Die Hansestadt Stralsund lässt eine der ältesten Adventstraditionen in Norddeutschland wieder aufleben. Im Mittelalter war der Heilige Nikolaus Schutzpatron der Seefahrer und Händler und so auch Schutzpatron der Hanse. Bereits 1512 wurde ihm zu Ehren in Stralsund ein Nikolai-Markt im Advent abgehalten. Damit hat unsere Hansestadt den nachweislich ältesten Weihnachtsmarkt an der Ostsee. Das Originaldokument dazu wird im Stadtarchiv aufbewahrt. Ein mittelalterlicher Brauch in mittelalterlichem Ambiente Am dritten Adventswochenende – 14. und 15. Dezember – wird die Stralsunder Stadtwache vom Stralsunder Traditionsverein im Johanniskloster diese Tradition wiederaufleben lassen. „In diesem ersten Jahr wollen wir im kleinen Rahmen mit ein paar gemütlichen Ständen beginnen“, so Birger Kuhls von der Stadtwache. „Wir hoffen aber, dass sich dieser Markt in den kommenden Jahren zu einer beliebten Familienattraktion in der Hansestadt entwickelt.“ Besucherinnen und Besucher erleben Walking-Acts der Stadtwache, Weihnachtsliedersingen zur Laute, jeweils um 15 Uhr eine lebendige Krippe und – vielleicht gibt sich auch der Heilige Sankt Nikolaus selbst die Ehre. Auch für das Kulinarische ist gesorgt.
“Mittelalterliche Händler können sich noch spontan melden und wir freuen uns über alle, die in passendem Gewand erscheinen“, schaut Frederik Burghardt von der Stadtwache Stralsund auf die Neuauflage der Tradition von 1512 voraus. Johanniskloster künftig für die Öffentlichkeit zugänglich Machbar wird das Ganze durch die schrittweise Öffnung des Klosters im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten. Seit 2012 war es aus baulichen Gründen geschlossen. Bereits jetzt finden Führungen über das über 800-jährige Areal statt, ab 2025 zeigt sich der Rosengarten Dank bürgerschaftlichen Engagements in neuer Pracht, die Chorruine wird ab nächstem Sommer im wahrsten Sinne des Wortes wieder bespielt.
Jetzt erst einmal öffnet sich das Tor zum Johanniskloster an der Külpstraße am 14. und 15. Dezember für den Nikolai-Markt. So bietet der Stralsunder Weihnachtsmarkt an diesem Wochenende sogar einen vierten Standort speziell für Mittelalterfans und Familien.
Bei der Gelegenheit kann auch gleich besichtigt werden, mit welchen technischen Mitteln es gelungen ist, die Kirchenschiffwand zur Külpstraße zu stabilisieren. Bis auf wenige Restarbeiten soll bis zum 3. Advent alles fertig und beräumt sein, so dass das Areal an diesem Wochenende in Beschlag genommen werden kann. Für den Nikolai-Markt, dessen Ursprung in Stralsund auf das Jahr 1512 zurückgeht.
Pressekontakt für den Nikolai-Markt: Birger Kuhls, Stralsunder Traditionsverein mobil 0179 1042 357
An Ozobot’s Fairytale Ein medienpädagogischer Workshop in der Kinderbibliothek Stralsund
Die Kinderbibliothek der Hansestadt Stralsund freut sich, neugierige und kreative Kinder im Alter von 8 bis 14 Jahren zu einem einzigartigen medienpädagogischen Projekt einzuladen: “An Ozobot’s Fairytale”. Das findet demnächst statt in Zusammenarbeit mit der Medienwerkstatt Identity Films e.V. und dem Makerport Stralsund. Dieses aufregende Theaterprojekt vereint digitale Lesekompetenz, kulturelle Bildung und MINT-Förderung auf spielerische Weise. Damit können Teilnehmerinnen und Teilnehmern in die faszinierende Welt der Ozobots eintauchen. Wenn kleine Roboter die Bretter erobern.
Unter der Leitung des Medienpädagogen Stefan Koeck von der Medienwerkstatt Identity Films e.V. treffen Robotik, Making, Storytelling und Theater aufeinander. Erschaffen werden soll ein farbenfrohes DIY*-Spektakel. Die Kinder entwickeln gemeinsam ein Theaterstück zu einem Thema ihrer Wahl. Sie erschaffen Charaktere und entwerfen eine abenteuerliche Reise voll fantastischer Erlebnisse.
Die Ozobots übernehmen dabei die Hauptrolle. Liebevoll gestaltet in eigens angefertigten Kostümen durchfahren sie das von den Kindern programmierte Theaterstück. Gemeinsam gestalten die Kinder ein originelles Bühnenbild für dieses erlebnisreiche Ozobot-Abenteuer. Sie verwenden verschiedene Materialien wie Textilien, Papier, Pappe, LEDs, selbstgedruckte 3-D-Requisiten und mehr.
Interessierte Kinder sind herzlich zur Kick-Off-Veranstaltung am 06. Juli von 10:00 bis 14:00 Uhr und zu den Folgetreffen eingeladen, die an mehreren Samstagen und im Rahmen von Ferienprogrammen bis Ende 2025 in der Stadtbibliothek Stralsund stattfinden werden.
“Seid dabei und entdecke die Magie des Theaters und der Technologie”, lädt die Leiterin der Stadtbibliothek Stralsund, Sylvia Lieckfeldt, zu diesem spannenden und kreativen Projekt ein.
Für weitere Informationen und Anmeldungen wenden Sie sich bitte an die Kinderbibliothek per E-Mail: stadtbibliothek@stralsund.de oder Telefon 03831 253678
Wir freuen uns auf eine kreative und inspirierende Zusammenarbeit!
*DIY = Do it yourself
Hintergrund Mit dem Programm „Gemeinsam Digital! Kreativ mit Medien“ fördert der Deutsche Bibliotheksverband (dbv) im Rahmen der dritten Förderphase von „Kultur macht stark“ (2023-2027) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) lokale Projekte der digitalen Leseförderung für Kinder und Jugendliche im Alter von drei bis 18 Jahren. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche zu erreichen und ihnen zusätzliche Bildungschancen zu eröffnen.
Foto: Medienwerkstatt Identity Films e.V. Bildtext: Ozobotrotober auf der Bühne
Stralsund präsentierte sich auf dem Internationalen Hansetag in Danzig.
„Der Wandel beginnt hier!“ – Unter diesem Motto fand der 44. Internationale Hansetag der Neuzeit vom 13. bis 16. Juni in Danzig statt. Insgesamt 84 Hansestädte aus 14 Ländern Europas waren während dieser Tage zu Gast in der polnischen Stadt an der südlichen Ostseeküste.
Mit in Danzig dabei war eine Stralsunder Delegation unter der Leitung von Bürgerschaftspräsident Peter Paul. Gemeinsam mit den anderen fünf Hansestädten aus Mecklenburg-Vorpommern – Rostock, Greifswald, Wismar, Anklam und Demmin – hatten die Stralsunderinnen und Stralsunder auf dem Hansemarkt das traditionelle “MV-Dorf” errichtet. Das zog mit kleinen Hütten, einem Kinderprogramm, jeder Menge Informationsmaterial und schwungvollen Auftritten der Pomeranian Brass Band nicht nur die Danziger, sonder auch viele Gäste der Stadt an. Auch in diesem Jahr bot der Internationale Hansetag der Stralsunder Delegation wertvolle Gedanken- und Erfahrungsaustausche mit den Mitgliedern des Städtebundes. Dazu trug das abwechslungsreiche Programm maßgeblich bei. Viele Gelegenheiten zu Gesprächen und Themen der Zusammenarbeit boten u.a. Wirtschaftsforum, Bürgermeistergipfel, Delegiertenkonferenz, HANSEartWORKS-Ausstellung, Empfänge, Festumzüge, Arbeitsgruppen, Konzerte und das Programm der Jugendhanse. Visby auf Gotland wird 2025 Ausrichterin für den Internationalen Hansetag sein. Im Jahr darauf, also 2026, wird dann Stralsunds polnische Partnerstadt Stargard die Hanse-Familie begrüßen.
HINTERGRUND Städtebund “Die Hanse” Sie ist eines der größten Städtenetzwerke in Europa und verfolgt die Vision der europäischen Zusammenarbeit und eines gemeinsamen Strebens nach einer besseren und nachhaltigeren Zukunft. Der Internationale Hansetag ist eine jährlich stattfindenden Plattform für Führungskräfte aus Unternehmen, Verwaltung, Politik, Wissenschaft und Kultur der Hansestädte Europas. Jedes Jahr möchte der Städtebund damit aufzeigen, dass das kulturelle Erbe der Hansestädte nicht nur ein Überbleibsel der Vergangenheit ist, sondern auch eine treibende Kraft für die Zukunft.
Fotos: HANSESTADT Stralsund Bildtext: Impressionen vom Internationalen Hansetag der Neuzeit in Danzig mit Stralsunder Delegation
Die 2017 gegründete Steamergy Group mit ihren Standorten in Deggendorf (Bayern) und Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern) ist ein führendes Unternehmen im Bereich der dezentralen Energieerzeugungstechnologie. Das Unternehmen bietet fortschrittliche Lösungen, die wirtschaftliche, CO2-neutrale und grundlastfähige Alternativen zur traditionellen Energieversorgung darstellen. Steamergy nutzt effektiv Biomasse, Wind, Sonne und Wasserstoff, um nicht nur die lokale Verwertung, sondern auch die ganzheitliche Bereitstellung und Optimierung der Energieerzeugung zu ermöglichen. Das Unternehmen steht für innovative, umweltfreundliche und zukunftsweisende Energielösungen, die den Anforderungen von heute und morgen gerecht werden.
Steamergy Stralsund GmbH übernimmt die Stralsunder Betriebsstätte in der Rostocker Chaussee von der Weber Industrieller Rohrleitungsbau & Anlagenbau GmbH & Co. KG
Stralsund, 03. Juni 2024 – Steamergy Stralsund GmbH, führender Anbieter einer dezentralen Technologie zur CO2-neutralen Energieerzeugung, gibt die erfolgreiche Übernahme der Betriebsstätte Stralsund, Rostocker Chaussee 46, von der Weber Industrieller Rohrleitungsbau & Anlagenbau GmbH & Co. KG (ehemals Richter Rohrleitungsbau GmbH) im Rahmen eines Betriebsübergangs bekannt. Seit der Gründung der Steamergy Stralsund GmbH besteht eine intensive und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Stralsunder Standort der Unternehmensgruppe Weber. Aus strategischen Gründen hat sich die Firma Weber entschieden, den Betrieb in Stralsund nicht dauerhaft fortzuführen. Die Steamergy Stralsund GmbH hat im Zuge des Betriebsübergangs nicht nur die Betriebsstätte, sondern auch die bestehenden Geschäftsverbindungen und laufenden Aufträge übernommen. Dies gewährleistet eine nahtlose Fortführung der bisherigen Leistungen mit dem bewährten Personal. „Wir freuen uns, unser Portfolio im Bereich der industriellen Rohrleitungs- und Komponentenfertigung zu erweitern und von der neu gewonnenen Expertise zu profitieren. Die Integration hat bereits begonnen, und ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Realisierung von Synergieeffekten in den Bereichen der industriellen Fertigung von Rohrleitungssystemen und Komponenten für erneuerbare Energielösungen. Diese werden dann in CO2-neutralen Kraftwerken & Power to Heat-Lösungen verbaut“, erklärt André Flemming, Geschäftsführer der Steamergy Stralsund GmbH.
Stralsunds “Museum auf der Straße” beantwortet sieben der häufigsten Fragen an die Archäologie.
Eine neue Plakat- und Onlineausstellung auf Stralsunds Litfaßsäulen beantwortet typische Fragen, die Archäologinnen und Archäologen sehr häufig hören. Dabei begegnen dem Betrachter der sieben Plakate und der dazugehörigen Webseiten Highlights der zukünftigen Ausstellungen des STRALSUND MUSEUM im Katharinenkloster.
Dank archäologischer Grabungen, Funden ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger sowie Schenkungen und Ankäufen verfügt das STRALSUND MUSEUM über eine der größten archäologischen Museumssammlungen des Bundeslandes. Viele Funde stammen von der Insel Rügen. Besonders bedeutsam ist die urgeschichtliche Sammlung des Friedrich von Hagenow. Weltbekannt ist das Wikingergold, dessen Weg von Hiddensee in die Museumssammlung im Jahre 1873 die Frage aufwirft, was heute zu tun wäre, sollte man einen Schatz finden. Was ist aus Sicht der Archäologie überhaupt wertvoll, und gibt es überhaupt noch etwas auszugraben? Es muss jedenfalls nicht immer Gold sein, was das Archäologenherz höher schlagen lässt.
Museumsdirektorin Dr. Maren Heun möchte mit der neuen Plakatausstellung einen lockeren Zugang zur regionalen Ur- und Frühgeschichte bieten. „Unsere Archäologin Claudia Hoffmann beantwortet typische Kinderfragen und wir begegnen im Vorbeigehen sieben Objekten, die wir mit Wiedereröffnung des STRALSUND MUSEUM im Katharinenkloster wieder im Original zeigen werden.“ Neben den 4.000 Jahre alten Langendorfer Goldschalen, Keramik aus der Trichterbecherkultur und einem seltenen Textilfund wurde rund um Stralsund auch ein menschlicher Schädel ausgegraben, der auf ca. 5.000 v. Chr. datiert wird. Sind solche Knochenfunde eigentlich eklig? Nicht für Wissenschaftler. Ihnen geben z.B. die Spuren an dem bei Drigge gefundenen Schädel Hinweise auf den Menschen. Wir können herausfinden, dass der Mensch an der Küste aufgewachsen ist und viel Fisch aß. Seine DNA, die sich im Ohr erhalten hatte, gibt uns Aufschluss darüber, wie er ausgesehen hat. Auf dem zugehörigen Plakat für “Museum auf der Straße” wird dazu ein Vorschlag gemacht, der auf einem Schädelscan basiert. Ein gutes Beispiel, wie die Archäologie Techniken und Erkenntnisse vieler anderer Wissenschaften nutzt.
Zur Stärkung und für eine größere Vielfalt des Kulturlebens in der Stadt stellt die Hansestadt Stralsund Mittel aus dem Kulturetat zur Verfügung. Ab sofort können für das Jahr 2024 Anträge auf Förderung kultureller Projekte durch die Hansestadt Stralsund bis zum 17. Januar 2024 gestellt werden. Antragsberechtigt sind kulturelle Gruppen, Vereine, Einzelkünstler und weitere Interessenten, die ihr kulturelles Projekt in der Hansestadt Stralsund umsetzen.
Für die Antragstellung steht ein Online-Antrag über das Serviceportal OpenR@thaus der Hansestadt Stralsund unter www.stralsund.de/kulturfoerderung zur Verfügung. Bestandteile des Antrages sind u.a. ein detaillierter Kosten- und Finanzierungsplan sowie eine ausführliche Projektbeschreibung. Es ist ausschließlich der bereitgestellte Online-Antrag zu nutzen. Außerdem sind die Richtlinien und Hinweise zur Antragstellung auf Förderung kultureller Projekte zu beachten.
Nach Bearbeitung der fristgerecht eingereichten Unterlagen, der Befürwortung durch den Ausschuss für Kultur der Stralsunder Bürgerschaft und Bestätigung des Haushaltes für das kommende Jahr erfolgt eine Zuwendung durch die Hansestadt Stralsund.
Auskünfte erteilt Kathrin Thierfeld in der Abteilung Kultur und Öffentlichkeitsarbeit, unter Telefon 03831 252 715 oder per E-Mail an: kultur@stralsund.de.
Bildrechte: Hansestadt Stralsund Bildtext: Das Kulturamt freut sich auf viele interessante Projektanträge, die das kulturelle Leben im Stadtgebiet im Jahr 2024 gestalten.
Hansestadt Stralsund Der Oberbürgermeister Protokoll und Presse
„Zur Zeit stehen noch 1.350 Gebäude, von denen 273 als Baudenkmale eingestuft sind. Fachleute gehen davon aus, daß zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch 75% dieser Substanz zu retten sind.“
Mit diesen Zahlen unterstrich der ehemalige Stralsunder Stadtarchivar Herbert Ewe 1990 seine Forderung an die damalige Bundesbauministerin Gerda Hasselfeldt, die Stadterneuerung in Stralsund maßgeblich zu unterstützen. Der Hintergrund: In den 1980er Jahren war der Verfall der Stralsunder Altstadt immer augenscheinlicher geworden. Nicht nur waren viele historische Gebäude marode, sondern auch die öffentlichen Räume und die technische Infrastruktur waren stark in Mitleidenschaft gezogen. Dazu kam, dass zum Beispiel immer mehr Geschäfte schließen mussten und die Altstadt als Wohnstandort nicht mehr attraktiv war. Die Folge waren Leerstand und weiterer Verfall.
Im Umfeld des gesellschaftlichen Aufbruchs im Wendeherbst von ’89 mobilisierte Herbert Ewe viele Stralsunderinnen und Stralsunder, sich für die Altstadt einzusetzen. Schnell organisierte man sich als „Bürgerkomitee“, um den Anliegen der Denkmalpflege und Stadterneuerung mehr Nachdruck verleihen zu können. So forderte die Gruppe um Ewe zum Beispiel im Dezember 1989 einen allgemeinen Abrissstopp beim Rat der Stadt ein – mit Erfolg.
Nicht nur in Stralsund, in vielen Städten der DDR entstand 1989 ein ganzes Spektrum an Initiativen und Gruppen, die sich für den Erhalt und die Erneuerung der teilweise stark verfallenen Altstädte einzusetzen. Diesen Aktivitäten widmet sich seit 2019 ein Forschungsprojekt, das aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven auf den Zusammenhang von Stadterneuerung, Friedlicher Revolution und Wiedervereinigung blickt. Forscherinnen und Forscher aus Kaiserslautern, Kassel, Weimar und Erkner bei Berlin untersuchen nicht nur diese Bürgergruppen aus bewegungsgeschichtlicher Perspektive, sondern zeichnen auch die Pfadabhängigkeiten der DDR-Altstadtpolitik nach, rekonstruieren Lebensläufe von Fachleuten, analysieren die Rolle von Kulturinstitutionen für die Altstadterneuerung oder fragen nach deutsch-deutschem Fachaustausch – vor, während und nach dem Herbst 1989. Stralsund ist eine von zehn Städten, die dabei als besonders aufschlussreich für die Forschung ausgemacht wurden.
Das Engagement für die Erhaltung der Altstadt war nichts Neues in der Stadt am Strelasund. Schon 1956 gab es ein groß angelegtes Forschungsprojekt zur städtebaulichen Denkmalpflege am Beispiel Stralsunds, unter Leitung der Deutschen Bauakademie, der wichtigsten Forschungseinrichtung des Bauwesens in der DDR. Zusammen mit Görlitz und Quedlinburg hatte die DDR-Denkmalpflege die Altstadt schon 1962 als Ensemble in die erste offizielle Denkmalliste der DDR aufgenommen, was allerdings mehr symbolischen Charakter haben sollte. Es gab aber auch schon früh private oder fachliche Initiativen für Denkmalpflege. So war zum Beispiel Käthe Rieck, die ehemalige Leiterin des Kulturhistorischen Museums, in den 1960er Jahren die erste Vertrauensfrau für Denkmalpflege und in dieser Position ehrenamtlich dafür zuständig, sowohl in der Stadtbevölkerung als auch in der Verwaltung für die Belange der Denkmalpflege zu werben. In anderen Städten der DDR wurden in diesen Jahren umfangreiche Abrissplanungen für die alten Stadtkerne erstellt.
Dann sollte sich der Wind drehen. Die Erneuerung von Altstädten wurde in der DDR rhetorisch aufgewertet und Mittel für die Modernisierung wurden immer wieder versprochen. In der Praxis passierte allerdings zu wenig. Neubaugebiete an den Stadträndern waren schließlich besser für die Bilanzen des DDR-Bauwesens. Der Altstadterhalt wurde staatlicherseits auf die lange Bank geschoben. Im Kleinen gab es aber ein ganzes Spektrum an Initiativen: 1975 gründete eine Gruppe junger Stralsunder Baufachleute zum Beispiel eine Fachgruppe für Denkmalpflege beim Kulturbund der DDR. Auch Herbert Ewe hat sich in seiner Position als Leiter des Stadtarchivs engagiert. Ihm ist besonders zu verdanken, dass viele Stralsunderinnen und Stralsunder nach Feierabend angepackt haben, um das Johanniskloster zu großen Teilen als Sitz des Archivs instandzusetzen. Ewe ist es gelungen, immer wieder Mittel, Material und helfende Hände dafür zu mobilisieren. 1989 war er es, der bis zu 300 Menschen um sich scharte, um die Stadterneuerung zum politischen Gegenstand der Demokratisierungsbewegung zu machen.
Stadtwende Stralsund
Das Heilgeistkloster in Stralsund war 1990 zwar in einem ruinösen Zustand, wurde aber noch von vielen Menschen bewohnt. Seine Sanierung war das erste größere Bauprojekt
der Zeit nach der Wende. In der Zwischenzeit schienen sich die Interessen der Bauenden und der Bewohnenden zu widersprechen – ein Grund für Protest. Später
resümiert die Architektin Adelheid Horn-Henn: „Zweifellos war es streckenweise ein holpriger Weg bis zum Ergebnis. Aber es ist auch spannend, was innerhalb von nur rund
zehn Jahren ein einem ehemals gemiedenen Wohnquartier geschaffen wurde: Ein lebendiger Anziehungspunkt für Wohnungssuchende und Touristen.“
Abbildung: Stadterneuerungsgesellschaft Stralsund: Broschüre: Kloster zum Heiligen Geist. Gestalt und Farbe.
Die Erneuerung der Stralsunder Altstadt ist aber auch Teil der deutsch-deutschen Geschichte der Stadterneuerung. Im Januar 1990 beschlossen die beiden deutschen Bauministerien ein
Modellprogramm zur vorbildhaften Sanierung von erst vier, dann fünf ostdeutschen Städten. Stralsund wurde somit, zusammen mit Weimar, Meißen, Brandenburg an der Havel und später Halberstadt zu einem Experimentallabor, wo die Stadterneuerung erst als Kooperationsprojekt von Bundesrepublik und DDR, dann nach bundesdeutscher Gesetzgebung erprobt werden sollte.
Zu einem Sonderfall kam es bei der letzten Sitzung des Runden Tisches in Stralsund, den „Stralsunder 20“. Sie beschlossen die Gründung der Stadterneuerungsgesellschaft Stralsund (SES), eines Sanierungsträgers, der zur Hälfte der Hansestadt und zur Hälfte einer Kieler Stadterneuerungsgruppe gehört. In wenigen anderen Städten in den Neuen Bundesländern wurden damit Kompetenzen und Kenntnisse eines Trägers so eng an die Kommune gebunden. Sanierungsträger unterstützen die Städte bei planerischen und organisatorischen Belangen der Stadterneuerung.
Die Aufbruchsstimmung hielt allerdings nicht lange an. In ganz Ostdeutschland galt es nun, die Schwierigkeiten der Stadtentwicklung unter kapitalistischen Bedingungen zu meistern. Ein Hindernis stellte besonders das Prinzip „Rückgabe vor Entschädigung“ dar, das besagte, dass Alteigentum an die vormaligen Besitzer rückübertragen werden sollte. In allen Teilen Ostdeutschlands ächzten die Stadtverwaltungen unter der regelrechten Flut an Anträgen. In der Zwischenzeit wurden diese Objekte dem weiteren Verfall preisgegeben. Indes nutzten viele Familien die neuen Möglichkeiten und bauten Einfamilienhäuser am Stadtrand. An den Stadträndern entstanden zudem große Shopping-Center, die dem Einzelhandel in den Altstädten Konkurrenz machten. In Stralsund war die Talsohle 1998 erreicht. Nur noch knapp über 3.000 Menschen lebten damals in der Altstadt. Nur wenige Jahre später schon folgte die Eintragung in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes, in der Folge konnte der Trend nachhaltig umgekehrt werden.
Die verbleibenden Baustellen in der Altstadt sind also überschaubar geworden. Während in anderen Städten die Erneuerung und Funktionserhaltung der Altstädte unter Bedingungen der Schrumpfung eine bleibende Aufgabe geblieben ist, werden im Stralsunder Zentrum schon länger die Flächen knapp. Umso leidenschaftlicher wird über jede Parzelle diskutiert. Dass dabei immer noch Akteure aus der Zeit der Friedlichen Revolution mitdiskutieren, ist keine Selbstverständlichkeit.
So stellt die Ausstellung zur „Stadtwende“ folgerichtig die Frage: Wie wollen wir heute leben? Und wem gehört die (Alt-)Stadt? Denn unabhängig von den wirtschaftlichen oder sozialen Perspektiven erfreuen sich die Altstädte einer größeren Beliebtheit denn je. Was damals Teil der demokratischen Öffnung der DDR und der sich anschließenden Wiedervereinigung war, ist heute wieder bedroht. Seien es steigende Mieten, Kulissenarchitektur, die einseitige Ausrichtung auf den Tourismus oder allzu große Abhängigkeit vom Einzelhandel in den Fußgängerzonen – die Zukunft nicht nur der ostdeutschen Innenstädte muss stets neu verhandelt werden, ohne dabei zu vergessen, die Altstädte als etwas Gewordenes, als Ergebnis menschlichen Schaffens zu betrachten.
Quelle:
Beitrag von Jannik Noeske, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Raumplanung und Raumforschung der Fakultät Architektur und Urbanistik an der Bauhaus-Universität Weimar und Projekt-Pate „Stadtwende in Stralsund“
Abbildungsunterschriften:
Abb. 1:
Das Stralsunder Johanniskloster gehört zu den bedeutenden Klosteranlagen Norddeutschlands. 1944 wurde es teilweise zerstört. Der damalige Direktor des Stadtarchivs Herbert Ewe begann bereits 1963, Mittel und Wege für die Sanierung der denkmalgeschützten Klosteranlage zu sichern. Dazu gehörte besonders die Aktivierung von sogenannten Feierabendbrigaden, die nach der regulären Arbeit im Betrieb noch Hand bei der Sanierung des Klosters anlegten. Nach getaner Arbeit gab der “Professor” gerne ein Glas Rotwein oder Schnaps aus. Bis heute ist das Johanniskloster Sitz des Stadtarchivs, die Sanierung allerdings noch nicht abgeschlossen. Foto: Günter Ewald 1982, Bildquelle: Stadtarchiv Stralsund, JK-02-094.
Abb. 2:
Nicht nur für Demokratie und freie Meinungsäußerungen gingen die Menschen im Herbst 1989 auf die Straße – bei einer Demonstration in Stralsund wurde auch die gerechte Verteilung von Wohnraum gefordert. Die Lebensbedingungen in den Städten der DDR war ein Stein des Anstoßes für die Demokratiebewegung in der DDR. Dazu gehörte auch das Aufbegehren gegen den immer sichtbarer werdenden Altstadtverfall. Foto: Stefan Sauer 1989.
Abb. 3:
Das Heilgeistkloster in Stralsund war 1990 zwar in einem ruinösen Zustand, wurde aber noch von vielen Menschen bewohnt. Seine Sanierung war das erste größere Bauprojekt der Zeit nach der Wende. In der Zwischenzeit schienen sich die Interessen der Bauenden und der Bewohnenden zu widersprechen – ein Grund für Protest. Später resümiert die Architektin Adelheid Horn-Henn: »Zweifellos war es streckenweise ein holpriger Weg bis zum Ergebnis. Aber es ist auch spannend, was innerhalb von nur rund 10 Jahren ein einem ehemals gemiedenen Wohnquartier geschaffen wurde: Ein lebendiger Anziehungspunkt für Wohnungssuchende und Touristen.«
Meilenstein bei Sanierung: Außenhaut getauscht und großes Segment eingesetzt
Der 1. Dezember 2023 ist ein Meilenstein bei der Sanierung der “Gorch Fock 1”. Mit diesem Tag sind 70 m² Außenhaut getauscht, und ein großes Segment wurde eingesetzt. Das musste auf Höhe Maschinenraum herausgeschnitten werden, um große Motoren aus dem Schiffsinneren nach draußen befördern zu können. Parallel liefen und laufen Reparaturen an den Schotten, weitere Decks werden erneuert und am Boden wird die Takelage montiert. Mehr als 50 Fosen-Mitarbeiter haben täglich auf dem Schiff gut zu tun.
Rückblick: Im Mai 2023 erfolgte die Unterzeichnung des Kaufvertrages – die Stadt hatte das Schiff vom Tall Ship Friends e.V. gekauft. Ziel ist es, die Schwimmfähigkeit für die kommenden 25 Jahre, die Sicherheit der Takelage und den Brandschutz sicherzustellen Im Juni erfolgten deshalb die Verholung der “Gorch Fock 1” und das Eindocken in die Werft. Noch im selben Monat erfolgte die Entschichtung der Außenhaut auf dem Waschplatz der Volkswerft, die Vertaktung in die große Schiffbauhalle und die Demontage der kompletten Takelage.
Anschließend ging es an das Ausschrotten und die Festballastdemontage sowie die Untersuchung der Außenhaut, um festzustellen, wie viel getauscht werden muss. Nach Konstruktionsarbeiten für die Takelage folgten das Strahlen und Konservieren der Masten, Bäume, Rahen, die Erneuerung des Oberdecks sowie die Einhausung für Strahlarbeiten.
Ausblick: In den kommenden Wochen werden Außenhaut und Ruder konserviert, stehendes und laufendes Gut und die weiteren Masten und Rahen montiert. Nach weiteren notwendigen Arbeiten, der Ausdockung und Verlegung in den Stadthafen soll die “Gorch Fock 1” zur Saison 2024 an einem Liegeplatz wieder zur Besichtigung für Einheimische und Gäste unserer Hansestadt zur Verfügung stehen.
Bei Kosten von insgesamt rund 10 Millionen Euro sind die meisten Gelder Fördermittel von EU und Land, den Eigenanteil hatte der Tall Ship Friends e.V. übernommen.
Quelle und Foto: HANSESTADT Stralsund l Pressestelle
Eine außergewöhnliche Adventsgeschichte Am 6. Dezember, dem Nikolaustag überrascht das Team der Stadt- und Kinderbibliothek alle Kinder, die das Vorlesen lieben, mit einem besonderen Geschenk: Der Lesekünstler des Jahres 2017, Kai Pannen, liest aus seinem Buch „Du spinnst wohl!” Eine außergewöhnliche Adventsgeschichte. In der Geschichte droht die dicke Spinne Karl-Heinz der Stubenfliege Bisy, sie als Festtagsbraten zu verspeisen. Diese hat nun 24 Tage, um den Plan zu vereiteln. Irmgard Clausen, Vorsitzende der IG Leseförderung im Börsenverein des Deutschen Buchhandels und Mitglied der Jury, die ihn zum besten Vorleser gekürt hatte, sagt: „Mal naseweis und keck, mal knurrig oder gemütlich: Beim Vorlesen werden Kai Pannens Buchhelden so lebendig, dass Jungen und Mädchen gebannt zuhören und staunen. Seine Erzählfreude und Kreativität beeindruckt Kinder und Erwachsene.” Am 6. Dezember um 16 Uhr, wenn es draußen dunkel und im Veranstaltungskeller so richtig gemütlich ist, können Kinder ab 7 Jahren die Daumen drücken für Bisy die Stubenfliege. Die Karten zu 5 Euro für die Autorenlesung sind ab sofort in der Stadtbibliothek zu bekommen.
Was für die Einen die schönste Zeit des Jahres ist, ist für die Anderen eine Zeit voller Stress und Hektik. Wie auch immer: Das Weihnachtsfest 2023 rückt näher und auch die Stadtbibliothek Stralsund beginnt, sich gemeinsam mit dem Förderverein der Bibliothek thematisch darauf einzustimmen. Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr ist es eine große Freude, den bei Groß und Klein beliebten Bastelnachmittag in der Vorweihnachtszeit für den 23. November von 15.30 bis 18.00 Uhr ankündigen zu können. Gebastelt werden mit Unterstützung des Fördervereins Stadtbibliothek Stralsund e.V. kreative weihnachtliche Papier- und Dekoprojekte. Dazu lädt der Förderverein an diesem Nachmittag zu einem Bücherflohmarkt und Leckereien ein. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, wird um rechtzeitige Voranmeldung unter stadtbibliothek@stralsund.de oder 03831 253 678 gebeten. Foto und Plakat: HANSESTADT Stralsund l Stadtbibliothek
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