Kategorie: Kunst

  • Gerechtigkeit

    Hier ein neuer Song von ARCOPLEXUS.

    Strophe I (Büchner) Friede den Hütten! – Krieg den Palästen! Hört ihr das Stöhnen der Erde, die Stimmen der Knechte? Das Blut rinnt in Furchen, doch die Herren speisen weiter. Reißt die Masken vom Antlitz, der Gerechtigkeit ihr kaltes, steinernes Gesicht! Refrain (beide, streitend) Gerechtigkeit! – ein Schwert, das rostet. Gerechtigkeit! – ein Feuer, das frisst. Zwischen Hütte und Palast, zwischen Kohlhaas und dem Fürst, wer hält das Maß? Wer bricht den Bann? Strophe II (Kleist) Höre, Büchner! Ich kenne den Mann, der Recht verlangte – Michael Kohlhaas, ein Händler von Pferden, so schlicht, so redlich – und doch in Brand gesetzt von Unrecht. Er griff zur Fackel, weil das Gericht schwieg. Sag mir, Georg, wo endet Recht, wo beginnt die Rache? Strophe III (Büchner, antwortend) Kleist, du siehst den Einzelnen brennen, doch ich höre das Volk schreien. Nicht ein Mann, ein Heer von Hungernden, nicht ein Pferd, tausend Seelen, und jeder Palast ein Kerker. Kohlhaas ist nicht der Einzelne – er ist die Saat, die im Zorn aufgeht. Bridge (Disput, wechselnd) Kleist: Recht ohne Gesetz ist Tyrannei. Büchner: Gesetz ohne Recht ist Gewalt. Kleist: Der Mensch darf nicht Richter im eigenen Streit sein! Büchner: Das Volk ist der Richter, wenn kein anderes Gericht mehr spricht. Refrain (beide, nun vereint im Streitgesang) Gerechtigkeit! – ein Schwert, das rostet. Gerechtigkeit! – ein Feuer, das frisst. Zwischen Hütte und Palast, zwischen Kohlhaas und dem Fürst, das Maß zerbricht – doch die Glut verlischt nicht. Outro (Büchner) Friede den Hütten! – Krieg den Palästen! Die Worte sind Pfeile, die Wahrheit ein Donner. Und im Streit der Dichter glüht ein einziger Ruf: Gerechtigkeit!

  • Karl Marx trifft Léo Ferré im Casino

    Rouge et Noir – Eine Nouvelle in vier Szenen


    Szene I – Ankunft im Casino

    Die Spiegel im Saal von Monte Carlo warfen das Licht der Kronleuchter wie kalten Regen zurück. Karl Marx trat ein, schwer atmend, den Mantel über der Schulter. Sein Blick war finster, als er die Spieler beobachtete.

    Leo Ferré, am Rand eines Roulettetisches, erkannte ihn sofort. „Monsieur Marx,“ rief er, „Sie suchen Revolutionen an den falschen Orten. Hier regiert nicht das Volk, hier regiert die Kugel.“

    Marx setzte sich neben ihn. „Gerade deswegen bin ich hier. Das Casino ist die reinste Metapher des Kapitals: Die Illusion der Freiheit, doch in Wahrheit gewinnt immer das Haus.“


    Szene II – Der Dichter mischt sich ein

    Die Debatte zog Stimmen an. Guillaume Apollinaire trat hinzu, wie ein Schatten, der aus Versen gemacht war.

    „Ihr sprecht von Illusion und Gesetz?“ sagte er. „Monaco ist selbst ein Gedicht, in dem das Roulette die Metaphern wirft. Die Kugel singt, die Jetons reimen. Ihr könnt es analysieren, Karl, aber ihr tötet den Zauber.“

    Marx knurrte: „Poesie ist die Musik des Bürgertums, solange sie nicht den Aufstand nährt. Ihr vernebelt die Sinne, statt die Verhältnisse zu ändern.“

    Apollinaire schüttelte den Kopf: „Auch ein Revolutionär träumt in Versen, ob er es will oder nicht.“

    Ferré lachte, rau: „Ich bin der Beweis. Meine Chansons sind Poesie und Aufstand zugleich.“


    Szene III – Das Labor der Moderne

    Anthony Burgess trat an den Tisch, scharf gekleidet, ironisch lächelnd. „Meine Herren, ihr sprecht von Poesie und Revolution, aber ihr vergesst die eigentliche Lektion Monacos: Es ist ein Labor der Moderne. Ein winziger Staat, der überlebt, indem er Kapital wäscht, Träume verkauft und die Welt glauben lässt, er sei ein Paradies. Eine Dystopie im Miniaturformat.“

    Ferré fauchte: „Und doch schreibe ich Lieder, die diese Puppenstube erschüttern.“

    Burgess grinste: „Oder nur begleiten. Musik ist die Tapete der Macht.“

    Da trat Marcel Pagnol hinzu, die Wärme der Provence in seiner Stimme: „Ihr alle seht nur die Fassaden. Ich sehe die Menschen: Fischer, Kinder, Mütter, Händler. Hinter dem Glanz lebt ein Volk. Monaco ist nicht nur Casino. Es ist auch Alltag, Geschichten am Hafen, Stimmen des Südens.“

    Marx schlug mit der Faust auf den Tisch: „Gerade diese Menschen sind es, die man verschlingt! Der Apparat hier glänzt, weil ihr Alltag verschwindet.“


    Szene IV – Entscheidung am Roulette

    Die Stimmen erhoben sich, der Streit wurde zum Sturm. Ferré zischte Verse, Marx donnerte Thesen, Apollinaire malte Metaphern, Burgess warf dystopische Bilder in die Runde, Pagnol verteidigte das menschliche Maß.

    Der Croupier ließ die Kugel rollen. Alle verstummten. Das Klicken, das Springen der Kugel, füllte die Stille wie ein Herzschlag.

    „Da,“ rief Marx, „hier entscheidet sich alles: Rot oder Schwarz. Symbol des Kampfes, Allegorie der Geschichte!“

    Die Kugel sprang – und fiel auf Rot.

    Marx erhob sich, triumphierend: „Rot, das Zeichen des Aufstands! Geschichte ist kein Spiel, aber sie kennt nur den Weg des Kampfes.“

    Ferré blies den Rauch seiner Zigarette in die Kronleuchter. „Vielleicht, Karl. Aber ohne das Lied, ohne den Traum, bleibt selbst das Rot stumm.“

    Die Kugel lag still. Doch in den Köpfen der Männer rollte sie weiter – durch Jahrzehnte, durch Utopien, durch Illusionen.

    Karl Marx und Leo Ferre
  • Unit 8200

    Unit 8200 (Einheit Acht Zweihundert) (יחידה 8200 oder jechida shmone matayim auf Hebräisch) ist eine Einheit der israelischen Streitkräfte zur Fernmelde- und elektronischen Aufklärung, die für die Gewinnung von Signals-Intelligence-Informationen und für Codeentzifferung verantwortlich ist. Die Einheit untersteht dem Militärnachrichtendienst Aman.

    Im September 2014 kündigte eine Gruppe von 43 Reservisten der Einheit in einem Brief an Ministerpräsident Benjamin Netanjahu an, ihren Dienst in der West Bank verweigern zu wollen.[6] Sie gaben an, die Praktiken des Diensts nicht länger mittragen zu können, die „die Rechte von Millionen Menschen verletzen“ und auf eine Vertiefung der militärischen Kontrolle über die besetzten Gebiete abzielten. Im Rahmen einer allumfassenden Spionage würden erpresserisch Informationen aus dem privaten Lebensbereich wie Homosexualität oder Ehebruch genutzt, um Kollaborateure unter den Palästinensern anzuwerben. Auch die Verweigerung dringender medizinischer Behandlungen diene als Druckmittel, um z. B. Informationen zu erhalten über Verwandte, die vom Dienst gesucht werden.[7][8] Andere Mitglieder der Einheit initiierten eine Gegendarstellung, in der sie die erhobenen Vorwürfe scharf zurückwiesen.[9][10] Da sie „die Standards und die Moral der israelischen Armee verletzt“ hätten, wurden alle 43 an dem Brief beteiligten Mitglieder entlassen.[11]

  • Filmfestival Venedig Cover-Up über Seymour Hersh

    Nächste Woche feiert Cover-Up, der neue Dokumentarfilm über Seymour Hersh und seine Karriere als Investigativjournalist von den Filmemachern Laura Poitras und Mark Obenhaus, auf den Filmfestspielen von Venedig seine Weltpremiere. Im Herbst folgen Vorführungen auf dem Toronto Film Festival und dem New York Film Festival. Der Film wird diesen Herbst weiterhin auf Festivals zu sehen sein und im Winter in den US-Kinos anlaufen.

    Laura Poitras ist eine mit dem Oscar und dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Filmemacherin und Journalistin. Ihr letzter Film, All the Beauty and the Bloodshed, wurde bei den Filmfestspielen von Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Ihr für den Oscar nominierter Film My Country, My Country, der erste Teil ihrer Trilogie nach dem 11. September, dokumentierte die US-Besetzung des Irak. Ihre journalistischen Enthüllungen über die weltweite Massenüberwachung durch die NSA wurden mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet, und ihr Film CITIZENFOUR gewann einen Oscar sowie BAFTA-, DGA- und Emmy-Auszeichnungen.

    Mark Obenhaus ist Regisseur, Produzent und Autor von Dokumentarfilmen. Seine Arbeiten wurden mit fünf National Emmys, dem British Press Guild Documentary Award, dem Alfred I. DuPont-Columbia University Award, dem Edward R. Murrow Award und zahlreichen anderen Auszeichnungen geehrt. Zu seinen Filmen für PBS Frontline gehört „Buying the Bomb“, zu seinen Filmen für ABC gehört „Dangerous World: The Kennedy Years“, beide mit Reportagen von Seymour Hersh.

  • „Gewissen und Verantwortung“

    Ein fiktives Streitgespräch über den Ukraine-Krieg


    Besetzung:

    • Boris Pistorius – Bundesverteidigungsminister
    • Agnes Strack-Zimmermann – Verteidigungspolitikerin
    • Anton Hofreiter – Außenpolitiker
    • Dietrich Bonhoeffer – Theologe, Widerstandskämpfer
    • Henry David Thoreau – Philosoph

    Aufführungskonzept

    • Bühnenbild: Ein schlichter runder Tisch, fünf Stühle. Im Hintergrund ein großes Fenster, das sich nicht schließen lässt. Es zeigt nur Dunkelheit.
    • Licht: Jeder Redner wird durch einen eigenen Kegel erfasst. Beim Sprechen intensiver, in Pausen gedämpft. Das Fenster wird am Ende hell angestrahlt.
    • Klang: Zwischen den Szenen leise Windgeräusche. Gelegentlich dumpfes Dröhnen in der Ferne – wie Kanonendonner.

    Akt I – Der Tisch

    Die Figuren treten nacheinander ein. Jeder setzt sich schweigend. Erst nach einer langen Pause beginnt Pistorius zu sprechen.

    Pistorius (schwer):
    “Die Ukraine kämpft. Wir helfen – mit Waffen, Ausbildung, Zusagen. Und doch: Es reicht nie.”

    Strack-Zimmermann (schlägt mit der Hand auf den Tisch):
    “Weil wir zaudern! Jede Woche Diskussion kostet Leben. Panzer, Raketen, Abwehrsysteme – sofort! Alles andere ist Verrat.”

    Hofreiter (nach vorne gebeugt):
    “Agnes, der Krieg ist mehr als Waffen. Er hängt mit Energie, Klima, Gerechtigkeit zusammen. Nur militärisch zu denken, wäre ein Fehler.”

    (Kurze Pause. Bonhoeffer erhebt sich langsam.)


    Akt II – Schuld und Gewissen

    Bonhoeffer (ruhig, eindringlich):
    “Es gibt Momente, da ist Schweigen Schuld. Untätigkeit Verrat. Wer das Böse nicht bekämpft, macht sich mitschuldig.”

    Thoreau (lehnt zurück, verschränkt die Arme):
    “Doch jede Gewalt, so gerecht sie scheint, trägt den Keim neuen Unheils. Ich sage: verweigere dich. Werde nicht zum Werkzeug des Krieges.”

    Strack-Zimmermann (fährt auf, empört):
    “Weltfremd! Ihre Reinheit schützt keine Kinder in Charkiw. Wer nichts tut, macht sich zum Komplizen Putins!”

    Thoreau (leise, beinahe spöttisch):
    “Und wer Waffen liefert, macht sich zum Teil desselben Spiels. Was unterscheidet uns dann noch vom Täter?”

    Pistorius (mit fester Stimme):
    “Das Ziel! Wir kämpfen nicht für Herrschaft, sondern für Freiheit. Für das Recht eines Volkes, in Frieden zu leben.”

    Bonhoeffer (nickt, ernst):
    “Gewalt ist Schuld. Aber manchmal ist es die größere Schuld, nichts zu tun. Ich habe es unter Hitler lernen müssen.”


    Akt III – Die Zukunft

    Hofreiter (fast beschwichtigend, bittend):
    “Wenn der Krieg endet, darf die Antwort nicht nur militärisch sein. Energie darf nicht erpressen. Nahrung darf keine Waffe sein. Frieden braucht Gerechtigkeit, nicht nur Waffenruhe.”

    (Eine Pause. Die Figuren schauen hinaus ins Fenster. Ein leises Donnergrollen im Hintergrund. Dann Bonhoeffer mit leiser Stimme, fast ein Gebet.)

    Bonhoeffer:
    “Die Frage ist nicht, ob wir schuldig werden – wir werden es. Die Frage ist: Tragen wir die Schuld für uns selbst, oder im Dienst derer, die keine Stimme haben?”

    (Das Licht erlischt. Nur das Fenster bleibt hell. Der Wind heult kurz auf. Stille. Dann völlige Dunkelheit.)


    Mögliche Erweiterung – Interaktion mit dem Publikum

    • Zwischen Akt II und III könnte ein Sprecher ans Publikum treten und Fragen stellen, z. B.:
      • „Und Sie? Würden Sie Waffen liefern?“
      • „Ist moralische Reinheit wichtiger als Verantwortung?“
      • „Was würden Sie tun, wenn Sie entscheiden müssten?“

    So wird das Publikum direkt in das Spannungsfeld von Gewissen, Verantwortung und politischem Handeln hineingezogen.


    Der Krieg
  • Thomas Mann über Wagner, Nietzsche und Freud

    Thomas Mann über Wagner, Nietzsche und Freud – Deutschtum im Spiegel der Moderne

    Wenn Thomas Mann das Wort ergreift, horcht man auf – nicht nur wegen der Eleganz seiner Sprache, sondern wegen der Schärfe seines Blicks auf die deutsche Kultur. In seinem Vortrag vom 10. Februar 1933 über Richard Wagner wagte er eine Deutung, die den Komponisten aus dem Bannkreis nationalistischer Verehrung löst und ihn in die Nähe einer anderen, gerade erst wirksam werdenden Autorität rückt: in Sigmund Freud’s neue Ideen.

    Thomas Mann entwirft Richard Wagner als Künstler einer gebrochenen Moderne, als eine Gestalt, die nicht in der Erhabenheit ruht, sondern von inneren Zwiespalten gezeichnet ist. Die Überfülle, das Pathos, die ekstatische Übersteigerung seiner Musik erscheinen bei Mann wie Symptome eines psychischen Kampfes – Ausdruck des Unbewussten, das Freud erstmals sichtbar gemacht hatte.

    Gerade in dieser Lesart wird das „Deutschtum“ Wagners nicht als stolze, makellose Kraft begriffen, sondern als ein geistiges Gewebe von Größe und Krankheit, von schöpferischer Vision und zersetzender Selbstanalyse. Wagner ist für Mann kein Nationalheiliger, sondern der erste große Repräsentant eines modernen, sich selbst infrage stellenden Deutschland.

    Doch Thomas Mann blieb nicht bei der psychoanalytischen Deutung stehen. Er zog die Linien weiter – zu Friedrich Nietzsche, jenem Philosophen, der dem „Meister von Bayreuth“ zunächst glühend ergeben war, um sich dann in einem radikalen Bruch von ihm abzuwenden. Für Mann war gerade dieses Verhältnis aufschlussreich: Nietzsche erkannte im Rauschhaften, in der Dämonie und Maßlosigkeit Wagners die Gefahr einer Übersteigerung, die ins Krankhafte kippen konnte.

    In Nizza, wo Mann zeitweise lebte, spürte er die gleiche Spannung zwischen Krankheit und Schöpfung, die Nietzsche im Süden so eindringlich erfahren hatte. Nizza, mit seinem Licht und seiner Weite, wurde für beide zu einem Kontrastbild – ein Ort der Genesung und Klarheit, zugleich aber auch der schmerzhaften Selbstbeobachtung. Wagner verkörperte für Mann das abgründig Deutsche, Nietzsche hingegen die kritische, klärende Instanz, die dieses Erbe verwarf und zugleich schöpferisch verwandelte.

    Doch in dieser Konstellation spiegelte sich immer auch Thomas Mann selbst. Wie Wagner verstand er sich als Künstler, der aus innerer Zerrissenheit schöpfte. Die „bürgerliche Solidität“, die er nach außen verkörperte, überdeckte nur teilweise die Abgründe und Ambivalenzen, die sein Werk nährten. Von Nietzsche übernahm er die Rolle des Selbstanalytikers, der Schwäche erkennt, sie kritisch durchdringt und dadurch überwindet.

    In Nizza, im Licht der Côte d’Azur, wurde Mann diese Selbstdeutung besonders klar. Der Süden ließ ihn erkennen, dass das Deutschtum nicht nur Schicksal war, sondern eine Aufgabe: es kritisch zu reflektieren, seine Gefahren zu benennen und es von innen her zu verwandeln. Wagner, Nietzsche und Freud bildeten für ihn keine bloßen Bezugsgrößen, sondern Spiegelungen seiner eigenen Existenz.

    Damit führt dieser Vortrag über Wagner weit über die Musik hinaus. Er erweist sich als Schlüsseltext auf dem Weg Thomas Manns vom Verteidiger des „deutschen Wesens“ in den Betrachtungen eines Unpolitischen hin zum scharfen Kritiker, der im Exil dem Nationalsozialismus entgegentrat. Was in Nizza im Nachdenken über Wagner und Nietzsche begann, fand seine Konsequenz in der klaren Absage an ein selbstzerstörerisches Deutschtum.

    Thomas Manns Wagner-Deutung ist so ein Dokument geistiger Selbstfindung: die Verknüpfung von Musik, Philosophie und Psychoanalyse zu einer Trias der Moderne – und zugleich das Bekenntnis eines Dichters, der im Spiegel Wagners und Nietzsches sein eigenes Schicksal erkannte.

    Thomas Mann und Friedrich Nietzsche
  • Die Boomer und die wahre Toleranz

    ❗Auf den Punkt

    Unsere Generation war tolerant. Und sie wusste es nicht.

    Ihr habt euch das Fluid Gender und damit die Homophobie ausgedacht aus einer älteren Geschichte fabriziert. Eure Eltern hatten schon Siege errungen, die Opfer Rollen sind aber einfach einfach zu spielen.

    Ich komme aus der Generation, die David Bowie, Lou Read, hörte und liebte und sich nie das Problem stellte, was für sexuelle Vorlieben sie hatten.

    Es war uns egal, wir waren zufrieden und selig, weil ihre Musik uns berührte!

    Elton John, Freddy Mercury und George Michael.

    Wir sind auch die Generation, die Led Zeppelin, Deep Purple, Neil Young oder die Eagles liebte. Ohne dass sich je das Problem mit ihren Texten zu stellte, die heute als sexistisch angesehen werden würden.

    Als Boy George ankam, fragten wir uns nicht, ob er Männchen, Weibchen oder beide mag. Wir haben einfach seine Musik genossen.

    Und als Jimmy Sommerville uns seine Geschichte als Kleinstadtjunge erzählt hat, waren wir gerührt und haben mitgesungen. Und es gab keine Gesetze, die uns zwingen sollten, solidarisch zu sein oder zumindest an einem „Zeichen gegen…“ teilzunehmen.

    Es gab keine Androhungen von Sanktionen oder selbsternannte Wächter, die uns zensieren, wenn einmal ein Witz dabei war.

    Alyson Moyet war damals definitiv oversize, aber wunderschön und toll, und niemand dachte, dass sie weniger wert wäre als eine Claudia Schiffer.

    Ich würde gerne verstehen, was in der Zwischenzeit passiert ist, denn meiner Meinung nach haben all diese Zensoren die einzige Wirkung, das zu erzeugen, was sie zensieren. Toleranz wächst niemals aus Intoleranz, sondern Hass und Spaltung!

    Meiner Meinung nach brauchten wir keine Beschränkungen, weil die Erziehung unserer Eltern uns Werte wie Hilfsbereitschaft, Empathie, Nächstenliebe und echte Toleranz vermittelten und Verstöße gesellschaftliche Nachteile mit sich brachten!

    Bis ihr gekommen seid um uns einen Schuldkult aufzuzwingen und uns so gegeneinander aufzubringen. Geht einfach weg oder kommt zu Vernunft!

  • Song “Zwischen Seiten und Zeiten”

    🎵 Titel: “Zwischen Seiten und Zeiten (Exlibris Insel)” 🎵
    Strophe 1:
 Zwischen Gleisdreieck und Viktoriapark,
find’ ich Ruhe in gedruckten Reisen.
Ein Laden wie ein stiller Traum,
aus Geschichten wächst hier ein Bücherbaum.
    Regale flüstern leise Namen,
von Klassik bis zu wilden Dramen.
Ob Rarität, ob Taschenbuch –
hier wird jede Zeile zum Besuch.
    Refrain:
Oh Exlibris, meine Insel in Berlin,
zwischen Seiten kann ich alles sein.
Alte Schätze, neue Träume,
Poesie in stillen Räumen.
Exlibris – wo die Zeit still steht,
und mein Herz mit jedem Buch weitergeht.
    Strophe 2:
Kunstbände, Vinyl im Regal,
Grafik, Lyrik – keine Wahl ist banal.
Ein bisschen antiik, ein bisschen neu,
dieser Ort macht jeden Bücherfreund frei.
    Ein Café nebenan, Duft von Papier,
ich bleib’ noch ‘ne Stunde oder vier.
Philosophie im Taschenformat,
und plötzlich wird der Alltag zart.
    Refrain:
Oh Exlibris, meine Insel in Berlin,
zwischen Seiten kann ich alles sein und fliehn.
Alte Schätze, neue Träume,
Poesie in stillen Räumen.
Exlibris – wo die Zeit still steht,
und mein Herz mit jedem Buch weitergeht.
    Bridge:
Hier verliert man sich und findet Sinn,
in Eselsohren und Gedankenspinn’.
Zwischen Zweitverwertung und Kultur,
lebt Literatur in ihrer reinsten Spur.
    Letzter Refrain (mit Steigerung):
Oh Exlibris, meine Insel in Berlin,
wo Geschichten wie der Wind durch Seiten ziehn.
Unterm Staub liegt pure Magie,
jede Zeile wie Symphonie.

  • Kreativität 14.07.25

    In unserer Reihe Kreativität möchten wir heute die Künstlerin Suzy Sharpe vorstellen:

    Forschung & Inspiration

    Die Natur in ihrer wildesten und ungezähmtesten Form war schon immer meine größte Inspiration. Das Eintauchen in die Landschaft und das Beobachten der komplizierten Beziehungen zwischen Vögeln, Pflanzen und Tieren prägen meine kreative Praxis und erinnern mich an die tiefgreifende Rolle, die die Natur für die menschliche Existenz spielt. Durch meine Arbeit erforsche ich, wie Menschen und die natürliche Welt miteinander verbunden sind, und ich möchte zu einem tiefen Respekt für diese Beziehungen anregen.

    Ich stütze mich auf eine Vielzahl literarischer Gattungen und persönlicher Erfahrungen und erforsche in meiner kreativen Praxis die unterschiedlichen Arten, wie Menschen und nicht-menschliche Wesen die Welt wahrnehmen und erleben. Meine Arbeit soll zum Nachdenken anregen und eine aufmerksame Auseinandersetzung mit der Natur und der Landschaft im weiteren Sinne fördern. Ich untersuche den Einfluss geografischer Umgebungen auf unseren mentalen Zustand, unsere Stimmung und unser allgemeines Wohlbefinden und erkenne deren bedeutende Wirkung an.

    In meiner kreativen Praxis geht es um die Förderung einer aufmerksamen Auseinandersetzung mit der natürlichen Welt. Ob durch meine künstlerische Arbeit, meine Lehrtätigkeit oder die Zusammenarbeit mit Umweltorganisationen – mein Ziel ist es, die Menschen dazu anzuregen, darüber nachzudenken, wie wir mit der Natur umgehen und was wir zu ihrem Schutz tun können.
     

    Als Künstlerin und Pädagogin ist es mir ein Anliegen, mein Wissen mit einem größeren Publikum zu teilen. In meiner Arbeit geht es darum, andere zu befähigen, sich mit Druckgrafik, Zeichnen, Malen und verschiedenen anderen kreativen Techniken zu beschäftigen. Ich möchte Menschen auf der ganzen Welt dazu inspirieren, ihre Kreativität durch naturnahe Praktiken zu erforschen und sie dazu anleiten, mit verschiedenen künstlerischen Verfahren zu experimentieren. Durch eine Mitgliedschaft auf Patreon, Online-Workshops, Tutorials und eBooks hoffe ich, eine sinnvolle Verbindung zwischen Kunst, Natur und persönlichem Ausdruck zu fördern und gleichzeitig praktische Werkzeuge für diejenigen bereitzustellen, die ihre eigene kreative Praxis entwickeln wollen.

    Neben meiner persönlichen Arbeit setze ich mich für sinnvolle Veränderungen ein, indem ich mich aktiv an Projekten wie der Initiative Ghost of Gone Birds” beim Migration Festival, dem PAN-Projekt und der Zusammenarbeit mit dem British Trust for Ornithology Red67book und Wildlife Trusts beteilige. Ich unterstütze Wohltätigkeitsorganisationen, die sich für den Erhalt und Schutz von Vögeln, Pflanzen und Tieren einsetzen und das Bewusstsein auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene schärfen.

    Woodland Wonderlands Exhibition

    01:1201:12Woodland Wonderlands Exhibition

    Woodland Wonderlands Exhibition

    
    
    
    
    

    Drawing on the Coast

    Drawing at the Coast

    National Trust Exhibition

    National Trust 125 Years

    CV & Statement

    My practice is broadly based, spanning painting, drawing, printmaking, and sculpture. I graduated with distinction from the MA Illustration: Authorial Practice program at Falmouth University, following the completion of my BA in Fine Art and PGCE.

    I am a part-time Higher Education lecturer on an interdisciplinary BA (Hons) Art & Design Practice Course.

    Living in Cornwall, my daily life is intertwined with various non-human species in a wild and ever changing landscape, including livestock, pets, and wild flora and fauna, all of which inspire and inform my practice. Through my work, I continuously strive to foster dialogue around the intricate relationships between humans, animals, and the natural environment, exploring, questioning, and celebrating these interconnected bonds.

  • Über Wahrheiten und ihre vielen Brüder und Schwestern

    Textauszug einer Rede von D. Foster Wallace, die er am 21. Mai 2005 vor Absolventen des Kenyon College hielt, behandelt Themen, welches die Menschheit, besonders die Jugend, immer wieder begleiten. Folgendes Zitat nimmt Bezug auf die Parabel von zwei Männern und deren Gespräch in einer Bar irgendwo in Alaska, der eine ist religiös, der andere Atheist. Die beiden diskutieren über die Existenz Gottes.

    Ein und dieselbe Erfahrung kann für zwei verschiedene Menschen unterschiedlichen Sinn haben, wenn die beiden über verschiedene Glaubensschablonen verfügen und auf verschiedene Weisen aus Erfahrungen Sinn konstruieren. Da Toleranz und Glaubensvielfalt uns so viel bedeuten, würden wir in unserer geisteswissenschaftlichen Analyse niemals zu behaupten wagen, die Interpretation des einen Mannes und die des anderen sei falsch oder schlecht, was ja gut und schön ist, nur reden wir dann auch nie darüber wo die jeweiligen Schablonen, also der jeweilige Glaube herkommt, will sagen wo im Inneren der beiden Männer diesen ihren Ort haben. Als wäre die grundlegende Sicht eines Menschen auf die Welt und den Sinn seiner Erfahrungen irgendwie automatisch in ihm verdahtet wie Körper- oder Schuhgröße oder als würden sie wie die Sprache von der Kultur vorgegeben. Als wäre unsere Konstruktion von Sinn keine Frage der persönlichen und ausdrücklichen Wahl und der bewussten Entscheidung.

    In “Die wahre Traurigkeit der Erwachsenen” versammelt David Foster Wallace vier große Texte “Am Beispiel des Hummers”, “This is Water/Das hier ist Wasser”, “Der Planet Trillaphon im Verhältnis zur Üblen Sache” und “Der große rote Sohn”

    Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.09.2018

    Wolfgang Schneider lauscht den gelesenen Essays von David Foster Wallace mal mit großem Vergnügen, mal mit Enttäuschung. Wenn etwa Christian Ulmen Wallaces Reportage über das Hummer-Festival in Maine intoniert, scheint ihm der Schauspieler die “hyperaktive Theatralik” im Text zu erfassen. Moritz von Uslar hingegen liest den Bericht des Autors von den “Annual Adult Video Awards”, der Oscarverleihung der Pornoidustrie, laut Rezensent zu cool, zu mürrisch und bringt das Ganze nicht zum Funkeln. Lars Eidinger wieder vermittelt den tödlichen Ernst hinter Fassade dieses Autors in seiner Lesung perfekt, meint Schneider.

    David Foster Wallace ist bekannt für seinen komplexen, oft philosophischen Stil und seine tiefgründigen Beobachtungen über moderne Gesellschaft, Medien, Technologie und den Zustand des menschlichen Bewusstseins. Hier sind einige prägnante Zitate aus seinen bekanntesten Werken:

    1. „Unendlicher Spaß“ (Infinite Jest)

    „Die Wahrheit ist, dass die meisten Menschen die meiste Zeit in ihrem Leben nicht wirklich leben, sondern von einem Moment zum nächsten huldigen, dass das Leben und die Welt den tiefen und erschütternden Eindruck hinterlassen, der zu der Erschaffung des Begriffs ‚Zeitvertreib‘ führte.“

    Unendlicher Spaß, David Foster Wallace

    Diese Passage verdeutlicht das Gefühl der Entfremdung und das Streben nach Bedeutung in einer oberflächlichen Gesellschaft.


    2. „This is Water“ (Commencement Speech, Kenyon College)

    „Es ist einfach, nicht wahrzunehmen, dass die alltäglichen Momente und Routinen des Lebens tatsächlich die wertvollsten und tiefgründigsten sind. Was du wirklich brauchst, um Glück zu finden, ist ein bestimmter Denkansatz.“

    This is Water, David Foster Wallace (Commencement Speech)

    Hier spricht Wallace über die Bedeutung der Achtsamkeit und wie wichtig es ist, die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen, um das Leben wirklich zu leben.


    3. „Der Spaß an der Arbeit“ (The Pale King)

    „Das große Problem ist nicht das Warten, sondern das Warten ohne Sinn. Es ist die Leere, die uns nicht nur an unsere Geduld fordert, sondern auch an unsere Fähigkeit, eine Bedeutung in den banalsten Aufgaben zu finden.“

    Der Spaß an der Arbeit, David Foster Wallace

    In diesem Zitat geht es um den Umgang mit monotonen Aufgaben und wie der Mensch in einer Welt, die wenig greifbare Bedeutung bietet, nach Sinn suchen muss.


    4. „Gibt es ein Leben nach dem Tod? Und was machen wir damit?“ (A Supposedly Fun Thing I’ll Never Do Again)

    „Die größte Enttäuschung im Leben ist nicht, dass man nicht bekommt, was man will, sondern dass man bekommt, was man will, und sich dann trotzdem leer fühlt.“

    A Supposedly Fun Thing I’ll Never Do Again, David Foster Wallace

    Wallace reflektiert über die moderne Konsumgesellschaft und die Entfremdung, die durch den ständigen Drang entsteht, immer mehr zu besitzen oder zu erleben, ohne jemals Zufriedenheit zu finden.


    5. „Der Tanz um das Nichts“ (This Is Water)

    „Es geht nicht darum, sich vor der Wahrheit zu verstecken, sondern darum, sie zu sehen und sie trotzdem zu akzeptieren. Zu erkennen, dass du dein eigenes Leben kontrollierst, unabhängig davon, wie viel Lärm und Chaos es gibt.“

    This Is Water, David Foster Wallace (Commencement Speech)

    In dieser Passage betont Wallace, wie wichtig es ist, die eigenen Gedanken zu steuern und die Kontrolle über das eigene Leben zu behalten, auch wenn die äußere Welt chaotisch wirkt.