Kategorie: Geschichte

  • Thomas Mann über Wagner, Nietzsche und Freud

    Thomas Mann über Wagner, Nietzsche und Freud – Deutschtum im Spiegel der Moderne

    Wenn Thomas Mann das Wort ergreift, horcht man auf – nicht nur wegen der Eleganz seiner Sprache, sondern wegen der Schärfe seines Blicks auf die deutsche Kultur. In seinem Vortrag vom 10. Februar 1933 über Richard Wagner wagte er eine Deutung, die den Komponisten aus dem Bannkreis nationalistischer Verehrung löst und ihn in die Nähe einer anderen, gerade erst wirksam werdenden Autorität rückt: in Sigmund Freud’s neue Ideen.

    Thomas Mann entwirft Richard Wagner als Künstler einer gebrochenen Moderne, als eine Gestalt, die nicht in der Erhabenheit ruht, sondern von inneren Zwiespalten gezeichnet ist. Die Überfülle, das Pathos, die ekstatische Übersteigerung seiner Musik erscheinen bei Mann wie Symptome eines psychischen Kampfes – Ausdruck des Unbewussten, das Freud erstmals sichtbar gemacht hatte.

    Gerade in dieser Lesart wird das „Deutschtum“ Wagners nicht als stolze, makellose Kraft begriffen, sondern als ein geistiges Gewebe von Größe und Krankheit, von schöpferischer Vision und zersetzender Selbstanalyse. Wagner ist für Mann kein Nationalheiliger, sondern der erste große Repräsentant eines modernen, sich selbst infrage stellenden Deutschland.

    Doch Thomas Mann blieb nicht bei der psychoanalytischen Deutung stehen. Er zog die Linien weiter – zu Friedrich Nietzsche, jenem Philosophen, der dem „Meister von Bayreuth“ zunächst glühend ergeben war, um sich dann in einem radikalen Bruch von ihm abzuwenden. Für Mann war gerade dieses Verhältnis aufschlussreich: Nietzsche erkannte im Rauschhaften, in der Dämonie und Maßlosigkeit Wagners die Gefahr einer Übersteigerung, die ins Krankhafte kippen konnte.

    In Nizza, wo Mann zeitweise lebte, spürte er die gleiche Spannung zwischen Krankheit und Schöpfung, die Nietzsche im Süden so eindringlich erfahren hatte. Nizza, mit seinem Licht und seiner Weite, wurde für beide zu einem Kontrastbild – ein Ort der Genesung und Klarheit, zugleich aber auch der schmerzhaften Selbstbeobachtung. Wagner verkörperte für Mann das abgründig Deutsche, Nietzsche hingegen die kritische, klärende Instanz, die dieses Erbe verwarf und zugleich schöpferisch verwandelte.

    Doch in dieser Konstellation spiegelte sich immer auch Thomas Mann selbst. Wie Wagner verstand er sich als Künstler, der aus innerer Zerrissenheit schöpfte. Die „bürgerliche Solidität“, die er nach außen verkörperte, überdeckte nur teilweise die Abgründe und Ambivalenzen, die sein Werk nährten. Von Nietzsche übernahm er die Rolle des Selbstanalytikers, der Schwäche erkennt, sie kritisch durchdringt und dadurch überwindet.

    In Nizza, im Licht der Côte d’Azur, wurde Mann diese Selbstdeutung besonders klar. Der Süden ließ ihn erkennen, dass das Deutschtum nicht nur Schicksal war, sondern eine Aufgabe: es kritisch zu reflektieren, seine Gefahren zu benennen und es von innen her zu verwandeln. Wagner, Nietzsche und Freud bildeten für ihn keine bloßen Bezugsgrößen, sondern Spiegelungen seiner eigenen Existenz.

    Damit führt dieser Vortrag über Wagner weit über die Musik hinaus. Er erweist sich als Schlüsseltext auf dem Weg Thomas Manns vom Verteidiger des „deutschen Wesens“ in den Betrachtungen eines Unpolitischen hin zum scharfen Kritiker, der im Exil dem Nationalsozialismus entgegentrat. Was in Nizza im Nachdenken über Wagner und Nietzsche begann, fand seine Konsequenz in der klaren Absage an ein selbstzerstörerisches Deutschtum.

    Thomas Manns Wagner-Deutung ist so ein Dokument geistiger Selbstfindung: die Verknüpfung von Musik, Philosophie und Psychoanalyse zu einer Trias der Moderne – und zugleich das Bekenntnis eines Dichters, der im Spiegel Wagners und Nietzsches sein eigenes Schicksal erkannte.

    Thomas Mann und Friedrich Nietzsche
  • Was sind die theoretisch demokratischen Spielregeln in Deutschland?

    1. Achtung der Menschenwürde

    • Artikel 1 GG: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“
    • Grundlage jeder demokratischen Ordnung.

    2. Volkssouveränität

    • Artikel 20 GG: „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.“
    • Das Volk wählt die Vertreter*innen in freien Wahlen.

    3. Wahlen und Mehrheitsprinzip

    • Allgemeine, freie, gleiche, geheime und unmittelbare Wahlen.
    • Entscheidungen werden nach dem Mehrheitsprinzip getroffen.
    • Die Minderheitenrechte bleiben dennoch geschützt.

    4. Rechtsstaatlichkeit

    • Alle staatlichen Organe sind an Gesetz und Recht gebunden.
    • Bürger*innen können sich auf Gerichte berufen (z. B. bei Verfassungsbeschwerden).

    5. Gewaltenteilung

    • Trennung von:
      • Legislative (Gesetzgebung, z. B. Bundestag),
      • Exekutive (ausführende Gewalt, z. B. Regierung, Polizei),
      • Judikative (Rechtsprechung, z. B. Gerichte).
    • Verhindert Machtmissbrauch.

    6. Grundrechte und Meinungsfreiheit

    • Meinungs-, Presse-, Versammlungs-, Religionsfreiheit etc. (Artikel 1–19 GG).
    • Grundlage für gesellschaftliche Diskussion und politische Teilhabe.

    7. Chancengleichheit der Parteien

    • Parteien müssen gleich behandelt werden.
    • Parteien wirken an der politischen Willensbildung mit (Artikel 21 GG).

    8. Oppositionsrechte

    • Die Opposition hat das Recht, die Regierung zu kontrollieren und Alternativen aufzuzeigen.
    • Zentrale Funktion in einer parlamentarischen Demokratie.

    9. Toleranz und Kompromissbereitschaft

    • Demokratische Prozesse leben vom fairen Umgang miteinander.
    • Kompromisse sind notwendig, weil unterschiedliche Meinungen berücksichtigt werden müssen.

    10. Schutz der freiheitlich-demokratischen Grundordnung

    • „Wehrhafte Demokratie“: Der Staat schützt sich gegen verfassungsfeindliche Bestrebungen (z. B. Verbot extremistischer Parteien).
    • Artikel 18 und 21 GG: Grundrechte können bei Missbrauch verwirkt werden.

    Wie hat sich die Demokratie in Athen in ihrer Gründung entwickelt und wie hat sie sich dann nach und nach verbreitet?

    Die Demokratie in Athen gilt als Wiege der Demokratie in der westlichen Welt. Ihre Entstehung und Verbreitung war ein langer, schrittweiser Prozess, der im antiken Griechenland begann und sich Jahrhunderte später weltweit ausbreitete. Hier ist eine verständliche Zusammenfassung der Entwicklung:


    🏛 Entstehung der Demokratie in Athen

    1. Voraussetzungen und Probleme im alten Athen

    • Um 600 v. Chr. war Athen von sozialen Spannungen geprägt.
    • Die Oberschicht hatte viel Macht, viele Kleinbauern waren verschuldet.
    • Es drohte ein Bürgerkrieg – Reformen waren notwendig.

    2. Solon (um 594 v. Chr.) – Erste Reformen

    • Schuf die Grundlagen für eine spätere demokratische Ordnung:
      • Schuldenabschaffung für Bauern.
      • Einführung von vier Klassen (nach Vermögen, nicht nach Geburt).
      • Beteiligung aller Bürger an der Volksversammlung.
    • Noch keine echte Demokratie, aber ein Schritt weg von der Adelsherrschaft.

    3. Kleisthenes (508/507 v. Chr.) – Vater der attischen Demokratie

    • Reformierte das politische System grundlegend:
      • Neue Einteilung der Bürger in 10 Phylen (Stämme), um Macht der Adelsfamilien zu brechen.
      • Einführung des Rates der 500 (Boule), ausgelost aus allen Phylen.
      • Volksversammlung (Ekklesia) als höchstes politisches Gremium.
    • Legte das Fundament der direkten Demokratie.

    4. Blütezeit unter Perikles (5. Jh. v. Chr.)

    • Höhepunkt der attischen Demokratie:
      • Alle männlichen Vollbürger konnten an der Volksversammlung teilnehmen und über Gesetze abstimmen.
      • Einführung des Tagegeldes, damit auch ärmere Bürger politische Ämter übernehmen konnten.
      • Viele Ämter wurden durch Los vergeben – als Ausdruck der Gleichheit.
    • Kein Frauenwahlrecht, keine Rechte für Sklaven oder Metöken (Nichtbürger) – Demokratie nur für eine Minderheit.

    🌍 Verbreitung der demokratischen Idee

    5. Niedergang in der Antike

    • Nach dem Peloponnesischen Krieg (431–404 v. Chr.) und inneren Krisen verlor die Demokratie an Bedeutung.
    • Im 4. Jh. v. Chr. gab es noch Ansätze, aber die Makedonenherrschaft beendete die Selbstbestimmung Athens (338 v. Chr.).

    6. Demokratische Ideen überleben

    • In der römischen Republik lebten einige Prinzipien weiter (z. B. Gewaltenteilung, Senat).
    • Mittelalter: Fast überall monarchische oder theokratische Systeme – Demokratie galt als gefährlich oder utopisch.

    7. Wiederentdeckung in der Neuzeit

    • Aufklärung (17./18. Jh.): Philosophen wie Locke, Montesquieu, Rousseau griffen antike Ideale auf.
    • Forderung nach Volkssouveränität, Gewaltenteilung, Grundrechten.

    8. Moderne Demokratien entstehen

    • USA (1776): Erste moderne Demokratie mit Verfassung.
    • Frankreich (1789): Revolution mit demokratischen Forderungen.
    • Deutschland (Weimarer Republik 1919, Bundesrepublik 1949): Aufbau parlamentarischer Demokratien.

    🧭 Fazit

    Die Demokratie in Athen war eine direkte Bürgerdemokratie mit vielen Einschränkungen, aber ein revolutionärer Gedanke in der Geschichte. Über Jahrhunderte geriet sie fast in Vergessenheit, bis sie in der Neuzeit wieder aufgegriffen und weiterentwickelt wurde – zur heutigen repräsentativen Demokratie in vielen Teilen der Welt.

  • Die Boomer und die wahre Toleranz

    ❗Auf den Punkt

    Unsere Generation war tolerant. Und sie wusste es nicht.

    Ihr habt euch das Fluid Gender und damit die Homophobie ausgedacht aus einer älteren Geschichte fabriziert. Eure Eltern hatten schon Siege errungen, die Opfer Rollen sind aber einfach einfach zu spielen.

    Ich komme aus der Generation, die David Bowie, Lou Read, hörte und liebte und sich nie das Problem stellte, was für sexuelle Vorlieben sie hatten.

    Es war uns egal, wir waren zufrieden und selig, weil ihre Musik uns berührte!

    Elton John, Freddy Mercury und George Michael.

    Wir sind auch die Generation, die Led Zeppelin, Deep Purple, Neil Young oder die Eagles liebte. Ohne dass sich je das Problem mit ihren Texten zu stellte, die heute als sexistisch angesehen werden würden.

    Als Boy George ankam, fragten wir uns nicht, ob er Männchen, Weibchen oder beide mag. Wir haben einfach seine Musik genossen.

    Und als Jimmy Sommerville uns seine Geschichte als Kleinstadtjunge erzählt hat, waren wir gerührt und haben mitgesungen. Und es gab keine Gesetze, die uns zwingen sollten, solidarisch zu sein oder zumindest an einem „Zeichen gegen…“ teilzunehmen.

    Es gab keine Androhungen von Sanktionen oder selbsternannte Wächter, die uns zensieren, wenn einmal ein Witz dabei war.

    Alyson Moyet war damals definitiv oversize, aber wunderschön und toll, und niemand dachte, dass sie weniger wert wäre als eine Claudia Schiffer.

    Ich würde gerne verstehen, was in der Zwischenzeit passiert ist, denn meiner Meinung nach haben all diese Zensoren die einzige Wirkung, das zu erzeugen, was sie zensieren. Toleranz wächst niemals aus Intoleranz, sondern Hass und Spaltung!

    Meiner Meinung nach brauchten wir keine Beschränkungen, weil die Erziehung unserer Eltern uns Werte wie Hilfsbereitschaft, Empathie, Nächstenliebe und echte Toleranz vermittelten und Verstöße gesellschaftliche Nachteile mit sich brachten!

    Bis ihr gekommen seid um uns einen Schuldkult aufzuzwingen und uns so gegeneinander aufzubringen. Geht einfach weg oder kommt zu Vernunft!

  • Grand Hotel, eine Herberge für Zahlende und Gastgeber

    “Grand Hotel” ist ein Begriff, der sowohl mit Stefan Zweig als auch mit dem Film “The Grand Budapest Hotel” in Verbindung gebracht wird. Stefan Zweig, ein österreichischer Schriftsteller, schrieb über den Glanz und die Dekadenz der Belle Époque, die auch im Film von Wes Anderson thematisiert wird. Zweigs Werke, insbesondere seine Autobiografie “Die Welt von Gestern”, dienten als Inspiration für den Film, der die Geschichte eines luxuriösen Hotels im fiktiven Görlitz der Zwischenkriegszeit erzählt. 

    Hier sind einige Punkte, die die Verbindung zwischen Stefan Zweig und “The Grand Budapest Hotel” verdeutlichen:

    • Inspiration durch Zweigs Werk: Wes Anderson gab an, dass er sich für seinen Film von Stefan Zweigs Schriften inspirieren ließ, insbesondere von dessen Novelle “Vierundzwanzig Stunden im Leben einer Frau”, seinem Roman “Ungeduld des Herzens” und seiner Autobiografie “Die Welt von Gestern”, laut AbeBooks

    Darstellung der Belle Époque:

    Sowohl Zweigs Werke als auch der Film thematisieren den Glanz und die Dekadenz der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, die als “Belle Époque” bekannt ist. 

    Die Rolle des Hotels:

    Das Grand Hotel im Film ist ein zentraler Schauplatz, der die Geschichte einer vergangenen Ära und die Veränderungen der Zeit widerspiegelt. In Zweigs Leben und Werk spielten luxuriöse Hotels eine ähnliche Rolle als Orte der Begegnung und des Übergangs. 

    Verbindung zum Film:

    Der Film “The Grand Budapest Hotel” wurde teilweise von Stefan Zweigs Leben und Werk inspiriert, was sich in der Darstellung von Charakteren, Handlungssträngen und der Atmosphäre des Films widerspiegelt, erklärt das Stefan Zweig Zentrum.

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Stefan Zweigs Werk und die damit verbundene Epoche der Belle Époque eine wichtige Inspirationsquelle für den Film “The Grand Budapest Hotel” von Wes Anderson waren.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Grand_Budapest_Hotel
    Grand Hotel
    Der Krieg begann um Mitternacht
  • Wider den Gottesdienst der Kriegstreiberei

    Er wuchs in den Vororten von Washington D.C. auf, wo seine Familie bis heute lebt. Aber seit seiner Rückkehr aus dem Krieg springt er zwischen Washington und dem Süden hin und her. 2011 – sieben Jahre nach seiner Rückkehr aus dem Irak. – ist er schließlich in Savannah gelandet, weil ihn in Washigton oder Nordvirginia die Angst umtrieb, dass es dort zu viele Araber auf den Straßen gebe. Überall witterte er sie dort, fühlte sich ständig von ihnen umzingelt. Seine Vergangenheit als berüchtigter Experte für Leibesvisitiationen und Verhöre in amerikanischen Gefängnissen in Afghanistan und Irak nährt seine Angst, dass ihm nun aus jeder Ecke Vergeltung droht.

    Seine Zeit als Verhörleiter, zuerst im Bagram-Gefängnis in Afghanistan und später, und noch schmerzlicher, in Abu Ghraib – dem höllenähnlichsten Ort, den Damien Corsetti je auf Erden sah – hat etwas in ihm abgetötet. “Abu Ghraib: Wenn es je einen üblen Ort gab, dann den. Es war alles einfach nur Tod, beschissener Tod. Dieser Ort hat jeden, der dort war, verändert. Etwas Krebsartiges wucherte da.”

    Textauszug aus “Krieg um jeden Preis” von James Risen.

    Krieg um jeden Preis, über Gier, Machtmissbrauch und das Milliardengeschäft mit dem Kampf gegen den Terror.

    Trommler und Krieg
  • Sozio technische Entwicklungen aus dem Jahre 2016

    Sozio-technische Entwicklungen – Erwartungen an den Cyberspace – Der Geist des Internet – Bionische Engel – Teilhabe an Gewinnen geschöpfter Energie – Blockchain – Open Data / Open Access – MOOCs – Maker Faires

    Sozio-technische Entwicklungen – Erwartungen an den Cyberspace – Der Geist des Internet – Bionische Engel – Teilhabe an Gewinnen geschöpfter Energie – Blockchain – Open Data / Open Access – MOOCs – Maker Faires. Der frühe Geist in der wilden Phase des ursprünglichen Internet wird assoziert mit einem kooperativen sozialen Raum, einer Tauschökonomie für Software und Information, einer graswuzelbasierten Selbstorganisation sich entwickelnder Communitys und einem Hackergeist, der jede Beschränkung des Zugangs und des freien Informationsflusses zu umgehen weiß.

    In den 1980ern filmte ich mit großen Video-Umatic Systemen meine Umwelt. Brecht´s Radiotheorie bekam eine Form. Jeder konnte jetzt filmen und über eingerichtete „Offene Kanäle“ mit festen Sendeplätzen seine Projekte im Bürgerfernsehen publizieren.

    Als dann das Usenet, die Mailboxen, die Bulletin Board Systeme hinzu kamen, versprach all dies einen emanzipatorischen Fortschritt in der Kommunikations- und Machtstruktur jener Zeit. Man träumte von einer horizontalen und nicht vertikalen Demokratie. Dies alles beförderte eine Euphorie in den 1990ern, die an einer gerechteren Welt jeden zur Mitarbeit aufrief. Der gesellschaftspolitische Alltag zog in das Internet.

    Es war dann ein Buch von Gundolf S. Freyermuth: „Cyberland aus dem Jahre 1996“, welches mich in die digitale Welt hineinzog. Freyermuth beschrieb eine kalifornisch utopische Energie, einen Willen, sich selbst und das eigene Leben neu zu erfinden. Und das Kommunikations-Werkzeug hierfür sollte nach den Drogenerfahrungen und einhergehenden Bewußtseinserfahrungen der Hippies, nun das Internet werden.

    Über Jahrhunderte zog die „Neue Welt“ die Menschen an, weil sie dem Einzelnen und unterdrückten Minderheiten sowie politischen Utopisten und religiösen Sekten einen Neuanfang bot. Hier war die Sehnsucht nach Veränderung und Abenteuer stärker als der ängstliche Wunsch nach Erhalt des Erreichten. Und hier bereiteten die zahlreichen Subkulturen und avantgardistische High-Tech-Pioniere die Eroberung des Cyberspace vor. Es kursierten Begriffe wie Gehirnhacking, Körperhacking, Bionische Engel, Cyborgs, Cyberpunks.

    Heute wird gehackt, was nicht bei 4 auf den Bäumen ist. Gehackt werden soll die Denkfähigkeit durch Gehirn-Upgrades und Vernetzung (Brain Hack). Gehackt werden sollen die Sinne (Sensory Hack), indem das Vorhandene gesteigert oder modifiziert wird – besser sehen, hören, riechen sowie Ohren und Nasen, die sich schließen lassen – oder, indem ganz neue Wahrnehmungsbereiche eröffnet werden: Sinne für andere Frequenzen, Schallwellen, Radar oder Radiaktivität.

    Diese Utopie des Cyberland, damals quasi gedacht als eine Parallelwelt zu unserer vorhandenen Welt, war noch nicht im Focus ökonomischer Prioritäten. Die Grabber AOL, Facebook usw. gab es noch nicht. Man befand sich im Wildwest der sozio-technischen Evolution und in Deutschland war man mit seiner geschulten Medienkritik recht gut positioniert gegenüber den Denkstrukturen des Silicon Valley.

    Es waren zu jener Zeit Organisationen aus Kunst und Kultur, die an der Programmierung von Webportalen gearbeitet haben. Interessant sind hier z.B. „De Digitale Stad Amsterdam“ aus dem Jahre 1994. Die DDS wurde von einem Kulturzentrum und einem Hackerkollektiv ins Leben gerufen. Der Grund für die Initiative waren grade stattfindende Kommunalwahlen in Amsterdam und man erhoffte sich über die neuen Informationssysteme einen regen Diskussions-Austausch aller Beteiligten.*1

    Ein anderes interessantes Projekt war „Die internationale Stadt“, gegründet von einer Berliner Kunstinitiative aus dem Jahre 1995.*2

    Und, wo liegt nun der Geist des Fortschritts, die Idee des Mensch-Seins und des Sharing? Wie können wir Menschen die neuen Technologien nicht einzeln und egoistisch als Gadgets nutzen, sondern als Gesellschaft an den neuen Möglichkeiten partizipieren?

    Heute möchten datengetriebene Technologiemodelle uns „The paradise of human beeings“ bescheren. Mittlerweile weiß aber wohl jeder, auch ohne Gadget Messung, daß es zu viele Emmissionen von zu vielen Dreckschleudern gibt. Die Mess Spots erfüllen nur noch, -ja welche Zwecke eigentlich?

    Blockchain / Dokumentation von Geld und Besitz

    Vor Jahren haben wir schon einmal über „das Geschäftsmodell der Banken“ und das digitale Geld anhand des Bitcoin, einer Kryptowährung, gesprochen. Zur Zeit hat dieses Thema wieder Hochkonjunktur. Der Code des Bitcoin basiert auf der sogenannten „Block Chain“. Mit dieser Technologie wird bei jedem Besitzerwechsel dem transferierten Geld ein neuer Codeschnipsel angehängt (von daher der Begriff Block) um eben diesen Artikel zu referenzieren und einwandfrei bisher stattgefundene Besitzerwechsel zu dokumentieren. Dieser Code wird dezentral auf verschiedenen Servern gespeichert. Der eigentlich umwerfende Aspekt ist hier zum einen, daß man den angehängten Code nur bis zu 24 Millionen Bitcoins realisieren kann, die Geldmenge wäre dann also gedeckelt. Der andere interessante Aspekt der Nutzung der „Block Chain Technologie“ ist die mögliche Verwaltung der Eigentumsnachweise und Dokumentantion von Besitzerwechseln wie bei Hausbesitz, Urkundenbesitz, Testamente, Patentverzeichnisse usw. usf. Die Speicherung der „Block Chain“ Daten läuft dezentral. Jede zentrale Speicherung von Daten, wie sie z.B. Banken über das Geld und die Kunden ausüben, wäre dann obsolet. Die Banken wissen das mittlerweile auch und arbeiten in einem Konsortium an eigenen digitalen Währungen und sammeln und kaufen hierfür fleißig Patente.

    Opendata und Open Access

    Auf http://www.mundraub.org werden auf einer Karte Obstbäume, welche der Allmende zuzurechnen sind und die von daher von jedem beerntet werden können, verzeichnet.

    In Berlin gibt es schon einige wenige Opendata Applikationen unter http://www.daten.berlin.de zu sehen. Open Data legt einfach die API’s / Schnittstellen offen, so daß jeder bereits erstellte Datenbanken benutzen kann. Ein Beispiel wäre hier die Visualisierung der Verbrauchsdaten der Berliner Bezirke von Strom. Hier kann man einen Bezirk, z.B. Berlin Mitte aufrufen und sieht dann die Daten für z.B. Erzeugte Energie, Verbrauch absolut, Einwohnerzahl, Verbrauch pro Einwohner usw.

    In Wien entwickelt man das Open Access Network Austria (OANA). Diese schreibt: „Wissenschaft ist ein öffentliches Gut, das erst durch Teilen und Weiterverwendung nutzbar wird.[]Da die digitale Revolution es ermöglicht, viele Informationen von jedem Ort und jeder Zeit zugänglich zu machen, ist es das Ziel von Open Access, alle wissenschaftlichen Publikationen frei im Internet zur Verfügung zu stellen. Hierfür gibt es auch eine Agenda. Auch die European Research Area (ERA) oder die Max-Planck-Gesellschaft entwickeln hierzu Roadmaps.

    Wenn man über Open Data spricht, muß man über die Diskrepanz von freien Zugängen zu Datenbanken mittels freier API’s und über die alten Geschäftsmodelle, Wissen und Erfindungen geheim zu halten, sprechen. Große Konzerne, z.B. die aus der Pharmaindustrie, haben durch z.B. in Deutschland geeignete Rechtsmodelle, Erfindungen, die oft über die staatlichen Universitäten erarbeitet wurden, über lange Zeit zu monetarisieren gewußt. Länder wie Indien konnten das über Druck teilweise reduzieren, Länder wie Deutschland befinden sich in der Falle. Zumal mittlerweile auch einzelne Pharma Konzerne öffentlich zugeben, daß Forschung und Entwicklung nicht mehr in ihren Bereich gehören, sondern das diese outgesourct werden müssen. Hier sollten generell einige neue Fragen gestellt werden.

    Heute, im digitalen Zeitalter werden all diese Problematiken wieder neu besprochen. Man fragt sich, ob das Geschäftsmodell wissenschaftlicher Verlage noch zeitgemäß ist? Die OANA ( Open Access Network Austria) in Österreich möchte bis 2025 die gesamte wissenschaftliche Publikationstätigkeit auf Open Access umstellen. Das bedeutet, daß alle wissenschaftlichen Publikationen, die aus Unterstützungen mit öffentlichen Mitteln hervorgegangen sind, ohne Zeitverzögerung und in der finalen Version im Internet frei zugänglich sind. Die notwendigen Mittel werden den AutorInnen zur Verfügung gestellt, – oder die Kosten der Publikationsorgane werden direkt von den Wissenschaftsorganisationen getragen. Österreicher erhalten erstmals ein grundsätzliches Recht darauf, mit Steuergeldern finanzierte Dokumente für eigene Zwecke zu gebrauchen. Im Juli 2015 trat eine Nouvelle des Informationsweiterverwendungsgesetzes in Kraft, das die Nutzungvon Dokumenten regelt, die sich im Besitz öffentlicher Stellen befinden.

    Bildung und MOOCs

    Wie der Erziehungswissenschaftler Sugata Mitra 2013 einmal über die Geschichte der Lernmethodeen referierte, beschrieb er einmal die zu Zeiten des britischen Empire ausgeübten schulischen Ziele: eine gute Handschrift, weil alle Daten mit der Hand geschrieben wurden, sie mußten lesen können, und sie mußten in der Lage sein, im Kopf zu multiplizieren, zu dividieren, zu addieren und zu subtrahieren. Es wurde für den globalen bürokratischen Verwaltungsapparat ein Schule benötigt, um einen globalen Computer aus Menschen zu schaffen.

    Heute gibt es MOOCs (Massive Online Open Courses) – offene Online-Kurse für alle. Hier können die besten aller Lehrer ihre Lehre betreiben und in Schulen können hierzu dann die Besprechungen und Hausaufgaben ablaufen.

    So hatte das berühmte MIT (Massachussets Institute of Technology) einmal einen Kurs mit Prüfung weltweit online gestellt, und die 400 besten Teilnehmer waren dann gar nicht mehr vom MIT selbst, sondern es waren Menschen die online dazu gestoßen waren.

    Maker Faires

    Hacker-, DIY- (Do It Yourself) und Maker-Kulturen sind in den Mainstream eingegangen. Ihre Formate und Methoden gelten mittlerweile als “moderne” Aspekte vieler Politik-, Kultur- und Bildungsprogramme. Dieser Umbruch zeigt sich auch im Wiederaufleben von Craft-Kulturen und im Aufkommen neuer Formen kritischen und aktivistischen Designs als mögliche Gegenpole. All diese Praktiken haben jedoch nie isoliert existiert: Eingebettet in größere soziokulturelle, ökonomische und politische Kontexte haben sich Hacker-, DIY- und Maker-Kulturen schon immer gegen vorherrschende Narrative des Marktes positioniert.

    Transmediale 2016 und Kunsprojekt Autonomy Cube

    Hier noch ein Anmerkung zur diesjährigen Transmediale, dem Mediumkunst-Festival im Haus der Kulturen der Welt. Hier heißt es: Angesichts zahlreicher Probleme und globaler Krisen müssen wir uns fragen, wie eine Gesprächskultur im digitalen Zeitalter aussehen kann? Im internationalen Wettbeweb zwischen Staaten, Unternehmen, Netzwerken und Individuen werden wichtige globale Angelegenheiten auf Worthülsen reduziert. Die Macher der Transmediale sagen: wir sprechen von Flüchtlingskrise, Finanzkrise, Klimawandel, Big Data, dabei ist längst nicht klar, worüber wir reden. Wie tauscht man in einer global vernetzten Medienwelt Argumente und Ansichten über komplexe Sachverhalte aus? In Zeiten sich überlagernder Krisen möchten viele Menschen aktiv werden. Aber wie? Die Ambivalenz zwischen Tatendrang und Resignation bildete den inhaltlichen Nährboden der Transmediale 2016. „Anxious to Act, Anxious to Make, Anxious to Share, Anxious to Secure“ (bestrebt zu handeln, bestrebt zu kreiren, bestrebt zu teilen, bestrebt zu sichern), so formulierten es die Veranstalter. Der Drang zu handeln und zu teilen ist groß, gleichzeitig wissen wir nicht, wie wir es richtig machen können, ohne etwa Großkonzernen in die Hände zu spielen.

    Zum Abschluss noch eine Bemerkung zum „Autonomy Cube“ Projekt von Tevor Paglen und Jakob Appelbaum. Sie bauten einen transparenten Cube mit 4 Rechnern und einem offenen Wifi-Hotspot. Implementiert wurde die Software TOR, welche eine Anonymisierung von Daten ermöglicht. Diese Skulptur wurde in Oldenburg 4 Monate im Edith-Russ-Haus ausgestellt und konnte auch praktisch als Einwahlknoten voll benutzt werden.

    Auswirkungen des Internet in den USA versus EUROPA im Jahre 2016

    Steven Hills, ein Fellower der American Academy in Berlin untersucht zur Zeit die Auswirkungen der Share Ökonomie. Ich selbst war damals begeistert von den ersten Mitfahrzentralen, war fasziniert davon, einfache materielle Dinge zu teilen. Und heute?

    Steven Hills beobachtet die Unternehmen, die meist nur eine Webseite und ein paar Apps haben und mit ihrem Mischmodell aus Technologie à la Silicon Valley und der Gier à la Wall Street ihre lukrativen Unternehmen aufgebaut haben. Dies sind Unternehmen wie „Uber“, „Upwork“ und „Task Rabbit“. Hier wird vorgegeben, daß jeder Mensch ein selbständiger Unternehmer, ein Geschäftsführer, ein Selbstständiger werden kann. Was früher von Unternehmen an Arbeit einfach in Billig Lohn Länder outgesourct wurde, wird heute mit Schein-Selbständigen im eigenen Land zum Billig-Lohn Tarif praktiziert. Und dieser Steven Hill möchte in seiner Studie den prekären Zustand von ¾ der Amerikaner, die mittlerweile sich nur noch in ihren Jobs von Gehaltsabrechnung zu Gehaltsabrechnung durchhangeln, vergleichen mit den Auswüchsen einer Sharing Ökonomy in einem Wohlfahrtsstaat mit einflussreicheren Gewerkschaften und stärkerer staatlicher Regulierung. Können wir Wohlstand erhalten, wenn unsere Wirtschaftssystem auf einseitigen Arbeitgeber-Arbeitnehmer Beziehungen basieren? Oder erfordert Wohlstand mehr Mitbestimmung zwischen den Akteuren?

    Die Versicherung Generali

    Der Versicherer plant das Sammeln von Gesundheitsdaten per App. Die Generali-Gruppe steigt ins Telemonitoring ein und kooperiert dazu mit dem südafrikanischen Versicherer Discovery. Die Südafrikaner haben das Gesundheitsprogramm Vitality entwickelt. Kunden, die auf Fitness, Lebensstil und Ernährung achten, werden mit Gutscheinen, Geschenken und Rabatten belohnt. Die Daten werden mittels App an den Versicherer übermittelt. So sollen beispielsweise Vorsorgetermine dokumentiert, Schritte gezählt und sportliche Aktivitäten gemessen werden.

    Generali selbst beschreibt Vitality so: Mit Generali Vitality bieten wir zukünftig eine Produktoption für die stetig wachsende Gruppe gesundheitsorientierter Menschen an. Die Vitality-Produkte unterstützen die Kunden auf für sie nachvollziehbare Weise dabei ein gesünderes Leben zu führen. Von der Idee her vergleichbar mit den Bonussystemen von Krankenkassen wird eine gesunde Lebensweise gefördert und belohnt, indem der Kunde beispielsweise Vergünstigungen (bei der Mitgliedschaft im Fitnessstudio, beim Kauf von Sportausrüstungen und gesunden Lebensmittel) oder Bonuspunkte erhält. Innovativ ist an dem Modell, dass es ganzheitlich ist, d.h. vom Gesundheits-Check über die Vergünstigungen bis zu Bonuspunkten geht und dass dabei auch digitale Anwendungen zum Tragen kommen, die eine intuitive und für den Versicherten einfache Nutzung ermöglichen.

    Kunden erhalten Prämiennachlässe

    In der ersten Stufe erhalten Versicherte die genannten Vergünstigungen, in einer zweiten Stufe sollen auch Prämiennachlasse beim Versicherungsschutz möglich sein. Damit ist Generali der erste große Versicherer, der Ernst macht mit „Big Data“. Nach Medienberichten sollen auch Allianz, Axa und weitere an ähnlichen Projekten arbeiten. Vorreiter dieser Entwicklung ist der US-amerikanische Krankenversicherer United Healthcare. Dort erhalten Versicherte nach entsprechendem Nachweis schon seit Jahren Preisnachlässe. „In Europa werden die Produkte zunächst in Deutschland, Frankreich und Österreich erhältlich sein und die Märkte dann sukzessive ausgeweitet. Weltweit ist der Kooperationspartner bereits in vielen Ländern aktiv, darunter Südafrika, USA, China, England, Australien und Südostasien“, sagt Generali-Unternehmenssprecherin Silvia Lorger-Michel.

    Bedenken hinsichtlich Datenschutz

    Hierzulande erntet das Vorhaben deutliche Kritik. Verbraucherschützer wie Peter Grieble von der Verbraucherzentralen Baden-Württemberg verweisen auf das Manko hinsichtlich Datenschutz. Der Kunde wisse gar nicht, wie seine Daten im Konzern verarbeitet werden und wer Zugriff darauf habe. Einige Kommentatoren in Publikumsmedien mokieren zudem, dass so das Prinzip der Versicherung ad adsurdum geführt werde. Denn es werden nicht mehr verschiedene Risiken zwischen vielen Kunden und über die Zeit ausgeglichen, sondern die Versicherer versuchen so die „guten“ Risiken für sich zu gewinnen und der Konkurrenz die „schlechten“ Risiken überzuhelfen. Ein Trend, der bei genauerer Betrachtung wahrlich nicht neu erscheint. Felix Hufeld, oberster Versichungsaufseher bei der BaFin, sagte in der Süddeutschen Zeitung: „Wenn wir den Gedanken zu Ende denken, kann das letztlich zu einer Atomisierung des Kollektivs führen.“ Und auch Schriftstellerin Juli Zeh schaltet sich in die Debatte ein: „Wir werden manipulierbar und unfrei“. Sie sieht totalitäre Strukturen im Gewand von Serviceangeboten. Von Zeh ist der Roman „Corpus Delicti“, der vor der Problematik einer Gesundheitsdiktatur in naher Zukunft warnt.

    Anhang

    *1. „Was ist eine ‚digitale Stadt‘? von Gert Lovink: http://thing.desk.nl/bilwet/Geert/Aufsaetze/dds.txt

    Digitale Staedte oder ‚Freenets‘ sind frei zugaengliche, kostenlose
    Informationssysteme innerhalb des Internets. Es handelt sich dabei um eine
    lokale Sammlung ‚virtueller Gemeinschaften‘ (Rheingold), wobei das gemeinsame
    Interesse die geografische Lage und die Muttersprache ist. Seit Januar 1994
    gibt es in Amsterdam eine solche digitale Stadt. Sie wurde von „De Balie“
    gegruendet, einem Zentrum fuer Politik, Theater und Kultur, sowie der
    „Hacktic“-Gruppe (Computerhacker, die den ‚XS4all‘ Internetserver betreiben).
    Das Ziel war anfaenglich, ein Experiment durchzufuehren, welches das Verhaeltnis
    zwischen den Buergern und dem Bereich der Politik im elektronischen Zeitalter
    untersucht. Anlass waren die Wahlen des Gemeinderats. Bald ging die
    Entwicklung dahin, die Diskussion ueber die Planung der ‚Datenautobahn‘ in
    Holland voranzubringen.
    Fuer viele war ‚dds‘ die erste Bekanntschaft mit dem Internet. Das System
    brach aufgrund des grossen Zuspruchs bald zusammen. Mittlerweile hat
    dds-Amsterdam 20.000 ‚Bewohner‘ und bis zu 4000 log-ins pro Tag. Seit Oktober
    1994 laeuft das System ueber das World Wide Web und die Bewohner haben die
    Moeglichkeit, eigene Homepages zu gestalten. Die Version 3.0 (Juni 1995) legt
    noch mehr Wert auf die individuelle Positionierung der einzelnen Benutzer, um
    das wachsende System weiter zu differenzieren.
    Im folgenden Text werden eine Anzahl von Alternativen und Dilemmas
    dargestellt, um so, ohne Einfuehrung, gleich einen Eindruck davon zu geben,
    welche Fragen sich bei der Planung oeffentlicher Netzsysteme ergeben.

    Kein elektronisches Kaufhaus, sondern Public Domain

    Die digitale Stadt ist kein in sich geschlossenes Einkaufszentrum oder
    Ladenpassage. Sie ist ein oeffentlicher Raum, der zwar Zugang zu kommerziellen
    Systemen oder Diensten ermoeglicht, selbst jedoch keine Waren aufnoetigt oder
    Mautgebuehren an den Zugangspforten erhebt. So wie es nichts kostet, auf der
    Strasse zu laufen, muss auch der Zugang zur Digitalen Stadt frei sein. Es
    herrscht das Recht der freien Meinungsaeusserung. Man kann sich ueber die
    ‚Strasse‘ in ein anderes System einloggen, in dem man fuer Information bezahlen
    muss, aber der oeffentliche Raum im Netz hat damit nichts zu tun. Wenn dieser
    grundlegende Unterschied zwischen oeffentlichem Raum und Privatheit nicht
    gemacht werden kann, gibt es keine Existenzberechtigung mehr fuer eine
    digitale Stadt und sie wird ein Computernetzwerk wie alle anderen. Eine
    digitale Stadt kann zwar ‚Verkaufsraum‘ vermieten, darf aber nicht darauf
    reduziert werden. Kommerzielle Systeme dagegen werden sich von Natur aus
    nicht mit dem Problem befassen, ob sie ein ‚Aussen‘ haben. Sie werden
    hoechstens Werbung fuer andere machen, indem sie ihnen die Moeglichkeit geben,
    eine Anzeige zu plazieren.
    Laut Joost Flint, zusammen mit Marleen Stikker einer der Koordinatoren, ist
    die Digitale Stadt sowohl eine Antwort auf die drohende Kommerzialisierung
    des Netzes, als auch ein Trendsetter. „dds schafft keinen Markt. In dieser
    Hinsicht sind wir Hippietouristen, die ein Fernes Land kennenlernen. Ich
    hoffe, dass Die Digitale Stadt ein Raum fuer nicht-kommerzielle Information
    bleibt, mit Gratiszugang und Moeglichkeiten, die man in kommerziellen Systemen
    nicht hat. Es ist angenehm fuer Menschen, zu wissen, dass sie nicht
    ‚gemonitort‘ werden. Jeder Schritt, den man in einem anderen Internetsystem
    tut, wird registriert. Die Information wird an eine Direkt-Marketing-Agentur
    verkauft. Privacy wird ab einem bestimmten Zeitpunkt ein Thema werden.

    *2. „Die digitale Stadt ist eine Metapher“

    Rob van der Haar ist einer der Designer des Interface fuer Die Digitale Stadt
    3.0. In einem Vortrag mit dem Thema ‚Die Stadt als Metapher‘ fuehrt er aus:
    „Warum sollte man einer elektronischen Umgebung den Namen ‚digitale Stadt‘
    geben? Zunaechst einmal, weil er als Metapher dienen kann, er erklaert
    unbekannte Dinge anhand von bekannten. Das Verhalten der elektronischen Stadt
    wird daher mehr oder weniger an das Bild (mentales Modell) anschliessen
    muessen, das die Zielgruppe von einer wirklichen Stadt hat. Das bedeutet nicht
    automatisch, dass eine digitale Stadt eine exakte Kopie einer wirklichen Stadt
    werden muss. Im Gegenteil, Phantasiestaedte wie Disneyland und symbolische
    Staedte wie ‚The Legible City‘ des Kuenstlers Jeffrey Shaw sprechen die
    Phantasie viel mehr an. In manchen Punkten darf eine digitale Stadt durchaus
    vom Erwartungsmuster des Benutzers abweichen, gerade Ueberraschungen und
    Entdeckungen laden ein, die Stadt oefter zu besuchen.“
    Ein Teil des Erfolgs der Digitalen Stadt ist sicher ihrem Namen zu verdanken.
    Die Stadtmetapher foerdert nicht nur die Wiedererkennbarkeit, es ist vor allem
    eine produktive Formel, welche sowohl die Phantasie der Macher, als auch der
    Benutzer reizt. Die ‚Stadt‘ zieht Ideen an und provoziert dazu, wilde Plaene
    zu schmieden. Diese Metapher erlaubt sowohl die Arbeit an einem strikten,
    uebersichtlichen Plan, in dem Funktionalitaet und Benutzerfreundlichkeit
    dominieren, als auch an einem Labyrinth von Gassen und kleinen Strassen, in
    denen sich dunkle, illegale, abenteuerliche Dinge abspielen. Eine Stadt kann
    so reich (und so arm) sein wie das Leben. Ausschlussmechanismen koennen
    aufgrund der zielbewussten Komplexitaet der Struktur nicht effektiv
    durchgefuehrt werden. Die Unuebersichtlichkeit schuetzt die Bewohner gegen die
    destruktiven Seiten der Transparenz und der Allgegenwaertigkeit. In der
    Computerterminologie bedeutet das, dass der kuehle, kalte High-Tech durch
    menschliche Exzesse und nichtvorgesehene Abweichungen gemildert wird. Neben
    dem Rathaus muessen auch der Sexshop und der Koffieshop ihre Annehmlichkeiten
    anbieten koennen. Man kann in die Schule gehen, aber auch schwaenzen. Die
    Digitale Stadt muss nicht per se sauber und gesund zu sein. Es muss auch
    anonyme Plaetze geben. Das System wird staendig umgebaut, mit laestigen
    Baustellen und aufgebrochenen Strassen. In der Literaturkritik ist die
    Metapher ein vertrautes Problem. Es ist an der Literaturwissenschaft, dieses
    Wissen in den Cyberspace zu verpflanzen und den Metaphergebrauch innerhalb
    von Systemen wie Die Digitale Stadt einer kritischen Untersuchung zu
    unterziehen. Die Stadtmetapher erscheint im Cyberspace zu einem Zeitpunkt, in
    dem es mit der Stadt Amsterdam als Verwaltungseinheit endgueltig vorbei ist,
    und die Stadt sich in der Region („ROA“) aufloest. Selbst in der reaktionaeren
    Vorstellung des Stadtstaates sehen wir, dass die Stadt sich als eine
    verdichtete Infrastruktur redefiniert, zu der auch die weitentfernten
    Aussenbezirke, Flughaefen, Industriegebiete, edge cities, Autobahnen,
    Handelszentren und Randgemeinden gerechnet werden. Die fruehere Stadt dagegen
    hatte eine deutliche Grenze (und Identitaet). Die digitale Stadt kann nun als
    zurueckgekehrte Metapher einen gewissen Schutz gegen die hochaufloesende
    Faehigkeit der neuen Technologien bieten. Sie hat neben utopischen auch
    nostalgische Zuege. Sie will den vergangenen Glanz der Stadt wieder zum Leben
    erwecken, nicht indem man gebaute Umgebung mit postmodernen Fassaden versieht
    oder die Bewachung verstaerkt, sondern indem man die Kuenstlichkeit konsequent
    ausbaut: digitaler Konstruktivismus.

    http://thing.desk.nl/bilwet/Geert/Aufsaetze/dds.txt
    http://www.digitalcraft.org/?artikel_id=249
    http://www.digitalcraft.org/dateien/358_0730164807.pdf

  • Neutralitätsstudien

    Ein Beitrag von Nel Bonilla.

    wenn Sie über mein kürzlich geführtes Interview mit Pascal Lottaz zum Thema Neutralitätsstudien hierher gelangt sind, danke ich Ihnen. Ich bin Ihnen sehr dankbar für Ihr Interesse an diesen Themen, die leider von Tag zu Tag dringlicher werden.

    Ein paar Worte zu meiner Person und was Sie von Worldlines erwarten können:

    Meine Ausbildung in Humangeographie, Migrationsstudien und Soziologie fließt in meine Analyse der Art und Weise ein, wie Systeme – und nicht nur Individuen (obwohl Individuen auch dazu gehören, aber meist als Teil größerer Gruppen) – globale Machtkonstellationen formen. Ich untersuche Elitenetzwerke, strukturelle und organisierte Gewalt und die verborgene Maschinerie der Geopolitik, manchmal mit dem Schwerpunkt, wie Institutionen Loyalität und Konflikte erzeugen.

    Bei Worldlines untersuche ich die weitgehend unsichtbare Architektur der zeitgenössischen Geopolitik, die ihr zugrunde liegenden Schaltkreise, zum Beispiel durch:

    🔹 Elite Strategy: Die Institutionen, Stiftungen und Drehtürkarrieren, die privates Kapital in öffentliche Politik umwandeln.

    🔹 Wie Konflikte gestaltet werden: Warum Begriffe wie „strategische Mehrdeutigkeit“ und „Multidomänen-Kriegsführung“ Blaupausen für endlose Eskalation sind und keineswegs der Lösung von Konflikten dienen.

    🔹 Strukturelle Kontinuitäten: Die anhaltende hegemoniale Logik, die die Eindämmung des Kalten Krieges mit dem heutigen „Großmacht-Wettbewerb“ mit all seinen menschlichen und politischen Folgen verbindet.

    Mein Ziel ist es nicht, Schlagzeilen zu verfolgen, sondern die langfristigen Prozesse zu verstehen, die sie antreiben. Gelegentlich reagiere ich auf bestimmte Nachrichtenereignisse, aber immer mit einem strukturellen Blickwinkel.

    Vorgeschlagene Einstiegspunkte
    Je nach Interesse können Sie hier mit einigen Beiträgen beginnen:

    🔹Elite Capture & European Self-Destruction
    Warum transatlantische Netzwerke die EU-Politik gegen ihre eigenen Interessen vorantreiben. Und insbesondere, warum Deutschlands Energiearmut und Aufrüstungspolitik fast schon konstruierte Ergebnisse sind.
    🔹Der Mythos der transatlantischen Spaltung
    Die „Autonomie“-Debatten der EU, erklärt: Warum die „Gräben“ zwischen den USA und Europa meist nur Theater sind.
    🔹Der Plan für US-Drohnenangriffe in Mexiko
    Ein Blick darauf, wie nominell neutrale Länder in der unipolaren-multipolaren Konfrontation ins Visier genommen werden.
    🔹Zölle als Belagerungsmaschinen
    Was der Zollkrieg gegen China über die langfristige Strategie der USA verrät.

    🔹Transatlantische Konvergenz: Frieden oder schlummernde NATO?
    Wie Europa im Rahmen einer neuen Einsatzdoktrin für den Krieg umgerüstet wird.

    🔹Das geopolitische Theater: Trump, die NATO und der Weg ins Jahr 2028
    Anzeichen dafür, dass die Eskalation kein Zufall ist, sondern Teil eines bewussten und inszenierten Kontinuums.

    🔹Warum unterstützen die regierenden Eliten schädliche Politiken?
    Eine Untersuchung des systemischen, ideologischen und institutionellen Drucks auf die Entscheidungsfindung der Eliten.


    Demnächst,
    Ich entwickle derzeit ein neues langes Stück mit dem Arbeitstitel:
    „Weaponizing Time & Uncertainty“. Darin wird untersucht, wie strategische Mehrdeutigkeit eingesetzt wird, um die Instabilität zu verlängern, was darauf hindeutet, dass globale permanente Spannungen das beabsichtigte Ergebnis sind. Natürlich wird dies noch viel ausführlicher erklärt und dargelegt werden.


    Ein Hinweis zu Rhythmus und Zeitplan
    Ich befinde mich in der Endphase meiner Doktorarbeit, daher erscheinen die wichtigsten Beiträge vorerst etwa alle drei Wochen. Sobald die Dissertation eingereicht ist, werde ich häufiger veröffentlichen und auch Fragen und Antworten, Forschungstipps und Beiträge hinter den Kulissen veröffentlichen. Dies sind historische Zeiten, und ich glaube, sie rechtfertigen eine sorgfältige und kritische Aufzeichnung.

    In jedem Fall bin ich besonders gespannt darauf, von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, zu erfahren, wie sich diese Analyse auf Ihren Kontext auswirkt (wo immer Sie sich in der Welt befinden). Teilen Sie Ihre Gedanken in den Kommentaren mit.

    https://substack.com/home/post/p-168426706

  • Kann man in der Wüste für Wasser sorgen?

    Ja, man kann auch in der Wüste für Wasser sorgen – es ist zwar eine Herausforderung, aber mit den richtigen Methoden durchaus möglich. Hier sind einige Möglichkeiten, wie man in der Wüste Wasser gewinnen oder verfügbar machen kann:


    🌧️ 1. Regenwasser sammeln

    • Auch in Wüsten gibt es gelegentlich Regen.
    • Mit großen, gut konstruierten Regenauffangsystemen (z. B. Zisternen, Auffangbecken, Planen) lässt sich Regenwasser speichern.
    • Dieses Wasser kann später gefiltert und genutzt werden.

    🌫️ 2. Kondensation und Luftfeuchtigkeit nutzen

    • Taukollektoren oder Kondensationsfallen nutzen den Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht, um Luftfeuchtigkeit zu kondensieren.
    • Spezielle Materialien wie hydrophile Stoffe oder sogenannte “Wasserernter” (Atmospheric Water Generators, AWGs) ziehen Wasser direkt aus der Luft.

    🏞️ 3. Grundwasser erschließen

    • Wenn es in der Tiefe Wasser gibt, können Brunnen gebohrt werden.
    • Tiefbrunnen sind aufwändig und teuer, aber in vielen Wüstenregionen ist Grundwasser vorhanden.

    🌱 4. Nutzung von Pflanzen

    • Einige Pflanzen (z. B. Kakteen oder bestimmte Wüstenpflanzen) speichern Wasser.
    • Manche indigene Gruppen wissen, wie man daraus trinkbares Wasser gewinnt.

    🌊 5. Meerwasserentsalzung (in Küstennähe)

    • Wenn die Wüste an eine Küste grenzt (z. B. Atacama, Teile der Arabischen Halbinsel), kann Wasser aus dem Meer entsalzt werden.
    • Solarbetriebene Entsalzungsanlagen sind dabei besonders geeignet.

    🔬 6. Innovative Technologien

    • Projekte wie der “Warka Tower” oder “Source Hydropanel” erzeugen Wasser aus der Luft – rein solarbetrieben.
    • In Marokko wurde ein ganzes Dorf mit Nebelnetzen ausgestattet, die aus Nebel Wasser „melken“.

    Wie haben die Nabatäer in der Stadt Petra das Problem behandelt?

    Die Nabatäer in Petra (heutiges Jordanien) haben das Problem der Wasserversorgung in der extrem trockenen Wüstenumgebung auf beeindruckend fortschrittliche Weise gelöst – durch ein komplexes Wassermanagement-System, das seiner Zeit weit voraus war. Hier ist eine Übersicht, wie sie das geschafft haben:


    💧 Wasserversorgung der Nabatäer in Petra

    1. Regenwassersammlung

    • Obwohl es in Petra wenig regnet, haben die Nabatäer jede Regenquelle effektiv genutzt.
    • Sie bauten Kanäle, Terrassen und Zisternen, um selbst kleinste Regenfälle aufzufangen.
    • Wasser wurde von Dächern, Hängen und Straßen in unterirdische Zisternen geleitet.

    2. Bewässerungssysteme und Kanäle

    • Die Nabatäer legten kilometerlange Kanäle an, die Regenwasser zu den Siedlungen und Gärten transportierten.
    • Die Kanäle waren oft in den Fels gehauen oder mit Ton ausgekleidet, um Wasserverluste zu minimieren.

    3. Zisternen und Speicher

    • In Petra gibt es über 200 Zisternen, viele davon direkt in den Fels gehauen.
    • Diese unterirdischen Wasserspeicher hielten das Wasser kühl und verhinderten Verdunstung.
    • Einige Zisternen konnten Zehntausende Liter fassen und sicherten die Wasserversorgung über Monate.
    Zisterne-Nabataer

    4. Wasserleitungssysteme mit Keramikrohren

    • Die Nabatäer nutzten Ton- und Keramikrohre, um Wasser gezielt durch die Stadt zu leiten.
    • Auch Druckunterschiede wurden beachtet – durch gefällebasierte Leitungen gelang Wasser auch in höher gelegene Gebiete.

    5. Schutz vor Sturzfluten

    • Petra liegt in einem engen Tal, das bei Regen zu gefährlichen Sturzfluten führen kann.
    • Die Nabatäer bauten Umleitungsgräben, Staudämme und Tunnel, um Flutwasser zu kontrollieren und zu nutzen, statt es zu fürchten.

    🏛️ Ergebnis:

    Dank dieser Systeme konnten die Nabatäer:

    • Petra zur blühenden Handelsstadt machen.
    • Frischwasser das ganze Jahr über bereitstellen – auch in Dürreperioden.
    • Parks, Bäder und Gärten anlegen, die in der Wüste sonst undenkbar wären.


    🌍 Überblick: Wassertechnik der Nabatäer in Petra

    1. Aquädukte & Terrakotta‑Rohrleitungen

    2. Zisternen & Speicher

    • Hunderte von Zisternen, teils in den Fels gehauen, teils gemauert und arkadenüberspannt – wie z. B. am Jebel Haroun (18 × 5 m) visitpetra.jo.
    • Große Speicher (bis zu 2 500 m³), mit Reinigung durch Sedimentationstanks (Decantation) und mehrfach kaskadierte Behälter zur Filtration Wikipedia.

    3. Dämme & Hochwasserschutz

    • Dämme und Barrieren in den Wadis (z. B. Wadi Mataha, Wadi Mousa) sammelten Regenwasser gezielt und schützten gleichzeitig die Stadt vor Überschwemmungen visitpetra.jo+5bible.ca+5Omrania+5.

    4. Robustheit & Redundanz

    • Mehrere Zuführungen und Pipelines aus verschiedenen Quellen wurden parallel betrieben – so blieb Wasser selbst bei Teilausfall verlässlich verfügbar .
    • Viele Kanäle wurden überdacht oder in den Fels eingelassen, um Verdunstung und Verschmutzung zu verhindern .

    🛠️ Technische Raffinessen

    • Gefällegenauigkeit: Bereits im 1. Jh. v. Chr. angewandt, lange bevor westliche Ingenieure ähnliche Genauigkeit erreichten .
    • Inversion-Siphons: Druckleitungen über Wadi-Senken – Technik, die man erst später bei den Römern kennt .
    • Sedimentationstechnik: Wasserreinigung durch abgestufte Becken – klug durchdacht und hygienisch .

    🏛️ Architektur & Design im Stadtbild

    • Große städtische Bauten wie der Große Tempel verfügten über eigene Zisternen (bis zu 327 000 l) und angeschlossene Kanäle in das Stadtwassernetz .
    • Der Pool- und Gartenkomplex diente repräsentativen Zwecken und demonstriert die Macht des Wassers als Symbol und Ressource Wikipedia.
    water_channels_petra_Jordan

    Fazit

    Die Nabatäer machten aus der Wüste ein nachhaltiges Wasserwunderland:

    MerkmalWirkung
    Regen- + QuellwassernutzungPermanente Versorgung
    Unterirdische RohrleitungenSchutz vor Verdunstung
    Zisternen & DämmeLangfristige Speicherung
    Redundanz & Kontrollehohe Zuverlässigkeit


    Wo sind solche Projekte erfolgreich umgesetzt worden?

    Ein besonders faszinierendes, modernes Beispiel für erfolgreiche Wasserversorgung in der Wüste ist das Projekt “Frequentes Nebelnetzwerk in Marokko” – konkret in der Region Ait Baamrane an der Atlantikküste nahe der Sahara.


    🌫️ Beispiel: Nebelnetze in Marokko – „CloudFisher“

    📍 Ort:

    Ait Baamrane, südwestliches Marokko, nahe Sidi Ifni

    🛠️ Projektname:

    CloudFisher – Nebelernter

    🚀 Durchgeführt von:

    • Wasserstiftung (Deutschland)
    • Dar Si Hmad (lokale NGO)
    • Technisches Know-how von Ingenieuren aus München

    💡 Wie funktioniert das?

    • In dieser Region zieht regelmäßig dichter Atlantiknebel über die Berghänge.
    • Spezielle Netze aus feinmaschigem Kunststoff („CloudFisher“) werden aufgestellt.
    • Der Nebel kondensiert an den Fasern, Tropfen fließen nach unten und werden aufgefangen.
    • Das Wasser wird in Tanks gesammelt und in Dörfer geleitet.

    📊 Ergebnisse:

    KennzahlWert
    Wassermenge pro Tagbis zu 22 Liter pro m² Netz
    Anzahl versorgter Dörferüber 16 abgelegene Dörfer
    Investitionskostenvergleichsweise niedrig
    Betriebskostenminimal (keine Elektrizität nötig)

    ✅ Vorteile:

    • 100 % nachhaltig – kein Strom, keine Chemie
    • Niedrige Wartungskosten
    • Wasserqualität ist trinkbar
    • Besonders geeignet für entlegene Wüstenregionen
  • Philosophie Konflikt

    In einem entscheidenden Moment der griechischen Geschichte war der Peloponnesische Krieg (431–404 v. Chr.) nicht nur ein Konflikt zwischen zwei Städten, sondern eine Konfrontation zwischen zwei Modellen von Souveränität:

    Athen, die Demokratie: wo Entscheidungen sich in Reden und Interessen auflösen. Und Sparta, die Souveränität: wo Handeln vor der Theoretisierung geschieht. Athen repräsentierte die Demokratie: eine Volksversammlung, Beratungen, Redefreiheit und Interessenkonflikte. Doch, wie Thukydides beschrieb, geriet sie in die Falle der Bürokratie, die zwischen Entscheidung und Zögern schwankte.

    Jeder sprach, und niemand entschied.

    Sparta war das genaue Gegenteil: ein Staat, der nicht viel redet, sondern entscheidet. Und damit näher an Carl Schmitts Verständnis von Souveränität:

    «Der wahre Herrscher ist derjenige, der im Ausnahmezustand entscheidet.»

    Schmitt sieht den Politiker nicht als bloßen Verwalter der Institutionen, sondern als denjenigen, der das Schicksal gestaltet, wenn das gewohnte System zusammenbricht.

    Machiavelli hätte in Sparta die Verkörperung von «Virtù» gesehen:

    die politische Tugend, die ohne Illusionen entscheiden kann, während Athen die Gefahr der «Beratung als Ersatz für Handlung» darstellt.

    Agamben wiederum sieht in Athen einen «permanenten Ausnahmezustand»:

    Macht ohne Träger, Entscheidung ohne Gesicht. So stellt die Geschichte eine Frage, die nichts von ihrer Aktualität verloren hat:

    Wird Souveränität im Namen des Rechts oder im Namen der Entscheidungsfähigkeit ausgeübt?

    Ist der Politiker die Institution oder der Moment, in dem das Leben den Ausnahmezustand im Namen der Bedeutung durchbricht?

    Philosophie Athen Demokratie
  • Krieg und Medien

    Wird versucht einen Krieg vorzubereiten, kann man zunächst in den Medien lesen und hören:

    Wir wollen den Krieg nicht

    Das gegnerische Lager trägt die Verantwortung

    Der Führer des Gegners ist ein Teufel

    Wir kämpfen für eine gute Sache

    Der Gegner kämpft mit unerlaubten Waffen

    Der Gegner begeht mit Absicht Grausamkeiten, wir nur versehentlich

    Unsere Verluste sind gering, die des Gegners enorm

    Künstler und Intellektuelle unterstützen unsere Sache

    Unsere Mission ist heilig

    Wer unsere Berichterstattung in Zweifel zieht, ist ein Verräter.

    Anne Morelli

    Anne Morelli schrieb das Buch Principes élémentaires de propagande de guerre in Ahnlehnung an Arthur Ponsonbys Klassiker zur Propagandaforschung.

    Es ist interessant zu beobachten, wie so mancher Journalist nicht wertfrei seine Recherche und Arbeiten zu irgeneinem Thema veröffentlichen kann, sondern vielmehr den üblichen Narrativen folgt. Beängstigend ist dann zu beobachten, wie in Folge die Personen mit diametral entgegengesetzte Sichtweisen, demzufolge oft sehr schnell beschimpft, herabgestuft und gemieden werden.

    Eigentlich ist das alles nicht neu. Neu ist nur der vehemente Anspruch und die Deutungshoheit und Positionierung von Wahrheit und Lüge, (neudeutsch Fake und Hassrede) im Interesse der Regierenden. Die Opposition und so mancher Bürger weden schnell verunglimpft. Dabei ist es die Aufgabe der Opposition seit den Griechen und ihrer Erfindung der Demokratie vor 2500 Jahren, die Herrschenden in Schach zu halten, da die Erfahrung lehrte, das diese all zu schnell nur ihre eigenen Interessen verfolgen und im Klüngel den eigentlichen Souverän übergehen.

    Die Wörter “Populus”, “Volk” und “Souveränität” sind eng miteinander verbunden im Kontext der Politik und Philosophie. Sie beziehen sich auf die Quelle und das Wesen der staatlichen Macht.

    “Populus” (lateinisch):

    Bezeichnet das Volk als eine Gesamtheit von Menschen, die in einem bestimmten Gebiet leben und politisch organisiert sind

    In der Schule waren die Besserwisser schnell verpönt. Heutzutage haben erwachsene Besserwisser in der Politik zahlreiche Tools den anderen zu diffamieren, sei es ihn als Nazi zu bezeichnen oder der Hassrede zu bezichtigen. Das reicht schon als Mittel der Ausgrenzung.

    Und am Narrativ gearbeitet wird mit allen Mitteln.

    Administratoren in sozialen Medien, die z.B. der Verfassungsschutz mittels V-Männern betreibt, zeigen schon die Fragwürdigkeit dieser Behörde. Brisant an der Sache ist, daseinige Fake-Profile der Verfassungsschutzämter gezielt provozieren, hetzen und womöglich sogar strafrechtlich relevante Handlungen begehen könnten.

    Verfassungsschutz Brandenburg betreibt 287 Fake Accounts.

    Wie aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion hervorgeht, betreibt der Brandenburger Verfassungsschutz insgesamt 287 sogenannte „Fake-Accounts“ in sozialen Netzwerken. Die Landesregierung hatte die Auskunft zunächst unter Verweis auf das „Staatswohl“ verweigert und lieferte die Informationen erst auf erneuten Druck in Form eines Konfrontationsschreibens nach.