ICH WERDE IN EINEN TOTALITÄREN ZEITGEIST GEZOGEN – UND ES RAUBT MIR DEN ATEM
Ich habe früher gedacht, Totalitarismus sieht aus wie in Geschichtsbüchern.
Uniformen. Paraden. Panzer und Gewalt.
Heute weiß ich: Er sieht anders aus:
Es ist ein moralischer Totalitarismus, der sich als Tugend verkauft – als Schutz vor Hass, als Klimarettung, als soziale Gerechtigkeit.
Wie er funktioniert?
Nicht plötzlich. Sondern Schritt für Schritt.
Unsere Freiheit verschwindet nicht mit einem Knall.
Sie wird Stück für Stück reduziert. Immer mit einer guten Begründung.
Während Corona wurden uns Freiheiten „zum Schutz“ genommen – und kaum jemand hat widersprochen, weil alles angeblich nur vorübergehend war.
Genau dort habe ich verstanden, wie schnell Kontrolle zur Normalität wird.
Seitdem hat sich dieser Prozess beschleunigt.
Digitale Überwachung „für die Gesundheit“.
Kontrolle „zum Schutz der Jugendlichen“.
Kritik wird als „Hass“ oder „Desinformation“ gekennzeichnet.
Und immer schneller wird man, als „Feind der Demokratie“ gebrandmarkt.
Ein Blick zurück zeigt, wie radikal sich das Sagbare verschoben hat:
Der ehemalige Kanzler Helmut Kohl meinte 1982: „Über die nächsten vier Jahre werde es notwendig sein, die Zahl der Türken um 50 Prozent zu reduzieren.“
Heute würde er dafür politisch vernichtet.
Helmut Schmidt sagte 1981: „Es war ein Fehler, so viele Ausländer ins Land zu holen.“
Damals war das breiter Konsens. Heute wäre das „rassistisch“ und „rechtsradikal“.
Alice Schwarzer, war in den 80ern Ikone der linken Bewegung. Heute protestieren die Linken gegen sie, weil sie es wagt zu sagen, ein Mann könne keine Frau sein.
Hat sie sich verändert?
Oder hat sich das System so weit verschoben, dass frühere Linke heute als „rechts“ gelten?
Wir bewegen uns in Richtung eines Staatssozialismus:
Mehr Steuern. Mehr Regulierung. Mehr staatliche Kontrolle über Wohnen, Energie, Mobilität und Konsum – verpackt als soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz.
Viele junge Menschen, die das fordern, verstehen nicht, was solche Systeme historisch bedeutet haben: weniger Freiheit, Angst und Kontrolle, mehr Macht für kleine Eliten.
Warum wirkt das trotzdem so verlockend?
Viele junge Menschen sind überfordert.
Explodierende Mieten. Unsichere Jobs.
Gleichzeitig sehen sie auf Social Media unvorstellbaren Reichtum.
Der Wunsch nach Umverteilung fühlt sich dann logisch an.
Aber der Staat, der alles regelt, verteilt am Ende vor allem Kontrolle.
Und Kontrolle sehe ich überall:
Ich sehe immer mehr Menschen, die zögern, bevor sie sprechen. Die sich selbst zensieren.
Ich selbst prüfe jeden Post mehrfach.
Auch ich spüre diesen Druck.
Die höchsten Regierungsvertreter erklären öffentlich, dass man mit bestimmten Menschen nicht mehr sprechen dürfte.
Ich sehe, wohin das führt – und es raubt mir den Atem.
Denn die wirksamste Energie hinter sozialistischen Bewegungen war historisch immer dieselbe: Armut und ein klar definierter Klassenfeind.
Armut erzeugt Wut, der Feind gibt dieser Wut eine Richtung.
Früher hieß er „Kapitalist“. Heute heißt er „Feind der Demokratie“.
Alles, was nicht ins dominante Narrativ passt – ob Gender-Skepsis oder Migrationszweifel –, wird in diese Kategorie geschoben.
Plötzlich ist abweichende Meinung keine Meinung mehr, sondern eine Bedrohung. Und Bedrohungen rechtfertigen alles: Zensur, Meldestellen, Hausdurchsuchungen um 7 Uhr morgens, Bußgelder, Jobverlust, Denunziationsportale.
Genau das ist der Punkt, an dem moralischer Druck in autoritäre Kontrolle umschlägt.
Geschichte zeigt, wohin das führen kann. Am Anfang steht nie Gewalt. Am Anfang steht immer soziale Ächtung. Menschen verlieren ihre Stimme, ihre Arbeit, ihre Reputation. In der DDR endete Kritik in Bautzen.
Heute sind wir noch nicht dort. Noch nicht.
Aber wir sehen erste Muster: Hausdurchsuchungen wegen Meinungsdelikten, Denunziationsplattformen, öffentlicher Druck auf Arbeitgeber. Viele halten das für Einzelfälle.
Doch genauso beginnt jeder autoritäre Prozess – mit kleinen Schritten, die sich normal anfühlen.
Ich schreibe das nicht aus Hass. Ich schreibe es aus Sorge.
Denn ich glaube an Freiheit. An offene Debatten. An die Fähigkeit einer Gesellschaft, Spannungen auszuhalten, ohne Andersdenkende zu vernichten.
Und vielleicht ist das der wichtigste Punkt: Totalitarismus beginnt nicht mit bösen Menschen. Er beginnt mit guten Menschen, die überzeugt sind, das Richtige zu tun.
Ich frage mich, wie viele Jahre der Freiheit wir noch haben?
Ismael Joas
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