Kategorie: Futorologie

  • Kultur, Förderung und Teilhabe

    Dieser Podcast von Radio-Nice.Club untersucht das Konzept der gemeinsamen Kreativität und der aktiven Bürgerbeteiligung in den Bereichen der Nachhaltigkeitsforschung und der europäischen Kulturpolitik. Ein zentraler Fokus liegt auf der engagierten Wissenschaft, die durch transformative Methoden wie Co-Creation versucht, gesellschaftlichen Wandel und soziale Inklusion direkt in den Forschungsprozess zu integrieren. Parallel dazu analysiert der zweite Text die historische Entwicklung der Europäischen Kulturhauptstädte, bei denen die Partizipation von einer bloßen Beratung hin zu einer tieferen Einbindung der Zivilgesellschaft gereift ist. Beide Texte betonen, dass partizipative Ansätze entscheidend sind, um demokratische Legitimität zu stärken und alternative Lebensentwürfe in lokalen Gemeinschaften sichtbar zu machen. Trotz der positiven Potenziale warnen die Autoren vor instrumenteller Nutzung und institutionellen Machtungleichgewichten, die eine echte Mitgestaltung behindern können. Letztlich plädieren die Quellen für eine Forschung und Kulturplanung, die den Menschen nicht nur als Objekt, sondern als aktiven Mitgestalter seiner Umwelt begreift.

    CO-Kreativität jenseits der Schlagworte
    Innovation - Social Network

    Wie fördert Co-Kreativität sozialen Wandel und nachhaltige Forschungspraxis?

    Co-Kreativität fördert sozialen Wandel und eine nachhaltige Forschungspraxis, indem sie Forschung nicht als isolierten Akt eines „kreativen Genies“, sondern als relationalen, inklusiven und transformativen Prozess begreift. Dabei verschiebt sich der Fokus von der Produktion bloßen Wissens hin zur Veränderung bestehender Machtstrukturen und der Gestaltung alternativer Lebensweisen.

    Hier sind die zentralen Mechanismen, wie Co-Kreativität diesen Wandel unterstützt:

    1. Förderung sozialen Wandels durch alternative Weltbilder

    Co-kreative Methoden fungieren als Instrument des sozialen Wandels, indem sie Räume für alternative Verständnisse dessen eröffnen, wie die Welt ist und wie sie sein könnte.

    • Empowerment: Sie ermöglichen es insbesondere marginalisierten Gruppen, von passiven Empfängern zu aktiven „Storytellern“ und Mitgestaltern ihrer eigenen Lebensbedingungen zu werden.
    • Kulturelle Transformation: Durch künstlerische Prozesse und „generative Engagements“ können tief verwurzelte Denkmuster und anthropozentrische Zeitskalen aufgebrochen werden, was neue Handlungsspielräume für Nachhaltigkeit schafft.
    • Kollektive Problemlösung: Partizipative Kunstprojekte in ländlichen Räumen stärken nachweislich die kollektive Problemlösungsfähigkeit der Bevölkerung und fördern den sozialen Zusammenhalt.

    2. Etablierung einer nachhaltigen Forschungspraxis

    Nachhaltige Forschung wird in den Quellen oft als „Engaged Scholarship“ beschrieben – eine Praxis, die Theorie und Handeln verbindet und nicht nur darauf abzielt, die Welt zu interpretieren, sondern sie aktiv zu verändern.

    • Vom „Forschen über“ zum „Forschen mit“: Nachhaltige Praxis bedeutet, Forschungsteilnehmer als Co-Forscher anzuerkennen und den Forschungsprozess selbst als Begegnung auf Augenhöhe zu gestalten.
    • Ethik der Sorge (Ethics of Care): Eine nachhaltige Forschungspraxis integriert eine „care-full scholarship“, die Emotionen, Empathie und die gegenseitige Verantwortung von Forschenden und Erforschten in den Mittelpunkt stellt.
    • Prozess- statt Ergebnisorientierung: Anstatt sich nur auf messbare Veröffentlichungen (Output) zu konzentrieren, betont Co-Kreativität den Wert des Forschungsprozesses selbst als Chance zur Etablierung neuer Praktiken und Werte.

    3. Kritik an bürokratischen Barrieren

    Die Quellen weisen darauf hin, dass echte Co-Kreativität oft im Widerspruch zu aktuellen akademischen und bürokratischen Systemen steht:

    • Widerstand gegen „Forced Creativity“: In einer zunehmend betriebswirtschaftlich gesteuerten Universitätslandschaft („Managerial University“) besteht die Gefahr, dass kreative Methoden zu bloßen Marketinginstrumenten oder „Artwashing“ degradiert werden.
    • Nachhaltige Strukturen: Um sozialen Wandel wirklich zu unterstützen, müssen Fördersysteme von kurzfristigen Projekten hin zu langfristiger Prozessförderung und infrastruktureller Unterstützung übergehen.

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Co-Kreativität sozialen Wandel dadurch befördert, dass sie die kollektive Vorstellungskraft aktiviert und Forschung zu einer gemeinschaftlichen Suche nach gerechteren und ökologischeren Zukünften macht.

    Was sind konkrete Beispiele für alternative Forschungsmethoden aus dem Buch?

    Das Buch „Co-Creativity and Engaged Scholarship“ präsentiert eine Vielzahl transformativer Forschungsmethoden, die darauf abzielen, nicht nur Wissen zu produzieren, sondern sozialen Wandel aktiv mitzugestalten. Diese Methoden stammen primär aus den sozialen Nachhaltigkeitswissenschaften und zeichnen sich durch Inklusivität und das Forschen „mit“ statt „über“ Menschen aus.

    Hier sind konkrete Beispiele für alternative Forschungsmethoden aus dem Buch:

    1. Kreative Kartierungsmethoden (Mapping)

    Anstatt traditioneller, rein geografischer Karten werden Methoden genutzt, die subjektive und komplexe räumliche Beziehungen darstellen:

    • Deep Mapping: Diese Methode wird genutzt, um die vielschichtigen, oft informellen Nutzungen und Erinnerungen eines Ortes (z. B. Brachflächen) zu erfassen, die in herkömmlichen Stadtplänen unsichtbar bleiben.
    • Social Cartography (Soziale Kartographie): Hierbei geht es darum, soziale Beziehungen und Machtverhältnisse anstelle von rein physischen Landschaften abzubilden, um alternative Diskurse und mini-narrative sichtbar zu machen.
    • Digital Participatory Mapping (DPM): Die Nutzung von Web-Apps (wie „My Green Place“ oder „Greenmapper“), um die sozialen Werte und emotionalen Bindungen von Gemeinschaften an Grünflächen direkt in Planungsprozesse einzubringen.

    2. Visuelle und narrative Methoden

    Diese Ansätze nutzen Bilder und Geschichten, um tieferliegende Bedeutungen und marginalisierte Perspektiven zu erschließen:

    • Photo-voice: Teilnehmer (oft marginalisierte Gruppen) fotografieren ihren Alltag und reflektieren darüber, um ihre Bedürfnisse zu artikulieren und politische Entscheidungsträger zu erreichen.
    • Guerrilla Narrative: Eine Methode, bei der Forschung zur „sozialen Intervention“ wird, indem Wissen direkt für soziale Kämpfe produziert wird (z. B. im Kontext von Solidaritätsküchen).
    • Visual Analysis (Visuelle Analyse): Untersuchung der affektiven Qualität von Bildern (z. B. historische Darstellungen von Wildtieren), um gesellschaftliche Mensch-Natur-Beziehungen zu verstehen.

    3. Partizipative und handlungsorientierte Ansätze

    Diese Methoden basieren oft auf der Participatory Action Research (PAR) und zielen auf eine Demokratisierung der Wissensproduktion ab:

    • Appreciative Inquiry (AI): Ein stärkenorientierter Ansatz, der kollektive Visionen für die Zukunft in Gemeinschaften fördert, anstatt nur Probleme zu analysieren.
    • Living Labs (Reallabore): Ein kollaborativer Planungsansatz, bei dem Wissenschaftler, Bürger und Institutionen in realen Umgebungen gemeinsam innovative Lösungen (z. B. für Wasserinfrastruktur) testen.
    • Militant Scholarship: Eine Form der Forschung, die sich explizit auf die Seite sozialer Bewegungen stellt und Wissen für den sozialen Kampf generiert.

    4. Spezifische kunstbasierte und verkörperte Methoden

    Angela Moriggi beschreibt in ihrer Forschung fünf spezifische kreative Techniken:

    • Circle of Objects (Kreis der Objekte): Teilnehmer bringen Objekte mit, die ihre Arbeit symbolisieren, um eine Atmosphäre der „Einheit in der Vielfalt“ zu schaffen und emotionales Wissen zu teilen.
    • Creating with the Soil (Gestalten mit Erde): Eine somatische Übung, bei der Teilnehmer durch das Formen von Ton oder Erde ihre Verbindung zur Natur und zum „Mehr-als-Menschlichen“ körperlich erfahren.
    • Council of Beings (Rat der Wesen): Ein Ritual, bei dem Menschen die Identität anderer Lebensformen annehmen, um anthropozentrische Weltbilder zu hinterfragen.
    • Letters from the Future (Briefe aus der Zukunft): Teilnehmer schreiben Briefe aus der Perspektive künftiger Generationen oder anderer Wesen.

    5. Reflexive Methoden

    • Embodied Researcher & Formative Accompanying Research: Hierbei reflektiert der Forscher seine eigene Positionierung, Emotionen und körperliche Präsenz im Feld, um eine „care-full scholarship“ (eine Ethik der Sorge) in transdisziplinären Teams zu etablieren.

    Wie funktioniert die Methode ‘Rat der Wesen’ in der Praxis?

    Die Methode „Rat der Wesen“ (engl. Council of Beings) ist eine kreative und rituelle Forschungspraxis, die darauf abzielt, anthropozentrische (menschenzentrierte) Weltbilder zu hinterfragen und ein tieferes Bewusstsein für die Vernetzung mit anderen Lebensformen zu schaffen. In der Praxis wird sie häufig in Workshops zur Nachhaltigkeitsforschung oder Zukunftsgestaltung eingesetzt, wie etwa in den Studien von Angela Moriggi mit „Green Care“-Praktikern in Finnland.

    Hier ist der konkrete Ablauf der Methode in der Praxis:

    1. Vorbereitung: Die Zeitlinie (Timeline of Change)

    Bevor die Teilnehmer in andere Rollen schlüpfen, wird oft eine visuelle Zeitlinie präsentiert, die die unterschiedlichen Lebensspannen von Menschen und Nicht-Menschen im jeweiligen Kontext darstellt.

    • Beispiel: In einem Projekt auf einem Pflegebauernhof umfasste die Zeitlinie ein Gebäude (ca. 200 Jahre), verschiedene Menschen (ca. 85 Jahre), ein Schwein (ca. 12 Jahre) und einen Schmetterling (ca. 1 Monat).
    • Ziel: Dies soll die Wahrnehmung von Zeit weiten und verdeutlichen, dass ökologische Bedürfnisse oft über kurzfristige menschliche Zeitpläne hinausgehen.

    2. Auswahl der Identität

    Die Teilnehmer wählen eine Karte aus, die eines der Wesen oder Elemente von der Zeitlinie (oder aus der lokalen Umgebung) repräsentiert. Dies können Tiere, Pflanzen oder sogar unbelebte Objekte wie Gebäude oder Flüsse sein.

    3. Verkörperung und Vorstellung (Embodiment)

    Die Teilnehmer verlassen symbolisch ihre menschliche Identität und nehmen die Perspektive ihres gewählten Wesens an.

    • Der „neue Selbst“: Jeder Teilnehmer stellt sich der Gruppe als dieses Wesen vor und nennt eine Eigenschaft, die er an seinem Charakter liebt.
    • Ziel: Dieser spielerische Ansatz hilft dabei, die eigene Komfortzone zu verlassen und Empathie für die Bedürfnisse anderer Arten zu entwickeln.

    4. Durchführung des Rats

    Im eigentlichen „Rat“ sprechen die Teilnehmer aus der Sicht ihrer gewählten Rollen über ihre Wünsche, Sorgen und Bedürfnisse für die Zukunft eines Ortes oder einer Praxis.

    • Anstatt Probleme technisch-rational zu diskutieren, werden die Fragen so umformuliert, dass sie die ökologische Abhängigkeit und das „Mehr-als-Menschliche“ einbeziehen.

    5. Kombination mit anderen Methoden

    In der Praxis wird der „Rat der Wesen“ oft direkt mit der Methode „Briefe aus der Zukunft“ (engl. Letters from the Future) verknüpft:

    • Die Teilnehmer schreiben einen Brief an ihr gegenwärtiges menschliches Selbst aus der Perspektive ihres Wesens im Jahr 2039 (20 Jahre in der Zukunft).
    • Darin beschreiben sie einen idealen Zustand ihres Ortes und was ihnen in dieser Zukunft Freude bereitet.

    Praktische Wirkungen und Herausforderungen

    • Wirkung: Die Methode bricht gewohnte Denkmuster auf, fördert kollektive Vorstellungskraft und bringt oft „unerschlossene Weisheiten“ ans Licht.
    • Herausforderung: Es erfordert ein hohes Maß an Vertrauen in den Prozess. Manche Teilnehmer könnten Widerstand leisten oder sich weigern, eine positive/utopische Perspektive einzunehmen, was die Gruppendynamik beeinflussen kann.

    Zusammenfassend funktioniert die Methode als ein Instrument der „epistemologischen Dehnung“, um Teilnehmern zu helfen, die Welt nicht nur als Objekt für menschliche Zwecke zu sehen, sondern als ein System fühlender und kommunizierender Wesen.

  • Die Rede von Dr. Subrahmanyam Jaishankar

    Der Außenminister von Indien, Dr. Subrahmanyam Jaishankar, erklärt auf der Münchener Sicherheitskonferenz 2025 den Europäern das Problem ihrer Weltsicht. Der indische Außenminister verurteilt auf seine eigene subtile Art und Weise das propagandistische Verhalten westlicher Politiker auf der Münchner Sicherheitskonferenz.

    “Kann ich hier zwei kurze Kommentare abgeben? Erstens, ich würde die Gleichsetzung von “Liberalismus auf eine Art internationale Weise” mit “Demokratie” infrage stellen. Ich denke, verschiedene Gesellschaften haben ihre eigene Kultur, ihre eigenen Werte, ihre eigene Art, Dinge zu tun, und die Idee, dass es EINE universelle Wahrheit, EIN Urteil und EINE NORM, gibt, die gepredigt, propagiert, bewertet und beurteilt werden sollte, ist meiner Meinung nach eines der großen Probleme, die wir heute in der Politik haben. Und das wird von ThinkTanks gemacht, es wird von Leuten gemacht, die Ratings vornehmen, es wird von Zeitungen gemacht, also denke ich, dass es in vielen Teilen der Welt eine Reaktion auf selbsternannte Wächter gibt, Leute, die nie an einer Wahl teilgenommen haben und nichts mit Demokratie zu tun haben. Die dem Rest der Welt tatsächlich sagen, was richtig ist und was falsch ist in der Demokratie. Und ich denke, es ist für mich unvermeidlich, dass das infrage gestellt wird. Mein zweites Problem ist, dass jedes Land seine Mainstream-Politik hat, es hat seine Aussenseiter. Okay, wenn ich mir zum Beispiel anschaue, wie Europäer, Westler, mit diesen Aussenseitern in diesen Gesellschaften umgehen, wenn ich mir das anschaue, was westliche Botschafter in Indien tun? Wenn meine Botschafter auch nur einen Bruchteil davon täten, wären Sie alle empört. Ich denke also, hier gibt es Doppelmoral.”

  • Bericht eines Außerirdischen über Menschen auf der Erde

    Feldbericht Nr. 47: Anthropologische Analyse der Spezies Homo Sapiens durch ihre digitalen Tanz- und Bildrituale (vom Andromeda von Alien 47)


    Einleitung:
    Nach intensiver Untersuchung der holografischen Archive von „Instagram“ und „TikTok“, zwei prominenten digitalen Plattformen der Spezies Homo Sapiens, lässt sich feststellen: Diese Wesen sind eine seltsame Mischung aus Selbstdarstellern, Kooperationsfreunden und Ritualtänzern mit starkem Hang zur Gruppenzugehörigkeit. Die Analyse ihrer Aktivitäten zeigt faszinierende Einblicke in ihre sozialen Dynamiken, Statusspiele und kreativen Ausdrucksformen.


    1. Instagram: Das digitale Schaufenster des Egos

    Primärfunktion:
    Instagram dient als visuelles Protokoll des individuellen Lebens. Es scheint weniger um das Teilen von Fakten und mehr um die gezielte Inszenierung zu gehen. Die Plattform ist ein kollektiver Versuch, das „Ideal-Selbst“ zu manifestieren.

    Schlüsselelemente:

    • Selbstdarstellung: Fotos zeigen oft die Menschen in vorteilhaften Posen, umgeben von schönen Landschaften, luxuriösem Essen oder stilisierten Alltagsgegenständen. Filter werden genutzt, um die Realität zu manipulieren. Hier zeigt sich der Wunsch nach sozialer Bestätigung.
    • Symbolik: Der „Sonnenuntergang“ steht für Glück und Romantik, während der „Avocado-Toast“ als Emblem für jugendliche Rebellion und soziale Zugehörigkeit interpretiert werden kann.
    • Status: Die Anzahl der „Likes“ und „Follower“ fungiert als Währung, die den sozialen Rang einer Person definiert. Parallelen zu den Rangordnungssystemen von Primaten sind hier auffallend.

    Humorvoller Vergleich:
    Die Menschen scheinen sich gegenseitig zu sagen: „Seht her, ich bin der Alpha-Affe mit der schönsten Banane!“


    2. TikTok: Die Tanzarena der Synchronisation

    Primärfunktion:
    TikTok ist das anthropologische Paradies für kollektive Koordination. In choreografierten Tänzen und trendbasierten Inhalten zeigt sich ein tiefes Bedürfnis der Menschen nach sozialem Anschluss durch Nachahmung.

    Schlüsselelemente:

    • Imitation: Tänze und Trends verbreiten sich in Lichtgeschwindigkeit. Ein Wesen führt eine Bewegung vor, und Tausende, oft Millionen, replizieren sie. Dies deutet auf eine Art „kulturelle Mimikry“ hin, die evolutionär möglicherweise das Zusammengehörigkeitsgefühl stärkt.
    • Rituale: Viele Tänze wirken wie moderne Paarungsrituale. Hüftbewegungen und ausdrucksstarke Gesten erinnern an Balztänze, wie sie auf unserem Heimatplaneten nur noch in Museen zu sehen sind.
    • Humor: Menschen schätzen Inhalte, die ihren Alltag überspitzen und humorvoll darstellen. Es gibt eine überraschende Freude an Selbstironie, die auf eine bemerkenswerte Resilienz hindeutet.

    Humorvoller Vergleich:
    Wenn Instagram der Stammbaum der Status-Affen ist, dann ist TikTok ihre Disco: eine Mischung aus Bananenwurf und Synchronballett.


    3. Sozialpsychologische Erkenntnisse

    • Bedürfnis nach Anerkennung: Beide Plattformen zeigen, dass Menschen extrem darauf angewiesen sind, gesehen und bestätigt zu werden. Sie tun dies durch Bilder, Tänze und kurze Texte. Dies könnte mit dem evolutionären Vorteil zusammenhängen, in Gruppen akzeptiert zu werden.
    • Kollektive Kreativität: Trotz allem Egoismus gibt es auch beeindruckende kollektive Leistungen. Menschen schaffen „Memes“, koordinieren globale Bewegungen oder improvisieren komplexe Tänze. Dies deutet auf eine Art Schwarmintelligenz hin, die sich jedoch nur sporadisch entfaltet.
    • Ironie: Die Fähigkeit, sich selbst zu parodieren, ist eine faszinierende Eigenschaft. Sie zeigt eine kulturelle Reife, die möglicherweise verhindert, dass ihr Ego-Trip ins Unermessliche wächst. (Wobei die Filter und Likes da eine Herausforderung darstellen.)

    Schlussbemerkung:
    Liebe Kolleg*innen, die Menschheit ist eine faszinierende Spezies, die in ihrem Streben nach Bedeutung und Zugehörigkeit den digitalen Raum in einen Spiegel ihrer Wünsche und Ängste verwandelt hat. Wer sie verstehen will, muss tanzen können – oder zumindest wissen, wie man einen Avocado-Toast in Szene setzt.

  • Feldversuch: Mein Hof und die Suche nach der Zukunft der Landwirtschaft

    Ein Buch von Daniel Etter: Wie schafft man es, Landwirtschaft mit der Natur zu betreiben, nicht gegen sie? Böden lebendig zu halten, Hitze und Dürre zu trotzen, die Artenvielfalt zu schützen und dabei gut zu ernten? Der mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Fotograf und Autor Daniel Etter hat in Nordspanien einen kleinen Hof erworben und sich damit einen Traum erfüllt. Es soll ein Rückzugs- und Energieort für den Reporter sein, der oft in Krisengebieten unterwegs ist. Mit seiner Partnerin und Helfern und Helferinnen pflanzt er Olivenbäume und baut Obst und Gemüse an – nach Methoden der nachhaltigen, regenerativen Landwirtschaft. Auf der Suche nach Vorbildern macht sich Etter auf die Reise zu Menschen, die andernorts mit Alternativen zur industriellen Landwirtschaft experimentieren. In England lässt er sich von einem Pionier die Idee des Waldgartens erklären, er besucht Bäuerinnen und Bauern in Deutschland und Österreich, Schäfer in Frankreich und Viehzüchter im Schwarzwald. Wie ein roter Faden zieht sich daneben die Beschreibung eines Jahreslaufs auf seinem Hof durch das Buch: Pflanz- und Pflegearbeiten, der Kampf mit Klimaerwärmung und Wetterschwankungen, Enttäuschungen und freudige Momente, das Nachdenken über den Weg zu einer besseren Zukunft. Das schön ausgestattete Buch enthält zahlreiche Fotos von Daniel Etter.

    Daniel Etter, Feldversuch
  • Das European Democracy Lab

    ___Das European Democracy Lab e.V. wurde am 14. März 2014 als Antwort auf die in der Bankenkrise zutage getretenen undemokratischen Strukturen der EU gegründet.

    Das European Democracy Lab (EDL) entwickelte damals die Idee der Europäischen Republik, eines dezentralen und demokratischen Europas.

    2018, einhundert Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, haben wir in einer Kunstaktion in 140 Städten mit ca. 25.000 Europäischen Bürgern die Europäische Republik ausgerufen.

    Zäsur

    ___Das ist genau 5 Jahre her!

    Doch inzwischen ist Europa von zwei Kriegen zerfurcht, einem “Krieg gegen ein Virus” und einem Krieg in und um die Ukraine, der Europa, das einstige Friedensprojekt, in seinem Wesenskern zerstört. Freiheit und Frieden sind in Europa wieder in Gefahr!

    ___Wir wollen den europäischen Geist wiederbeleben und die Arbeit an einem politisch geeinten Europa und einer kontinentalen Friedensordnung unter Einschluss Russlands wieder aufnehmen.

    Wir wollen ein Europa, das seine Bürger vor den Nivellierungstendenzen der Globalisierung schützt, statt diese wie die EU voranzutreiben. Angesichts der Tiefe der aktuellen Krise ist es notwendig, grundsätzlich über die Geschichte, Kultur und Zukunft Europas und seinen Platz in der Welt nachzudenken.

    Deswegen nimmt das EDL zu seinem 9. Geburtstag nach 3-jähriger Unterbrechung seine Aktivitäten mit folgender Zielsetzung wieder auf.

    Endspiel Europa - Warum das politische Projekt Europa gescheitert ist - Und wie wir wieder davon träumen können
  • Civic Coding – Innovationsnetz KI für das Gemeinwohl

    Mit der Initiative„Civic Coding – Innovationsnetz KI für das Gemeinwohl“ entwickelt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) vielfältige Maßnahmen, um gemeinwohlorientierte KI-Projekte aus der Zivilgesellschaft entlang des Innovationsprozesses zu unterstützen.  

    Eine dieser Maßnahmen war das Civic Coding-InnovationCamp – ein Wettbewerbsformat zur finanziellen und ideellen Unterstützung von Projekten in der Initialphase. Es fand am 2. und 3. Februar im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) in Berlin statt. Die zwei Teams KI Geisternetze Open Source und SeagrassWatch: Küsten-KI für den Schutz von Seegraswiesen aus Ihrem Verbreitungsgebiet zählten zu den 15 Gewinner*innen und wurde für deren Projektidee im Rahmen der Veranstaltung von den drei Bundesministerien prämiert. Anwesend waren unter anderem Lilian Tschan, Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), und Dr. Christiane Rohleder, Staatssekretärin im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) sowie Abteilungsleiterin Ana Dujić (BMAS), welche die Preisverleihung im Namen der drei Ministerien begleitete. 

    Für die (Weiter)Entwicklung ihrer gemeinwohlorientierten KI-Idee hin zu einer konkreten Anwendung erhält das Team nun eine finanzielle Unterstützung von bis zu 30.000 € sowie eine ideelle Unterstützung in Form eines viermonatigen Begleitprogramms mit Coaching und Beratung. Bis zur Abschlussveranstaltung im Juni 2024 soll mit dieser Unterstützung ein funktionsfähiger Prototyp entwickelt werden.  

    Weitere Informationen zur Veranstaltung und zur Initiative Civic Coding finden Sie auf unserem Webportal unter: https://www.civic-coding.de/. Wir stehen Ihnen jederzeit für Rückfragen zur Verfügung.  

    Projektleitung – Gabriele Dederer – Projektleiterin – Geisternetze – Meeresbiologin, Referentin World Wide Fund for Nature (WWF)

    Projektleitung – Finn Viehberg – Projektleiter – SeagrassWatch – Privatdozent Universität Greifswald

  • Der frühe Geist in der wilden Phase des ursprünglichen Internet

    Sozio-technische Entwicklungen — Erwartungen an den Cyberspace — Der Geist des Internets — Bionische Engel — Teilhabe an Gewinnen geschöpfter Energie — Blockchain — Open Data /Open Access — MOOCs – Maker Faires

    Der frühe Geist

    Ja, der frühe Geist in der wilden Phase des ursprünglichen Internet wird assoziert mit einem kooperativen sozialen Raum, einer Tauschökonomie für Software und Information, einer graswuzelbasierten Selbstorganisation sich entwickelnder Communitys und einem Hackergeist, der jede Beschränkung des Zugangs und des freien Informationsflusses zu umgehen weiß.

    In den 1980ern filmte ich mit großen Video-Umatic Systemen meine Umwelt. Brecht´s Radiotheorie bekam eine Praxis. Jeder konnte jetzt filmen und über eingerichtete „Offene Kanäle“ mit festen Sendeplätzen seine Projekte im Bürgerfernsehen publizieren. Als dann das Usenet, die Mailboxen, die Bulletin Board Systeme hinzu kamen, versprach all dies einen emanzipatorischen Fortschritt in der Kommunikations- und Machtstruktur jener Zeit. Man
    träumte von einer horizontalen und nicht vertikalen Demokratie. Dies alles beförderte eine Euphorie in den 1990ern, die jeden zur Mitarbeit für eine gerechtere Welt aufrief. Der gesellschaftspolitische Alltag zog in das Internet.
    Es war dann ein Buch von Gundolf S. Freyermuth: „Cyberland aus dem Jahre 1996“, welches mich in die digitale Welt hineinzog. Freyermuth beschrieb eine typisch kalifornisch utopische Energie, einen Willen, sich selbst und das eigene Leben neu zu erfinden. Und das Kommunikations-Werkzeug hierfür sollte nach den Drogenerfahrungen und einhergehenden Bewußtseinserfahrungen der
    Hippies, nun das Internet werden. Über Jahrhunderte zog die „Neue Welt“ die Menschen an, weil sie dem Einzelnen und unterdrückten Minderheiten sowie politischen Utopisten und religiösen Sekten einen Neuanfang bot. Hier war die Sehnsucht nach Veränderung und Abenteuer stärker als der ängstliche Wunsch
    nach Erhalt des Erreichten. Und hier bereiteten die zahlreichen Subkulturen und avantgardistische High-Tech-Pioniere die Eroberung des Cyberspace vor. Es kursierten Begriffe wie Gehirnhacking, Körperhacking, Bionische Engel, Cyborgs, Cyberpunks. Heute wird gehackt, was nicht bei 4 auf den Bäumen ist. Gehackt werden soll die Denkfähigkeit durch Gehirn-Upgrades und Vernetzung (Brain Hack). Gehackt werden sollen die Sinne (Sensory Hack), indem das Vorhandene gesteigert oder modifiziert wird – besser sehen, hören, riechen sowie Ohren und Nasen, die sich schließen lassen – oder, indem ganz neue Wahrnehmungsbereiche eröffnet werden: Sinne für andere Frequenzen, Schallwellen, Radar oder Radiaktivität. Diese Utopie des Cyberland, damals quasi gedacht als eine Parallelwelt zu unserer vorhandenen Welt, war noch nicht im Focus ökonomischer Prioritäten. Die Grabber AOL, Facebook usw. gab es
    noch nicht. Man befand sich im Wildwest der sozio-technischen Evolution und in Deutschland war man mit seiner geschulten Medienkritik recht gut positioniert gegenüber den Denkstrukturen des Silicon Valley. Es waren zu jener Zeit Organisationen aus Kunst und Kultur, die an der Programmierung von
    Webportalen gearbeitet haben. Interessant sind hier z.B. „De Digitale Stad Amsterdam“ aus dem Jahre 1994. Die DDS wurde von einem Kulturzentrum und einem Hackerkollektiv ins Leben gerufen. Der Grund für die Initiative waren grade stattfindende Kommunalwahlen in Amsterdam und man erhoffte sich über die neuen Informationssysteme einen regen Diskussions-Austausch aller
    Beteiligten. Ein anderes interessantes Projekt war „Die internationale Stadt“, gegründet von einer Berliner Kunstinitiative aus dem Jahre 1995.

    Und, wo liegt nun der Geist des Fortschritts, die Idee des Mensch-Seins und des Sharing? Wie können wir Menschen die neuen Technologien nicht einzeln und egoistisch als Gadgets nutzen, sondern in Gesellschaft an den neuen Möglichkeiten partizipieren?

    Heute möchten datengetriebene Technologiemodelle uns „The paradise of human beeings“ bescheren. Mittlerweile weiß aber wohl jeder, auch ohne Gadget Messung, daß es zu viele Emmissionen von zu vielen Dreckschleudern gibt. Die CO2 Mess Spots erfüllen nur noch, -ja welche Zwecke eigentlich?
    Blockchain / Dokumentation von Geld und Besitz. Monetariesirungsmodelle über Emmissionszertifikate oder Klagemodelle wie z.B der Deutschen Umwelthilfe.

    Vor Jahren haben wir im Argos-Salon schon einmal über „das Geschäftsmodell der Banken“ und das digitale Geld anhand des Bitcoin, einer Kryptowährung, gesprochen. Zur Zeit hat dieses Thema wieder Hochkonjunktur. Der Code des Bitcoin basiert auf der sogenannten „Block Chain“. Mit dieser Technologie wird bei jedem Besitzerwechsel dem transferierten Geld ein neuer Codeschnipsel
    angehängt (von daher der Begriff Block) um eben diesen Artikel zu referenzieren und einwandfrei bisher stattgefundene Besitzerwechsel zu dokumentieren. Dieser Code wird dezentral auf verschiedenen Servern gespeichert. Der eigentlich umwerfende Aspekt ist hier zum einen, daß man den angehängten Code nur bis zu 24 Millionen Bitcoins realisieren kann, die Geldmenge wäre dann
    also gedeckelt. Der andere interessante Aspekt der Nutzung der „Block Chain Technologie“ ist die mögliche Verwaltung der Eigentumsnachweise und Dokumentantion von Besitzerwechseln wie bei Hausbesitz, Urkundenbesitz, Testamente, Patentverzeichnisse usw. usf. Die Speicherung der „Block
    Chain“ Daten läuft dezentral. Jede zentrale Speicherung von Daten, wie sie z.B. Banken über das Geld und die Kunden ausüben, wäre dann obsolet. Die Banken wissen das mittlerweile auch und arbeiten in einem Konsortium an eigenen digitalen Währungen und sammeln und kaufen hierfür fleißig Patente.

    Opendata und Open Access

    Auf http://www.daten.berlin.de/ werden auf einer Karte Obstbäume, welche der Allmende zuzurechnen sind und die von daher von jedem beerntet werden können, verzeichnet. In Berlin gibt es schon einige wenige Opendata Applikationen unter http://www.daten.berlin.de zu sehen. Open Data legt einfach die API’s / Schnittstellen offen, so daß jeder bereits erstellte
    Datenbanken benutzen kann. Ein Beispiel wäre hier die Visualisierung der Verbrauchsdaten derBerliner Bezirke von Strom. Hier kann man einen Bezirk, z.B. Berlin Mitte aufrufen und sieht dann die Daten für z.B. Erzeugte Energie, Verbrauch absolut, Einwohnerzahl, Verbrauch pro Einwohner usw.
    In Wien entwickelt man das Open Access Network Austria (OANA). Diese schreibt: „Wissenschaft ist ein öffentliches Gut, das erst durch Teilen und Weiterverwendung nutzbar wird. Da die digitale Revolution es ermöglicht, viele Informationen von jedem Ort und jeder Zeit zugänglich zu machen,
    ist es das Ziel von Open Access, alle wissenschaftlichen Publikationen frei im Internet zur Verfügung zu stellen. Hierfür gibt es auch eine Agenda. Auch die European Research Area (ERA) oder die Max-Planck-Gesellschaft entwickeln hierzu Roadmaps. Wenn man über Open Data spricht, muß man über die Diskrepanz von freien Zugängen zu Datenbanken mittels freier API’s und über die alten Geschäftsmodelle, Wissen und Erfindungen geheim zu halten, sprechen. Große Konzerne, z.B. die aus der Pharmaindustrie, haben durch z.B. in Deutschland geeignete Rechtsmodelle, Erfindungen, die oft über die staatlichen Universitäten erarbeitet wurden, über lange Zeit zu monetarisieren gewußt. Länder wie Indien konnten das über Druck teilweise reduzieren,
    Länder wie Deutschland befinden sich in der Falle. Zumal mittlerweile auch einzelne Pharma Konzerne öffentlich zugeben, daß Forschung und Entwicklung nicht mehr in ihren Bereich gehören, sondern das diese outgesourct werden müssen. Hier sollten generell einige neue Fragen gestellt werden.

    Heute, im digitalen Zeitalter werden all diese Problematiken wieder neu besprochen. Man fragt sich, ob das Geschäftsmodell wissenschaftlicher Verlage noch zeitgemäß ist? Die OANA ( Open Access Network Austria) in Österreich möchte bis 2025 die gesamte wissenschaftliche Publikationstätigkeit auf Open Access umstellen. Das bedeutet, daß alle wissenschaftlichen Publikationen, die aus Unterstützungen mit öffentlichen Mitteln hervorgegangen sind, ohne Zeitverzögerung und in der finalen Version im Internet frei zugänglich sind. Die
    notwendigen Mittel werden den AutorInnen zur Verfügung gestellt, – oder die Kosten der Publikationsorgane werden direkt von den Wissenschaftsorganisationen getragen. Österreicher erhalten erstmals ein grundsätzliches Recht darauf, mit Steuergeldern finanzierte
    Dokumente für eigene Zwecke zu gebrauchen. Im Juli 2015 trat eine Nouvelle des Informationsweiterverwendungsgesetzes in Kraft, das die Nutzung von Dokumenten regelt, die sich im Besitz öffentlicher Stellen befinden.


    Bildung und MOOCs

    Wie der Erziehungswissenschaftler Sugata Mitra 2013 einmal über die Geschichte der Lernmethodeen referierte, beschrieb er einmal die zu Zeiten des britischen Empire ausgeübten schulischen Ziele: eine gute Handschrift, weil alle Daten mit der Hand geschrieben wurden, sie mußten lesen können, und sie mußten in der Lage sein, im Kopf zu multiplizieren, zu dividieren, zu
    addieren und zu subtrahieren. Es wurde für den globalen bürokratischen Verwaltungsapparat ein Schule benötigt, um einen globalen Computer aus Menschen zu schaffen.

    Heute gibt es MOOCs (Massive Online Open Courses) – offene Online-Kurse für alle. Hier können die besten aller Lehrer ihre Lehre betreiben und in Schulen können hierzu dann die Besprechungen und Hausaufgaben ablaufen. So hatte das berühmte MIT (Massachussets Institute of Technology) einmal einen Kurs mit Prüfung weltweit online gestellt, und die 400 besten Teilnehmer waren dann gar nicht mehr vom MIT selbst, sondern es waren Menschen die online dazu gestoßen waren.

    Maker Faires


    Hacker-, DIY- (Do It Yourself) und Maker-Kulturen sind in den Mainstream eingegangen. Ihre Formate und Methoden gelten mittlerweile als “moderne” Aspekte vieler Politik-, Kultur- und Bildungsprogramme. Dieser Umbruch zeigt sich auch im Wiederaufleben von Craft-Kulturen und im Aufkommen neuer Formen kritischen und aktivistischen Designs als mögliche Gegenpole. All diese Praktiken haben jedoch nie isoliert existiert: Eingebettet in größere soziokulturelle, ökonomische und politische Kontexte haben sich Hacker-, DIY- und Maker-Kulturen schon immer gegen vorherrschende Narrative des Marktes positioniert.

    Transmediale 2016 und Kunsprojekt Autonomy Cube


    Hier noch ein Anmerkung zur Transmediale, dem Mediumkunst-Festival im Haus der Kulturen der Welt. Hier heißt es: Angesichts zahlreicher Probleme und globaler Krisen müssen wir uns fragen, wie eine Gesprächskultur im digitalen Zeitalter aussehen kann? Im internationalenWettbeweb zwischen Staaten, Unternehmen, Netzwerken und Individuen werden wichtige globale Angelegenheiten auf Worthülsen reduziert. Die Macher der Transmediale sagen: wir sprechen von Flüchtlingskrise, Finanzkrise, Klimawandel, Big Data, dabei ist längst nicht klar, worüber wir reden. Wie tauscht man in einer global vernetzten Medienwelt Argumente und Ansichten über komplexe Sachverhalte aus? In Zeiten sich überlagernder Krisen möchten viele Menschen aktiv werden. Aber wie? Die Ambivalenz zwischen Tatendrang und Resignation bildete den inhaltlichen Nährboden der Transmediale 2016. „Anxious to Act, Anxious to Make, Anxious to Share, Anxious to Secure“ (bestrebt zu handeln, bestrebt zu kreiren, bestrebt zu teilen, bestrebt zu sichern), so formulierten es die Veranstalter. Der Drang zu handeln und zu teilen ist groß, gleichzeitig wissen
    wir nicht, wie wir es richtig machen können, ohne etwa Großkonzernen in die Hände zu spielen. Zum Abschluss noch eine Bemerkung zum „Autonomy Cube“ Projekt von Tevor Paglen und Jakob Appelbaum. Sie bauten einen transparenten Cube mit 4 Rechnern und einem offenen Wifi-Hotspot. Implementiert wurde die Software TOR, welche eine Anonymisierung von Daten ermöglicht. Diese
    Skulptur wurde in Oldenburg 4 Monate im Edith-Russ-Haus ausgestellt und konnte auch praktisch als Einwahlknoten voll benutzt werden.


    Auswirkungen des Internet in den USA versus EUROPA

    Steven Hills, ein Fellower der American Academy in Berlin untersuchte die Auswirkungen der Share Ökonomie. Ich selbst war damals begeistert von den ersten Mitfahrzentralen, war fasziniert davon, einfache materielle Dinge zu teilen. Und heute? Steven Hills beobachtet die Unternehmen, die meist nur eine Webseite und ein paar Apps haben und mit ihrem Mischmodell aus Technologie à la Silicon Valley und der Gier à la Wall Street ihre lukrativen Unternehmen aufgebaut haben. Dies sind Unternehmen wie „Uber“, „Upwork“ und
    „Task Rabbit“. Hier wird vorgegeben, daß jeder Mensch ein selbständiger Unternehmer, ein Geschäftsführer, ein Selbstständiger werden kann. Was früher von Unternehmen an Arbeit einfach in Billig Lohn Länder outgesourct wurde, wird heute mit Schein-Selbständigen im eigenen Land zum Billig-Lohn Tarif praktiziert. Und dieser Steven Hill möchte in seiner Studie den prekären
    Zustand von ¾ der Amerikaner, die mittlerweile sich nur noch in ihren Jobs von Gehaltsabrechnung zu Gehaltsabrechnung durchhangeln, vergleichen mit den Auswüchsen einer Sharing Ökonomy in einem Wohlfahrtsstaat mit einflussreicheren Gewerkschaften und stärkerer staatlicher Regulierung.
    Können wir Wohlstand erhalten, wenn unsere Wirtschaftssystem auf einseitigen Arbeitgeber- und Arbeitnehmer Beziehungen basieren? Oder erfordert Wohlstand mehr Mitbestimmung zwischen den Akteuren?

    Die Versicherung Generali


    Der Versicherer plant das Sammeln von Gesundheitsdaten per App. Die Generali-Gruppe steigt ins Telemonitoring ein und kooperiert dazu mit dem südafrikanischen Versicherer Discovery. Die Südafrikaner haben das Gesundheitsprogramm Vitality entwickelt. Kunden, die auf Fitness, Lebensstil und Ernährung achten, werden mit Gutscheinen, Geschenken und Rabatten belohnt. Die,Daten werden mittels App an den Versicherer übermittelt. So sollen beispielsweise Vorsorgetermine dokumentiert, Schritte gezählt und sportliche Aktivitäten gemessen werden. Generali selbst beschreibt Vitality so: Mit Generali Vitality bieten wir zukünftig eine Produktoption für die stetig wachsende Gruppe gesundheitsorientierter Menschen an. Die Vitality-Produkte unterstützen die Kunden auf für sie nachvollziehbare Weise dabei ein gesünderes Leben zu führen. Von der Idee her vergleichbar mit den Bonussystemen von Krankenkassen wird eine gesunde Lebensweise gefördert und belohnt, indem der Kunde beispielsweise Vergünstigungen (bei der Mitgliedschaft im Fitnessstudio, beim Kauf von Sportausrüstungen und gesunden Lebensmittel)
    oder Bonuspunkte erhält. Innovativ ist an dem Modell, dass es ganzheitlich ist, d.h. vom Gesundheits-Check über die Vergünstigungen bis zu Bonuspunkten geht und dass dabei auch digitale Anwendungen zum Tragen kommen, die eine intuitive und für den Versicherten einfache Nutzung ermöglichen. Kunden erhalten Prämiennachlässe. In der ersten Stufe erhalten Versicherte die genannten Vergünstigungen, in einer zweiten Stufe sollen auch Prämiennachlasse beim Versicherungsschutz möglich sein. Damit ist Generali der erste große Versicherer, der Ernst macht mit „Big Data“. Nach Medienberichten sollen auch Allianz, Axa und weitere an ähnlichen Projekten arbeiten. Vorreiter dieser Entwicklung ist der US-amerikanische
    Krankenversicherer United Healthcare. Dort erhalten Versicherte nach entsprechendem Nachweis schon seit Jahren Preisnachlässe. „In Europa werden die Produkte zunächst in Deutschland, Frankreich und Österreich erhältlich sein und die Märkte dann sukzessive ausgeweitet. Weltweit ist der Kooperationspartner bereits in vielen Ländern aktiv, darunter Südafrika, USA, China, England, Australien und Südostasien“, sagt Generali-Unternehmenssprecherin Silvia Lorger-Michel. Hierzulande erntet das Vorhaben deutliche Kritik. Verbraucherschützer wie Peter Grieble von der
    Verbraucherzentralen Baden-Württemberg verweisen auf das Manko hinsichtlich Datenschutz. Der Kunde wisse gar nicht, wie seine Daten im Konzern verarbeitet werden und wer Zugriff darauf habe. Einige Kommentatoren in Publikumsmedien mokieren zudem, dass so das Prinzip der Versicherung ad adsurdum geführt werde. Denn es werden nicht mehr verschiedene Risiken zwischen vielen Kunden und über die Zeit ausgeglichen, sondern die Versicherer versuchen so die „guten“ Risiken für sich zu gewinnen und der Konkurrenz die „schlechten“ Risiken überzuhelfen. Ein Trend, der bei genauerer Betrachtung wahrlich nicht neu erscheint. Felix Hufeld, oberster Versichungsaufseher bei der BaFin, sagte in der Süddeutschen Zeitung: „Wenn wir den Gedanken zu Ende denken, kann das letztlich zu einer Atomisierung des Kollektivs führen.“ Und auch
    Schriftstellerin Juli Zeh schaltet sich in die Debatte ein: „Wir werden manipulierbar und unfrei“. Sie sieht totalitäre Strukturen im Gewand von Serviceangeboten. Von Zeh ist der Roman „Corpus Delicti“, der vor der Problematik einer Gesundheitsdiktatur in naher Zukunft warnt.
    Anhang von Gert Lovink http://thing.desk.nl/bilwet/Geert/Aufsaetze/dds.txt

    *1. Was ist eine ‘digitale Stadt’?


    Digitale Staedte oder ‘Freenets’ sind frei zugängliche, kostenlose Informationssysteme innerhalb des Internets. Es handelt sich dabei um eine
    lokale Sammlung ‘virtueller Gemeinschaften’ (Rheingold), wobei das gemeinsameInteresse die geografische Lage und die Muttersprache ist. Seit Januar 1994 gibt es in Amsterdam eine solche digitale Stadt. Sie wurde von “De Balie” gegruendet, einem Zentrum fuer Politik, Theater und Kultur, sowie der
    “Hacktic”-Gruppe (Computerhacker, die den ‘XS4all’ Internetserver betreiben).
    Das Ziel war anfaenglich, ein Experiment durchzufuehren, welches das Verhältnis zwischen den Buergern und dem Bereich der Politik im elektronischen Zeitalter untersucht. Anlass waren die Wahlen des Gemeinderats. Bald ging die
    Entwicklung dahin, die Diskussion über die Planung der ‘Datenautobahn’ in
    Holland voranzubringen. Für viele war ‘dds’ die erste Bekanntschaft mit dem Internet. Das System brach aufgrund des grossen Zuspruchs bald zusammen. Mittlerweile hat dds-Amsterdam 20.000 ‘Bewohner’ und bis zu 4000 log-ins pro Tag. Seit Oktober 1994 laeuft das System ueber das World Wide Web und die Bewohner haben die Moeglichkeit, eigene Homepages zu gestalten. Die Version 3.0 (Juni 1995) legt noch mehr Wert auf die individuelle Positionierung der einzelnen Benutzer, um das wachsende System weiter zu differenzieren. Im folgenden Text werden eine Anzahl von Alternativen und Dilemmas dargestellt, um so, ohne Einfuehrung, gleich einen Eindruck davon zu geben, welche Fragen sich bei der Planung öffentlicher Netzsysteme ergeben. Kein elektronisches Kaufhaus, sondern Public Domain. Die digitale Stadt ist kein in sich geschlossenes Einkaufszentrum oder Ladenpassage. Sie ist ein öffentlicher Raum, der zwar Zugang zu kommerziellenSystemen oder Diensten ermoeglicht, selbst jedoch keine Waren aufnötigt oder Mautgebuehren an den Zugangspforten erhebt. So wie es nichts kostet, auf der Strasse zu laufen, muss auch der Zugang zur Digitalen Stadt frei sein. Es herrscht das Recht der freien Meinungsaeusserung. Man kann sich ueber die ‘Strasse’ in ein anderes System einloggen, in dem man für Information bezahlen muss, aber der öffentliche Raum im Netz hat damit nichts zu tun. Wenn dieser grundlegende Unterschied zwischen oeffentlichem Raum und Privatheit nicht gemacht werden kann, gibt es keine Existenzberechtigung mehr fuer eine digitale Stadt und sie wird ein Computernetzwerk wie alle anderen. Eine digitale Stadt kann zwar ‘Verkaufsraum’ vermieten, darf aber nicht darauf reduziert werden. Kommerzielle Systeme dagegen werden sich von Natur aus nicht mit dem Problem befassen, ob sie ein ‘Aussen’ haben. Sie werden höchstens Werbung für andere machen, indem sie ihnen die Möglichkeit geben, eine Anzeige zu plazieren. Laut Joost Flint, zusammen mit Marleen Stikker einer der Koordinatoren, ist die Digitale Stadt sowohl eine Antwort auf die drohende Kommerzialisierung des Netzes, als auch ein Trendsetter. “dds” schafft keinen Markt. In dieser Hinsicht sind wir Hippietouristen, die ein Fernes Land kennenlernen. Ich hoffe, dass Die Digitale Stadt ein Raum für nicht-kommerzielle Information bleibt, mit Gratiszugang und Moeglichkeiten, die man in kommerziellen Systemen nicht hat. Es ist angenehm für Menschen, zu wissen, dass sie nicht ‘gemonitort’ werden. Jeder Schritt, den man in einem anderen Internetsystem tut, wird registriert. Die Information wird an eine Direkt-Marketing-Agentur verkauft. Privacy wird ab einem bestimmten Zeitpunkt ein Thema werden.


    *2. Die digitale Stadt ist eine Metapher


    Rob van der Haar ist einer der Designer des Interface fuer Die Digitale Stadt
    3.0. In einem Vortrag mit dem Thema ‘Die Stadt als Metapher’ führt er aus:
    “Warum sollte man einer elektronischen Umgebung den Namen ‘digitale Stadt’
    geben? Zunaechst einmal, weil er als Metapher dienen kann, er erklärt
    unbekannte Dinge anhand von bekannten. Das Verhalten der elektronischen Stadt wird daher mehr oder weniger an das Bild (mentales Modell) anschliessen
    muessen, das die Zielgruppe von einer wirklichen Stadt hat. Das bedeutet nicht
    automatisch, dass eine digitale Stadt eine exakte Kopie einer wirklichen Stadt
    werden muss. Im Gegenteil, Phantasiestaedte wie Disneyland und symbolische
    Staedte wie ‘The Legible City’ des Kuenstlers Jeffrey Shaw sprechen die
    Phantasie viel mehr an. In manchen Punkten darf eine digitale Stadt durchaus
    vom Erwartungsmuster des Benutzers abweichen, gerade Ueberraschungen und
    Entdeckungen laden ein, die Stadt oefter zu besuchen.”
    Ein Teil des Erfolgs der Digitalen Stadt ist sicher ihrem Namen zu verdanken.
    Die Stadtmetapher foerdert nicht nur die Wiedererkennbarkeit, es ist vor allem
    eine produktive Formel, welche sowohl die Phantasie der Macher, als auch der
    Benutzer reizt. Die ‘Stadt’ zieht Ideen an und provoziert dazu, wilde Plaene
    zu schmieden. Diese Metapher erlaubt sowohl die Arbeit an einem strikten,
    uebersichtlichen Plan, in dem Funktionalitaet und Benutzerfreundlichkeit
    dominieren, als auch an einem Labyrinth von Gassen und kleinen Strassen, in
    denen sich dunkle, illegale, abenteuerliche Dinge abspielen. Eine Stadt kann
    so reich (und so arm) sein wie das Leben. Ausschlussmechanismen koennen
    aufgrund der zielbewussten Komplexitaet der Struktur nicht effektiv
    durchgefuehrt werden. Die Unuebersichtlichkeit schuetzt die Bewohner gegen die destruktiven Seiten der Transparenz und der Allgegenwaertigkeit. In der
    Computerterminologie bedeutet das, dass der kuehle, kalte High-Tech durch
    menschliche Exzesse und nichtvorgesehene Abweichungen gemildert wird. Neben dem Rathaus muessen auch der Sexshop und der Koffieshop ihre Annehmlichkeiten anbieten koennen. Man kann in die Schule gehen, aber auch schwaenzen. Die Digitale Stadt muss nicht per se sauber und gesund zu sein. Es muss auch anonyme Plätze geben. Das System wird staendig umgebaut, mit lästigen Baustellen und aufgebrochenen Strassen. In der Literaturkritik ist die
    Metapher ein vertrautes Problem. Es ist an der Literaturwissenschaft, dieses
    Wissen in den Cyberspace zu verpflanzen und den Metaphergebrauch innerhalb
    von Systemen wie Die Digitale Stadt einer kritischen Untersuchung zu unterziehen. Die Stadtmetapher erscheint im Cyberspace zu einem Zeitpunkt, in
    dem es mit der Stadt Amsterdam als Verwaltungseinheit endgueltig vorbei ist,
    und die Stadt sich in der Region (“ROA”) aufloest. Selbst in der reaktionaeren
    Vorstellung des Stadtstaates sehen wir, dass die Stadt sich als eine
    verdichtete Infrastruktur redefiniert, zu der auch die weitentfernten
    Aussenbezirke, Flughaefen, Industriegebiete, edge cities, Autobahnen,
    Handelszentren und Randgemeinden gerechnet werden. Die frühere Stadt dagegen hatte eine deutliche Grenze (und Identitaet). Die digitale Stadt kann nun als zurückgekehrte Metapher einen gewissen Schutz gegen die hochaufloesende Fähigkeit der neuen Technologien bieten. Sie hat neben utopischen auch nostalgische Züge. Sie will den vergangenen Glanz der Stadt wieder zum Leben erwecken, nicht indem man gebaute Umgebung mit postmodernen Fassaden versieht oder die Bewachung verstärkt, sondern indem man die Künstlichkeit konsequentnausbaut: digitaler Konstruktivismus.
    http://thing.desk.nl/bilwet/Geert/Aufsaetze/dds.txt
    http://www.digitalcraft.org/?artikel_id=249
    http://www.digitalcraft.org/dateien/358_0730164807.pdf

    [Vortrag von Klaus Kampe im Argos Salon]

  • Neue Mitarbeiter aus dem digitalen Raum

    Radio Stralsund hat eine neue ausgezeichnete Mitarbeiterin gefunden!

  • Yes, “Zuhören” ist eine Kunst

    In der Hörspielserie “Yes” von Radio Stralsund, immer Sonntag um 11:00 Uhr, läuft zur Zeit der Klassiker “Solaris” von Stanislaw Lem.

    Stanislaw Lem wurde in seiner Zeit als Science-Fiction Autor eingeordnet. Inhalte wie Kybernetik, Literaturtheorie und Futurologie sind seine Domaine.

    Er ist Mitglied der Berliner Akademie der Künste 2004 und Ehrendoktor der Universität Bielefeld (Dr. rer. nat. h.c.) 2003.

    Er erhielt die Ehrendoktortitel der Universitäten Oppeln und Krakau sowie der Staatlichen Medizinischen Universität Lemberg 1998.