Kategorie: Medien

  • Wie finanzieren sich Youtube Channels wie CITTA oder Rocknostalgia?

    1. Finanzierung von solchen YouTube-Channels

    YouTube-Kanäle dieser Art nutzen meist eine Kombination verschiedener Einnahmequellen:

    • YouTube-Partnerprogramm (AdSense)
      Einnahmen durch Werbeschaltungen vor oder während der Videos. Allerdings gilt:
      • Bei Content mit geschützter Musik (z. B. Konzerten, Archivaufnahmen) gehen die Werbeeinnahmen fast immer an die Rechteinhaber (Labels, Verlage, Künstler) – nicht an den Kanal.
      • Manche Channels schalten deshalb Werbung ab, um keine Urheberrechts-Claims zu riskieren.
    • Affiliate-Marketing & externe Links
      Verweise auf Amazon, Bandcamp oder Plattenlabels (z. B. “Kaufe die Platte hier”). Bei Verkäufen erhalten die Kanäle Provisionen.
    • Spenden & Mitgliedschaften
      • Patreon, Steady oder YouTube-Mitgliedschaften: Zuschauer können den Kanal freiwillig unterstützen.
      • Gerade in der Nischen-Musikszene ist dies oft die wichtigste Einnahmequelle.
    • Sponsoring & Kooperationen
      Manche Kanäle arbeiten mit Labels, Zeitschriften oder Festivals zusammen. Das Sponsoring ist oft subtil (z. B. “Dieses Video wird präsentiert von …”).
    • Merchandising
      Manche Kanäle bieten eigene Shirts, Poster, Musik-Sampler an.

    2. Rechtefrage & Verbreitung

    Hier wird es knifflig:

    • Urheberrechte (Musik & Videoaufnahmen)
      • Musikaufnahmen sind geschützt durch Labels, Komponisten und Verlage.
      • Konzertmitschnitte oder Archivmaterial gehören meist Fernsehsendern, Produzenten oder Filmfirmen.
      • Wer so etwas ohne Lizenz hochlädt, riskiert Content-ID-Claims oder Sperrungen.
    • YouTube Content-ID
      • Erkennt urheberrechtlich geschützte Musik/Filme automatisch.
      • Die Rechteinhaber können wählen:
        1. Monetarisieren (Einnahmen gehen an sie)
        2. Blockieren (Video wird gesperrt, oft nur in bestimmten Ländern)
        3. Tracking (Inhalt bleibt online, dient aber der Datenerfassung).
    • Fair Use / Zitatrecht
      • In Deutschland gibt es kein echtes „Fair Use“ wie in den USA.
      • Das deutsche Zitatrecht erlaubt zwar die Einbindung von Ausschnitten, aber nur in einem eigenständigen Kontext (Analyse, Kritik, Forschung).
      • Kanäle, die ganze Konzerte oder Songs hochladen, bewegen sich rechtlich im Graubereich.
    • Praktische Realität
      • Viele Kanäle wie Rocknostalgia leben damit, dass Labels das Material dulden, weil es Werbung für ihre Künstler ist.
      • Sobald ein Label oder Rechteinhaber aktiv wird, können Videos jederzeit offline genommen werden.
      • Langfristige Sicherheit haben nur Kanäle, die mit den Rechteinhabern Lizenzverträge schließen.

    👉 Fazit:
    Kanäle wie CITTA oder Rocknostalgia finanzieren sich vor allem über Spenden/Community-Unterstützung und gelegentlich Werbung – aber sie profitieren nicht direkt von Videos mit geschützter Musik, weil die Einnahmen in der Regel an die Rechteinhaber gehen. Bei den Rechten bewegen sie sich oft zwischen Duldung und Lizenzierung, abhängig davon, wie streng die Rechteinhaber vorgehen.

    Beispiel: wie so ein Kanal mit 100.000 Abonnenten und z. B. 1 Mio. Views im Monat (davon 70 % mit Urheberrechts-Claim) tatsächlich finanziell dastehen kann?

    Beispielrechnung:

    Kanalgröße: 100.000 Abonnenten
    Monatliche Views: 1.000.000 (davon 70 % Musikrechte beansprucht über Content-ID)


    1. Einnahmen aus YouTube-Ads

    • CPM (Cost per Mille = Werbeeinnahme pro 1.000 Views): Im Musikbereich schwankt er stark, meist 2–4 € in Europa/USA.
    • Rechnen wir konservativ mit 3 € CPM.
    • Gesamteinnahmen bei 1 Mio. Views:
      3.000 € brutto

    Aber:

    • 70 % (700.000 Views) sind mit Urheberrechts-Claims belegt → diese Einnahmen fließen an die Rechteinhaber (Labels/Verlage).
    • Übrig bleiben nur die 30 % “freie” Views (300.000 Views).
      300.000 / 1.000 × 3 € = 900 €

    ➡️ Einnahmen aus Werbung: ~ 900 € / Monat


    2. Spenden / Patreon / Mitgliedschaften

    Sehr unterschiedlich, aber Erfahrungswerte:

    • Bei 100.000 Abos haben oft 1–3 % der Community eine freiwillige Unterstützung laufen.
    • Angenommen 500 Leute geben im Schnitt 3 € / Monat via Patreon oder Steady.
      1.500 € / Monat

    ➡️ Community-Support: ~ 1.500 € / Monat


    3. Affiliate-Links (Platten, Bücher, DVDs)

    • Beispiel: Amazon Partnerprogramm: 3–5 % Provision.
    • Angenommen 100 Verkäufe von Musik-DVDs/Büchern/Platten im Monat à 20 €.
    • 100 × 20 € × 0,05 = 100 €

    ➡️ Affiliate: ~ 100 € / Monat


    4. Sponsoring / Kooperationen

    Wenn der Kanal eine Nische gut bedient (z. B. Rock-/Jazz-/Folk-Szene), gibt es gelegentlich Sponsoren:

    • Festivalpartner, Musiklabels, Kulturinstitutionen.
    • Realistisch: 200–500 € / Monat (je nach Aktivität).

    ➡️ Sponsoring: ~ 300 € / Monat (geschätzt)


    📊 Gesamteinnahmen

    • Werbung: 900 €
    • Patreon/Spenden: 1.500 €
    • Affiliate: 100 €
    • Sponsoring: 300 €
      = 2.800 € / Monat brutto

    5. Abzüge

    • YouTube behält 45 % der AdSense-Einnahmen ein → die 900 € sind bereits der Netto-Anteil an den Kanal.
    • Steuern (Einkommensteuer, ggf. Gewerbesteuer).
    • Eventuelle Lizenzkosten, falls der Kanal proaktiv Rechte einkauft (oft aber nicht der Fall).

    ➡️ Realistisch bleiben ~1.500–2.000 € netto für den Betreiber übrig – bei einer Reichweite von 1 Mio. Views im Monat.


    👉 Fazit:

    • Ohne Patreon/Spenden wäre ein solcher Kanal kaum tragfähig, da fast alle Werbeeinnahmen durch Urheberrechte abgegriffen werden.
    • Rechteverwertung frisst 70–90 % der Werbeeinnahmen weg.
    • Die eigentliche Finanzierung läuft über die Community (Patreon, Steady, YouTube-Membership).

    Strategisches Modell: von einem Kanal, der primär von alten Archivaufnahmen lebt (Rocknostalgia-Stil), hin zu einem nachhaltigen Kultur-Medienprojekt mit eigenen Rechten.

    🚀 Entwicklungsmodell für einen YouTube-Kanal

    Von „Archivschnipsel“ → zu eigenem, nachhaltigem Kulturmedium


    1. Phase 1 – Reichweite aufbauen (Archiv & Nostalgie)

    • Ziel: Bekanntheit und Community aufbauen.
    • Inhalte: Archivaufnahmen, rare Konzerte, nostalgische Clips, kurze Geschichten zu Bands.
    • Risiko: Urheberrechts-Claims → wenig Einnahmen, hohe Abhängigkeit von Duldung.
    • Strategie:
      • Content bewusst kommentieren/analysieren, um das Zitatrecht besser zu nutzen.
      • Parallel Social Media (Instagram, TikTok, Newsletter) starten → Community unabhängig von YouTube binden.

    2. Phase 2 – Eigenen Mehrwert schaffen (Halb-eigenes Content-Format)

    • Ziel: Vom reinen „Archiv-Uploader“ zum Kurator und Erzähler werden.
    • Inhalte:
      • Video-Essays („Die Geschichte dieses Konzerts / Albums“)
      • Interviews mit Zeitzeugen, Journalisten, Musikhistorikern
      • Reactions & Analysen zu bekannten Clips (unter Zitatrecht besser abgesichert)
    • Finanzierung:
      • Patreon/Steady („Unterstütze unsere Musikgeschichten“)
      • Erste Affiliate-Einnahmen (Bücher, Platten, Dokus)

    3. Phase 3 – Aufbau von eigenem Content-Repertoire

    • Ziel: Eigene Rechte schaffen.
    • Inhalte:
      • Eigene Konzertaufnahmen (in Kooperation mit kleinen Festivals, Clubs, Bands – hier lassen sich Verträge aushandeln)
      • Dokumentationen („Die Rockszene in den 70ern – erzählt von Zeitzeugen“)
      • „Artist Portraits“ mit Einwilligung der Musiker (Storytelling + kleine Sessions).
    • Rechte-Modell:
      • Vereinbarung: Kanal darf Material dauerhaft monetarisieren, Künstler bekommt Sichtbarkeit und ggf. Revenue-Share.
      • Archivieren und lizenzieren: So baut man eine eigene Mediathek auf.

    4. Phase 4 – Professionalisierung & Diversifizierung

    • Ziel: Kanal zu einer unabhängigen Kulturmarke entwickeln.
    • Inhalte:
      • Serienformate (z. B. „Vergessene Legenden des Rock“)
      • Kooperationen mit Museen, Labels, Stiftungen (Fördergelder möglich)
      • Eventuell eigene Podcast-Reihe (Cross-Promotion).
    • Einnahmen:
      • YouTube-Werbung (voll an Kanal, da eigenes Material)
      • Patreon wächst, weil Fans spüren: Geld geht in eigene Produktionen
      • Sponsoring durch Festivals, Plattenlabels, Kulturinstitute
      • Eigene Produkte: DVDs, Fotobücher, Merch

    5. Phase 5 – Langfristige Monetarisierung & Skalierung

    • Ziel: Vom YouTube-Channel zu einem Kultur-Archiv & Medienhaus.
    • Wege:
      • Eigene Streaming-Plattform oder Kooperation mit Arte/3sat/Medienhäusern
      • Paid-Content-Bibliothek mit exklusiven Dokus, Konzertmitschnitten
      • Live-Events / Screenings / Podiumsdiskussionen
      • Förderungen (Kulturstiftungen, EU-Medienfonds, Musikfonds).

    💡 Beispiel: „Rocknostalgia 2.0“

    • Start: Archiv-Videos → Kommentar-Videos
    • Dann: Interviews mit alten Roadies, Produzenten, Clubbesitzern
    • Dann: Kooperation mit kleinen Rockbands, Live-Mitschnitte → Kanal hat eigene Rechte
    • Schließlich: Dokus, Bücher, Events → von der Nische zum anerkannten Kulturprojekt.

    👉 Kurz gesagt:

    • Archiv-Content = Aufmerksamkeit, Reichweite, Community
    • Eigenproduktionen = Rechte, Geld, Nachhaltigkeit

    Businessmodell-Projektion

    Einnahmen & Kosten – für einen YouTube-Kanal, der sich von einem „Archiv-Schnipsel-Projekt“ (wie Rocknostalgia) hin zu einem eigenständigen Kultur-Medienprojekt mit eigenen Rechten entwickelt.

    Szenario für 3 Jahre:

    📊 Businessmodell – Beispielrechnung

    Rahmenbedingungen

    • Team: 1 Hauptperson + 1 Freelancer (Schnitt/Recherche)
    • Output: ca. 2 Videos pro Woche (~100 pro Jahr)
    • Community wächst von 100.000 auf 300.000 Abos in 3 Jahren
    • Durchschnittliche Views:
      • Jahr 1: 1 Mio. / Monat
      • Jahr 2: 1,5 Mio. / Monat
      • Jahr 3: 2 Mio. / Monat

    Kostenstruktur

    Fixkosten (monatlich)

    • Schnittsoftware & Tools (Adobe, Musiklizenzen, Server): 100 €
    • Technik (Kamera, Ton, Beleuchtung, Abschreibung auf 3 Jahre): 200 €
    • Freelancer (Recherche, Schnitt, Untertitel): 600 €
    • Reisekosten (Interviews, Konzerte, Hotels, Bahn/Flug): 500 €
    • Sonstiges (Website, Rechtsberatung, Marketing): 200 €

    ➡️ Fixkosten pro Monat: 1.600 €
    ➡️ Fixkosten pro Jahr: 19.200 €


    Einnahmenstruktur

    Jahr 1 (noch viele Urheberrechts-Claims)

    • Werbung: 900 €/Monat → 10.800 € / Jahr
    • Patreon/Spenden: 1.500 €/Monat → 18.000 € / Jahr
    • Affiliate: 100 €/Monat → 1.200 € / Jahr
    • Sponsoring: 300 €/Monat → 3.600 € / Jahr
      ➡️ Gesamt: 33.600 € / Jahr

    Jahr 2 (mehr Eigenproduktionen, weniger Claims)

    • Werbung: 2.000 €/Monat → 24.000 € / Jahr
    • Patreon/Spenden: 2.500 €/Monat → 30.000 € / Jahr
    • Affiliate: 150 €/Monat → 1.800 € / Jahr
    • Sponsoring: 500 €/Monat → 6.000 € / Jahr
      ➡️ Gesamt: 61.800 € / Jahr

    Jahr 3 (fast nur eigenes Material, große Community)

    • Werbung: 4.000 €/Monat → 48.000 € / Jahr
    • Patreon/Spenden: 4.000 €/Monat → 48.000 € / Jahr
    • Affiliate: 300 €/Monat → 3.600 € / Jahr
    • Sponsoring: 1.000 €/Monat → 12.000 € / Jahr
      ➡️ Gesamt: 111.600 € / Jahr

    Übersicht Einnahmen – Kosten

    JahrEinnahmenKosten (Fixkosten 19.200 €)Gewinn/Verlust
    133.600 €19.200 €+14.400 €
    261.800 €19.200 €+42.600 €
    3111.600 €19.200 €+92.400 €

    💡 Interpretation

    • Jahr 1: Projekt trägt sich, Gewinn noch gering, stark Community-getrieben.
    • Jahr 2: Wachstum + Eigenproduktionen → richtige Selbstständigkeit wird möglich.
    • Jahr 3: Nachhaltiges Medienprojekt, Nettoeinnahmen eines mittleren Gehalts + Reserve für Investitionen.

    🚀 Wachstumsoptionen

    • Live-Events: Screening von Dokus + Konzerte (Tickets, 5–10k € zusätzlich pro Event)
    • DVDs/Books/Merch: Fanbase kauft physische Produkte → 10–20 % Zusatzumsatz möglich
    • Fördermittel: Kulturstiftungen (z. B. Musikfonds, EU-Creative Europe) können bei Dokumentationen 10–50 % der Produktionskosten übernehmen
    • Kooperation mit Medien (Arte, 3sat, WDR Rockpalast): Co-Finanzierungen für hochwertige Dokus

    👉 Fazit:
    Ein solcher Kanal kann sich innerhalb von 2–3 Jahren von einem Hobby-Projekt zu einem tragfähigen Kultur-Medienprojekt entwickeln – wenn er rechtzeitig auf eigene Rechte & Inhalte umschwenkt.
    Die größte Einnahmesäule ist langfristig Patreon/Community + eigene Produktionen, nicht YouTube-Werbung.

  • Grand Hotel, eine Herberge für Zahlende und Gastgeber

    “Grand Hotel” ist ein Begriff, der sowohl mit Stefan Zweig als auch mit dem Film “The Grand Budapest Hotel” in Verbindung gebracht wird. Stefan Zweig, ein österreichischer Schriftsteller, schrieb über den Glanz und die Dekadenz der Belle Époque, die auch im Film von Wes Anderson thematisiert wird. Zweigs Werke, insbesondere seine Autobiografie “Die Welt von Gestern”, dienten als Inspiration für den Film, der die Geschichte eines luxuriösen Hotels im fiktiven Görlitz der Zwischenkriegszeit erzählt. 

    Hier sind einige Punkte, die die Verbindung zwischen Stefan Zweig und “The Grand Budapest Hotel” verdeutlichen:

    • Inspiration durch Zweigs Werk: Wes Anderson gab an, dass er sich für seinen Film von Stefan Zweigs Schriften inspirieren ließ, insbesondere von dessen Novelle “Vierundzwanzig Stunden im Leben einer Frau”, seinem Roman “Ungeduld des Herzens” und seiner Autobiografie “Die Welt von Gestern”, laut AbeBooks

    Darstellung der Belle Époque:

    Sowohl Zweigs Werke als auch der Film thematisieren den Glanz und die Dekadenz der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, die als “Belle Époque” bekannt ist. 

    Die Rolle des Hotels:

    Das Grand Hotel im Film ist ein zentraler Schauplatz, der die Geschichte einer vergangenen Ära und die Veränderungen der Zeit widerspiegelt. In Zweigs Leben und Werk spielten luxuriöse Hotels eine ähnliche Rolle als Orte der Begegnung und des Übergangs. 

    Verbindung zum Film:

    Der Film “The Grand Budapest Hotel” wurde teilweise von Stefan Zweigs Leben und Werk inspiriert, was sich in der Darstellung von Charakteren, Handlungssträngen und der Atmosphäre des Films widerspiegelt, erklärt das Stefan Zweig Zentrum.

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Stefan Zweigs Werk und die damit verbundene Epoche der Belle Époque eine wichtige Inspirationsquelle für den Film “The Grand Budapest Hotel” von Wes Anderson waren.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Grand_Budapest_Hotel
    Grand Hotel
    Der Krieg begann um Mitternacht
  • Krieg und Medien

    Wird versucht einen Krieg vorzubereiten, kann man zunächst in den Medien lesen und hören:

    Wir wollen den Krieg nicht

    Das gegnerische Lager trägt die Verantwortung

    Der Führer des Gegners ist ein Teufel

    Wir kämpfen für eine gute Sache

    Der Gegner kämpft mit unerlaubten Waffen

    Der Gegner begeht mit Absicht Grausamkeiten, wir nur versehentlich

    Unsere Verluste sind gering, die des Gegners enorm

    Künstler und Intellektuelle unterstützen unsere Sache

    Unsere Mission ist heilig

    Wer unsere Berichterstattung in Zweifel zieht, ist ein Verräter.

    Anne Morelli

    Anne Morelli schrieb das Buch Principes élémentaires de propagande de guerre in Ahnlehnung an Arthur Ponsonbys Klassiker zur Propagandaforschung.

    Es ist interessant zu beobachten, wie so mancher Journalist nicht wertfrei seine Recherche und Arbeiten zu irgeneinem Thema veröffentlichen kann, sondern vielmehr den üblichen Narrativen folgt. Beängstigend ist dann zu beobachten, wie in Folge die Personen mit diametral entgegengesetzte Sichtweisen, demzufolge oft sehr schnell beschimpft, herabgestuft und gemieden werden.

    Eigentlich ist das alles nicht neu. Neu ist nur der vehemente Anspruch und die Deutungshoheit und Positionierung von Wahrheit und Lüge, (neudeutsch Fake und Hassrede) im Interesse der Regierenden. Die Opposition und so mancher Bürger weden schnell verunglimpft. Dabei ist es die Aufgabe der Opposition seit den Griechen und ihrer Erfindung der Demokratie vor 2500 Jahren, die Herrschenden in Schach zu halten, da die Erfahrung lehrte, das diese all zu schnell nur ihre eigenen Interessen verfolgen und im Klüngel den eigentlichen Souverän übergehen.

    Die Wörter “Populus”, “Volk” und “Souveränität” sind eng miteinander verbunden im Kontext der Politik und Philosophie. Sie beziehen sich auf die Quelle und das Wesen der staatlichen Macht.

    “Populus” (lateinisch):

    Bezeichnet das Volk als eine Gesamtheit von Menschen, die in einem bestimmten Gebiet leben und politisch organisiert sind

    In der Schule waren die Besserwisser schnell verpönt. Heutzutage haben erwachsene Besserwisser in der Politik zahlreiche Tools den anderen zu diffamieren, sei es ihn als Nazi zu bezeichnen oder der Hassrede zu bezichtigen. Das reicht schon als Mittel der Ausgrenzung.

    Und am Narrativ gearbeitet wird mit allen Mitteln.

    Administratoren in sozialen Medien, die z.B. der Verfassungsschutz mittels V-Männern betreibt, zeigen schon die Fragwürdigkeit dieser Behörde. Brisant an der Sache ist, daseinige Fake-Profile der Verfassungsschutzämter gezielt provozieren, hetzen und womöglich sogar strafrechtlich relevante Handlungen begehen könnten.

    Verfassungsschutz Brandenburg betreibt 287 Fake Accounts.

    Wie aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion hervorgeht, betreibt der Brandenburger Verfassungsschutz insgesamt 287 sogenannte „Fake-Accounts“ in sozialen Netzwerken. Die Landesregierung hatte die Auskunft zunächst unter Verweis auf das „Staatswohl“ verweigert und lieferte die Informationen erst auf erneuten Druck in Form eines Konfrontationsschreibens nach.

  • Auf den Spuren von …

    Radio Stralsund begibt sich auf die Spuren der Exilanten an der Coté d’Azur aus der Zeit der 1930er. Hierzu gibt es bereits ein Pitch. Radio Stralsund ist auf der Suche nach Sponsoren und Mitstreitern zu diesem Thema.

    “Auf den Spuren deutscher Exilanten: Cote d’Azur, Nizza und Sanary”

    Einleitung

    • Seite 1–5:
      • Vorstellung des Themas: Deutsche Exilanten in den 1930er Jahren an der Cote d’Azur.
      • Historischer Hintergrund: Flucht vor dem NS-Regime, Bedeutung der Region für Künstler, Intellektuelle und Schriftsteller.
      • Ziel des Buches: Eine Mischung aus historischem Reisebericht, Routenführer und Hommage an die Exilkultur.
      • Kurze Übersicht über die Kapitel und Besuchspläne.

    Kapitelübersicht

    Kapitel 1: Historischer Kontext und Exil in Südfrankreich

    • Seite 6–15:
      • Politische Situation in Deutschland und Fluchtgründe.
      • Südfrankreich als Zufluchtsort: Geografische und kulturelle Attraktivität.
      • Überblick über die wichtigsten Exilanten (u.a. Thomas Mann, Lion Feuchtwanger, Berthold Brecht, Heinrich Mann).
      • Erste Siedlungen in Nizza und Sanary.

    Kapitel 2: Exilanten in Nizza – Die Stadt der Zuflucht

    • Seite 16–25:
      • Beschreibung von Nizza in den 1930er Jahren.
      • Liste der Exilanten und ihre Wohnorte (Adressen, wenn möglich).
      • Porträts: Wer lebte wo, und wie beeinflusste die Stadt ihr Werk?
      • Interessante Anekdoten aus dem Leben der Exilanten.

    Kapitel 3: Sanary-sur-Mer – Das “deutsche Dorf”

    • Seite 26–35:
      • Überblick über Sanary als Zentrum deutscher Exilanten.
      • Exilanten-Netzwerke und kulturelles Leben.
      • Details zu den Wohnorten: Adressen, Gebäude und ihre heutige Nutzung.
      • Die Rolle von Exilbuchhandlungen und Cafés.

    Kapitel 4: Berühmte Persönlichkeiten im Exil

    • Seite 36–45:
      • Detaillierte Porträts ausgewählter Exilanten:
        • Thomas Mann
        • Heinrich Mann
        • Lion Feuchtwanger
        • Erika Mann
        • Berthold Brecht
      • Literatur, Kunst und Werke, die in Südfrankreich entstanden sind.

    Kapitel 5: Die Wohnorte heute – Historische Orte entdecken

    • Seite 46–55:
      • Überblick über erhaltene Gebäude und Erinnerungsorte.
      • Vergleich von historischen und heutigen Fotografien.
      • Hinweise zur Besichtigung und zum kulturellen Wert der Gebäude.

    Kapitel 6: Routenplaner Nizza

    • Seite 56–65:
      • Route 1: Spaziergang durch die Altstadt von Nizza (3 Stunden).
        • Beginn: Promenade des Anglais.
        • Haltepunkte: Wohnhäuser, kulturelle Hotspots und Cafés der Exilanten.
      • Route 2: Nizza und die Riviera (ganztägig).
        • Besuch von Gärten, Villen und Museen mit Bezug zu Exilanten.

    Kapitel 7: Routenplaner Sanary-sur-Mer

    • Seite 66–75:
      • Route 1: Stadtführung durch Sanary (2 Stunden).
        • Fokus auf die Wohnorte von Lion Feuchtwanger und Berthold Brecht.
      • Route 2: Rundgang durch das Umland von Sanary (halbtägig).
        • Besuch von Buchhandlungen und Landschaften, die das Exil prägten.

    Kapitel 8: Besuchspläne für Touristen – Praktische Tipps

    • Seite 76–85:
      • Vorschläge für 1-, 2- und 3-Tages-Aufenthalte.
      • Unterkunftstipps: Hotels und Pensionen mit historischem Flair.
      • Restaurants und Cafés, die an Exiltraditionen erinnern.
      • Tipps zur Reisezeit und kulturellen Veranstaltungen.

    Kapitel 9: Kulturelles Erbe und Erinnerung

    • Seite 86–95:
      • Wie erinnert man heute an die Exilanten?
      • Gedenktafeln, Museen und Ausstellungen in Nizza und Sanary.
      • Die Bedeutung des Exils für die Region und die Welt.

    Kapitel 10: Anhang und weiterführende Ressourcen

    • Seite 96–100:
      • Literaturliste und Werke, die vor Ort entstanden.
      • Verweise auf weiterführende Literatur, Websites und Filme.
      • Karten und Übersicht der Routen.

    Besonderheiten und Mehrwert

    • Illustrationen: Historische Fotos und moderne Bilder von Wohnorten und Stadtansichten.
    • Interaktive Karten: QR-Codes für digitale Karten und Audioguides.
    • Zitate und Anekdoten: Originalzitate der Exilanten über ihr Leben in Frankreich.

    Zielgruppe: Kulturinteressierte Reisende, Geschichtsfreunde und Leser mit Interesse an Literatur und Exilgeschichte.

  • Bericht eines Außerirdischen über Menschen auf der Erde

    Feldbericht Nr. 47: Anthropologische Analyse der Spezies Homo Sapiens durch ihre digitalen Tanz- und Bildrituale (vom Andromeda von Alien 47)


    Einleitung:
    Nach intensiver Untersuchung der holografischen Archive von „Instagram“ und „TikTok“, zwei prominenten digitalen Plattformen der Spezies Homo Sapiens, lässt sich feststellen: Diese Wesen sind eine seltsame Mischung aus Selbstdarstellern, Kooperationsfreunden und Ritualtänzern mit starkem Hang zur Gruppenzugehörigkeit. Die Analyse ihrer Aktivitäten zeigt faszinierende Einblicke in ihre sozialen Dynamiken, Statusspiele und kreativen Ausdrucksformen.


    1. Instagram: Das digitale Schaufenster des Egos

    Primärfunktion:
    Instagram dient als visuelles Protokoll des individuellen Lebens. Es scheint weniger um das Teilen von Fakten und mehr um die gezielte Inszenierung zu gehen. Die Plattform ist ein kollektiver Versuch, das „Ideal-Selbst“ zu manifestieren.

    Schlüsselelemente:

    • Selbstdarstellung: Fotos zeigen oft die Menschen in vorteilhaften Posen, umgeben von schönen Landschaften, luxuriösem Essen oder stilisierten Alltagsgegenständen. Filter werden genutzt, um die Realität zu manipulieren. Hier zeigt sich der Wunsch nach sozialer Bestätigung.
    • Symbolik: Der „Sonnenuntergang“ steht für Glück und Romantik, während der „Avocado-Toast“ als Emblem für jugendliche Rebellion und soziale Zugehörigkeit interpretiert werden kann.
    • Status: Die Anzahl der „Likes“ und „Follower“ fungiert als Währung, die den sozialen Rang einer Person definiert. Parallelen zu den Rangordnungssystemen von Primaten sind hier auffallend.

    Humorvoller Vergleich:
    Die Menschen scheinen sich gegenseitig zu sagen: „Seht her, ich bin der Alpha-Affe mit der schönsten Banane!“


    2. TikTok: Die Tanzarena der Synchronisation

    Primärfunktion:
    TikTok ist das anthropologische Paradies für kollektive Koordination. In choreografierten Tänzen und trendbasierten Inhalten zeigt sich ein tiefes Bedürfnis der Menschen nach sozialem Anschluss durch Nachahmung.

    Schlüsselelemente:

    • Imitation: Tänze und Trends verbreiten sich in Lichtgeschwindigkeit. Ein Wesen führt eine Bewegung vor, und Tausende, oft Millionen, replizieren sie. Dies deutet auf eine Art „kulturelle Mimikry“ hin, die evolutionär möglicherweise das Zusammengehörigkeitsgefühl stärkt.
    • Rituale: Viele Tänze wirken wie moderne Paarungsrituale. Hüftbewegungen und ausdrucksstarke Gesten erinnern an Balztänze, wie sie auf unserem Heimatplaneten nur noch in Museen zu sehen sind.
    • Humor: Menschen schätzen Inhalte, die ihren Alltag überspitzen und humorvoll darstellen. Es gibt eine überraschende Freude an Selbstironie, die auf eine bemerkenswerte Resilienz hindeutet.

    Humorvoller Vergleich:
    Wenn Instagram der Stammbaum der Status-Affen ist, dann ist TikTok ihre Disco: eine Mischung aus Bananenwurf und Synchronballett.


    3. Sozialpsychologische Erkenntnisse

    • Bedürfnis nach Anerkennung: Beide Plattformen zeigen, dass Menschen extrem darauf angewiesen sind, gesehen und bestätigt zu werden. Sie tun dies durch Bilder, Tänze und kurze Texte. Dies könnte mit dem evolutionären Vorteil zusammenhängen, in Gruppen akzeptiert zu werden.
    • Kollektive Kreativität: Trotz allem Egoismus gibt es auch beeindruckende kollektive Leistungen. Menschen schaffen „Memes“, koordinieren globale Bewegungen oder improvisieren komplexe Tänze. Dies deutet auf eine Art Schwarmintelligenz hin, die sich jedoch nur sporadisch entfaltet.
    • Ironie: Die Fähigkeit, sich selbst zu parodieren, ist eine faszinierende Eigenschaft. Sie zeigt eine kulturelle Reife, die möglicherweise verhindert, dass ihr Ego-Trip ins Unermessliche wächst. (Wobei die Filter und Likes da eine Herausforderung darstellen.)

    Schlussbemerkung:
    Liebe Kolleg*innen, die Menschheit ist eine faszinierende Spezies, die in ihrem Streben nach Bedeutung und Zugehörigkeit den digitalen Raum in einen Spiegel ihrer Wünsche und Ängste verwandelt hat. Wer sie verstehen will, muss tanzen können – oder zumindest wissen, wie man einen Avocado-Toast in Szene setzt.

  • Das Recht zu lesen

    Das Recht zu lesen.

    Der Rechtsstreit zwischen den Verlagen und dem Internet Archive (Hachette vs. Internet Archive) wird morgen (28. Juni) vor dem amerikanischen Berufungsgericht verhandelt. Unsere Position ist einfach: Wir wollen, dass unsere Bibliotheksbesucher die Bücher, die wir besitzen, ausleihen und lesen können, wie jede andere Bibliothek auch. Die Verlage, die uns verklagen, argumentieren jedoch, dass wir die Bücher, die wir besitzen, nicht ausleihen dürfen, was dazu geführt hat, dass über eine halbe Million Bücher aus unserer Bibliothek entfernt wurden.

    Sind Sie von dem Verlust des Zugangs zu diesen Büchern bei Ihrer Lektüre oder Recherche betroffen? Da wir weiterhin gegen die Entfernung von Büchern und den Zugang zu Lernmaterialien kämpfen, bitten wir unsere Nutzer dringend, uns auf verschiedene Weise zu unterstützen, von der Weitergabe Ihrer Geschichte bis hin zur Unterzeichnung eines offenen Briefes an die Verleger im Fall Hachette gegen Internet Archive. Im Folgenden erfahren Sie mehr darüber, wie Sie helfen können.

  • Medienpädagogischer Workshop in der Kinderbibliothek Stralsund

    An Ozobot’s Fairytale
    Ein medienpädagogischer Workshop in der Kinderbibliothek Stralsund

    Die Kinderbibliothek der Hansestadt Stralsund freut sich, neugierige und kreative Kinder im Alter von 8 bis 14 Jahren zu einem einzigartigen medienpädagogischen Projekt einzuladen: “An Ozobot’s Fairytale”. Das findet demnächst statt in Zusammenarbeit mit der Medienwerkstatt Identity Films e.V. und dem Makerport Stralsund.
    Dieses aufregende Theaterprojekt vereint digitale Lesekompetenz, kulturelle Bildung und MINT-Förderung auf spielerische Weise. Damit können Teilnehmerinnen und Teilnehmern in die faszinierende Welt der Ozobots eintauchen. Wenn kleine Roboter die Bretter erobern.

    Unter der Leitung des Medienpädagogen Stefan Koeck von der Medienwerkstatt Identity Films e.V. treffen Robotik, Making, Storytelling und Theater aufeinander. Erschaffen werden soll ein farbenfrohes DIY*-Spektakel. Die Kinder entwickeln gemeinsam ein Theaterstück zu einem Thema ihrer Wahl. Sie erschaffen Charaktere und entwerfen eine abenteuerliche Reise voll fantastischer Erlebnisse.

    Die Ozobots übernehmen dabei die Hauptrolle. Liebevoll gestaltet in eigens angefertigten Kostümen durchfahren sie das von den Kindern programmierte Theaterstück. Gemeinsam gestalten die Kinder ein originelles Bühnenbild für dieses erlebnisreiche Ozobot-Abenteuer. Sie verwenden verschiedene Materialien wie Textilien, Papier, Pappe, LEDs, selbstgedruckte 3-D-Requisiten und mehr.

    Interessierte Kinder sind herzlich zur Kick-Off-Veranstaltung am 06. Juli von 10:00 bis 14:00 Uhr und zu den Folgetreffen eingeladen, die an mehreren Samstagen und im Rahmen von Ferienprogrammen bis Ende 2025 in der Stadtbibliothek Stralsund stattfinden werden.

    “Seid dabei und entdecke die Magie des Theaters und der Technologie”, lädt die Leiterin der Stadtbibliothek Stralsund, Sylvia Lieckfeldt, zu diesem spannenden und kreativen Projekt ein.

    Für weitere Informationen und Anmeldungen wenden Sie sich bitte an die Kinderbibliothek per E-Mail: stadtbibliothek@stralsund.de oder Telefon 03831 253678

    Wir freuen uns auf eine kreative und inspirierende Zusammenarbeit!

    *DIY = Do it yourself

    Hintergrund
    Mit dem Programm „Gemeinsam Digital! Kreativ mit Medien“ fördert der Deutsche Bibliotheksverband (dbv) im Rahmen der dritten Förderphase von „Kultur macht stark“ (2023-2027) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) lokale Projekte der digitalen Leseförderung für Kinder und Jugendliche im Alter von drei bis 18 Jahren. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche zu erreichen und ihnen zusätzliche Bildungschancen zu eröffnen.

    Foto: Medienwerkstatt Identity Films e.V.
    Bildtext: Ozobotrotober auf der Bühne

  • Was ist bloß los am Richard-Wossidlo-Gymnasium?

    Was ist bloß los am Richard-Wossidlo-Gymnasiums in Ribnitz-Damgarten und seinem Schulleiter Jan-Dirk Zimmermann? Dieser Direktor hatte am 27. Februar die Polizei mit der Bitte angerufen einer seiner Schülerinnen wegen möglicherweise strafrechtlicher Sachverhalte zu überprüfen.

    „Gegen 09:45 Uhr informierte der Schulleiter die Polizei über einen möglicherweise strafrechtlichen Sachverhalt“, erklärt Marcel Opitz, der Pressesprecher der zuständigen Polizeinspektion Stralsund. Der Pressesprecher der Polizei sagt weiter: „Demnach lägen Informationen vor, wonach eine 17jährige Schülerin mutmaßlich verfassungsfeindliche Inhalte in sozialen Netzwerken verbreitet haben könnte. Es wurde ein Funkwagen zur Schule entsandt, um diesen Sachverhalt zu prüfen.“

    Die 17 jährige Schülerin hatte auf TikTok gepostet, das Deutschland ihre Heimat sei und nicht nur ein Ort auf der Landkarte ist. Auch hatte sie ein Schlümpfe-Video mit der Bemerkung gezeigt, die Schlümpfe sind blau und Deutschland auch. Und deswegen wurde sie von 3 Polizisten aus ihrem Unterricht geholt, um dann durch die ganze Schule zum Lehrerzimmer eskotiert zu werden. Die Mutter des Mädchens sagt hierzu: „Und dann sagten die Polizisten zu meiner Tochter, daß zu ihrem eigenen Schutz die Beamten sie darum bitten möchten, solche Posts in Zukunft zu unterlassen. Die wußten also vorher, was meine Tochter gepostet hatte, sie wußten, daß es nicht strafbar war und trotzdem dieser Aufmarsch, diese Drohungen, diese Unterdrückungen der Meinungsfreiheit.“

    „Der größte Lump im ganzen Land ist und bleibt der Denunziant“ – das wusste schon Hoffmann von Fallersleben Mitte des 19. Jahrhunderts.

    Schulanweisungen unter Verschluß …

    Schulleiter äußert sich: Habe nur Vorschriften befolgt …

    UPDATE Gerichtsurteil in Greifswald vom 01.07.2025

    und unmögliche Stellungnahme dazu vom SPD Innenminister Christian Pegel von Mecklenburg Vorpommern im Landtag: “Machen Sie bitte weiter so, jawohl, wir werden dann auch in Einzelfällen Gerichtsentscheidungen kriegen …”

    Pressemitteilung-Wossidlo-Gymnasium
    MVP Christian Pegel
  • Der frühe Geist in der wilden Phase des ursprünglichen Internet

    Sozio-technische Entwicklungen — Erwartungen an den Cyberspace — Der Geist des Internets — Bionische Engel — Teilhabe an Gewinnen geschöpfter Energie — Blockchain — Open Data /Open Access — MOOCs – Maker Faires

    Der frühe Geist

    Ja, der frühe Geist in der wilden Phase des ursprünglichen Internet wird assoziert mit einem kooperativen sozialen Raum, einer Tauschökonomie für Software und Information, einer graswuzelbasierten Selbstorganisation sich entwickelnder Communitys und einem Hackergeist, der jede Beschränkung des Zugangs und des freien Informationsflusses zu umgehen weiß.

    In den 1980ern filmte ich mit großen Video-Umatic Systemen meine Umwelt. Brecht´s Radiotheorie bekam eine Praxis. Jeder konnte jetzt filmen und über eingerichtete „Offene Kanäle“ mit festen Sendeplätzen seine Projekte im Bürgerfernsehen publizieren. Als dann das Usenet, die Mailboxen, die Bulletin Board Systeme hinzu kamen, versprach all dies einen emanzipatorischen Fortschritt in der Kommunikations- und Machtstruktur jener Zeit. Man
    träumte von einer horizontalen und nicht vertikalen Demokratie. Dies alles beförderte eine Euphorie in den 1990ern, die jeden zur Mitarbeit für eine gerechtere Welt aufrief. Der gesellschaftspolitische Alltag zog in das Internet.
    Es war dann ein Buch von Gundolf S. Freyermuth: „Cyberland aus dem Jahre 1996“, welches mich in die digitale Welt hineinzog. Freyermuth beschrieb eine typisch kalifornisch utopische Energie, einen Willen, sich selbst und das eigene Leben neu zu erfinden. Und das Kommunikations-Werkzeug hierfür sollte nach den Drogenerfahrungen und einhergehenden Bewußtseinserfahrungen der
    Hippies, nun das Internet werden. Über Jahrhunderte zog die „Neue Welt“ die Menschen an, weil sie dem Einzelnen und unterdrückten Minderheiten sowie politischen Utopisten und religiösen Sekten einen Neuanfang bot. Hier war die Sehnsucht nach Veränderung und Abenteuer stärker als der ängstliche Wunsch
    nach Erhalt des Erreichten. Und hier bereiteten die zahlreichen Subkulturen und avantgardistische High-Tech-Pioniere die Eroberung des Cyberspace vor. Es kursierten Begriffe wie Gehirnhacking, Körperhacking, Bionische Engel, Cyborgs, Cyberpunks. Heute wird gehackt, was nicht bei 4 auf den Bäumen ist. Gehackt werden soll die Denkfähigkeit durch Gehirn-Upgrades und Vernetzung (Brain Hack). Gehackt werden sollen die Sinne (Sensory Hack), indem das Vorhandene gesteigert oder modifiziert wird – besser sehen, hören, riechen sowie Ohren und Nasen, die sich schließen lassen – oder, indem ganz neue Wahrnehmungsbereiche eröffnet werden: Sinne für andere Frequenzen, Schallwellen, Radar oder Radiaktivität. Diese Utopie des Cyberland, damals quasi gedacht als eine Parallelwelt zu unserer vorhandenen Welt, war noch nicht im Focus ökonomischer Prioritäten. Die Grabber AOL, Facebook usw. gab es
    noch nicht. Man befand sich im Wildwest der sozio-technischen Evolution und in Deutschland war man mit seiner geschulten Medienkritik recht gut positioniert gegenüber den Denkstrukturen des Silicon Valley. Es waren zu jener Zeit Organisationen aus Kunst und Kultur, die an der Programmierung von
    Webportalen gearbeitet haben. Interessant sind hier z.B. „De Digitale Stad Amsterdam“ aus dem Jahre 1994. Die DDS wurde von einem Kulturzentrum und einem Hackerkollektiv ins Leben gerufen. Der Grund für die Initiative waren grade stattfindende Kommunalwahlen in Amsterdam und man erhoffte sich über die neuen Informationssysteme einen regen Diskussions-Austausch aller
    Beteiligten. Ein anderes interessantes Projekt war „Die internationale Stadt“, gegründet von einer Berliner Kunstinitiative aus dem Jahre 1995.

    Und, wo liegt nun der Geist des Fortschritts, die Idee des Mensch-Seins und des Sharing? Wie können wir Menschen die neuen Technologien nicht einzeln und egoistisch als Gadgets nutzen, sondern in Gesellschaft an den neuen Möglichkeiten partizipieren?

    Heute möchten datengetriebene Technologiemodelle uns „The paradise of human beeings“ bescheren. Mittlerweile weiß aber wohl jeder, auch ohne Gadget Messung, daß es zu viele Emmissionen von zu vielen Dreckschleudern gibt. Die CO2 Mess Spots erfüllen nur noch, -ja welche Zwecke eigentlich?
    Blockchain / Dokumentation von Geld und Besitz. Monetariesirungsmodelle über Emmissionszertifikate oder Klagemodelle wie z.B der Deutschen Umwelthilfe.

    Vor Jahren haben wir im Argos-Salon schon einmal über „das Geschäftsmodell der Banken“ und das digitale Geld anhand des Bitcoin, einer Kryptowährung, gesprochen. Zur Zeit hat dieses Thema wieder Hochkonjunktur. Der Code des Bitcoin basiert auf der sogenannten „Block Chain“. Mit dieser Technologie wird bei jedem Besitzerwechsel dem transferierten Geld ein neuer Codeschnipsel
    angehängt (von daher der Begriff Block) um eben diesen Artikel zu referenzieren und einwandfrei bisher stattgefundene Besitzerwechsel zu dokumentieren. Dieser Code wird dezentral auf verschiedenen Servern gespeichert. Der eigentlich umwerfende Aspekt ist hier zum einen, daß man den angehängten Code nur bis zu 24 Millionen Bitcoins realisieren kann, die Geldmenge wäre dann
    also gedeckelt. Der andere interessante Aspekt der Nutzung der „Block Chain Technologie“ ist die mögliche Verwaltung der Eigentumsnachweise und Dokumentantion von Besitzerwechseln wie bei Hausbesitz, Urkundenbesitz, Testamente, Patentverzeichnisse usw. usf. Die Speicherung der „Block
    Chain“ Daten läuft dezentral. Jede zentrale Speicherung von Daten, wie sie z.B. Banken über das Geld und die Kunden ausüben, wäre dann obsolet. Die Banken wissen das mittlerweile auch und arbeiten in einem Konsortium an eigenen digitalen Währungen und sammeln und kaufen hierfür fleißig Patente.

    Opendata und Open Access

    Auf http://www.daten.berlin.de/ werden auf einer Karte Obstbäume, welche der Allmende zuzurechnen sind und die von daher von jedem beerntet werden können, verzeichnet. In Berlin gibt es schon einige wenige Opendata Applikationen unter http://www.daten.berlin.de zu sehen. Open Data legt einfach die API’s / Schnittstellen offen, so daß jeder bereits erstellte
    Datenbanken benutzen kann. Ein Beispiel wäre hier die Visualisierung der Verbrauchsdaten derBerliner Bezirke von Strom. Hier kann man einen Bezirk, z.B. Berlin Mitte aufrufen und sieht dann die Daten für z.B. Erzeugte Energie, Verbrauch absolut, Einwohnerzahl, Verbrauch pro Einwohner usw.
    In Wien entwickelt man das Open Access Network Austria (OANA). Diese schreibt: „Wissenschaft ist ein öffentliches Gut, das erst durch Teilen und Weiterverwendung nutzbar wird. Da die digitale Revolution es ermöglicht, viele Informationen von jedem Ort und jeder Zeit zugänglich zu machen,
    ist es das Ziel von Open Access, alle wissenschaftlichen Publikationen frei im Internet zur Verfügung zu stellen. Hierfür gibt es auch eine Agenda. Auch die European Research Area (ERA) oder die Max-Planck-Gesellschaft entwickeln hierzu Roadmaps. Wenn man über Open Data spricht, muß man über die Diskrepanz von freien Zugängen zu Datenbanken mittels freier API’s und über die alten Geschäftsmodelle, Wissen und Erfindungen geheim zu halten, sprechen. Große Konzerne, z.B. die aus der Pharmaindustrie, haben durch z.B. in Deutschland geeignete Rechtsmodelle, Erfindungen, die oft über die staatlichen Universitäten erarbeitet wurden, über lange Zeit zu monetarisieren gewußt. Länder wie Indien konnten das über Druck teilweise reduzieren,
    Länder wie Deutschland befinden sich in der Falle. Zumal mittlerweile auch einzelne Pharma Konzerne öffentlich zugeben, daß Forschung und Entwicklung nicht mehr in ihren Bereich gehören, sondern das diese outgesourct werden müssen. Hier sollten generell einige neue Fragen gestellt werden.

    Heute, im digitalen Zeitalter werden all diese Problematiken wieder neu besprochen. Man fragt sich, ob das Geschäftsmodell wissenschaftlicher Verlage noch zeitgemäß ist? Die OANA ( Open Access Network Austria) in Österreich möchte bis 2025 die gesamte wissenschaftliche Publikationstätigkeit auf Open Access umstellen. Das bedeutet, daß alle wissenschaftlichen Publikationen, die aus Unterstützungen mit öffentlichen Mitteln hervorgegangen sind, ohne Zeitverzögerung und in der finalen Version im Internet frei zugänglich sind. Die
    notwendigen Mittel werden den AutorInnen zur Verfügung gestellt, – oder die Kosten der Publikationsorgane werden direkt von den Wissenschaftsorganisationen getragen. Österreicher erhalten erstmals ein grundsätzliches Recht darauf, mit Steuergeldern finanzierte
    Dokumente für eigene Zwecke zu gebrauchen. Im Juli 2015 trat eine Nouvelle des Informationsweiterverwendungsgesetzes in Kraft, das die Nutzung von Dokumenten regelt, die sich im Besitz öffentlicher Stellen befinden.


    Bildung und MOOCs

    Wie der Erziehungswissenschaftler Sugata Mitra 2013 einmal über die Geschichte der Lernmethodeen referierte, beschrieb er einmal die zu Zeiten des britischen Empire ausgeübten schulischen Ziele: eine gute Handschrift, weil alle Daten mit der Hand geschrieben wurden, sie mußten lesen können, und sie mußten in der Lage sein, im Kopf zu multiplizieren, zu dividieren, zu
    addieren und zu subtrahieren. Es wurde für den globalen bürokratischen Verwaltungsapparat ein Schule benötigt, um einen globalen Computer aus Menschen zu schaffen.

    Heute gibt es MOOCs (Massive Online Open Courses) – offene Online-Kurse für alle. Hier können die besten aller Lehrer ihre Lehre betreiben und in Schulen können hierzu dann die Besprechungen und Hausaufgaben ablaufen. So hatte das berühmte MIT (Massachussets Institute of Technology) einmal einen Kurs mit Prüfung weltweit online gestellt, und die 400 besten Teilnehmer waren dann gar nicht mehr vom MIT selbst, sondern es waren Menschen die online dazu gestoßen waren.

    Maker Faires


    Hacker-, DIY- (Do It Yourself) und Maker-Kulturen sind in den Mainstream eingegangen. Ihre Formate und Methoden gelten mittlerweile als “moderne” Aspekte vieler Politik-, Kultur- und Bildungsprogramme. Dieser Umbruch zeigt sich auch im Wiederaufleben von Craft-Kulturen und im Aufkommen neuer Formen kritischen und aktivistischen Designs als mögliche Gegenpole. All diese Praktiken haben jedoch nie isoliert existiert: Eingebettet in größere soziokulturelle, ökonomische und politische Kontexte haben sich Hacker-, DIY- und Maker-Kulturen schon immer gegen vorherrschende Narrative des Marktes positioniert.

    Transmediale 2016 und Kunsprojekt Autonomy Cube


    Hier noch ein Anmerkung zur Transmediale, dem Mediumkunst-Festival im Haus der Kulturen der Welt. Hier heißt es: Angesichts zahlreicher Probleme und globaler Krisen müssen wir uns fragen, wie eine Gesprächskultur im digitalen Zeitalter aussehen kann? Im internationalenWettbeweb zwischen Staaten, Unternehmen, Netzwerken und Individuen werden wichtige globale Angelegenheiten auf Worthülsen reduziert. Die Macher der Transmediale sagen: wir sprechen von Flüchtlingskrise, Finanzkrise, Klimawandel, Big Data, dabei ist längst nicht klar, worüber wir reden. Wie tauscht man in einer global vernetzten Medienwelt Argumente und Ansichten über komplexe Sachverhalte aus? In Zeiten sich überlagernder Krisen möchten viele Menschen aktiv werden. Aber wie? Die Ambivalenz zwischen Tatendrang und Resignation bildete den inhaltlichen Nährboden der Transmediale 2016. „Anxious to Act, Anxious to Make, Anxious to Share, Anxious to Secure“ (bestrebt zu handeln, bestrebt zu kreiren, bestrebt zu teilen, bestrebt zu sichern), so formulierten es die Veranstalter. Der Drang zu handeln und zu teilen ist groß, gleichzeitig wissen
    wir nicht, wie wir es richtig machen können, ohne etwa Großkonzernen in die Hände zu spielen. Zum Abschluss noch eine Bemerkung zum „Autonomy Cube“ Projekt von Tevor Paglen und Jakob Appelbaum. Sie bauten einen transparenten Cube mit 4 Rechnern und einem offenen Wifi-Hotspot. Implementiert wurde die Software TOR, welche eine Anonymisierung von Daten ermöglicht. Diese
    Skulptur wurde in Oldenburg 4 Monate im Edith-Russ-Haus ausgestellt und konnte auch praktisch als Einwahlknoten voll benutzt werden.


    Auswirkungen des Internet in den USA versus EUROPA

    Steven Hills, ein Fellower der American Academy in Berlin untersuchte die Auswirkungen der Share Ökonomie. Ich selbst war damals begeistert von den ersten Mitfahrzentralen, war fasziniert davon, einfache materielle Dinge zu teilen. Und heute? Steven Hills beobachtet die Unternehmen, die meist nur eine Webseite und ein paar Apps haben und mit ihrem Mischmodell aus Technologie à la Silicon Valley und der Gier à la Wall Street ihre lukrativen Unternehmen aufgebaut haben. Dies sind Unternehmen wie „Uber“, „Upwork“ und
    „Task Rabbit“. Hier wird vorgegeben, daß jeder Mensch ein selbständiger Unternehmer, ein Geschäftsführer, ein Selbstständiger werden kann. Was früher von Unternehmen an Arbeit einfach in Billig Lohn Länder outgesourct wurde, wird heute mit Schein-Selbständigen im eigenen Land zum Billig-Lohn Tarif praktiziert. Und dieser Steven Hill möchte in seiner Studie den prekären
    Zustand von ¾ der Amerikaner, die mittlerweile sich nur noch in ihren Jobs von Gehaltsabrechnung zu Gehaltsabrechnung durchhangeln, vergleichen mit den Auswüchsen einer Sharing Ökonomy in einem Wohlfahrtsstaat mit einflussreicheren Gewerkschaften und stärkerer staatlicher Regulierung.
    Können wir Wohlstand erhalten, wenn unsere Wirtschaftssystem auf einseitigen Arbeitgeber- und Arbeitnehmer Beziehungen basieren? Oder erfordert Wohlstand mehr Mitbestimmung zwischen den Akteuren?

    Die Versicherung Generali


    Der Versicherer plant das Sammeln von Gesundheitsdaten per App. Die Generali-Gruppe steigt ins Telemonitoring ein und kooperiert dazu mit dem südafrikanischen Versicherer Discovery. Die Südafrikaner haben das Gesundheitsprogramm Vitality entwickelt. Kunden, die auf Fitness, Lebensstil und Ernährung achten, werden mit Gutscheinen, Geschenken und Rabatten belohnt. Die,Daten werden mittels App an den Versicherer übermittelt. So sollen beispielsweise Vorsorgetermine dokumentiert, Schritte gezählt und sportliche Aktivitäten gemessen werden. Generali selbst beschreibt Vitality so: Mit Generali Vitality bieten wir zukünftig eine Produktoption für die stetig wachsende Gruppe gesundheitsorientierter Menschen an. Die Vitality-Produkte unterstützen die Kunden auf für sie nachvollziehbare Weise dabei ein gesünderes Leben zu führen. Von der Idee her vergleichbar mit den Bonussystemen von Krankenkassen wird eine gesunde Lebensweise gefördert und belohnt, indem der Kunde beispielsweise Vergünstigungen (bei der Mitgliedschaft im Fitnessstudio, beim Kauf von Sportausrüstungen und gesunden Lebensmittel)
    oder Bonuspunkte erhält. Innovativ ist an dem Modell, dass es ganzheitlich ist, d.h. vom Gesundheits-Check über die Vergünstigungen bis zu Bonuspunkten geht und dass dabei auch digitale Anwendungen zum Tragen kommen, die eine intuitive und für den Versicherten einfache Nutzung ermöglichen. Kunden erhalten Prämiennachlässe. In der ersten Stufe erhalten Versicherte die genannten Vergünstigungen, in einer zweiten Stufe sollen auch Prämiennachlasse beim Versicherungsschutz möglich sein. Damit ist Generali der erste große Versicherer, der Ernst macht mit „Big Data“. Nach Medienberichten sollen auch Allianz, Axa und weitere an ähnlichen Projekten arbeiten. Vorreiter dieser Entwicklung ist der US-amerikanische
    Krankenversicherer United Healthcare. Dort erhalten Versicherte nach entsprechendem Nachweis schon seit Jahren Preisnachlässe. „In Europa werden die Produkte zunächst in Deutschland, Frankreich und Österreich erhältlich sein und die Märkte dann sukzessive ausgeweitet. Weltweit ist der Kooperationspartner bereits in vielen Ländern aktiv, darunter Südafrika, USA, China, England, Australien und Südostasien“, sagt Generali-Unternehmenssprecherin Silvia Lorger-Michel. Hierzulande erntet das Vorhaben deutliche Kritik. Verbraucherschützer wie Peter Grieble von der
    Verbraucherzentralen Baden-Württemberg verweisen auf das Manko hinsichtlich Datenschutz. Der Kunde wisse gar nicht, wie seine Daten im Konzern verarbeitet werden und wer Zugriff darauf habe. Einige Kommentatoren in Publikumsmedien mokieren zudem, dass so das Prinzip der Versicherung ad adsurdum geführt werde. Denn es werden nicht mehr verschiedene Risiken zwischen vielen Kunden und über die Zeit ausgeglichen, sondern die Versicherer versuchen so die „guten“ Risiken für sich zu gewinnen und der Konkurrenz die „schlechten“ Risiken überzuhelfen. Ein Trend, der bei genauerer Betrachtung wahrlich nicht neu erscheint. Felix Hufeld, oberster Versichungsaufseher bei der BaFin, sagte in der Süddeutschen Zeitung: „Wenn wir den Gedanken zu Ende denken, kann das letztlich zu einer Atomisierung des Kollektivs führen.“ Und auch
    Schriftstellerin Juli Zeh schaltet sich in die Debatte ein: „Wir werden manipulierbar und unfrei“. Sie sieht totalitäre Strukturen im Gewand von Serviceangeboten. Von Zeh ist der Roman „Corpus Delicti“, der vor der Problematik einer Gesundheitsdiktatur in naher Zukunft warnt.
    Anhang von Gert Lovink http://thing.desk.nl/bilwet/Geert/Aufsaetze/dds.txt

    *1. Was ist eine ‘digitale Stadt’?


    Digitale Staedte oder ‘Freenets’ sind frei zugängliche, kostenlose Informationssysteme innerhalb des Internets. Es handelt sich dabei um eine
    lokale Sammlung ‘virtueller Gemeinschaften’ (Rheingold), wobei das gemeinsameInteresse die geografische Lage und die Muttersprache ist. Seit Januar 1994 gibt es in Amsterdam eine solche digitale Stadt. Sie wurde von “De Balie” gegruendet, einem Zentrum fuer Politik, Theater und Kultur, sowie der
    “Hacktic”-Gruppe (Computerhacker, die den ‘XS4all’ Internetserver betreiben).
    Das Ziel war anfaenglich, ein Experiment durchzufuehren, welches das Verhältnis zwischen den Buergern und dem Bereich der Politik im elektronischen Zeitalter untersucht. Anlass waren die Wahlen des Gemeinderats. Bald ging die
    Entwicklung dahin, die Diskussion über die Planung der ‘Datenautobahn’ in
    Holland voranzubringen. Für viele war ‘dds’ die erste Bekanntschaft mit dem Internet. Das System brach aufgrund des grossen Zuspruchs bald zusammen. Mittlerweile hat dds-Amsterdam 20.000 ‘Bewohner’ und bis zu 4000 log-ins pro Tag. Seit Oktober 1994 laeuft das System ueber das World Wide Web und die Bewohner haben die Moeglichkeit, eigene Homepages zu gestalten. Die Version 3.0 (Juni 1995) legt noch mehr Wert auf die individuelle Positionierung der einzelnen Benutzer, um das wachsende System weiter zu differenzieren. Im folgenden Text werden eine Anzahl von Alternativen und Dilemmas dargestellt, um so, ohne Einfuehrung, gleich einen Eindruck davon zu geben, welche Fragen sich bei der Planung öffentlicher Netzsysteme ergeben. Kein elektronisches Kaufhaus, sondern Public Domain. Die digitale Stadt ist kein in sich geschlossenes Einkaufszentrum oder Ladenpassage. Sie ist ein öffentlicher Raum, der zwar Zugang zu kommerziellenSystemen oder Diensten ermoeglicht, selbst jedoch keine Waren aufnötigt oder Mautgebuehren an den Zugangspforten erhebt. So wie es nichts kostet, auf der Strasse zu laufen, muss auch der Zugang zur Digitalen Stadt frei sein. Es herrscht das Recht der freien Meinungsaeusserung. Man kann sich ueber die ‘Strasse’ in ein anderes System einloggen, in dem man für Information bezahlen muss, aber der öffentliche Raum im Netz hat damit nichts zu tun. Wenn dieser grundlegende Unterschied zwischen oeffentlichem Raum und Privatheit nicht gemacht werden kann, gibt es keine Existenzberechtigung mehr fuer eine digitale Stadt und sie wird ein Computernetzwerk wie alle anderen. Eine digitale Stadt kann zwar ‘Verkaufsraum’ vermieten, darf aber nicht darauf reduziert werden. Kommerzielle Systeme dagegen werden sich von Natur aus nicht mit dem Problem befassen, ob sie ein ‘Aussen’ haben. Sie werden höchstens Werbung für andere machen, indem sie ihnen die Möglichkeit geben, eine Anzeige zu plazieren. Laut Joost Flint, zusammen mit Marleen Stikker einer der Koordinatoren, ist die Digitale Stadt sowohl eine Antwort auf die drohende Kommerzialisierung des Netzes, als auch ein Trendsetter. “dds” schafft keinen Markt. In dieser Hinsicht sind wir Hippietouristen, die ein Fernes Land kennenlernen. Ich hoffe, dass Die Digitale Stadt ein Raum für nicht-kommerzielle Information bleibt, mit Gratiszugang und Moeglichkeiten, die man in kommerziellen Systemen nicht hat. Es ist angenehm für Menschen, zu wissen, dass sie nicht ‘gemonitort’ werden. Jeder Schritt, den man in einem anderen Internetsystem tut, wird registriert. Die Information wird an eine Direkt-Marketing-Agentur verkauft. Privacy wird ab einem bestimmten Zeitpunkt ein Thema werden.


    *2. Die digitale Stadt ist eine Metapher


    Rob van der Haar ist einer der Designer des Interface fuer Die Digitale Stadt
    3.0. In einem Vortrag mit dem Thema ‘Die Stadt als Metapher’ führt er aus:
    “Warum sollte man einer elektronischen Umgebung den Namen ‘digitale Stadt’
    geben? Zunaechst einmal, weil er als Metapher dienen kann, er erklärt
    unbekannte Dinge anhand von bekannten. Das Verhalten der elektronischen Stadt wird daher mehr oder weniger an das Bild (mentales Modell) anschliessen
    muessen, das die Zielgruppe von einer wirklichen Stadt hat. Das bedeutet nicht
    automatisch, dass eine digitale Stadt eine exakte Kopie einer wirklichen Stadt
    werden muss. Im Gegenteil, Phantasiestaedte wie Disneyland und symbolische
    Staedte wie ‘The Legible City’ des Kuenstlers Jeffrey Shaw sprechen die
    Phantasie viel mehr an. In manchen Punkten darf eine digitale Stadt durchaus
    vom Erwartungsmuster des Benutzers abweichen, gerade Ueberraschungen und
    Entdeckungen laden ein, die Stadt oefter zu besuchen.”
    Ein Teil des Erfolgs der Digitalen Stadt ist sicher ihrem Namen zu verdanken.
    Die Stadtmetapher foerdert nicht nur die Wiedererkennbarkeit, es ist vor allem
    eine produktive Formel, welche sowohl die Phantasie der Macher, als auch der
    Benutzer reizt. Die ‘Stadt’ zieht Ideen an und provoziert dazu, wilde Plaene
    zu schmieden. Diese Metapher erlaubt sowohl die Arbeit an einem strikten,
    uebersichtlichen Plan, in dem Funktionalitaet und Benutzerfreundlichkeit
    dominieren, als auch an einem Labyrinth von Gassen und kleinen Strassen, in
    denen sich dunkle, illegale, abenteuerliche Dinge abspielen. Eine Stadt kann
    so reich (und so arm) sein wie das Leben. Ausschlussmechanismen koennen
    aufgrund der zielbewussten Komplexitaet der Struktur nicht effektiv
    durchgefuehrt werden. Die Unuebersichtlichkeit schuetzt die Bewohner gegen die destruktiven Seiten der Transparenz und der Allgegenwaertigkeit. In der
    Computerterminologie bedeutet das, dass der kuehle, kalte High-Tech durch
    menschliche Exzesse und nichtvorgesehene Abweichungen gemildert wird. Neben dem Rathaus muessen auch der Sexshop und der Koffieshop ihre Annehmlichkeiten anbieten koennen. Man kann in die Schule gehen, aber auch schwaenzen. Die Digitale Stadt muss nicht per se sauber und gesund zu sein. Es muss auch anonyme Plätze geben. Das System wird staendig umgebaut, mit lästigen Baustellen und aufgebrochenen Strassen. In der Literaturkritik ist die
    Metapher ein vertrautes Problem. Es ist an der Literaturwissenschaft, dieses
    Wissen in den Cyberspace zu verpflanzen und den Metaphergebrauch innerhalb
    von Systemen wie Die Digitale Stadt einer kritischen Untersuchung zu unterziehen. Die Stadtmetapher erscheint im Cyberspace zu einem Zeitpunkt, in
    dem es mit der Stadt Amsterdam als Verwaltungseinheit endgueltig vorbei ist,
    und die Stadt sich in der Region (“ROA”) aufloest. Selbst in der reaktionaeren
    Vorstellung des Stadtstaates sehen wir, dass die Stadt sich als eine
    verdichtete Infrastruktur redefiniert, zu der auch die weitentfernten
    Aussenbezirke, Flughaefen, Industriegebiete, edge cities, Autobahnen,
    Handelszentren und Randgemeinden gerechnet werden. Die frühere Stadt dagegen hatte eine deutliche Grenze (und Identitaet). Die digitale Stadt kann nun als zurückgekehrte Metapher einen gewissen Schutz gegen die hochaufloesende Fähigkeit der neuen Technologien bieten. Sie hat neben utopischen auch nostalgische Züge. Sie will den vergangenen Glanz der Stadt wieder zum Leben erwecken, nicht indem man gebaute Umgebung mit postmodernen Fassaden versieht oder die Bewachung verstärkt, sondern indem man die Künstlichkeit konsequentnausbaut: digitaler Konstruktivismus.
    http://thing.desk.nl/bilwet/Geert/Aufsaetze/dds.txt
    http://www.digitalcraft.org/?artikel_id=249
    http://www.digitalcraft.org/dateien/358_0730164807.pdf

    [Vortrag von Klaus Kampe im Argos Salon]

  • Lesung in der LesBar

    LesBar im Januar: In Plüschgewittern

    Wenzel Pawlitzky liest am 17. Januar um 19 Uhr in der Stadtbibliothek Stralsund „In Plüschgewittern“ von Wolfgang Herrndorf

    Worum geht’s? Der namenlose Ich-Erzähler in Herrndorfs Debüt-Roman ist nach der Trennung von seiner Freundin unterwegs aus der westdeutschen Provinz nach Berlin. Hier strauchelt er ziellos durch die trunkene Hauptstadt-Szene, bekommt das Leben nicht recht zu fassen und verliebt sich unglücklich. Skurril, etwas düster, aber heiter und sehr intelligent erzählt Herrndorf von der Identitätssuche eines 30-jährigen.

    Der Eintritt ist frei.


    [Quelle Stadt Stralsund]