Kategorie: Transformation

  • Kultur, Förderung und Teilhabe

    Dieser Podcast von Radio-Nice.Club untersucht das Konzept der gemeinsamen Kreativität und der aktiven Bürgerbeteiligung in den Bereichen der Nachhaltigkeitsforschung und der europäischen Kulturpolitik. Ein zentraler Fokus liegt auf der engagierten Wissenschaft, die durch transformative Methoden wie Co-Creation versucht, gesellschaftlichen Wandel und soziale Inklusion direkt in den Forschungsprozess zu integrieren. Parallel dazu analysiert der zweite Text die historische Entwicklung der Europäischen Kulturhauptstädte, bei denen die Partizipation von einer bloßen Beratung hin zu einer tieferen Einbindung der Zivilgesellschaft gereift ist. Beide Texte betonen, dass partizipative Ansätze entscheidend sind, um demokratische Legitimität zu stärken und alternative Lebensentwürfe in lokalen Gemeinschaften sichtbar zu machen. Trotz der positiven Potenziale warnen die Autoren vor instrumenteller Nutzung und institutionellen Machtungleichgewichten, die eine echte Mitgestaltung behindern können. Letztlich plädieren die Quellen für eine Forschung und Kulturplanung, die den Menschen nicht nur als Objekt, sondern als aktiven Mitgestalter seiner Umwelt begreift.

    CO-Kreativität jenseits der Schlagworte
    Innovation - Social Network
  • Der Green Deal war kein Klimaplan, sondern ein Deindustrialisierungsprojekt

    Ein Satz aus dem EU Parlament
    zur Politik von Frans Timmermans,
    der plötzlich eine ganz andere Schärfe bekommt
    und wie eine realistische Beschreibung wirkt.

    NGOs wurden mit Milliarden aus EU-Mitteln finanziert
    und gezielt gegen Industrie eingesetzt:

    gegen Kohlekraftwerke
    gegen Automobilunternehmen
    gegen industrielle Anwendungen

    Immer mit derselben Stoßrichtung:

    mehr Druck
    mehr Einschränkung
    weniger Industrie

    Wer von „Degrowth“ spricht,
    meint genau das.

    Wenn Klimaziele nur noch erreichbar erscheinen,
    weil industrielle Substanz verschwindet,
    ist das kein Kollateralschaden mehr.

    𝗗𝗮𝗻𝗻 𝗶𝘀𝘁 𝗲𝘀 𝗠𝗲𝘁𝗵𝗼𝗱𝗲.

    Irgendwann stellt sich die Frage, wem dieses System dient
    und ob es noch dem entspricht, was behauptet wird.

    Jetzt wird geklagt. Zu Recht.

    Es geht um ~7 Milliarden Euro
    und deren Verwendung.

    „Andere Gruppen bekamen Geld für die Beeinflussung von EU-Abgeordneten bei Abstimmungen zu … Chemikalien.“

    𝗪𝗲𝗿 𝘃𝗼𝗻 𝗱𝗲𝗿 𝗲𝗶𝗴𝗲𝗻𝗲𝗻 𝗣𝗼𝘀𝗶𝘁𝗶𝗼𝗻 ü𝗯𝗲𝗿𝘇𝗲𝘂𝗴𝘁 𝗶𝘀𝘁, 𝗯𝗿𝗮𝘂𝗰𝗵𝘁 𝗸𝗲𝗶𝗻𝗲 𝘀𝗼𝗹𝗰𝗵𝗲𝗻 𝗦𝘁𝗿𝘂𝗸𝘁𝘂𝗿𝗲𝗻.

    Denn hier wird entschieden,
    was in Europa künftig noch möglich ist und was nicht mehr.

    Und wie ganze Branchen Schritt für Schritt
    faktisch unmöglich gemacht werden.

    Weil Maßstäbe so gesetzt werden,
    dass sie nicht mehr erfüllbar sind.

    Wer diese Verfahren kennt, weiß:

    Das Problem ist, wie sie geführt werden.

    Willkür.
    Ideologisch gefärbte Bewertungen.
    Ein erschreckendes Maß an Unkenntnis über industrielle Prozesse und Anwendungen.

    Flankiert von Akteuren,
    die ein klares Ziel verfolgen
    und dafür auch finanziert wurden.

    Sich ständig verschiebende Anforderungen.
    Regeln, die im laufenden Verfahren verändert werden.
    Behörden klagen über Überlastung
    verursacht durch selbst geschaffene Detailsteuerung.

    Entscheidungen,
    die ganze Wertschöpfungsketten ins Wanken bringen.

    Ich erlebe es seit über 15 Jahren.
    Gemeinsam mit vielen anderen, die diesen Verfahren ausgesetzt sind.

    Was jetzt fehlt,
    sind die konkreten Beispiele aus der Praxis.

    Wie es tatsächlich abläuft.
    Was im Hintergrund entschieden wird.
    Was wir erleben.
    Dinge, die man kaum für möglich hält.

    Aktuell entscheidet sich daran
    die Zukunft ganzer Branchen
    und damit ganzer Liefer- und Wertschöpfungsketten in Europa.

    Die größte Gefahr für diese industrielle Basis
    liegt nicht in Washington, Peking oder Moskau.

    Sondern in den eigenen Strukturen.

    Jetzt fügt sich das Bild.

    Es fühlt sich an wie ein Wirtschaftskrimi.

    Nur dass er real ist.
    Und gerade geschrieben wird.

    Über das,
    was hinter den Kulissen passiert.

    Über Verfahren,
    in denen nicht nur reguliert,
    sondern entschieden wird,
    welche Industrie in Europa noch eine Zukunft hat.

    Was hier öffentlich wird,
    ist nur die Spitze des Eisbergs.

    Das ganze Bild entsteht erst
    durch die Beispiele der Betroffenen.

    IZW Initiative Zukunft Wirtschaft Deutschland e.V.

    Hashtag#Industriepolitik
    Hashtag#EU
    Hashtag#GreenDeal
    Hashtag#Wirtschaft
    Hashtag#REACH

    ATB

  • Abdruck aus “Zukunft erfinden”

    WIE MACHT, GELD UND LOBBYISMUS DEN FORTSCHRITT BREMSTEN – UND
    WIE WIR ES ÄNDERN KÖNNEN, ein Buch von Klaus Kampe

    EINLEITUNG
    Fortschritt ist eine der mächtigsten Triebkräfte in der Geschichte der Menschheit. Seit dem ersten gezähmten Feuer, dem Rad, der Dampfmaschine und der Elektrizität war die technische Entwicklung stets eng mit dem Wunsch nach Freiheit, Bequemlichkeit und Überwindung der Grenzen des Möglichen verbunden. Doch dieser Fortschritt verlief nie linear. Immer wieder wurde er gebremst, umgelenkt oder gar ganz gestoppt – nicht etwa, weil die Ideen unbrauchbar waren, sondern weil sie zu gut, zu gefährlich oder schlicht zu unprofitabel für bestehende Machtstrukturen waren.

    Das 20. und 21. Jahrhundert sind in besonderem Maße Zeugen dieses paradoxen Verhältnisses zwischen Innovation und Behinderung geworden. Auf der einen Seite erleben wir eine explosionsartige Entwicklung neuer Technologien, von künstlicher Intelligenz bis hin zur Gentechnik. Auf der anderen Seite offenbart sich eine Schattenseite: wirtschaftliche und politische
    Interessengruppen, die den Fortschritt dort aufhalten, wo er bestehende Monopole, Märkte oder Machtgefüge bedroht. Die Geschichte des modernen Kapitalismus ist damit zugleich eine Geschichte der verhinderten Erfindungen – eine Chronik des stillen Kampfes zwischen kreativen Geistern und den Architekten der wirtschaftlichen Kontrolle.

    DIE DIALEKTIK DES FORTSCHRITTS
    Der Mythos vom genialen Erfinder, der mit einer bahnbrechenden Idee die Welt verändert, prägt bis heute unser Bild der Innovation. Doch die Realität zeigt, dass der Weg von der Idee zur Umsetzung selten nur von wissenschaftlicher Leistung abhängt. Oft sind es wirtschaftliche Interessen, juristische Hürden oder gezielte „Desinformationskampagnen“ , die bestimmen, welche Technologie sich durchsetzt und welche in Vergessenheit gerät. Ein prägnantes Beispiel hierfür ist der Konflikt zwischen Nikola Tesla und Thomas Edison. Teslas Konzept des Wechselstroms war technisch überlegen, effizienter und sicherer – doch Edison, unterstützt von Investoren und industriellen Partnern, führte einen beispiellosen Propagandafeldzug gegen den Wechselstrom. Teslas Ideen von drahtloser Energieübertragung, globaler Kommunikation und nahezu unbegrenzter Energieversorgung galten als revolutionär – und zugleich als Bedrohung für jene, die an der zentralisierten Stromversorgung verdienten. Der „Krieg der Ströme“ wurde letztlich nicht nur mit wissenschaftlichen Argumenten, sondern mit wirtschaftlicher Macht entschieden. Dieser Konflikt steht stellvertretend für ein wiederkehrendes Muster in der Geschichte der Technik: Fortschritt wird nicht allein an seiner Nützlichkeit gemessen, sondern an seiner Vereinbarkeit mit den Interessen derjenigen, die über Kapital und politische Einflussmöglichkeiten verfügen. Eine bahnbrechende Idee kann zur Weltveränderung führen – oder in einer Schublade verschwinden, wenn sie bestehende Strukturen infrage stellt.

    Inhaltsverzeichnis:

    • Die Dialektik des Fortschritts
    • Das Prinzip der strukturellen Innovationshemmung
    • Beispiele eines unterdrückten Fortschritts
    • Die ethische Dimension des Fortschritts
      Teil I – Die frühen Fälle des technischen Lobbyismus
      Kapitel 1: Nikola Tesla und der Kampf um den Strom
    • 1.1 Ein Erfinder zwischen Genie und System
    • 1.2 Der Krieg der Ströme: Gleichstrom gegen
      Wechselstrom
    • 1.3 Der Traum der freien Energie
    • 1.4 Die Manipulation der öffentlichen Meinung
    • 1.5 Die Lehre aus Teslas Scheitern
    • 1.6 Parallelen zur Gegenwart
    • 1.7 Fazit: Der Sieg der Macht über die Vernunft
      Kapitel 2: Die Glühbirne und das Kartell der Lichtindustrie
    • 2.1 Der Beginn eines neuen Zeitalters
    • 2.2 Wer hat die Glühbirne erfunden?
    • 2.3 Das Phoebus-Kartell – Der Beginn geplanter
      Obsoleszenz
    • 2.4 Wirtschaftliche Motive und gesellschaftliche Folgen
    • 2.5 Patentrecht als Machtinstrument
    • 2.6 Geplante Obsoleszenz als ökonomisches Prinzip
    • 2.7 Der lange Schatten des Kartells
    • 2.8 Lehren für Gegenwart und Zukunft
    • 2.9 Fazit: Zwischen Innovation und Kontrolle
      Kapitel 3: Der unterdrückte Fortschritt im Automobilbau:
      Vom Elektroauto zum Verbrenner
    • 3.1 Die Anfänge: Elektromobilität im 19. Jahrhundert
    • 3.2 Der Aufstieg des Verbrennungsmotors
    • 3.3 Energie, Macht und Monopol
    • 3.4 Der „Great American Streetcar Scandal“
    • 3.5 Vergessene Innovationen und unterdrückte Patente
    • 3.6 Der Fall GM EV1 – Eine moderne Wiederholung
    • 3.7 Die Rolle der Politik und der Konsument
    • 3.8 Wandel im 21. Jahrhundert: Ein verspätetes Comeback
    • 3.9 Fazit: Fortschritt im Kreis
      Kapitel 4: Pharmaindustrie und die Blockade alternativer
      Heilmethoden
    • 4.1 Medizin zwischen Fortschritt und Marktlogik
    • 4.2 Die Logik der Patente – Schutz und Barriere zugleich
    • 4.3 Innovation im Schatten der Profitlogik
    • 4.4 Der Fall der HIV-Medikamente – Patente gegen
      Menschenrechte
    • 4.5 COVID-19 und die Debatte um Impfstofflizenzen
    • 4.6 Alternative und komplementäre Heilmethoden –
      zwischen Forschung und Regulierung
    • 4.7 Lobbyismus und Einflussnahme
    • 4.8 Wege zu einer gerechteren Arzneimittelinnovation
    • 4.9 Fazit: Medizin als Gemeingut
      Kapitel 5: Agrarwirtschaft und die Kontrolle über Saatgut
    • 5.1 Nahrung als Machtfaktor
    • 5.2 Die Entstehung des industriellen Saatgutmarktes
    • 5.3 Marktkonzentration und die „Big Four“
    • 5.4 Der Fall Monsanto – Kontrolle durch Patente
    • 5.5 Auswirkungen auf Biodiversität und
      Ernährungssouveränität
    • 5.6 Wissenschaftliche Innovation oder ökonomische
      Kontrolle?
    • 5.7 Politische Einflussnahme und Agrarlobbyismus
    • 5.8 Wege zu einer nachhaltigen und gerechten Agrarpolitik
    • 5.9 Fazit: Das Saatgut der Zukunft gehört allen
      Kapitel 6: Digitale Monopole und Informationskontrolle
    • 6.1 Vom Industriezeitalter zum Datenzeitalter
    • 6.2 Die Entstehung digitaler Monopole
    • 6.3 Patente, Urheberrecht und geistiges Eigentum im
      Digitalzeitalter
    • 6.4 Daten als Eigentum – oder als Gemeingut?
    • 6.5 Politische Einflussnahme der Tech-Konzerne
    • 6.6 Die neue Form des Lobbyismus:
      Informationsgestaltung
    • 6.7 Der Kampf um digitale Souveränität
    • 6.8 Offene Technologien und Gemeingüter
    • 6.9 Fazit: Freiheit im Zeitalter der Datenökonomie
      Teil III: Zukunftsperspektiven: Wie sich Innovationsblockaden
      verhindern lassen
    • 7.1 Innovation als gesellschaftliche Verantwortung
    • 7.2 Das Dilemma des modernen Patentrechts
    • 7.3 Neue Eigentumsmodelle für Wissen und Technologie
    • 7.4 Transparente Wissenschaft und demokratische
      Kontrolle
    • 7.5 Bildung und Aufklärung als Schlüssel
    • 7.6 Internationale Kooperation und globale Gerechtigkeit
    • 7.7 Ethik und Verantwortung im Zeitalter der KI
    • 7.8 Wirtschaft im Dienst des Gemeinwohls
    • 7.9 Fazit: Eine offene Zukunft
      Kapitel 8: Medien, Zensur und Informationskriege: Wie
      Meinung zur Ware wurde
    • 8.1 Die Macht über die Erzählung
    • 8.2 Medien als Instrument wirtschaftlicher Interessen
    • 8.3 PR, Propaganda und die Erfindung des „Public
      Relations“-Zeitalters
    • 8.4 Zensur durch Struktur: Wie Kontrolle ohne Verbot
      funktioniert
    • 8.5 Fallbeispiel: Medienkampagnen gegen unbequeme
      Wissenschaft
    • 8.6 Digitale Meinungsmacht: Social Media und Filterblasen
    • 8.7 Einfluss von Lobbyorganisationen und Thinktanks
    • 8.8 Informationskriege im 21. Jahrhundert
    • 8.9 Wege zu freier Information und Medienethik
    • 8.10 Fazit: Wahrheit als Gemeingut
      Kapitel 9: Wirtschaft und Ethik: Macht, Moral und
      Verantwortung
    • 9.1 Von der freien Information zur ethischen Ökonomie
    • 9.2 Der unsichtbare Vertrag
    • 9.3 Die Moral des Marktes
    • 9.4 Die Trennung von Ökonomie und Moral
    • 9.5 Verantwortung ohne Gesicht
    • 9.6 Die Ethik der Effizienz
    • 9.7 Korporative Ethik – PR oder Prinzip?
    • 9.8 Die Macht der Lobby
    • 9.9 Der moralische Imperativ der Wirtschaft
    • 9.10 Die Rückkehr des Gewissens
    • 9.11 Macht, die sich selbst begrenzt
    • 9.12 Der neue Humanismus
    • 9.13 Die Würde der Grenze
      Teil IV – Wege in eine offene Innovationskultur
      Kapitel 10: Kapitel 10 – Wege in die Zukunft: Innovation und
      Freiheit
    • 10.1 Der Mensch als Schöpfer
    • 10.2 Die Wiederentdeckung des Gemeinwohls
    • 10.3 Bildung als Quelle der Freiheit
    • 10.4 Wissenschaft im Dienst der Menschheit
    • 10.5 Der digitale Humanismus
    • 10.6 Nachhaltigkeit als Systemprinzip
    • 10.7 Politik und die Macht des Mutigen
    • 10.8 Wirtschaft als Partner, nicht als Herr
    • 10.9 Der neue Gesellschaftsvertrag
    • 10.10 Innovation als moralische Aufgabe
    • 10.11 Hoffnung als Erfindung
      Kapitel 11: Reform des Patentrechts: Wissen als Gemeingut
    • 11.1 Das Dilemma des geistigen Eigentums
    • 11.2 Verkürzung der Patentlaufzeiten
    • 11.3 Gemeinwohlorientierte Lizenzen
    • 11.4 Staatliche Förderung offener Innovation
    • 11.5 Das Wissen der Zukunft
      Kapitel 12: Bildung, Transparenz und digitale Aufklärung
    • 12.1 Bildung als Fundament der Freiheit
    • 12.2 Wissenschaft als öffentliches Gut
    • 12.3 Transparenzplattformen und Bürgerbeteiligung
    • 12.4 Ethik des Fortschritts: Verantwortung für Mensch und
      Planet
    • 12.5 Bildung als kollektives Bewusstsein
    • 12.6 Die Zukunft der Aufklärung
      Schlusswort – Der Mut zur Zukunft
    • Der Preis des Wandels
    • Warum Innovation Mut braucht
    • Eine Vision für eine gerechtere Zukunft
    • Appell an Politik, Forschung und Gesellschaft
    • Der Kreis schließt sich
    • Anhang
  • Baut Straßenbahnen, keine Kraftfahrzeuge

    Wenn man den Verfall der deutschen Automobilindustrie sieht, gibt es viele Ratschäge wie man diese Arbeitsplätze erhalten kann. Da die deutschen Automobilhersteller zwar traditionell eng mit der militärischen Produktion verbunden gewesen waren, besonders während der Kriegsjahre, möchten manche hier wieder anknüpfen. Viele sehen massiv Zukunftschancen im Bereich Elektofahrzeuge, Batterieproduktion, Fahrassistenzsysteme etc.

    Wahrscheinlich ist aber auch hier in Deutschland, im Vergleich zu Produkten aus China, der Zug längst abgefahren. Die Produkte in Deutschland sind hochpreisig, von der Fahrassistenz digital überfrachtet und anfällig.

    Zur Zeit plädiert Lars Hirsekorn, Betriebsrat bei VW in Wolfsburg, der da gesagt hat: „Wir können es uns ökologisch einfach nicht mehr leisten, weiter Autos zu produzieren“ zuammen mit Umweltaktivisten für eine Neuausrichtung seines Konzerns: Baut Straßenbahnen, keine Kraftfahrzeuge!

  • Der Bundesrechnungshof

    dessen Mitglieder richterliche Unabhängigkeit besitzen, prüft die Rechnung sowie die Wirtschaftlichkeit und Ordnungsmäßigkeit der Haushalts- und Wirtschaftsführung des Bundes.

    Der auf diesen Umstand in einem Interview angesprochene Robert Habeck sagt nur: “Der Bundesrechnungshof hat zur Aufgabe alle immer zu kritisieren.” Und swipt auf dem Tablet darauf hin gleich zum nächsten Punkt mit der Aussage: “Das können wir gleich weiter machen”. Solche Arroganz ist nicht fassbar.

    Der Bundesrechnungshof schrieb:

    “Energiewende nicht auf Kurs: Deutschland hinkt seinen ambitionierten Zielen hinterher. Für eine sichere, bezahlbare und umweltverträgliche Stromversorgung muss die Bundesregierung umgehend und zielgerichtet umsteuern.”

    Bundesrechnungshof zur Energiewende
  • Zukunftspreis Stralsund: Die Gewinner stehen fest

    Die Hochschule und Hansestadt Stralsund haben am 21. November erstmalig gemeinsam den Zukunftspreis verliehen. Bei der Premiere für diesen neuen Wettbewerb unter der Motto „Zukunft Stralsund – digital gemeinsam gestalten“ wurden in den drei Kategorien Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft Preise vergeben, die mit jeweils 1.000 Euro dotiert waren und von der IHK zu Rostock, der Hochschule Stralsund und der Hansestadt Stralsund gestiftet wurden.

    Gewinner in der Kategorie Zivilgesellschaft ist die SHV Handball GmbH Stralsund. Im Bereich Wirtschaft gewannen Angela Seibert und William Will mit einem Projekt zur 3D-Fertigung. Die Kategorie Wissenschaft konnte die unseKinder gGmbH mit digitalen Bildungslösungen zur Bewältigung des Fachkräftemangels für sich entscheiden.

    „Aus ein paar Gedanken in dieselbe Richtung ist ein ganz neues Format für Stadt und Hochschule geworden“, so Hochschul-Rektor Prof. Dr. Ralph Sonntag anlässlich der Preisverleihung. „Wir wollen gemeinsam eine Ideenschmiede sein für zivilgesellschaftliche Ideen, wirtschaftlich relevante und solche aus dem akademischen Raum. Wir wollen gemeinsam die Zukunft unserer Stadt denken.“ 

    Die Laudationen hielten Prof. Dr. Gero Wedemann, Leiter des Institute For Applied Computer Science (IACS) an der Hochschule (Kategorie Wissenschaft), Steffi Behrendt, Amtsleiterin für Kultur, Welterbe und Medien der Hansestadt Stralsund (Kategorie Zivilgesellschaft), sowie Torsten Grundke, Vizepräsident der IHK zu Rostock (Kategorie Wirtschaft). 

    In ihrer Laudatio auf den Stralsunder Handballverein SHV hob Steffi Behrendt hervor: „Was mit der Liebe zum Handball begann, hat sich zu einer Bewegung entwickelt, die Stralsund als Stadt des Miteinanders und der gemeinsamen Verantwortung stärkt.“ Zudem zeige der SHV „mit Initiativen wie der Spendenaktion zugunsten des Kinder- und Jugendhospizes oder der Unterstützung geflüchteter ukrainischer Sportler, wie gelebte Solidarität aussehen kann“. Und sie betonte: „Der SHV setzt den Teamgedanken nicht nur im Sport, sondern auch in der Gesellschaft um, indem er einen engen Zusammenhalt zwischen Spielern, der Vereinsführung und der Stadtgesellschaft fördert.“ 

    Prof. Dr. Gero Wedemann wiederum stellte in seiner Laudatio fest, dass „unseKinder weit mehr ist als eine Kita oder eine Schule – Es ist ein lebendiger Ort des Miteinanders, ein Raum, der Neugier entfacht, Talente entfaltet und Kinder als Gestalter ihrer Welt begreift“. Er betonte: „Der Kinder- und Jugendcampus hat nicht nur Stralsund bereichert, sondern setzt Maßstäbe für ganz Deutschland. Er zeigt, wie wir Bildung neu denken können: als Brücke zwischen Generationen, als Werkzeug für Chancengleichheit und als Schlüssel zu einer nachhaltigeren Zukunft.“ Und mit Blick in die Zukunft sagt er: „Durch digitale Kompetenzförderung, KI-gestützte Lernanwendungen und offene Lernformen schafft der Campus einen Lernraum, der nicht nur modern, sondern auch individuell ist – einen Raum, in dem jede und jeder den eigenen Weg gehen darf.“ 

    Torsten Grundke hob in seiner Laudatio in der Kategorie Wirtschaft hervor: „Mit ihrem Engagement und ihrer Leidenschaft sind Frau Seibert und Herr Will ein Gewinn für unsere Region. Sie zeigen, wie wir gemeinsam die Zukunft von Stralsund und darüber hinaus gestalten können. Dieses Projekt erfüllt alle Kriterien der Kategorie „Wirtschaft“ in herausragender Weise: Es hat einen starken Einfluss auf die Region, bietet eine hohe Übertragbarkeit – gerade für kleine Unternehmen – und trägt zur nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung bei. Das Team hat gezeigt, wie technisches Fachwissen und unternehmerisches Denken zusammenwirken können, um Innovationen zu schaffen, die wirtschaftlich und ressourcenschonend zugleich sind.“

    Im Anschluss gab es einen regen Austausch zwischen allen Beteiligten zu Zukunftsthemen und zu den vielfältigen Ideen der Bewerberinnen und Bewerber des Zukunftspreises. Sie präsentierten ihre Projekte auf Bannern und Präsentationswänden im Audimax.

    Für Dr. Sonja Gelinek, Senatorin und 2. Stellvertreterin des Oberbürgermeisters, steht bereits jetzt fest: „Schon mit diesem ersten Wettbewerb haben wir gesehen, welches Potenzial wir in unserer Stadt und auch außerhalb haben, um Ideen für Stralsunds Zukunft zu entwickeln. Das bestärkt uns darin, den Zukunftspreis von Hochschule und Hansestadt langfristig zu etablieren.“

    Die Gewinner im Porträt


    Kategorie Zivilgesellschaft
    SHV Handball GmbH Stralsund: Sei Teil des Teams

    Seit Januar 2023 hat sich der Stralsunder HV (SHV Handball GmbH Stralsund) unter der neuen Leitung von Steffen und Doreen Fischer stark weiterentwickelt. Im Fokus stehen dabei nicht nur sportliche Erfolge, sondern auch wirtschaftliches Wachstum. 
    Der SHV setzt auf professionelle Strukturen und baut ein starkes Netzwerk mit regionalen Unternehmen auf, um wirtschaftliche Synergien zu schaffen. Durch gezielte Partnerschaften und den „SHV-Business-Club“ werden der gewinnbringende Austausch und die Zusammenarbeit in der Region gefördert. Gleichzeitig zeigt der SHV große soziale Verantwortung durch Spendenaktionen und Projekte zur Jugendförderung, die den Zusammenhalt und die Integration in der Gemeinschaft stärken. 
    Ziel ist es, die 1. Männermannschaft bis 2030 in der 2. Handball-Bundesliga zu etablieren und gleichzeitig die wirtschaftliche Stärke der Region sowie das soziale Engagement nachhaltig zu fördern. 


    Kategorie Wirtschaft
    Projekt zur 3D-Fertigung

    Das Projekt zielt darauf ab, die Fertigung von Bauteilen im 3D-Druck-Verfahren Fused Deposition Modeling (FDM) durch Optimierung der Schichthaftung zu verbessern. Im Fokus steht eine Anwendung, die auf Basis gesammelter Daten Bauteile simuliert und Konstruktionen optimiert. Zugproben sollen entwickelt werden, um Einflussfaktoren wie Drucktemperatur oder Abkühlung besser zu verstehen. 
    Die Daten fließen in Materialmodelle ein, die zur genaueren Belastungsanalyse (FEM) genutzt werden. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz sollen die Erkenntnisse weiter automatisiert und zur Prozessoptimierung verwendet werden, um präzisere Vorhersagen und kostenoptimierte Fertigung zu ermöglichen. Zielgruppe sind Unternehmen, die FDM-Druck nutzen. 

    Kategorie Wissenschaft 
    Digitale Bildungslösungen zur Bewältigung des Fachkräftemangels

    In einer Zeit, in der der Fachkräftemangel insbesondere im Bildungssektor immer akuter wird, präsentiert der Kinder- und Jugendcampus Stralsund der unseKinder gGmbH eine zukunftsweisende Lösung, die nicht nur den Mangel an qualifizierten Lehrkräften adressiert, Unterrichtsausfall reduziert, sondern auch die Bildungsqualität nachhaltig verbessert. Durch die innovative Kombination von digitalen Bildungsangeboten und dem Einsatz von Fachlehrern aus anderen Bundesländern oder sogar aus dem Ausland, entsteht ein flexibles und effizientes Bildungssystem, das sich an die Bedürfnisse der Schüler und die Verfügbarkeit von Lehrkräften anpasst.

  • Einladung zur “Wir und KI”

    gerne möchten wir, – der MakerPort Stralsund, die Project Bay Lietzow und die Hochschule Stralsund – alle Interessierten am 05.09.2024 von 13:00 Uhr bis 18:00 Uhr an die Hochschule Stralsundzur 4. Regionalkonferenz für die Vorpommern-Rügen mit dem Thema „Wir und KI: Gemeinsam Zukunft mITgestalten“ einladen.

    Die Veranstaltung steht dieses Jahr im Zeichen von „Künstlicher Intelligenz“. Gemeinsam möchten wir mit den Teilnehmenden fokussieren, wie wir unsere Region und die KI-Technologie gestaltend verbinden können. Wir bieten einen Raum und die Gelegenheit für den Austausch, diese innovativen Technologien und Lösungen zu bewerten. Konkrete Tools und Best Practices werden vorgestellt und mit Formaten zum Erproben, Kennenlernen und Austauschen gefüllt. Das Ziel der Konferenz ist es, eine Verbindung von Ideen und Kooperationen in der Region zu entfachen, um gemeinsam die digitale Zukunft zu gestalten.

    Das ausführliche Programm und weiterführende Informationen zur Veranstaltung finden Sie unter: https://makerport.de/events/regionalkonferenz_092024 oder in der beigefügten Einladung.

  • Das Recht zu lesen

    Das Recht zu lesen.

    Der Rechtsstreit zwischen den Verlagen und dem Internet Archive (Hachette vs. Internet Archive) wird morgen (28. Juni) vor dem amerikanischen Berufungsgericht verhandelt. Unsere Position ist einfach: Wir wollen, dass unsere Bibliotheksbesucher die Bücher, die wir besitzen, ausleihen und lesen können, wie jede andere Bibliothek auch. Die Verlage, die uns verklagen, argumentieren jedoch, dass wir die Bücher, die wir besitzen, nicht ausleihen dürfen, was dazu geführt hat, dass über eine halbe Million Bücher aus unserer Bibliothek entfernt wurden.

    Sind Sie von dem Verlust des Zugangs zu diesen Büchern bei Ihrer Lektüre oder Recherche betroffen? Da wir weiterhin gegen die Entfernung von Büchern und den Zugang zu Lernmaterialien kämpfen, bitten wir unsere Nutzer dringend, uns auf verschiedene Weise zu unterstützen, von der Weitergabe Ihrer Geschichte bis hin zur Unterzeichnung eines offenen Briefes an die Verleger im Fall Hachette gegen Internet Archive. Im Folgenden erfahren Sie mehr darüber, wie Sie helfen können.

  • Infrastruktur mit Großwärmepumpen von MAN aus Augsburg?

    Warum die Belastung einzelner Haushalte duch einzelne Wärmepumpen, und warum nicht Infrastruktur mit Großwärmepumpen von MAN aus Augsburg?

    Energie in Europa?

    Was macht Dänemark im Hafen Esbjerg so erfolgreich und warum steht die Fernwärmeerzeugung mittels Großwärmepumpen von MAN aus Augsburg in Esbjerg und nicht in Deutschland?

    Dänemark hat im Hafen Esbjerg eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte aufgebaut, insbesondere im Bereich der erneuerbaren Energien und der Hafenlogistik. Esbjerg ist ein wichtiger Knotenpunkt für die Offshore-Windenergie in der Nordsee, was zu einem wachsenden Cluster von Unternehmen geführt hat, die sich auf diese Industrie spezialisiert haben. Die Erfolgsfaktoren für Esbjerg sind vielfältig:

    • Günstige geografische Lage: Esbjerg liegt an der Westküste Dänemarks und ist damit ideal positioniert für den Zugang zu den Offshore-Windparks in der Nordsee.
    • Infrastruktur: Der Hafen von Esbjerg verfügt über ausgezeichnete Hafenanlagen und -dienstleistungen, die speziell auf die Bedürfnisse der Offshore-Industrie zugeschnitten sind. Dies umfasst Anlegestellen für Schiffe, Lagerflächen für Ausrüstung und Logistikzentren.
    • Förderung erneuerbarer Energien: Dänemark hat eine fortschrittliche Energiepolitik, die den Ausbau erneuerbarer Energien fördert. Dies hat dazu beigetragen, dass Esbjerg zu einem Zentrum für Unternehmen wurde, die sich auf erneuerbare Energien spezialisiert haben.
    • Innovationsklima: Esbjerg bietet ein förderliches Umfeld für Innovationen, was dazu beiträgt, dass Unternehmen neue Technologien entwickeln und implementieren können, um den Bedürfnissen der Offshore-Industrie gerecht zu werden.

    Die Entscheidung von MAN, seine Großwärmepumpen in Esbjerg zu installieren, könnte auf mehrere Faktoren zurückzuführen sein:

    • Nachfrage: Esbjerg und seine Umgebung haben möglicherweise eine hohe Nachfrage nach Fernwärme, was den Bau von Großwärmepumpen wirtschaftlich attraktiv macht.
    • Zusammenarbeit: Es besteht möglicherweise eine enge Zusammenarbeit zwischen MAN und dänischen Unternehmen oder Behörden, die den Einsatz von Großwärmepumpen in Esbjerg unterstützt.
    • Regulatorisches Umfeld: Das regulatorische Umfeld in Dänemark könnte für den Einsatz von Großwärmepumpen günstiger sein als in Deutschland, was den Standort Esbjerg attraktiver macht.
    • Strategische Entscheidung: MAN könnte Esbjerg als einen strategischen Standort betrachten, der es ermöglicht, sowohl den dänischen als auch den internationalen Markt für Großwärmepumpen zu bedienen.

    Insgesamt gibt es viele mögliche Gründe, warum MAN sich für Esbjerg entschieden hat, aber es ist wahrscheinlich eine Kombination aus der günstigen Lage, der Nachfrage nach Fernwärme und den lokalen Rahmenbedingungen.

    Kann man das Erfolgsmodell von Esbjerg auf Stralsund übertragen?

    Die Übertragung des Erfolgsmodells von Esbjerg auf Stralsund ist grundsätzlich denkbar, jedoch gibt es einige Faktoren zu berücksichtigen:

    • Geografische Lage und Ressourcen: Stralsund und Esbjerg haben unterschiedliche geografische Gegebenheiten und verfügen möglicherweise über unterschiedliche Ressourcen. Es ist wichtig zu prüfen, ob Stralsund ähnliche Voraussetzungen für die Nutzung von erneuerbaren Energien und die Implementierung von Fernwärmeinfrastruktur hat.
    • Politische Unterstützung und Regulierung: Der Erfolg von Esbjerg beruht auch auf politischer Unterstützung und günstigen regulatorischen Rahmenbedingungen. Stralsund müsste sicherstellen, dass es die notwendige politische Unterstützung und die richtigen Regulierungen gibt, um ein ähnliches Modell umzusetzen.
    • Technologische Anpassung: Die Technologien und Infrastrukturen, die in Esbjerg erfolgreich sind, müssen möglicherweise an die Bedingungen in Stralsund angepasst werden. Dies kann Aspekte wie die Verfügbarkeit von Kühlwasser, die Integration in bestehende Energienetze und die Wirtschaftlichkeit umfassen.
    • Lokale Bedürfnisse und Gemeinschaftsakzeptanz: Stralsund hat möglicherweise andere lokale Bedürfnisse und Prioritäten als Esbjerg. Es ist wichtig sicherzustellen, dass das Modell den Bedürfnissen der örtlichen Gemeinschaft entspricht und von ihr akzeptiert wird.
    • Finanzierung und Partnerschaften: Die Finanzierung solcher Projekte ist entscheidend. Stralsund müsste möglicherweise Partnerschaften mit privaten Unternehmen, der Regierung oder internationalen Organisationen eingehen, um die notwendigen Mittel zu beschaffen.

    Insgesamt ist die Übertragung des Erfolgsmodells von Esbjerg auf Stralsund möglich, erfordert jedoch sorgfältige Analyse, Anpassung und Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen.

    Radio Stralsund Beitrag aus der Serie: Klar sieht, wer von Ferne sieht, und nebelhaft, wer Anteil nimmt.

  • Über den Hass und die Bereitschaft zum Krieg

    Prof. Ulfried Geuter sagt: “Ich war einmal froh und stolz, ein Grüner zu sein. Ich bin am 5. Oktober 1978 beim Gründungstreffen der Alternativen Liste für Demokratie und Umweltschutz, die 1980 in die neu gegründeten Grünen überging, Mitglied geworden. Länger als ich kann man also nicht Mitglied der Grünen sein“, schreibt Geuter, der die Begründung für seinen Austritt auf dem Internetportal Blog der Republik veröffentlicht hat. Er verließ die Grünen unter anderem wegen der Außenpolitik von Annalena Baerbock, die seiner Meinung völlig der „Logik des Krieges“ verfallen sei, unzählige Todesopfer in Kauf nehme, und einen Atomkrieg riskiere.

    Ähnliche Ansichten vertrat Grünen Mitglied Antje Vollmer, die leider am 16. März 2023 verstorben ist, sie wurde 79 Jahre alt. Sie war Pazifistin, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und sie war Gegnerin des Kosovo-, Irak, und Afghanistan Krieges. Hier ein Text von ihr, welchen sie als politisches Vermächtnis in der Berliner Zeitung veröffentlichen wollte:

    Ich stand auf dem Bahnhof meiner Heimatstadt und wartete auf den ICE. Plötzlich näherte sich auf dem Nebengleis ein riesiger Geleitzug, vollbeladen mit Panzern – mit Mardern, Geparden oder Leoparden. Ich kann das nicht unterscheiden, aber ich konnte geschockt das Bild lesen. Der Transport fuhr von West nach Ost. Es war nicht schwer, sich das Gegenbild vorzustellen. Irgendwo im Osten des Kontinents rollten zur gleichen Zeit Militärtransporte voller russischer Kampfpanzer von Ost nach West. Sie würden sich nicht zu einer Panzerschlacht im Stile des Ersten Weltkrieges irgendwo in der Ukraine treffen.

    Nein, sie würden diesmal erneut den waffenstarrenden Abgrund zwischen zwei Machtblöcken markieren, an dem die Welt sich vielleicht zum letzten Mal in einer Konfrontation mit möglicherweise apokalyptischem Ausgang gegenübersteht. Wir befanden uns also wieder im Kalten Krieg und in einer Spirale der gegenseitigen existenziellen Bedrohung – ohne Ausweg, ohne Perspektive. Alles, wogegen ich mein Leben lang politisch gekämpft habe, war mir in diesem Moment präsent als eine einzige riesige Niederlage.

    Bei Geschichte ist es immer wichtig, von welchem Anfang man sie erzählt.

    Es ist üblich geworden, zu Beginn jeder Erwähnung der ungeheuren Tragödie um den Ukraine-Krieg wie eine Schwurformel von der „Zeitenwende“, vom völkerrechtswidrigen brutalen Angriffskrieg Putins bei feststehender Alleinschuld der russischen Seite zu reden und demütig zu bekennen, wie sehr man sich geirrt habe im Vertrauen auf eine Phase der Entspannung und der Versöhnung mit Russland nach der großen Wende 1989/90. Diese Schwurformel wird wie ein Ritual eingefordert, wie ein Kotau, um überhaupt weiter mitreden zu dürfen. Die Feststellung ist ja auch nicht falsch, sie verdeckt aber häufig genau die zentralen Fragen, die es eigentlich zu klären gäbe.

    Wo genau begann die Niederlage? Wo begann der Irrtum? Wann und wie entstand aus einer der glücklichsten Phasen in der Geschichte des eurasischen Kontinents, nach dem nahezu gewaltfreien Ende des Kalten Krieges, diese erneute tödliche Eskalation von Krieg, Gewalt und Blockkonfrontation? Wer hatte Interesse daran, dass die damals mögliche friedliche Koexistenz zwischen Ost und West nicht zustande kam, sondern einem erneuten weltweitem Antagonismus anheimfiel?

    Und dann die Frage aller Fragen: Warum nur fand ausgerechnet Europa, dieser Kontinent mit all seinen historischen Tragödien und machtpolitischen Irrwegen, nicht die Kraft, zum Zentrum einer friedlichen Vision für den bedrohten Planeten zu werden?

    Für die Deutung historischer Ereignisse ist es immer entscheidend, mit welchen Aspekten man beginnt, eine Geschichte zu erzählen.

    Russlands große Vorleistung des Gewaltverzichts.

    Ich widerspreche der heute üblichen These, 1989 habe es eine etablierte europäische Friedensordnung gegeben, die dann Schritt um Schritt einseitig von Seiten Russlands unter dem Diktat des KGB-Agenten Putin zerstört worden sei, bis es schließlich zum Ausbruch des Ukrainekrieges kam. Das ist nicht richtig. Richtig ist: 1989 ist eine Ordnung zerbrochen, die man korrekter als „Pax atomica“ bezeichnet hat, ohne dass eine neue Friedensordnung an ihre Stelle trat. Diese zu schaffen, wäre die Aufgabe der Stunde gewesen. Aber die visionäre Phantasie Europas und des Westens in der Wendezeit reichte nicht aus, um sich das haltbare Konzept einer stabilen europäischen Friedensordnung auszudenken, das allen Ländern der ehemaligen Sowjetunion einen Platz verlässlicher Sicherheit und Zukunftshoffnungen anzubieten vermocht hätte.

    Zwei Gründe sind dafür entscheidend. Beide haben mit alten europäischen Irrtümern zu tun: Zum einen wurde der umfassende wirtschaftliche und politisch Zusammenbruch der Sowjetunion 1989 einseitig als triumphaler Sieg des Westens im Systemkonflikt zwischen Ost und West interpretiert, der damit endgültig die historische Niederlage des Ostens besiegelte. Dieser Hang, sich zum Sieger zu erklären, ist eine alte westliche Hybris und seit jeher Grund für viele Demütigungen, die das ungleiche Verhältnis zum Osten prägen.

    Die Unfähigkeit, nach so umfassenden Umbrüchen andere gleichberechtigte Lösungen zu suchen, hat in dieser fatalen Überheblichkeit ihre Hauptursache. Vor allem aber wurde so das ungeheure und einzigartige Verdienst der sowjetischen Führung unter Michail Gorbatschow mit einer verblüffenden Ignoranz als gerngesehenes Geschenk der Geschichte eingeordnet: Die große Vorleistung des Gewaltverzichts in der Reaktion auf das Freiheitsbestreben der Völker des Ostblocks galt als nahezu selbstverständlich.

    Michail Gorbatschow hat viele seiner Bürger enttäuscht.

    Das aber war es gerade nicht. Bis heute ist erstaunlich, ja unfassbar, wie wenig Gewicht dem beigemessen wurde, dass die Auflösung eines sowjetischen Weltimperiums nahezu gewaltfrei vonstatten ging. Die naive Beschreibung dieses einmaligen Vorgangs lautete dann etwa so: Wie ein Kartenhaus, hochverdient und unvermeidlich, sei da ein ganzes System in sich zusammengesackt. Dass gerade diese Gewaltfreiheit das größte Wunder in einer Reihe wundersamer Ereignisse war, wurde kein eigenes Thema. Sie wurde vielmehr als Schwäche gedeutet. Es gibt aber kaum Vorbilder in der Geschichte für einen solchen Vorgang. Selbst die schwächsten Gewaltregime neigen gerade im Stadium ihres Untergangs gesetzmäßig dazu, eine Orgie von Gewalt, Zerstörung und Selbstzerstörung anzurichten und alles um sie herum in ihren eigenen Untergang mitzureißen – wie exemplarisch beim Untergang des NS-Reiches zu sehen war.

    Die Sowjetunion des Jahres 1989 unter Gorbatschow, wiewohl politisch und wirtschaftlich geschwächt, verfügte über das größte Atompotential, sie hatte eigene Truppen auf dem gesamten Gebiet ihrer Herrschaft stationiert. Es wäre ein Leichtes gewesen, das alles zu mobilisieren. Das wurde ja auch von vielen Vertretern des alten Regimes vehement gefordert.

    Mit dem historischen Abstand wird noch viel deutlicher, welche staatsmännische Leistung es war, lieber „Helden des Rückzugs“ (Enzensberger) zu sein, als in einem letzten Aufbäumen als blutige Rächer und Schlächter von der Geschichte abzutreten. Die Wahl, die Michail Gorbatschow fast allein getroffen hat, hat ihm nicht zuletzt die Enttäuschung vieler seiner Bürger eingebracht. Es hieß, er habe nachträglich den Großen Vaterländischen Krieg verloren.

    Die großen Reformer haben Mut bewiesen, sie werden heute gerne vergessen.

    Wie ein stummes Mahnmal gigantischer europäischer Undankbarkeit steht dafür der erschreckend private Charakter der Trauerfeier um den wohl größten Staatsmann unserer Zeit auf dem Moskauer Prominenten-Friedhof. Es wäre ein Gebot der Stunde gewesen, dass die Granden Europas Michail Gorbatschow, der längst im eigenen Land isoliert war, ihre Hochachtung und ihren Respekt erwiesen hätten, indem sie sich vor ihm verneigten.  

    Zumindest aus Deutschland, das fast ihm allein das Glück der Wiedervereinigung verdankt, hätte ein Bundespräsident Steinmeier an diesem Grab stehen müssen. Die Einsamkeit um diesen Toten war unerträglich. So nutzte ausgerechnet Viktor Orbán die Chance, diesen Boykott einer angemessenen Würdigung zu unterlaufen. Es bleibt ein beschämendes Zeichen, ein Menetekel historischer Ignoranz. Wenige Tage später drängelten sich die Repräsentanten des europäischen Zeitgeistes dann alle mediengerecht am Grab der englischen Queen und des deutschen Papstes Benedikt XVI.

    Bis heute ist mir schwer verständlich, warum es nicht zumindest eine Demonstration der Dankbarkeit bei den eigentlichen Profiteuren dieses Gewaltverzichtes, bei den Bewegungen der friedlichen Bürgerproteste gegeben hat. Gerade sie hatten ja hautnah die Ängste erfahren, was alles hätte passieren können, wenn es 1989 in Ost-Berlin eine ähnliche Reaktion wie bei den Studentenprotesten in Peking gegeben hätte.

    Und tatsächlich ist ein Teil der heutigen Zurückhaltung im Osten Deutschlands gegenüber der einseitigen Anprangerung Russlands wohl dieser anhaltenden Dankbarkeit zuzuschreiben. Mediale Wortführer und Interpreten aber wurden andere – und sie wurden immer dreister. Immer kleiner wurde in ihren Interpretationen der Anteil am Verdienst der Gewaltfreiheit auf sowjetischer Seite, immer wirkmächtiger wurde die Legende von der eigenen großartigen Widerstandsleistung.

    Alle kundigen Zeitzeugen wissen genau, dass der Widerstand und der Heldenmut von Joachim Gauck, Marianne Birthler, Katrin Göring-Eckardt durchaus maßvoll war und den Grad überlebenstüchtiger Anpassung nicht wesentlich überschritt. Manche Selbstbeschreibungen lesen sich allerdings heute wie Hochstapelei. Sie verschweigen oder verkennen, was andere Kräfte zum großen Wandel beitrugen und dass mancher Reformer im System keineswegs weniger Einsatz und Mut gewagt hatte.

    Billige antirussische Ressentiments.

    Das mag menschlich, allzu menschlich sein und also nicht weiter erwähnenswert. Fatal allerdings ist, dass dieser Teil der Bürgerrechtler heute zu den eifrigsten Kronzeugen eines billigen antirussischen Ressentiments zählt. Dies knüpft dabei bruchlos an jene Ideologie des Kalten Krieges an, die vom berechtigten Antistalinismus über den verständlichen Antikommunismus bis hin zur irrationalen Slawenphobie viele Varianten von westlichen Feindbildern bis heute prägt.

    Die wichtigsten Fragen, die heute zwischen Ost und West verhandelt werden müssten, lauten: Was bedeutet es eigentlich, eine europäische Nation zu sein? Was unterscheidet uns von anderen? Welche Fähigkeiten muss eine Nation erwerben, um dazuzugehören? Was sind die Lehren unserer Geschichte? Welche Ideale prägen uns? Welche Irrtümer und Verbrechen? Diese Fragen werden in aller Deutlichkeit wachgerufen am Beispiel der Ukraine und ihres Abwehrkampfes gegen die russische Aggression.

    Europa sollte nicht immer auf der Suche nach Schurkenstaaten sein.

    In unseren Medien verkörpert die Ukraine das Ideal und Vorbild einer freiheitsliebenden westlichen Demokratie heroischen Zuschnitts. Die Ukraine, so heißt es, kämpfe nicht nur für ihre eigene Nation, sondern zugleich für die universale historische Mission des Westens. Wer sich machtpolitisch behauptet, wer seine Existenz mit blutigen Opfern und Waffen verteidigt, gilt als Bollwerk für die europäischen Ideale der Freiheit, koste es, was es wolle. Wer aber den Weg des Konsenses, der Kooperation, der Verständigung und der Versöhnung sucht, gilt als schwach und deswegen als irrelevant, ja als verachtenswert. Von daher sind Gorbatschow und Selenskyj die eigentlichen Antitypen in der Frage, was es heute heißt, Europäer zu sein und die europäischen Tugenden zu verkörpern.

    Neben diesem Hang zum Heroischen und zur Selbsterhöhung liegt hier die Wurzel, die ich für den Grundirrtum einer europäischen Identität halte: das scheinbar unausrottbare Bedürfnis nach nationalem Chauvinismus. Jahrhundertelang haben nationale Exzesse die Geschichte unseres Kontinents geprägt. Keine Nation war frei davon: nicht die Franzosen, schon gar nicht die Briten, nicht die Spanier, nicht die Polen, nicht die Ukrainer, nicht die Balten, nicht die Schweden, nicht die Russen, noch nicht einmal die Tschechen – und schon gar nicht die Deutschen.

    Es ist ein fataler Irrtum, zu meinen, durch den Widerstand gegen die anderen imperialen Mächte gewinne der eigene Nationalismus so etwas wie eine historische Unschuld. Das ist Selbstbetrug und einer der folgenschwersten europäischen Irrtümer. Er verführt auch heute noch viele junge Demokratien dazu, sich nur als Opfer fremder Mächte zu sehen und die eigene Gewaltgeschichte, die eigenen Gewaltphantasien für berechtigt zu halten. Was Europa immer wieder zu lernen hatte und historisch meist verfehlte, ist die Kunst der Selbstbegrenzung, der friedlichen Nachbarschaft, der Fairness, der Wahrung gegenseitiger Interessen und des Respektes voreinander. Was Europa endlich verlernen muss, ist das ständige Verteilen von Ketzerhüten, das Ausmachen von Achsen des Bösen und von immer neuen Schurkenstaaten.

    Die Vision von Helmut Kohl und Hans-Dietrich Genscher.

    Ach Europa! Jedes Mal, wenn wieder eine der großen Krisen und Kriege des Kontinents überstanden war – nach dem 30-jährigen Krieg, nach dem Feldzug Napoleons gegen Russland, nach zwei Weltkriegen, nach dem Kalten Krieg –, konnte man hoffen, der machtpolitische Irrweg sei nun durch bittere Erfahrung widerlegt und gebe einem überlebenstüchtigeren Weltverständnis endlich Raum. Und jedes Mal fielen wie durch einen Fluch die Völker Europas wieder der Versuchung anheim, den Weg der Dominanz und der Konfrontation zu gehen.

    Umso wertvoller ist aber das große Gegenbeispiel: Gorbatschows Hoffnung, dass auch für alle ehemaligen Staaten der Sowjetunion eine neue Sicherheitsordnung möglich sei, die den unterschiedlichen Sicherheitsbedürfnissen gerecht werden würde, war in der Charta von Paris durchaus angedacht als Raum gemeinsamer wirtschaftlicher und politischer Kooperation zwischen dem alten Westeuropa und den neuen östlichen Staaten. Das war damals auch die Vision von Helmut Kohl und Hans-Dietrich Genscher. Aber es gab keinen Plan, kein Konzept, die Vision war einfach zu undeutlich.

    Der Krieg verschlingt sinnlos die Milliarden.

    Wie schnell sich wieder das Gefühl des leichten Triumphes einstellte, lässt sich an einem traurigen Beispiel gut ablesen: am Umgang mit Jugoslawien. Jugoslawien gehörte zu den blockfreien Staaten, es hatte sich rechtzeitig vom Stalinismus gelöst und die jahrhundertealten nationalen Rivalitäten aus der Zeit der Donau-Monarchie einigermaßen befriedet. Es wäre nichts leichter gewesen, als diesem Jugoslawien als Ganzem 1989 eine Öffnung nach Europa und zur EU anzubieten.

    Es hätte Zeit gebraucht, aber es wäre möglich gewesen. Man hätte nur darauf verzichten müssen, dem nationalen Drängen der Slowenen und Kroaten zu schnell nachzugeben und das neue Feindbild der aggressiven Serben zu pflegen. Solche Weisheit allerdings fehlte völlig im Überbietungswettstreit um die Anerkennung neuer Nationalstaaten auf dem Balkan. Der bosnische Bürgerkrieg, Srebrenica, die Zerstörung Sarajewos, Hunderttausende Tote und traumatisierte Menschen, der völkerrechtswidrige Angriffskrieg der Nato gegen Belgrad, die völkerrechtswidrige Anerkennung des Kosovo als selbständiger Staat, das vielfältige Aufbäumen von neuen nationalen Chauvinismen wären vermeidbar gewesen.

    Was bedeutet das alles für die unmittelbare Gegenwart und für die deutsche Politik im Jahre 2023?

    Die Koordinaten haben sich entscheidend verschoben. Bis zum Ende der Regierung Schröder konnte man davon ausgehen, dass gerade Deutschland aus der Zeit der Entspannungspolitik einen privilegierten Zugang, zumindest einen gewissen Spielraum zum Konfliktausgleich zwischen den großen geopolitischen Spannungsherden innehatte. Diese Zeit ist endgültig vorbei.

    Ungefähr im Jahre 2008 begann Putin, dem Status quo zu misstrauen und seinen Machtbereich gegen den Westen auszurichten. Deutschland begann, sich als europäischer Riegenführer im neuen Konzept der Nato zu definieren. Im Rahmen der Reaktionen auf den Ukrainekrieg rückte es endgültig ins Zentrum der antirussischen Gegenstrategien. Das begrüßenswerte, aber medial vielgescholtene Zögern des Kanzlers Olaf Scholz war zu wenig von einer haltbaren politischen Alternative unterfüttert und geriet so ins Rutschen.

    Wirtschaftlich und politisch zahlen wir dafür einen hohen Preis. Der deutsche Wirtschaftsminister bemüht sich, die alten Abhängigkeiten von Russland und China durch neue Abhängigkeiten zu Staaten zu ersetzen, die keineswegs als Musterdemokratien durchgehen können. Die Außenministerin ist die schrillste Trompete der neuen antagonistischen Nato-Strategie.

    Ihre Begründungen verblüffen durch argumentative Schlichtheit. Dabei wachsen die Rüstungskosten und der Einfluss der Rüstungs- und Energiekonzerne ins Unermessliche. Der Krieg verschlingt sinnlos die Milliarden, die für die Rettung des Planeten und gegen die Armut des globalen Südens dringend gebraucht würden. Das aufsteigende China aber wird propagandistisch als neuer geopolitischer Gegner ausgemacht und in der Taiwan-Frage ständig provoziert. Das sind alles keine guten Auspizien.

    Der Frieden und das Überleben des ganzen Planeten.

    Und dennoch: Wenn mich nicht alles täuscht, steht Europa kurz vor der Phase einer großen Ernüchterung, die das eigene Selbstbild tief erschüttern wird. Für mich aber ist das ein Grund zur Hoffnung. Der so selbstgewisse Westen muss einfach lernen, dass die übrige Welt unser Selbstbild nicht teilt und uns nicht beistehen wird. Die eilig ausgesandten Sendboten einer neuen antichinesischen Allianz im anstehenden Kreuzzug gegen das Reich der Mitte scheinen nicht besonders erfolgreich zu sein.

    Wie konnten wir nur annehmen, dass das große China und die Hochkulturen Asiens die Zeit der willkürlichen Freihandels- und Opiumkriege je vergessen würden? Wie sollte der leidgeprüfte afrikanische Kontinent die zwölf Millionen Sklaven und die Ausbeutung all seiner Bodenschätze je verzeihen? Warum sollten die alten Kulturen Lateinamerikas den spanischen und portugiesische Konquistadoren ihre Willkürherrschaft vergeben? Warum sollten die indigenen Völker weltweit das Unrecht illegaler Siedlungen und Landraubs einfach beiseiteschieben in ihrem historischen Gedächtnis?

    Die Grünen waren mal Pazifisten.

    Meine ganz persönliche Niederlage wird mich die letzten Tage begleiten. Gerade die Grünen, meine Partei, hatte einmal alle Schlüssel in der Hand zu einer wirklich neuen Ordnung einer gerechteren Welt. Sie war durch glückliche Umstände dieser Botschaft viel näher als alle anderen Parteien.

    Wir hatten einen echten Schatz zu hüten: Wir waren nicht eingebunden in die machtpolitische Blocklogik des Kalten Krieges. Wir waren per se Dissidenten. Wir waren gleichermaßen gegen die Aufrüstung in Ost wie West, wir sahen die Gefährdung des Planeten durch ungebremstes Wirtschaftswachstum und Konsumismus. Wer die Welt retten wollte, musste ein festes Bündnis zwischen Friedens- und Umweltbewegung anstreben, das war eine klare historische Notwendigkeit, die wir lebten. Wir hatten dieses Zukunftsbündnis greifbar in den Händen.

    Was hat die heutigen Grünen verführt, all das aufzugeben für das bloße Ziel, mitzuspielen beim großen geopolitischen Machtpoker, und dabei ihre wertvollsten Wurzeln als lautstarke Antipazifisten verächtlich zu machen?

    Gegen Hass und den Krieg.

    Ich erinnere mich an meine großen Vorbilder: Die härtesten Bewährungsproben hatten die großen Repräsentanten gewaltfreier Strategien immer in den eigenen Reihen zu bestehen. Gandhi hat mit zwei Hungerstreiks versucht, den Rückfall der Hindus und Moslems in die nationalen Chauvinismen zu stoppen, Nelson Mandela hatte äußerste Mühe, die Gewaltbereitschaft seiner jungen Mitstreiter zu brechen, Martin Luther King musste sich von den Black Panthers als zahnloser Onkel Tom verhöhnen lassen. Ihnen wurde nichts geschenkt. Und das gilt auch heute für uns letzte Pazifisten.

    Der Hass und die Bereitschaft zum Krieg und zur Feindbildproduktion ist tief verwurzelt in der Menschheit, gerade in Zeiten großer Krisen und existentieller Ängste. Heute aber gilt: Wer die Welt wirklich retten will, diesen kostbaren einzigartigen wunderbaren Planenten, der muss den Hass und den Krieg gründlich verlernen. Wir haben nur diese eine Zukunftsoption.”