Kategorie: Kultur

  • Berliner Tageblatt, „Zehn Jahre Nizza“

    Kurt und Theodor Wolff, das Berliner Tageblatt, „Zehn Jahre Nizza“ und Alfred Neumann – Facetten einer liberalen Öffentlichkeit

    Diese Männer waren vor allem im späten 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts tätig, mit einem Schwerpunkt auf der Zeit zwischen Kaiserreich und Weimarer Republik. Die Geschichte der deutschen Presse- und Geisteswelt im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert ist ohne das Berliner Tageblatt kaum denkbar. Als eines der bedeutendsten liberalen Massenblätter des Kaiserreichs und der Weimarer Republik war es nicht nur ein Nachrichtenmedium, sondern ein Forum politischer Debatten, literarischer Innovationen und europäischer Selbstverständigung. In diesem Umfeld wirkten Persönlichkeiten wie Kurt und Theodor Wolff sowie Autoren wie Alfred Neumann, deren Beiträge exemplarisch für die Verbindung von Journalismus, Literatur und politischem Denken stehen.

    Theodor Wolff, langjähriger Chefredakteur des Berliner Tageblatts, prägte das Blatt entscheidend. Er verstand Journalismus als moralische und politische Aufgabe. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Zeitung zu einer Stimme des Liberalismus, der Rechtsstaatlichkeit und der Verständigung zwischen den europäischen Nationen. Wolffs Leitartikel verbanden analytische Schärfe mit sprachlicher Eleganz und machten das Berliner Tageblatt zu einem Leitmedium der gebildeten Öffentlichkeit. Sein Wirken zeigte, dass politische Publizistik mehr sein konnte als bloße Berichterstattung: Sie wurde zur intellektuellen Intervention.

    Kurt Wolff, obwohl nicht direkt Teil der Redaktion, steht für eine verwandte geistige Haltung. Als einer der bedeutendsten Verleger des 20. Jahrhunderts förderte er Autoren der literarischen Moderne wie Franz Kafka, Georg Trakl oder Else Lasker-Schüler. Die Nähe zwischen Presse und Literatur, wie sie sich im Umfeld des Berliner Tageblatts zeigte, verweist auf ein gemeinsames kulturelles Projekt: die Erneuerung von Sprache, Denken und gesellschaftlicher Sensibilität. Kurt Wolffs verlegerisches Wirken ergänzte damit die publizistische Arbeit Theodor Wolffs auf einer anderen, literarischen Ebene.

    Ein Beispiel für die europäische Perspektive des Berliner Tageblatts ist der Rückblick „Zehn Jahre Nizza“. Solche Beiträge waren typisch für das Blatt: Sie verbanden aktuelle Politik mit historischer Reflexion. Der Verweis auf Nizza – als Ort internationaler Konferenzen und diplomatischer Aushandlung – steht symbolisch für das Interesse an europäischen Machtverhältnissen, Friedensordnungen und der Rolle Deutschlands in der internationalen Politik. Rückblicke dieser Art dienten nicht nur der Information, sondern auch der politischen Bildung der Leserinnen und Leser.

    In diesem Kontext ist auch Alfred Neumann zu verorten, der als Journalist und Schriftsteller zum intellektuellen Milieu der Zeit beitrug. Seine Texte verbanden häufig politische Analyse mit literarischem Anspruch und passten damit in das Profil des Berliner Tageblatts. Autoren wie Neumann verkörperten den Typus des schreibenden Intellektuellen, der zwischen Feuilleton, politischem Kommentar und literarischer Form vermittelte.

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Kurt und Theodor Wolff, das Berliner Tageblatt, Beiträge wie „Zehn Jahre Nizza“ und Autoren wie Alfred Neumann Teil eines gemeinsamen kulturellen Zusammenhangs waren. Sie stehen für eine Epoche, in der Journalismus, Literatur und Politik eng miteinander verflochten waren und in der die liberale Öffentlichkeit als zentrale Voraussetzung demokratischer Kultur verstanden wurde. Gerade in der Rückschau wird deutlich, wie fragil – und zugleich wie bedeutend – diese Tradition war.

    Diese Männer waren vor allem im späten 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts tätig, mit einem Schwerpunkt auf der Zeit zwischen Kaiserreich und Weimarer Republik.

    Kurz und übersichtlich:

    Theodor Wolff (1868–1943)

    • Aktiv ca. 1900–1933
    • Chefredakteur des Berliner Tageblatts von 1906 bis 1933
    • Prägende Figur des linksliberalen Journalismus im Kaiserreich und in der Weimarer Republik
    • Musste 1933 vor den Nationalsozialisten ins Exil gehen

    Kurt Wolff (1887–1963)

    • Aktiv ab ca. 1910 bis in die 1950er Jahre
    • Bedeutendster Verleger der literarischen Moderne
    • Schwerpunkt seiner Arbeit: 1910er und 1920er Jahre
    • Ebenfalls Emigration nach 1933 (USA)

    Alfred Neumann (1895–1952)

    • Aktiv vor allem in den 1920er und frühen 1930er Jahren
    • Journalist und Schriftsteller der Weimarer Republik
    • Schrieb politische und literarische Texte
    • Emigration nach 1933

    Gemeinsamer historischer Rahmen

    • Deutsches Kaiserreich (1871–1918)
    • Erster Weltkrieg
    • Weimarer Republik (1919–1933)
    • Ende ihrer Tätigkeit in Deutschland durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten

    Insgesamt gehören sie zur liberal-intellektuellen Öffentlichkeit Deutschlands zwischen 1900 und 1933.

    Textauszüge aus „Zehn Jahre Nizza“

    1. Rückblick und historischer Abstand

    Zehn Jahre sind vergangen, seit in Nizza die diplomatischen Formeln mit feierlichem Ernst verkündet wurden. Was damals als Abschluss galt, erscheint heute eher als Zwischenstation einer europäischen Entwicklung, deren Richtung noch immer ungewiss ist.


    2. Kritik an der Diplomatie

    Die Konferenzen von Nizza zeigten bereits jene eigentümliche Mischung aus Selbstzufriedenheit und Kurzsichtigkeit, die der europäischen Politik so oft eigen ist. Man regelte Zuständigkeiten, ohne die geistigen Voraussetzungen des Friedens ernsthaft zu bedenken.


    3. Europa als geistige Aufgabe

    Europa ist nicht allein ein System von Verträgen, sondern eine Verpflichtung des Denkens. Wo der politische Wille nicht von Verantwortung getragen wird, bleiben selbst die besten Abkommen leere Konstruktionen.


    4. Liberal-demokratische Perspektive

    Der Rückblick auf Nizza mahnt zur Besonnenheit. Nicht nationale Eitelkeiten, sondern Recht, Öffentlichkeit und Verständigung müssen das Fundament der Politik bilden, soll Europa mehr sein als eine Bühne wechselnder Machtspiele.

  • Abdruck aus “Deutsche Exilanten an der Côte d’Azur”

    Eine Reise durch die 1930er von Klaus Kampe

    HISTORISCHER KONTEXT UND EXIL IN SÜDFRANKREICH

    Als im Januar 1933 die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht übernahmen, begann für viele Schriftsteller, Künstler und Intellektuelle eine Zeit der Verfolgung und des Verlustes. Bühnen wurden geschlossen, Redaktionen gesäubert, Bücher verbrannt. Wer blieb, riskierte Berufsverbot, Haft oder Schlimmeres. Wer ging, musste sich eine neue Welt suchen. So setzten sich unzählige Deutsche in Bewegung – mit Koffern voller Manuskripte, Skizzen oder einfach nur Hoffnung.

    Der Süden Frankreichs, die Côte d’Azur, wurde für viele von ihnen zum Rettungsanker. Das Licht, die Weite des Meeres, die Olivenhaine und Pinienhügel gaben den Flüchtenden eine Ahnung von Freiheit. Auch praktisch war die Region günstig: Die Lebenshaltungskosten waren niedriger als in Paris, und von Marseille aus bot sich die Möglichkeit, weiterzureisen, falls die Lage unsicher wurde. Schon zuvor hatten Künstler und Literaten die Küste entdeckt, und so wirkte sie in den 1930er Jahren wie eine alte Bekannte, die nun ein neues Gesicht zeigte – die eines Exils.

    In diesen Jahren trafen hier die großen Namen der deutschen Kultur zusammen: Thomas Mann schrieb in den Pensionen der Küste, sein Bruder Heinrich lebte mit Nelly Kröger in Nizza. Lion Feuchtwanger schuf in seiner Villa in Sanary-sur-Mer einen geistigen Mittelpunkt, an dem Franz Werfel, Alma Mahler-Werfel und viele andere verkehrten. Bertolt Brecht zog unstet durch Südfrankreich, stets auf der Suche nach einem Ort, an dem Arbeit und Sicherheit zusammenfielen. Maler wie Walter Bondy oder Schriftstellerinnen wie Annette Kolb prägten die Atmosphäre zusätzlich.

    Besonders zwei Orte wurden zu Symbolen dieses Exils: Nizza, mit seiner kosmopolitischen Lebendigkeit und den Boulevards, auf denen sich Sprachen und Kulturen mischten; und Sanary-sur-Mer, ein kleiner Fischerort, dessen Hafenbecken zur Bühne einer Welt im Umbruch wurde. Dort, zwischen einfachen Fischerbooten und den Fassaden weißer Häuser, entstand eine dichte Gemeinschaft von Exilanten, die im Schatten der drohenden Diktatur versuchten, ihre Sprache, ihre Kunst und ihre Hoffnung zu bewahren.

    So verband sich an der Côte d’Azur die Schönheit der Landschaft mit der Dringlichkeit des Überlebens – und hinterließ Spuren, die bis heute sichtbar sind.


    INHALTSVERZEICHNIS

    Einleitung

    Varian Fry – Von Berlin nach Marseille

    Historischer Kontext und Exil in Südfrankreich

    Exilanten in Nizza – Die Stadt der Zuflucht

    Sanary-sur-Mer – Das deutsche Dorf

    Berühmte Persönlichkeiten im Exil

    Die Portraits – Gesichter einer verlorenen Welt

    Marta und Lion Feuchtwanger

    Treffen im Café du Lyon

    Max Colpet

    Thomas Mann und die Exil-Salonkunst

    Die Stimmen im Exil

    Kunst, Literatur und das Ringen um das Wort

    Begegnungen und Gemeinschaften

    Bedrohung, Internierung und Flucht

    Die Wohnorten heute – Historische Orte entdecken

    Vergleich von historischen Fotografien

    Links zu Fotos und Orten

    Bildquellen

    Epilog

    Anhang

  • Gerechtigkeit

    Hier ein neuer Song von ARCOPLEXUS.

    Strophe I (Büchner) Friede den Hütten! – Krieg den Palästen! Hört ihr das Stöhnen der Erde, die Stimmen der Knechte? Das Blut rinnt in Furchen, doch die Herren speisen weiter. Reißt die Masken vom Antlitz, der Gerechtigkeit ihr kaltes, steinernes Gesicht! Refrain (beide, streitend) Gerechtigkeit! – ein Schwert, das rostet. Gerechtigkeit! – ein Feuer, das frisst. Zwischen Hütte und Palast, zwischen Kohlhaas und dem Fürst, wer hält das Maß? Wer bricht den Bann? Strophe II (Kleist) Höre, Büchner! Ich kenne den Mann, der Recht verlangte – Michael Kohlhaas, ein Händler von Pferden, so schlicht, so redlich – und doch in Brand gesetzt von Unrecht. Er griff zur Fackel, weil das Gericht schwieg. Sag mir, Georg, wo endet Recht, wo beginnt die Rache? Strophe III (Büchner, antwortend) Kleist, du siehst den Einzelnen brennen, doch ich höre das Volk schreien. Nicht ein Mann, ein Heer von Hungernden, nicht ein Pferd, tausend Seelen, und jeder Palast ein Kerker. Kohlhaas ist nicht der Einzelne – er ist die Saat, die im Zorn aufgeht. Bridge (Disput, wechselnd) Kleist: Recht ohne Gesetz ist Tyrannei. Büchner: Gesetz ohne Recht ist Gewalt. Kleist: Der Mensch darf nicht Richter im eigenen Streit sein! Büchner: Das Volk ist der Richter, wenn kein anderes Gericht mehr spricht. Refrain (beide, nun vereint im Streitgesang) Gerechtigkeit! – ein Schwert, das rostet. Gerechtigkeit! – ein Feuer, das frisst. Zwischen Hütte und Palast, zwischen Kohlhaas und dem Fürst, das Maß zerbricht – doch die Glut verlischt nicht. Outro (Büchner) Friede den Hütten! – Krieg den Palästen! Die Worte sind Pfeile, die Wahrheit ein Donner. Und im Streit der Dichter glüht ein einziger Ruf: Gerechtigkeit!

  • Klaus Mann in Sanary

    Café de Lyon, Sanary-sur-Mer – Frühsommer 1935

    Die Markisen spenden Schatten, der Hafen glitzert, Boote knarren leise. In der Ecke des Café de Lyon sitzen sie, eine kleine Insel aus Sprache und Exil.

    Klaus Mann (unruhig, mit fahrigen Gesten):
    Der Schmerz eines Sommers – ein Buch von Melancholie. Ich wollte nichts anderes als den Zustand einer verlorenen Jugend festhalten. Aber es verfolgt mich, wie ein Geständnis, das die Welt nicht hören will.“

    Eva Herrmann (lehnt sich vor, die Zigarette zwischen den Fingern):
    „Klaus, dein Schmerz ist wahr. Aber Wahrheit allein verändert nichts. In Zeiten wie diesen muss Literatur mehr als Spiegel sein – sie muss Waffe sein.“

    Egon Erwin Kisch (lacht kehlig, schlägt mit der Hand auf den Tisch):
    „Endlich sagt es jemand! Ich bringe Reportagen, ihr schreibt Elegien. Dein Mephisto dagegen, Klaus, das ist Dynamit. Da entlarvst du nicht nur Gründgens, sondern die ganze Clique, die sich vor den Nazis verbeugt.“

    Aldous Huxley (ruhig, fast kühl, mit einem schmalen Lächeln):
    „Doch verrätst du nicht zugleich deine Freunde, Klaus? Das Theater war schon immer ein Spiegel der Gesellschaft. Aber ein Schlüsselroman – das ist gefährlich. Die Person vergeht, die Allegorie bleibt. Wird dein Mephisto überdauern, oder bleibt er nur eine bittere Abrechnung?“

    Sybille (leise, aber bestimmt):
    „Gerade die Abrechnung macht es so brennend. Wer Gründgens erkennt, erkennt auch den Preis, den viele zahlen, um Karriere zu machen. Ein Verrat? Vielleicht. Aber ein notwendiger Verrat.“

    Ludwig Marcuse (bedächtig, dozierend, die Hände gefaltet):
    „Jeder Verrat birgt Wahrheit. Mephisto ist weniger ein Schlüssel, mehr ein Symbol. Er zeigt, dass man nicht Macht haben kann, ohne seine Moral einzutauschen. Aber sag mir, Klaus – ist das ein Zeitroman, oder willst du ein Werk schaffen, das künftige Generationen noch verstehen?“

    Klaus Mann (zögert, dann heftig):
    „Ich will beides. Ankläger sein – und Chronist. Ich will, dass meine Figuren schreien für die, die keine Stimme haben. Dass sie die Zukunft warnen vor dem, was heute geschieht.“

    Maria Huxley (sanft, fast beschwichtigend):
    „Vielleicht braucht es gerade hier, in Sanary, all eure Stimmen – den Reporter, den Dichter, den Philosophen. Die Welt da draußen ist taub. Aber wenn ihr vereint sprecht, vielleicht hallt es wider.“

    (Stille breitet sich aus, der Wind rauscht durch die Markise, man hört das ferne Klirren von Gläsern. Dann erhebt Kisch sein Glas.)

    Kisch:
    „Auf den Schmerz. Auf den Teufel. Auf das Exil – und auf die Freiheit im Café de Lyon.“

    Klaus Mann (mit einem angedeuteten Lächeln, fast trotzig):
    „Und auf die Hoffnung, dass Worte noch eine Waffe sind.“

    Die Gläser klingen zusammen. Das Meer rauscht, unbeirrt, als wäre alles Gesagte nur ein Flüstern am Rande der Ewigkeit.

  • Disput über Verantwortung

    Stimmen im Widerstreit. Disput über Verantwortung, Wahrheit und Wirkung

    Es war ein spätsommerlicher Abend, als sich vier Männer in einer kleinen, hell erleuchteten Bibliothek trafen. Zwischen Regalen voller Bücher, die von Medizin, Recht, Musik und Politik erzählten, begann ein Streitgespräch, das weit mehr als nur persönliche Positionen spiegelte: Es war ein Mikrokosmos der gegenwärtigen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen.

    Der Arzt Friedrich Pirna ergriff als Erster das Wort. Sein Anliegen war die Gesundheit – nicht nur des Einzelnen, sondern der gesamten Gesellschaft. Mit kühler Präzision argumentierte er: „Wir dürfen den Begriff der Verantwortung nicht verengen. Medizin heißt nicht nur Krankheit zu behandeln, sondern auch die sozialen und psychischen Ursachen zu verstehen. Wer heute schweigt, macht sich mitschuldig an den Krisen von morgen.“ Pirna pochte auf Aufklärung und Rationalität, warnte vor populistischen Verkürzungen und der Verdrängung wissenschaftlicher Erkenntnisse.

    Der Anwalt Jürgen Müller nickte kaum merklich, setzte jedoch einen Kontrapunkt. Für ihn war das Fundament jeder Debatte das Recht. „Wir können noch so viele Ideale beschwören – ohne die Sicherung durch Rechtsstaatlichkeit bleibt alles hohl. Jede noch so berechtigte Bewegung droht zu scheitern, wenn sie das Fundament des Rechts nicht achtet. Nur das Recht schützt vor Willkür.“ Müller erinnerte an die historische Erfahrung, dass Gesellschaften ohne rechtliche Schranken schnell in autoritäre Versuchungen abgleiten.

    Der Friedensaktivist Rainer Braun ließ sich davon nicht einschüchtern. Seine Stimme war leidenschaftlich, getragen von Jahrzehnten im Kampf gegen Aufrüstung und Gewalt. „Ihr redet von Regeln und Verantwortung – ich rede vom nackten Überleben. Was nützen uns Paragrafen, wenn Raketen in Minuten das Leben von Millionen zerstören können? Frieden ist die erste Bedingung von allem anderen. Wer ihn nicht aktiv verteidigt, verteidigt gar nichts.“ Braun kritisierte die Machtinteressen der Staaten, die Doppelstandards internationaler Politik und forderte eine radikale Umkehr: weg von militärischen Lösungen, hin zu Diplomatie und zivilem Widerstand.

    Der Musiker Jens Fischer Rodrian schloss schließlich den Kreis – und doch öffnete er eine andere Dimension. Seine Worte waren weniger Argumente als Bilder, seine Sprache durchzogen von Metaphern. „Vielleicht ist unser größtes Problem nicht die Gewalt, sondern die Sprachlosigkeit. Musik kann Brücken schlagen, wo Logik scheitert. Aber was nützt Kunst, wenn sie sich ins Private zurückzieht? Wir brauchen eine Kultur des Widerstands, eine Ästhetik des Friedens, die Herzen berührt, bevor Köpfe überzeugt sind.“ Er sah sich als Übersetzer, als einer, der Gefühle politisch sichtbar machen wollte, ohne in Agitation zu verfallen.

    Der Disput wurde heftig, zuweilen persönlich. Pirna warf Braun vor, Gefahren der realen Sicherheitslage zu unterschätzen. Müller erinnerte Rodrian daran, dass Kunst allein keine politischen Institutionen ersetzt. Braun entgegnete, das Recht habe zu oft Kriege legitimiert, und Rodrian wiederum warnte die anderen, nicht nur in abstrakten Formeln zu denken, während Menschen bereits an den Rändern der Gesellschaft litten.

    Und doch blieb am Ende ein Moment der Einigkeit: Alle vier wussten, dass die Gesellschaft nur dann bestehen könne, wenn Medizin, Recht, Frieden und Kultur nicht gegeneinander, sondern miteinander wirken. Ihre Dispute zeigten die Brüche unserer Zeit – aber auch, dass gerade im Streit eine produktive Wahrheit liegt.



    Ein Abend in der Bibliothek – Streitgespräch zu Verantwortung, Recht und Frieden

    Die Bühne: ein holzgetäfelter Raum, schwer beladen mit Büchern. Ein runder Tisch in der Mitte, vier Gläser, eine Flasche Wasser. Draußen klingt das ferne Rauschen der Stadt.

    Pirna (der Arzt, ernst, mit ruhiger Stimme):
    Wir sprechen von Symptomen, doch wir vergessen die Ursachen. Krankheiten sind nicht nur biologische Defekte, sie sind Spiegel unserer Gesellschaft. Stress, Angst, Armut – das sind die eigentlichen Viren. Wenn wir Ärzte nur Pflaster kleben, werden wir niemals heilen. Verantwortung heißt: das Ganze sehen.

    Müller (der Anwalt, straff in der Haltung):
    Das Ganze, ja. Aber es gibt Grenzen, Friedrich. Verantwortung ohne Recht ist nichts als ein moralischer Appell. Das Recht ist der Rahmen, der uns davor schützt, in Beliebigkeit zu versinken. Wir dürfen nicht vergessen: auch die besten Absichten können gefährlich werden, wenn sie das Gesetz missachten.

    Braun (der Friedensaktivist, leidenschaftlich, fast ungeduldig):
    Das Gesetz? Sag mir, Jürgen, wie oft haben Gesetze den Krieg verhindert? Wie oft hat das Recht die Waffen zum Schweigen gebracht? Wir leben in einer Welt, in der ein Knopfdruck Millionen vernichten kann. Da ist das Recht nichts als Papier. Frieden ist kein juristisches Konstrukt, er ist eine Überlebensfrage.

    Rodrian (der Musiker, leise, poetisch, nachdenklich):
    Vielleicht habt ihr beide recht, und doch fehlt mir etwas in euren Worten. Ihr sprecht von Regeln, von Überleben – aber wer spricht von den Seelen? Wenn die Menschen ihre Sprache verlieren, wenn sie verstummen vor Angst und Wut, dann werden Kriege unausweichlich. Musik kann Brücken bauen, Bilder öffnen Räume, in denen Dialog möglich wird. Ohne Kultur bleibt Frieden ein kalter Vertrag.

    Pirna (leicht gereizt):
    Jens, du sprichst in Metaphern, doch was heilt den Körper? Ein Lied stillt keinen Hunger, es senkt kein Fieber.

    Rodrian (mit einem feinen Lächeln):
    Nein, aber ein Lied kann Hoffnung schenken, und ohne Hoffnung stirbt auch der Körper schneller. Glaub mir, Medizin allein reicht nicht.

    Müller (klopft mit dem Finger auf den Tisch):
    Und ohne Recht werden selbst die schönsten Lieder übertönt von Gewalt. Wir dürfen nicht in Utopien fliehen.

    Braun (beugt sich vor, die Stimme brennend):
    Und ich sage: Eure Gesetze und eure Wissenschaft haben die Bomben nicht verhindert. Was wir brauchen, ist Mut zum Widerstand. Ein „Nein“ gegen Militarisierung, ein „Ja“ zu Diplomatie. Nur so retten wir uns.

    (Stille für einen Moment. Alle vier blicken ins Leere. Draußen hört man eine Straßenbahn vorbeifahren.)

    Rodrian (sanft, fast wie ein Lied):
    Vielleicht ist unser größter Feind nicht der Krieg, nicht die Krankheit, nicht die Gesetzeslücke – sondern das Schweigen. Solange wir reden, solange wir streiten, leben wir.

    Die Männer sehen einander an. Der Streit ist nicht gelöst, doch die Einsicht wächst: Ihre Wahrheiten widersprechen sich, und doch bedingen sie einander.

  • Karl Marx trifft Léo Ferré im Casino

    Rouge et Noir – Eine Nouvelle in vier Szenen


    Szene I – Ankunft im Casino

    Die Spiegel im Saal von Monte Carlo warfen das Licht der Kronleuchter wie kalten Regen zurück. Karl Marx trat ein, schwer atmend, den Mantel über der Schulter. Sein Blick war finster, als er die Spieler beobachtete.

    Leo Ferré, am Rand eines Roulettetisches, erkannte ihn sofort. „Monsieur Marx,“ rief er, „Sie suchen Revolutionen an den falschen Orten. Hier regiert nicht das Volk, hier regiert die Kugel.“

    Marx setzte sich neben ihn. „Gerade deswegen bin ich hier. Das Casino ist die reinste Metapher des Kapitals: Die Illusion der Freiheit, doch in Wahrheit gewinnt immer das Haus.“


    Szene II – Der Dichter mischt sich ein

    Die Debatte zog Stimmen an. Guillaume Apollinaire trat hinzu, wie ein Schatten, der aus Versen gemacht war.

    „Ihr sprecht von Illusion und Gesetz?“ sagte er. „Monaco ist selbst ein Gedicht, in dem das Roulette die Metaphern wirft. Die Kugel singt, die Jetons reimen. Ihr könnt es analysieren, Karl, aber ihr tötet den Zauber.“

    Marx knurrte: „Poesie ist die Musik des Bürgertums, solange sie nicht den Aufstand nährt. Ihr vernebelt die Sinne, statt die Verhältnisse zu ändern.“

    Apollinaire schüttelte den Kopf: „Auch ein Revolutionär träumt in Versen, ob er es will oder nicht.“

    Ferré lachte, rau: „Ich bin der Beweis. Meine Chansons sind Poesie und Aufstand zugleich.“


    Szene III – Das Labor der Moderne

    Anthony Burgess trat an den Tisch, scharf gekleidet, ironisch lächelnd. „Meine Herren, ihr sprecht von Poesie und Revolution, aber ihr vergesst die eigentliche Lektion Monacos: Es ist ein Labor der Moderne. Ein winziger Staat, der überlebt, indem er Kapital wäscht, Träume verkauft und die Welt glauben lässt, er sei ein Paradies. Eine Dystopie im Miniaturformat.“

    Ferré fauchte: „Und doch schreibe ich Lieder, die diese Puppenstube erschüttern.“

    Burgess grinste: „Oder nur begleiten. Musik ist die Tapete der Macht.“

    Da trat Marcel Pagnol hinzu, die Wärme der Provence in seiner Stimme: „Ihr alle seht nur die Fassaden. Ich sehe die Menschen: Fischer, Kinder, Mütter, Händler. Hinter dem Glanz lebt ein Volk. Monaco ist nicht nur Casino. Es ist auch Alltag, Geschichten am Hafen, Stimmen des Südens.“

    Marx schlug mit der Faust auf den Tisch: „Gerade diese Menschen sind es, die man verschlingt! Der Apparat hier glänzt, weil ihr Alltag verschwindet.“


    Szene IV – Entscheidung am Roulette

    Die Stimmen erhoben sich, der Streit wurde zum Sturm. Ferré zischte Verse, Marx donnerte Thesen, Apollinaire malte Metaphern, Burgess warf dystopische Bilder in die Runde, Pagnol verteidigte das menschliche Maß.

    Der Croupier ließ die Kugel rollen. Alle verstummten. Das Klicken, das Springen der Kugel, füllte die Stille wie ein Herzschlag.

    „Da,“ rief Marx, „hier entscheidet sich alles: Rot oder Schwarz. Symbol des Kampfes, Allegorie der Geschichte!“

    Die Kugel sprang – und fiel auf Rot.

    Marx erhob sich, triumphierend: „Rot, das Zeichen des Aufstands! Geschichte ist kein Spiel, aber sie kennt nur den Weg des Kampfes.“

    Ferré blies den Rauch seiner Zigarette in die Kronleuchter. „Vielleicht, Karl. Aber ohne das Lied, ohne den Traum, bleibt selbst das Rot stumm.“

    Die Kugel lag still. Doch in den Köpfen der Männer rollte sie weiter – durch Jahrzehnte, durch Utopien, durch Illusionen.

    Karl Marx und Leo Ferre
  • Filmfestival Venedig Cover-Up über Seymour Hersh

    Nächste Woche feiert Cover-Up, der neue Dokumentarfilm über Seymour Hersh und seine Karriere als Investigativjournalist von den Filmemachern Laura Poitras und Mark Obenhaus, auf den Filmfestspielen von Venedig seine Weltpremiere. Im Herbst folgen Vorführungen auf dem Toronto Film Festival und dem New York Film Festival. Der Film wird diesen Herbst weiterhin auf Festivals zu sehen sein und im Winter in den US-Kinos anlaufen.

    Laura Poitras ist eine mit dem Oscar und dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Filmemacherin und Journalistin. Ihr letzter Film, All the Beauty and the Bloodshed, wurde bei den Filmfestspielen von Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Ihr für den Oscar nominierter Film My Country, My Country, der erste Teil ihrer Trilogie nach dem 11. September, dokumentierte die US-Besetzung des Irak. Ihre journalistischen Enthüllungen über die weltweite Massenüberwachung durch die NSA wurden mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet, und ihr Film CITIZENFOUR gewann einen Oscar sowie BAFTA-, DGA- und Emmy-Auszeichnungen.

    Mark Obenhaus ist Regisseur, Produzent und Autor von Dokumentarfilmen. Seine Arbeiten wurden mit fünf National Emmys, dem British Press Guild Documentary Award, dem Alfred I. DuPont-Columbia University Award, dem Edward R. Murrow Award und zahlreichen anderen Auszeichnungen geehrt. Zu seinen Filmen für PBS Frontline gehört „Buying the Bomb“, zu seinen Filmen für ABC gehört „Dangerous World: The Kennedy Years“, beide mit Reportagen von Seymour Hersh.

  • „Gewissen und Verantwortung“

    Ein fiktives Streitgespräch über den Ukraine-Krieg


    Besetzung:

    • Boris Pistorius – Bundesverteidigungsminister
    • Agnes Strack-Zimmermann – Verteidigungspolitikerin
    • Anton Hofreiter – Außenpolitiker
    • Dietrich Bonhoeffer – Theologe, Widerstandskämpfer
    • Henry David Thoreau – Philosoph

    Aufführungskonzept

    • Bühnenbild: Ein schlichter runder Tisch, fünf Stühle. Im Hintergrund ein großes Fenster, das sich nicht schließen lässt. Es zeigt nur Dunkelheit.
    • Licht: Jeder Redner wird durch einen eigenen Kegel erfasst. Beim Sprechen intensiver, in Pausen gedämpft. Das Fenster wird am Ende hell angestrahlt.
    • Klang: Zwischen den Szenen leise Windgeräusche. Gelegentlich dumpfes Dröhnen in der Ferne – wie Kanonendonner.

    Akt I – Der Tisch

    Die Figuren treten nacheinander ein. Jeder setzt sich schweigend. Erst nach einer langen Pause beginnt Pistorius zu sprechen.

    Pistorius (schwer):
    “Die Ukraine kämpft. Wir helfen – mit Waffen, Ausbildung, Zusagen. Und doch: Es reicht nie.”

    Strack-Zimmermann (schlägt mit der Hand auf den Tisch):
    “Weil wir zaudern! Jede Woche Diskussion kostet Leben. Panzer, Raketen, Abwehrsysteme – sofort! Alles andere ist Verrat.”

    Hofreiter (nach vorne gebeugt):
    “Agnes, der Krieg ist mehr als Waffen. Er hängt mit Energie, Klima, Gerechtigkeit zusammen. Nur militärisch zu denken, wäre ein Fehler.”

    (Kurze Pause. Bonhoeffer erhebt sich langsam.)


    Akt II – Schuld und Gewissen

    Bonhoeffer (ruhig, eindringlich):
    “Es gibt Momente, da ist Schweigen Schuld. Untätigkeit Verrat. Wer das Böse nicht bekämpft, macht sich mitschuldig.”

    Thoreau (lehnt zurück, verschränkt die Arme):
    “Doch jede Gewalt, so gerecht sie scheint, trägt den Keim neuen Unheils. Ich sage: verweigere dich. Werde nicht zum Werkzeug des Krieges.”

    Strack-Zimmermann (fährt auf, empört):
    “Weltfremd! Ihre Reinheit schützt keine Kinder in Charkiw. Wer nichts tut, macht sich zum Komplizen Putins!”

    Thoreau (leise, beinahe spöttisch):
    “Und wer Waffen liefert, macht sich zum Teil desselben Spiels. Was unterscheidet uns dann noch vom Täter?”

    Pistorius (mit fester Stimme):
    “Das Ziel! Wir kämpfen nicht für Herrschaft, sondern für Freiheit. Für das Recht eines Volkes, in Frieden zu leben.”

    Bonhoeffer (nickt, ernst):
    “Gewalt ist Schuld. Aber manchmal ist es die größere Schuld, nichts zu tun. Ich habe es unter Hitler lernen müssen.”


    Akt III – Die Zukunft

    Hofreiter (fast beschwichtigend, bittend):
    “Wenn der Krieg endet, darf die Antwort nicht nur militärisch sein. Energie darf nicht erpressen. Nahrung darf keine Waffe sein. Frieden braucht Gerechtigkeit, nicht nur Waffenruhe.”

    (Eine Pause. Die Figuren schauen hinaus ins Fenster. Ein leises Donnergrollen im Hintergrund. Dann Bonhoeffer mit leiser Stimme, fast ein Gebet.)

    Bonhoeffer:
    “Die Frage ist nicht, ob wir schuldig werden – wir werden es. Die Frage ist: Tragen wir die Schuld für uns selbst, oder im Dienst derer, die keine Stimme haben?”

    (Das Licht erlischt. Nur das Fenster bleibt hell. Der Wind heult kurz auf. Stille. Dann völlige Dunkelheit.)


    Mögliche Erweiterung – Interaktion mit dem Publikum

    • Zwischen Akt II und III könnte ein Sprecher ans Publikum treten und Fragen stellen, z. B.:
      • „Und Sie? Würden Sie Waffen liefern?“
      • „Ist moralische Reinheit wichtiger als Verantwortung?“
      • „Was würden Sie tun, wenn Sie entscheiden müssten?“

    So wird das Publikum direkt in das Spannungsfeld von Gewissen, Verantwortung und politischem Handeln hineingezogen.


    Der Krieg
  • Die Boomer und die wahre Toleranz

    ❗Auf den Punkt

    Unsere Generation war tolerant. Und sie wusste es nicht.

    Ihr habt euch das Fluid Gender und damit die Homophobie ausgedacht aus einer älteren Geschichte fabriziert. Eure Eltern hatten schon Siege errungen, die Opfer Rollen sind aber einfach einfach zu spielen.

    Ich komme aus der Generation, die David Bowie, Lou Read, hörte und liebte und sich nie das Problem stellte, was für sexuelle Vorlieben sie hatten.

    Es war uns egal, wir waren zufrieden und selig, weil ihre Musik uns berührte!

    Elton John, Freddy Mercury und George Michael.

    Wir sind auch die Generation, die Led Zeppelin, Deep Purple, Neil Young oder die Eagles liebte. Ohne dass sich je das Problem mit ihren Texten zu stellte, die heute als sexistisch angesehen werden würden.

    Als Boy George ankam, fragten wir uns nicht, ob er Männchen, Weibchen oder beide mag. Wir haben einfach seine Musik genossen.

    Und als Jimmy Sommerville uns seine Geschichte als Kleinstadtjunge erzählt hat, waren wir gerührt und haben mitgesungen. Und es gab keine Gesetze, die uns zwingen sollten, solidarisch zu sein oder zumindest an einem „Zeichen gegen…“ teilzunehmen.

    Es gab keine Androhungen von Sanktionen oder selbsternannte Wächter, die uns zensieren, wenn einmal ein Witz dabei war.

    Alyson Moyet war damals definitiv oversize, aber wunderschön und toll, und niemand dachte, dass sie weniger wert wäre als eine Claudia Schiffer.

    Ich würde gerne verstehen, was in der Zwischenzeit passiert ist, denn meiner Meinung nach haben all diese Zensoren die einzige Wirkung, das zu erzeugen, was sie zensieren. Toleranz wächst niemals aus Intoleranz, sondern Hass und Spaltung!

    Meiner Meinung nach brauchten wir keine Beschränkungen, weil die Erziehung unserer Eltern uns Werte wie Hilfsbereitschaft, Empathie, Nächstenliebe und echte Toleranz vermittelten und Verstöße gesellschaftliche Nachteile mit sich brachten!

    Bis ihr gekommen seid um uns einen Schuldkult aufzuzwingen und uns so gegeneinander aufzubringen. Geht einfach weg oder kommt zu Vernunft!

  • Kreativität 14.07.25

    In unserer Reihe Kreativität möchten wir heute die Künstlerin Suzy Sharpe vorstellen:

    Forschung & Inspiration

    Die Natur in ihrer wildesten und ungezähmtesten Form war schon immer meine größte Inspiration. Das Eintauchen in die Landschaft und das Beobachten der komplizierten Beziehungen zwischen Vögeln, Pflanzen und Tieren prägen meine kreative Praxis und erinnern mich an die tiefgreifende Rolle, die die Natur für die menschliche Existenz spielt. Durch meine Arbeit erforsche ich, wie Menschen und die natürliche Welt miteinander verbunden sind, und ich möchte zu einem tiefen Respekt für diese Beziehungen anregen.

    Ich stütze mich auf eine Vielzahl literarischer Gattungen und persönlicher Erfahrungen und erforsche in meiner kreativen Praxis die unterschiedlichen Arten, wie Menschen und nicht-menschliche Wesen die Welt wahrnehmen und erleben. Meine Arbeit soll zum Nachdenken anregen und eine aufmerksame Auseinandersetzung mit der Natur und der Landschaft im weiteren Sinne fördern. Ich untersuche den Einfluss geografischer Umgebungen auf unseren mentalen Zustand, unsere Stimmung und unser allgemeines Wohlbefinden und erkenne deren bedeutende Wirkung an.

    In meiner kreativen Praxis geht es um die Förderung einer aufmerksamen Auseinandersetzung mit der natürlichen Welt. Ob durch meine künstlerische Arbeit, meine Lehrtätigkeit oder die Zusammenarbeit mit Umweltorganisationen – mein Ziel ist es, die Menschen dazu anzuregen, darüber nachzudenken, wie wir mit der Natur umgehen und was wir zu ihrem Schutz tun können.
     

    Als Künstlerin und Pädagogin ist es mir ein Anliegen, mein Wissen mit einem größeren Publikum zu teilen. In meiner Arbeit geht es darum, andere zu befähigen, sich mit Druckgrafik, Zeichnen, Malen und verschiedenen anderen kreativen Techniken zu beschäftigen. Ich möchte Menschen auf der ganzen Welt dazu inspirieren, ihre Kreativität durch naturnahe Praktiken zu erforschen und sie dazu anleiten, mit verschiedenen künstlerischen Verfahren zu experimentieren. Durch eine Mitgliedschaft auf Patreon, Online-Workshops, Tutorials und eBooks hoffe ich, eine sinnvolle Verbindung zwischen Kunst, Natur und persönlichem Ausdruck zu fördern und gleichzeitig praktische Werkzeuge für diejenigen bereitzustellen, die ihre eigene kreative Praxis entwickeln wollen.

    Neben meiner persönlichen Arbeit setze ich mich für sinnvolle Veränderungen ein, indem ich mich aktiv an Projekten wie der Initiative Ghost of Gone Birds” beim Migration Festival, dem PAN-Projekt und der Zusammenarbeit mit dem British Trust for Ornithology Red67book und Wildlife Trusts beteilige. Ich unterstütze Wohltätigkeitsorganisationen, die sich für den Erhalt und Schutz von Vögeln, Pflanzen und Tieren einsetzen und das Bewusstsein auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene schärfen.

    Woodland Wonderlands Exhibition

    01:1201:12Woodland Wonderlands Exhibition

    Woodland Wonderlands Exhibition

    
    
    
    
    

    Drawing on the Coast

    Drawing at the Coast

    National Trust Exhibition

    National Trust 125 Years

    CV & Statement

    My practice is broadly based, spanning painting, drawing, printmaking, and sculpture. I graduated with distinction from the MA Illustration: Authorial Practice program at Falmouth University, following the completion of my BA in Fine Art and PGCE.

    I am a part-time Higher Education lecturer on an interdisciplinary BA (Hons) Art & Design Practice Course.

    Living in Cornwall, my daily life is intertwined with various non-human species in a wild and ever changing landscape, including livestock, pets, and wild flora and fauna, all of which inspire and inform my practice. Through my work, I continuously strive to foster dialogue around the intricate relationships between humans, animals, and the natural environment, exploring, questioning, and celebrating these interconnected bonds.