit gab der “Professor” gerne ein Glas Rotwein oder Schnaps aus. Bis heute ist das Johanniskloster Sitz des Stadtarchivs, die Sanierung allerdings noch nicht abgeschlossen. Foto: Günter Ewald 1982, Bildquelle: Stadtarchiv Stralsund, JK-02-094.

    Abb. 2:

    Nicht nur für Demokratie und freie Meinungsäußerungen gingen die Menschen im Herbst 1989 auf die Straße – bei einer Demonstration in Stralsund wurde auch die gerechte Verteilung von Wohnraum gefordert. Die Lebensbedingungen in den Städten der DDR war ein Stein des Anstoßes für die Demokratiebewegung in der DDR. Dazu gehörte auch das Aufbegehren gegen den immer sichtbarer werdenden Altstadtverfall. Foto: Stefan Sauer 1989.

    Abb. 3:

    Das Heilgeistkloster in Stralsund war 1990 zwar in einem ruinösen Zustand, wurde aber noch von vielen Menschen bewohnt. Seine Sanierung war das erste größere Bauprojekt der Zeit nach der Wende. In der Zwischenzeit schienen sich die Interessen der Bauenden und der Bewohnenden zu widersprechen – ein Grund für Protest. Später resümiert die Architektin Adelheid Horn-Henn: »Zweifellos war es streckenweise ein holpriger Weg bis zum Ergebnis. Aber es ist auch spannend, was innerhalb von nur rund 10 Jahren ein einem ehemals gemiedenen Wohnquartier geschaffen wurde: Ein lebendiger Anziehungspunkt für Wohnungssuchende und Touristen.«