Kategorie: Bücher

  • Vorabdruck aus “Deutsche Auswanderer”

    Schicksale über 3 Jahrhunderte – von Klaus Kampe

    Kapitel 4 – Land der Versprechen

    Hamburg-Amerika_Linie_Deutschland_Hamburg_1899

    Conrad Weiser, die Quäker und der Preis der Freiheit

    „Ich habe zwei Sprachen gelernt –
    die der Väter, die alles zählen,
    und die der Irokesen, die alles erzählen.
    Die Wahrheit liegt dazwischen.“

    — Conrad Weiser, Brief an seine Frau Anna Eva, ca. 1737


    Buch jetzt erhältlich:

    1. Das Erbe der ersten Generation

    Als die zweite Generation der Deutschen in Pennsylvania erwachsen wurde, war die Wildnis kein Feind mehr, sondern Besitz. Land war das neue Evangelium. Wer es hatte, galt als gesegnet; wer es verlor, als gestraft.

    Die ersten Einwanderer hatten das Land als Gnade empfangen – frei, offen, grenzenlos. Doch nun musste jeder Anspruch mit Papieren, Siegeln und Grenzsteinen belegt werden. Und gerade da begann eine neue Art Krieg: leise, juristisch, genährt von Gier, Unkenntnis und Misstrauen.

    Johann Conrad Weiser senior, der einst in Germantown als einfacher Siedler begonnen hatte, geriet bald in Streit mit der Krone von New York. Man versprach den deutschen Familien Land im Tal von Schoharie, doch als sie ankamen, war es bereits verkauft – an Spekulanten, die ihre Papiere aus London, Den Haag oder gar Frankfurt bezogen hatten. Die deutschen Siedler nannten es das „Land der Lügenurkunden“.

    „Man gab uns Wald, den wir mit Blut kauften, und nannte uns ungehorsam, weil wir den Vertrag nicht lesen konnten.“
    – Aus der „Schoharie Petition“, 1718

    2. Die Händler des Bodens

    In jenen Jahren tauchte in den Akten der Kolonialverwaltung ein Name auf, der bald unter den Deutschen kursierte wie ein Fluch: Johannes Tschudi. Ein Mann aus Zürich, einst Notar, dann Handelsagent, schließlich Landkommissar – und, wie man später herausfand, ein geschickter Fälscher.

    Tschudi war einer jener Grenzgänger zwischen Legitimität und Betrug, wie sie das koloniale Zeitalter reichlich hervorbrachte. Er verfügte über Siegel und Wappen, die täuschend echt wirkten, und stellte Siedlungszertifikate aus, die angeblich vom Gouverneur von Pennsylvania stammten. Für eine Gebühr von „zwei Louisd’or pro Familie“ versprach er 200 Morgen Land, dazu das Recht auf Holz, Viehweide und Steuerfreiheit für sieben Jahre.

    In einem erhaltenen Pamphlet aus seiner Hand heißt es:

    „Nachricht von dem fruchtbaren Land Penn-Sylvania, wo Milch, Honig und Gerechtigkeit fließen, und ein jeder Mann sein eigener König sein mag.“

    Das Blatt kursierte zwischen Frankfurt, Straßburg, Ulm und Zürich. Viele glaubten es – nicht zuletzt, weil es auf Pergament mit kolonialem Siegel gedruckt war, das in London nachgemacht wurde. Wer sich einschreiben ließ, erhielt eine Landkarte mit eingezeichneten Grundstücken – oft auf Gebieten, die es gar nicht gab.

    Ein Nachfahre der Familie Braun aus der Pfalz schrieb 1751:

    „Wir trugen die Karte in der Brusttasche über das Meer, und als wir ankamen, zeigte man uns Sumpf und Geröll. Doch da wir nun hier waren, begannen wir zu graben – nicht nach Gold, sondern nach Wahrheit.“

    Tschudi verschwand eines Tages spurlos. Einige Berichte behaupten, er sei in der Karibik gestorben, andere, er habe in London eine neue Identität angenommen. Zurück blieb ein Netz aus Enttäuschung und Misstrauen, das sich tief in die deutsche Gemeinschaft einbrannte.

    3. Die Anwerber – Stimmen der Verheißung

    Nicht alle Lügen kamen von Einzeltätern. Ab den 1720er-Jahren entwickelte sich ein regelrechtes Geschäft mit dem Traum vom „neuen Leben“. In Rotterdam und Hamburg eröffneten Emigrantenagenturen, die für Schiffspassagen nach Philadelphia warben. Ihre Flugblätter hießen “Bericht über das glückselige Land Pennsylvanien“ oder “Einfältige Beschreibung der herrlichen neuen Welt“.

    Ein besonders bekanntes Pamphlet von 1726 versprach:

    „Dort ist keiner des anderen Knecht,
    und die Erde trägt ohne Zwang.
    Kein Zehnt, kein Krieg, kein Fürst.“

    Doch was verschwiegen wurde: Die meisten Schiffspassagen wurden auf Kredit bezahlt. Wer die Überfahrt nicht bar begleichen konnte, unterschrieb einen Vertrag der „indentured servitude“ – Schuldknechtschaft. Viele Deutsche kamen in Philadelphia an und mussten ihre Arbeitskraft für vier bis sieben Jahre an reiche Pflanzer oder Händler verkaufen.

    Conrad Weiser notierte in einem seiner frühen Briefe:

    „Sie kamen als freie Leute und wachten als Knechte auf.
    Die Schiffe brachten keine Hoffnung, sondern Hypotheken.“

    Die Händler der Überfahrt nannten es „redemptioner system“.
    Ein Begriff, der das Wort „Erlösung“ perfide ins Gegenteil kehrte.

    4. Der Gouverneur und die Rebellen

    Der britische Gouverneur Robert Hunter sah die deutschen Siedler als nützliche Untertanen – fleißig, duldsam, steuerpflichtig. Doch als sie sich weigerten, Steuern für Land zu zahlen, das ihnen nie gehörte, sprach er:

    „Die Deutschen sind gute Bauern, aber schlechte Untertanen.
    Sie glauben an Gott, aber nicht an Gesetze.“

    Hunter schickte Truppen, um Schoharie zu „befrieden“. Doch die Deutschen verschanzten sich, verweigerten den Eid, und in der Wildnis am Mohawk River kam es beinahe zu einer offenen Rebellion.

    Johann Weiser schrieb:

    „Wir sind nicht aufgestanden gegen den König, sondern gegen den Betrug.
    Wer Land verspricht und dann stiehlt, sündigt gegen Gott, nicht gegen die Krone.“

    5. Conrad Weiser – Der Sohn zwischen zwei Welten

    Conrad war der Mittler – zwischen Vater und Obrigkeit, zwischen Deutschem und Englischem, zwischen Siedlern und Irokesen. Er erkannte früh, dass Besitz auch Sprache war. Wer das Englische beherrschte, besaß Land, wer nur Deutsch sprach, blieb Pächter seiner Träume.

    In einem seiner Aufzeichnungen findet sich der Satz:

    „Ich habe gelernt, dass Freiheit in Verträgen endet,
    wenn der Stift des anderen das letzte Wort hat.“

    Conrad wurde Übersetzer, Vermittler, später Berater der Kolonialregierung.
    Er sah, wie seine Landsleute betrogen, entrechtet, aber auch selbst gierig wurden. Der Kreis begann sich zu schließen: Die Opfer wurden zu Besitzenden, die nächsten Armen kamen nach.

    6. Die Landpapiere und der neue Glaube

    Im Jahr 1740 kursierten in Pennsylvania mehr gefälschte als echte Landurkunden. Deutsche Kolonisten kauften sie auf Märkten, aus Wagen heraus, und Tavernen. Manche wussten, dass sie falsch waren – andere wollten es nicht wissen. Glaube wurde Geschäft.

    Ein Eintrag im Tagebuch des Quäkers John Logan, 1741:

    „Die Deutschen sind fromm, doch ihre Frömmigkeit ist kein Schutz gegen die Versuchung des Eigentums.“

    So entstand eine Kultur der Rechtfertigung: Man sagte, Gott habe das Land gegeben – also könne kein Mensch es verweigern. Die Bibel wurde zur Urkunde, das Wort zur Besitzurkunde. Ein gefährlicher Gedanke, der sich tief in das Selbstverständnis der Kolonien fraß.

    7. Die Rückkehr des Erzählers

    Philadelphia, 1887.
    Ecklin sitzt wieder im Archiv.
    Er hat nun nicht nur Günters Buch gelesen, sondern auch Weisers Briefe, Tschudis gefälschte Dokumente, Pamphlete, Ratsprotokolle.
    Ein Mosaik aus Hoffnungen, Betrug und Glauben liegt vor ihm.

    Er notiert:

    „Vielleicht war der größte Irrtum nicht, dass sie belogen wurden – sondern dass sie glaubten, Freiheit sei käuflich.“

    Draußen läuten die Glocken der deutschen St. Michaelskirche. Auf der Straße verkauft ein Mann Drucke mit der Aufschrift: „Ein Stück Land in Dakota – 100 Morgen, 10 Dollar!“
    Ecklin schließt die Augen.
    Dreihundert Jahre sind vergangen, und die Sprache der Verheißung klingt noch immer gleich.

    „Wir gingen, weil wir glaubten, das Land sei frei. Nun weiß ich: Nur der Mensch kann frei sein – und auch das nur kurz.“

  • Varian Fry – Von Berlin nach Marseille

    Ein Leben zwischen Beobachtung und Verantwortung.

    Aus dem Buch “Deutsche Exilanten an der Coté d’Azur”

    Als Varian Fry 1935 an Bord des Transatlantikliners Bremen nach Europa reiste, war er noch ein junger Journalist, getrieben von Neugier, Scharfsinn und einem unbestechlichen Blick für die politischen Spannungen seiner Zeit. Schon auf der Überfahrt, zwischen Diplomaten, Geschäftsleuten und Emigranten, hörte er Gespräche über Hitlers Arbeitsbeschaffungsprogramme, über Devisenkontrollen und über den wachsenden Antisemitismus. Es war eine Vorahnung dessen, was ihn auf dem Kontinent erwartete.

    In Berlin bezog er Quartier in der Hotel-Pension Stern am Kurfürstendamm, einem bürgerlichen Haus im Herzen der Hauptstadt. Dort, in den Frühstücksräumen, beim Rascheln der Zeitungen, führte er seine ersten Interviews: Politiker, die noch zwischen Loyalität und innerem Widerstand schwankten, Wirtschaftsführer, die im Regime ebenso Bedrohung wie Chance sahen, und Universitätsdozenten, die zwischen akademischer Vorsicht und offener Ideologietreue lavierten. Doch Fry hörte nicht nur den Stimmen der Eliten zu. Er sprach mit Ladenbesitzern, die von Boykottaktionen berichteten, mit Kellnern, die im Flüsterton von verschwundenen Gästen erzählten, mit Kirchenbesuchern, die den Druck auf ihre Pfarrer schilderten, und mit Taxichauffeuren, deren nüchterner Zynismus oft mehr Wahrheit enthielt als die offiziellen Parolen.

    Der Kurfürstendamm wurde für Fry zu einem Brennspiegel. Elegantes Flanieren und Einschüchterung durch SA-Männer existierten nebeneinander. Eines Abends geriet er in eine Straßenschlacht: Studenten protestierten gegen die Gleichschaltung, SA-Männer trieben sie mit Stiefeln und Schlagstöcken auseinander. Fry, der nur beobachten wollte, wurde in das Getümmel hineingezogen. Er entkam, aber nicht ohne Verletzungen – und nicht ohne ein Bild jener Gewalt, die er später so eindringlich beschrieb. Berlin hatte ihm gezeigt, wie tief Ideologie, Angst und Gewalt bereits in den Alltag eingedrungen waren.

    Als Fry 1940, nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Frankreich, im Auftrag des Emergency Rescue Committee nach Marseille entsandt wurde, war er vorbereitet. Was er in Berlin nur beobachtet hatte, bestimmte nun sein Handeln: Menschen retten, die auf den schwarzen Listen der Gestapo standen.

    Marseille, der letzte große Hafen im unbesetzten Frankreich, war ein Ort der Hoffnung und Verzweiflung zugleich. Flüchtlinge aus ganz Europa strömten dorthin – Schriftsteller, Künstler, Wissenschaftler, politische Dissidenten. Fry arbeitete unter dem Deckmantel eines Journalisten, doch sein eigentlicher Auftrag war die Organisation einer Rettungsmaschine, die zugleich improvisiert und lebensgefährlich war.

    Sein Team war bunt zusammengesetzt: Miriam Davenport, die Kunsthistorikerin; Mary Jayne Gold, eine wohlhabende Amerikanerin, die Geld und Mut beisteuerte; Daniel Bénédite, der französische Gewerkschafter, der Kontakte zu Beamten und Arbeitern hielt; später auch der junge Ökonom Albert Hirschman, der Pässe fälschte und Fluchtwege organisierte. Gemeinsam retteten sie Hunderte – unter ihnen Marc Chagall, Heinrich Mann, Lion Feuchtwanger, Max Ernst, Hannah Arendt und viele andere, deren Werk das kulturelle Gedächtnis des 20. Jahrhunderts prägt.

    Die Kooperation der USA war ambivalent. Das Emergency Rescue Committee hatte ihn entsandt, doch Washington hielt Distanz: Offiziell wollte man keine Konfrontation mit Vichy-Frankreich oder Berlin riskieren. Fry agierte daher im Graubereich, geduldet, aber misstrauisch beäugt. Auch Frankreich zeigte zwei Gesichter: Einzelne Beamte halfen im Stillen, doch die Vichy-Administration kooperierte eng mit den Deutschen und lieferte Flüchtlinge aus. Nur durch Bestechungen, Fälschungen und heimliche Netzwerke gelang es Fry, seine Arbeit fortzuführen.

    Von Marseille aus reichten seine Kontakte auch an die Côte d’Azur: nach Nizza und nach Sanary-sur-Mer, wo bereits seit den frühen 1930er Jahren deutsche Exilanten lebten – Heinrich und Thomas Mann, Lion Feuchtwanger, Franz Werfel, Alma Mahler-Werfel und viele andere. Fry knüpfte an diese Strukturen an, half beim Weitertransport, organisierte Visa und Schiffspassagen nach Spanien und Portugal. So verband er die Fluchtwege an der Küste mit den Rettungsrouten in Marseille.

    Doch 1941 setzte Vichy seiner Arbeit ein Ende. Fry wurde ausgewiesen, ausgelaugt und von Schuldgefühlen geplagt, weil er nicht alle retten konnte. Zurück in New York berichtete er, schrieb 1945 sein Buch Surrender on Demand, doch es blieb lange unbeachtet. Amerika wollte in den ersten Nachkriegsjahren nicht erinnert werden an jene Zeit der Untätigkeit, als Einzelne mehr Mut gezeigt hatten als Staaten. Fry selbst lebte am Rande der intellektuellen Szene, gezeichnet von dem, was er erlebt hatte.

    Erst Jahrzehnte später erhielt er die Anerkennung, die ihm gebührte. 1996 ehrte ihn Yad Vashem als ersten Amerikaner mit dem Titel „Gerechter unter den Völkern“. Auch in Frankreich und Deutschland erinnert man heute an den „amerikanischen Schindler“, der nicht aus politischem Kalkül, sondern aus moralischer Klarheit handelte.

    Varian Fry war Beobachter und Akteur zugleich. In Berlin hatte er gelernt, hinter die Fassaden zu sehen, in Marseille hatte er gehandelt, in den USA hatte er für Erinnerung gestritten. Sein Lebensweg – von den Salons des Linienschiffs Bremen über die Pension Stern am Kurfürstendamm bis zu den improvisierten Rettungsbüros in Marseille – ist ein Zeugnis dafür, dass auch ein Einzelner im Angesicht der Gewalt Verantwortung übernehmen kann.

    Varian Fry

    Photo: Varian Fry in Marseille. Frankreich, 1940–1941 in Marseille. US Holocaust Memorial Museum, courtesy of Annette Fry

  • APÉRO UM ZWÖLF

    VON ZWEIEN, DIE AUSZOGEN IN FRANKREICH ZU LEBEN

    Ein Buch für alle Frankreich-Fans. Und ein reicher Erfahrungsschatz für alle, die es der Autorin gleichtun und aus dem Traum von der Auswanderung nach Frankreich Realität machen wollen.

    „Aufgeben ist keine Option, wenn es darum geht, sich seinen Traum zu erfüllen.“
    Ines Sachs

    Die Autorin Ines Sachs und ihr Mann beschließen, Deutschland den Rücken zu kehren und ein Leben an der Sonne Südfrankreichs zu leben. In diesem Buch beschreibt sie liebevoll und mit einer großen Portion Humor ihre Auswanderung: wie aus dem Traum ein Plan wird (denn nicht umsonst ist sie mit einem Projektleiter verheiratet), die kleinen Schwierigkeiten und großen Hürden, die es zu überwinden gilt, und schließlich und endlich die Ankunft in der neuen Heimat, die ganz und gar nicht so glattläuft, wie sie sich das vorgestellt hatten.

  • Die Wurzeln des Antikapitalismus

    „Die Wurzeln des Antikapitalismus“ (englisch: The Anti‑Capitalistic Mentality) von Ludwig von Mises wurde zuerst 1956/1957 veröffentlicht und 1958 auf Deutsch; es ist ein relativ kurzes Werk, das versucht, die psychologischen und kulturellen Ursachen zu analysieren, warum Kapitalismus sowohl abgelehnt als auch kritisiert wird – vor allem von Intellektuellen. EconBiz+2mises.de+2

    Hier sind die wichtigsten Inhalte, Thesen und Argumentationslinien des Buches:


    Hauptthema und Ziel

    Mises will herausfinden, worin die Ursachen für die weit verbreitete Antipathie oder Ablehnung gegenüber dem Kapitalismus liegen – trotz der wirtschaftlichen Erfolge, die dieses System gebracht hat. Insbesondere interessiert ihn, warum Intellektuelle so oft antikapitalistisch eingestellt sind, und wie psychologische, moralische sowie soziale Faktoren diese Einstellung bedingen. mises.de+1


    Aufbau / Kapitelübersicht

    Im deutschen Sprachraum lautet die Kapitelgliederung (zumindest der Anfang) laut Inhaltsverzeichnis:

    1. Der souveräne Verbraucher – eines der ersten Kapitel, in dem Mises den Kernmechanismus des Kapitalismus beschreibt. mises.de+1
      (Weitere Kapitel bauen auf dieser Grundidee auf, analysieren Vorurteile, soziale Psychologie, religiöse und moralische Hintergründe etc.) mises.de

    Zentrale Thesen und Argumente

    Hier sind die zentralen Aussagen, die Mises macht:

    • Funktion des Kapitalismus: Kapitalismus beruht auf freiem Tausch, privateigentum, Marktwettbewerb, dezentraler Entscheidungsfindung durch Angebot und Nachfrage. Dort ist der „Konsument souverän“ – d.h., die Produktion richtet sich danach, was Konsumenten wollen. mises.de+1
    • Antikapitalistische Mentalität trotz Erfolgen: Viele Menschen erkennen zwar die materiellen Vorteile des Kapitalismus (höherer Lebensstandard, technologischer Fortschritt etc.), aber trotzdem gibt es starke moralische, emotionale und ideologische Vorbehalte gegen ihn. mises.de+1
    • Ressentiment und Neid: Ein großer Teil der Abneigung rührt von Neid her – Menschen vergleichen sich mit denen, die mehr besitzen oder wirtschaftlich erfolgreich sind, und finden das unfair. Vor allem Intellektuelle neigen dazu, Produktionsverhältnisse, Besitzverhältnisse und Einkommensverteilungen kritisch zu sehen. mises.de+2Mises Institute+2
    • Moralische Vorbehalte: Viele Kritiker des Kapitalismus werfen ihm Egoismus, Materialismus und soziale Ungerechtigkeit vor. Diejenigen, die an andere Werte glauben (z. B. religiöse Gemeinschaft, Solidarität, Gleichheit), sehen in der Marktwirtschaft oft eine Bedrohung ihrer moralischen Vorstellungen. mises.de+1
    • Missverständnisse und falsche Wahrnehmungen: Mises argumentiert, dass viele Kritiken auf falschen Annahmen oder Missverständnissen beruhen – z. B. wie Profit zustande kommt, wie Eigentum funktioniert, wie viel Risiko Unternehmer tragen etc. Er versucht zu zeigen, dass viele Kritiker den Unternehmer nur als Nutznießer sehen, während dessen Leistung, Risiko, Innovation und Effizienz übersehen werden. mises.de+1
    • Die Rolle der Intellektuellen: Mises analysiert, warum viele Intellektuelle sich gegen den Kapitalismus wenden — u.a. weil sie in privilegierten Positionen sind, die durch staatliche Institutionen, durch staatliche Subventionen, durch Kontrolle oder Regulierung profitieren. Auch weil sie Ideale vertreten, die Gleichheit oder Gerechtigkeit oder kollektive Verantwortung höher gewichten als individuelle Freiheit. mises.de+1

    Bedeutung und Kritikpunkte

    • Stärken: Das Buch zeigt überzeugend, dass Antikapitalismus nicht nur ökonomische, sondern auch psychologische und moralische Wurzeln hat. Es regt dazu an, über Vorurteile und emotionale Faktoren nachzudenken, nicht nur über rationale oder rein ökonomische Argumente.
    • Schwächen / mögliche Kritik: Manche Kritiker könnten sagen, Mises unterschätze soziale Probleme und Ungerechtigkeiten, die Kapitalismus mit sich bringt; oder dass er soziale Ungleichheiten, Machtunterschiede und strukturelle Nachteile nicht ausreichend berücksichtigt. Auch könnte man einwenden, dass manche antikapitalistische Haltung berechtigte Kritik an Marktversagen, Umweltproblemen oder externen Effekten enthält. Mises würde vielleicht antworten, dass diese Probleme nicht dem Kapitalismus per se zuzuschreiben sind, sondern falscher Regulierung oder fehlendem Marktmechanismus.
  • Klaus Mann in Sanary

    Café de Lyon, Sanary-sur-Mer – Frühsommer 1935

    Die Markisen spenden Schatten, der Hafen glitzert, Boote knarren leise. In der Ecke des Café de Lyon sitzen sie, eine kleine Insel aus Sprache und Exil.

    Klaus Mann (unruhig, mit fahrigen Gesten):
    Der Schmerz eines Sommers – ein Buch von Melancholie. Ich wollte nichts anderes als den Zustand einer verlorenen Jugend festhalten. Aber es verfolgt mich, wie ein Geständnis, das die Welt nicht hören will.“

    Eva Herrmann (lehnt sich vor, die Zigarette zwischen den Fingern):
    „Klaus, dein Schmerz ist wahr. Aber Wahrheit allein verändert nichts. In Zeiten wie diesen muss Literatur mehr als Spiegel sein – sie muss Waffe sein.“

    Egon Erwin Kisch (lacht kehlig, schlägt mit der Hand auf den Tisch):
    „Endlich sagt es jemand! Ich bringe Reportagen, ihr schreibt Elegien. Dein Mephisto dagegen, Klaus, das ist Dynamit. Da entlarvst du nicht nur Gründgens, sondern die ganze Clique, die sich vor den Nazis verbeugt.“

    Aldous Huxley (ruhig, fast kühl, mit einem schmalen Lächeln):
    „Doch verrätst du nicht zugleich deine Freunde, Klaus? Das Theater war schon immer ein Spiegel der Gesellschaft. Aber ein Schlüsselroman – das ist gefährlich. Die Person vergeht, die Allegorie bleibt. Wird dein Mephisto überdauern, oder bleibt er nur eine bittere Abrechnung?“

    Sybille (leise, aber bestimmt):
    „Gerade die Abrechnung macht es so brennend. Wer Gründgens erkennt, erkennt auch den Preis, den viele zahlen, um Karriere zu machen. Ein Verrat? Vielleicht. Aber ein notwendiger Verrat.“

    Ludwig Marcuse (bedächtig, dozierend, die Hände gefaltet):
    „Jeder Verrat birgt Wahrheit. Mephisto ist weniger ein Schlüssel, mehr ein Symbol. Er zeigt, dass man nicht Macht haben kann, ohne seine Moral einzutauschen. Aber sag mir, Klaus – ist das ein Zeitroman, oder willst du ein Werk schaffen, das künftige Generationen noch verstehen?“

    Klaus Mann (zögert, dann heftig):
    „Ich will beides. Ankläger sein – und Chronist. Ich will, dass meine Figuren schreien für die, die keine Stimme haben. Dass sie die Zukunft warnen vor dem, was heute geschieht.“

    Maria Huxley (sanft, fast beschwichtigend):
    „Vielleicht braucht es gerade hier, in Sanary, all eure Stimmen – den Reporter, den Dichter, den Philosophen. Die Welt da draußen ist taub. Aber wenn ihr vereint sprecht, vielleicht hallt es wider.“

    (Stille breitet sich aus, der Wind rauscht durch die Markise, man hört das ferne Klirren von Gläsern. Dann erhebt Kisch sein Glas.)

    Kisch:
    „Auf den Schmerz. Auf den Teufel. Auf das Exil – und auf die Freiheit im Café de Lyon.“

    Klaus Mann (mit einem angedeuteten Lächeln, fast trotzig):
    „Und auf die Hoffnung, dass Worte noch eine Waffe sind.“

    Die Gläser klingen zusammen. Das Meer rauscht, unbeirrt, als wäre alles Gesagte nur ein Flüstern am Rande der Ewigkeit.

  • Scott und Zelda Fitzgerald an der Côte d’Azur

    Scott und Zelda Fitzgerald an der Côte d’Azur – Ein Leben zwischen Glanz und Abgrund

    Francis Scott Fitzgerald und seine Frau Zelda gehören zu den schillerndsten Figuren der 1920er Jahre. Als Inbegriff des „Jazz Age“ lebten sie ein Leben im Rausch von Literatur, Exzess und gesellschaftlichem Glanz – ein Leben, das gerade in Südfrankreich, an der Côte d’Azur, seinen Höhepunkt, aber auch seine Tragik fand.

    Der Traum vom Süden

    Nach dem Erfolg von The Great Gatsby suchten die Fitzgeralds eine neue Heimat abseits der Vereinigten Staaten. 1924 zog es sie an die französische Riviera, die in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg zu einem Anziehungspunkt für Künstler, Schriftsteller und Exzentriker geworden war. Hier entstand eine kosmopolitische Gemeinschaft, in der sich Amerikaner, Briten und Franzosen trafen. Die Côte d’Azur stand für Sonne, Luxus und mondäne Freiheit – ideale Kulisse für ein Paar, das den Mythos des „goldenen Lebens“ verkörperte.

    Glanz und Gesellschaft

    In Cannes, Antibes und Juan-les-Pins waren die Fitzgeralds schnell Teil eines illustren Kreises. Sie verkehrten mit Gertrude Stein, Picasso, Cole Porter und vor allem mit Ernest Hemingway, mit dem Scott eine schwierige, aber prägende Freundschaft verband. Die Abende waren geprägt von rauschenden Festen, Alkohol und Skandalen. Scott und Zelda wurden zu Symbolfiguren einer entfesselten Generation, die nach den Schrecken des Krieges alles ausprobieren wollte.

    Arbeit und Zerrissenheit

    Doch hinter der glänzenden Fassade brodelten Spannungen. Fitzgerald arbeitete fieberhaft an neuen Texten, während Zelda zunehmend in ihre eigenen künstlerischen Ambitionen flüchtete – Tanz, Malerei, später das Schreiben. Ihre Ehe wurde von Rivalität, Eifersucht und Scotts Alkoholproblemen belastet. Hinzu kam Zeldas geistige Instabilität, die sich während der Jahre an der Riviera verstärkte. In dieser Atmosphäre entstanden dennoch bedeutende Werke: Fitzgerald sammelte Eindrücke, die in Tender is the Night einflossen, einem Roman, der wie kein anderer das Lebensgefühl der Côte d’Azur und den Zerfall einer Ehe einfängt.

    Zerbrechende Illusionen

    Der Traum vom „südlichen Paradies“ erwies sich als trügerisch. Zelda erlitt 1930 in Frankreich einen schweren Nervenzusammenbruch und wurde in eine Klinik eingewiesen. Scott kämpfte immer stärker mit seiner Rolle als Schriftsteller, der zwar gefeiert, aber zunehmend auch von Selbstzweifeln gequält war. Aus dem funkelnden Paar, das einst die Riviera beherrschte, wurden tragische Figuren: Gefangen in ihrer Sehnsucht nach Schönheit, aber zerrieben zwischen Kunst, Rausch und innerer Leere.

    Nachklang

    Die Zeit an der Côte d’Azur hinterließ in der Literatur ein unvergängliches Echo. In Fitzgeralds Schilderungen verschmelzen Licht und Schatten, Sonne und Abgrund, Feste und Zerfall. Was zunächst wie ein Märchen aus Glanz und Jugend begann, endete als Symbol einer Epoche, deren Leichtigkeit immer schon von Zerstörung begleitet war.

    So bleibt die Erinnerung an Scott und Zelda Fitzgerald an der Riviera ein Paradox: Sie lebten dort den Traum vom ewigen Sommer – und zugleich dessen bitteres Erwachen.

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    Das Jazz Age war eine kulturelle Ära in den Vereinigten Staaten, die in den 1920er und bis in die 1930er Jahre reichte und durch die wachsende Popularität von Jazzmusik und -tänzen, wirtschaftlichen Wohlstand und liberale soziale Veränderungen geprägt war. Der Begriff wurde 1922 von F. Scott Fitzgerald in seinem Roman “Diesseits vom Paradies” geprägt und fand großen Anklang, da er die lebendige und oft provokative Kultur dieser Zeit perfekt beschrieb. 

    Hauptmerkmale:

    • Aufstieg der Jazzmusik: Jazz, der in afroamerikanischen Gemeinden in den Städten entstand, erlebte eine Blütezeit und wurde zu einer prägenden Kraft der amerikanischen Popkultur. 

    Soziale und kulturelle Veränderungen:

    Die Ära war auch durch eine neue Form des sozialen Lebens geprägt, mit dem Aufkommen von sogenannten “Flapper” und einer allgemeineren Tendenz zur Befreiung von traditionellen Normen. 

    Wirtschaftlicher Aufschwung:

    Die Periode der “Roaring Twenties” (Goldenen Zwanziger) war eine Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs, der zu einem Gefühl von Optimismus und Ausgelassenheit führte. 

    Kulturelle Ausdrucksformen:

    Neben Musik und Tanz waren auch bedeutende literarische und künstlerische Strömungen charakteristisch für das Jazz Age, was sich in Werken wie “Der große Gatsby” von F. Scott Fitzgerald widerspiegelt. 

    Ursprünge und Ende:

    • Der Jazz hatte seine Wurzeln in der Great Migration, die afroamerikanische Musiker und Künstler nach Norden brachte, und in afroamerikanischen Musik- und Theaterformen. 

    Die Ära endete abrupt mit dem Börsencrash von 1929 und der darauffolgenden Weltwirtschaftskrise. 

  • Die Forschungsreise des Afrikaners


    Inhalt & Handlung

    Das Buch ist als eine satirische Briefsammlung gestaltet. Der fiktive Afrikaner Lukanga Mukara, ein Häuptlingssohn aus Uganda, reist im Auftrag seines Königs nach Deutschland, um das Leben und die Sitten der Europäer zu studieren. In seinen Briefen an den König schildert er mit naiver Verwunderung und kritischem Blick das, was er dort erlebt.

    Lukanga begegnet einer Gesellschaft, die sich selbst als zivilisiert versteht, die er jedoch oft als fremd, widersprüchlich und zerstörerisch beschreibt:

    • Er wundert sich über die Rücksichtslosigkeit gegenüber der Natur, die Industrialisierung und die Jagdleidenschaft der Deutschen.
    • Er beobachtet das Militärwesen mit Drill und Kriegsbereitschaft und hält es für eine merkwürdige Verschwendung von Menschen und Ressourcen.
    • Auch das Bildungswesen und die Wissenschaft erscheinen ihm sonderbar, da sie sich von praktischen Lebensaufgaben entfremdet haben.
    • Er kritisiert den Materialismus, die Rastlosigkeit und die Jagd nach Besitz, die er als eine Art Krankheit empfindet.

    Am Ende der Briefe zieht Lukanga ein ernüchterndes Fazit: Er sieht die Deutschen als ein krankes Volk, das trotz technischer Fortschritte innerlich verarmt ist und sich selbst gefährdet.


    Themen & Bedeutung

    • Satire und Kulturkritik: Paasche dreht den kolonialen Blick um – nicht Europäer untersuchen Afrikaner, sondern ein Afrikaner beschreibt die Deutschen.
    • Zivilisationskritik: Die moderne Gesellschaft erscheint entfremdet, naturfern, militaristisch und innerlich leer.
    • Moralischer Spiegel: Lukanga Mukaras naive Fragen entlarven Selbstverständlichkeiten der westlichen Welt als fragwürdig und absurd.

    Fazit

    Hans Paasches Werk (1881-1920) ist eine scharfe, zugleich humorvolle Kritik an der deutschen Gesellschaft vor dem Ersten Weltkrieg. Unter dem Deckmantel einer fiktiven Forschungsreise wird der Leser gezwungen, die eigene Kultur aus einer fremden, „naiven“ Perspektive zu betrachten – und ihre Schwächen zu erkennen.

    Forschungsreise des Afrikaners Lukanga Mukara
  • Thomas Mann über Wagner, Nietzsche und Freud

    Thomas Mann über Wagner, Nietzsche und Freud – Deutschtum im Spiegel der Moderne

    Wenn Thomas Mann das Wort ergreift, horcht man auf – nicht nur wegen der Eleganz seiner Sprache, sondern wegen der Schärfe seines Blicks auf die deutsche Kultur. In seinem Vortrag vom 10. Februar 1933 über Richard Wagner wagte er eine Deutung, die den Komponisten aus dem Bannkreis nationalistischer Verehrung löst und ihn in die Nähe einer anderen, gerade erst wirksam werdenden Autorität rückt: in Sigmund Freud’s neue Ideen.

    Thomas Mann entwirft Richard Wagner als Künstler einer gebrochenen Moderne, als eine Gestalt, die nicht in der Erhabenheit ruht, sondern von inneren Zwiespalten gezeichnet ist. Die Überfülle, das Pathos, die ekstatische Übersteigerung seiner Musik erscheinen bei Mann wie Symptome eines psychischen Kampfes – Ausdruck des Unbewussten, das Freud erstmals sichtbar gemacht hatte.

    Gerade in dieser Lesart wird das „Deutschtum“ Wagners nicht als stolze, makellose Kraft begriffen, sondern als ein geistiges Gewebe von Größe und Krankheit, von schöpferischer Vision und zersetzender Selbstanalyse. Wagner ist für Mann kein Nationalheiliger, sondern der erste große Repräsentant eines modernen, sich selbst infrage stellenden Deutschland.

    Doch Thomas Mann blieb nicht bei der psychoanalytischen Deutung stehen. Er zog die Linien weiter – zu Friedrich Nietzsche, jenem Philosophen, der dem „Meister von Bayreuth“ zunächst glühend ergeben war, um sich dann in einem radikalen Bruch von ihm abzuwenden. Für Mann war gerade dieses Verhältnis aufschlussreich: Nietzsche erkannte im Rauschhaften, in der Dämonie und Maßlosigkeit Wagners die Gefahr einer Übersteigerung, die ins Krankhafte kippen konnte.

    In Nizza, wo Mann zeitweise lebte, spürte er die gleiche Spannung zwischen Krankheit und Schöpfung, die Nietzsche im Süden so eindringlich erfahren hatte. Nizza, mit seinem Licht und seiner Weite, wurde für beide zu einem Kontrastbild – ein Ort der Genesung und Klarheit, zugleich aber auch der schmerzhaften Selbstbeobachtung. Wagner verkörperte für Mann das abgründig Deutsche, Nietzsche hingegen die kritische, klärende Instanz, die dieses Erbe verwarf und zugleich schöpferisch verwandelte.

    Doch in dieser Konstellation spiegelte sich immer auch Thomas Mann selbst. Wie Wagner verstand er sich als Künstler, der aus innerer Zerrissenheit schöpfte. Die „bürgerliche Solidität“, die er nach außen verkörperte, überdeckte nur teilweise die Abgründe und Ambivalenzen, die sein Werk nährten. Von Nietzsche übernahm er die Rolle des Selbstanalytikers, der Schwäche erkennt, sie kritisch durchdringt und dadurch überwindet.

    In Nizza, im Licht der Côte d’Azur, wurde Mann diese Selbstdeutung besonders klar. Der Süden ließ ihn erkennen, dass das Deutschtum nicht nur Schicksal war, sondern eine Aufgabe: es kritisch zu reflektieren, seine Gefahren zu benennen und es von innen her zu verwandeln. Wagner, Nietzsche und Freud bildeten für ihn keine bloßen Bezugsgrößen, sondern Spiegelungen seiner eigenen Existenz.

    Damit führt dieser Vortrag über Wagner weit über die Musik hinaus. Er erweist sich als Schlüsseltext auf dem Weg Thomas Manns vom Verteidiger des „deutschen Wesens“ in den Betrachtungen eines Unpolitischen hin zum scharfen Kritiker, der im Exil dem Nationalsozialismus entgegentrat. Was in Nizza im Nachdenken über Wagner und Nietzsche begann, fand seine Konsequenz in der klaren Absage an ein selbstzerstörerisches Deutschtum.

    Thomas Manns Wagner-Deutung ist so ein Dokument geistiger Selbstfindung: die Verknüpfung von Musik, Philosophie und Psychoanalyse zu einer Trias der Moderne – und zugleich das Bekenntnis eines Dichters, der im Spiegel Wagners und Nietzsches sein eigenes Schicksal erkannte.

    Thomas Mann und Friedrich Nietzsche
  • Wider den Gottesdienst der Kriegstreiberei

    Er wuchs in den Vororten von Washington D.C. auf, wo seine Familie bis heute lebt. Aber seit seiner Rückkehr aus dem Krieg springt er zwischen Washington und dem Süden hin und her. 2011 – sieben Jahre nach seiner Rückkehr aus dem Irak. – ist er schließlich in Savannah gelandet, weil ihn in Washigton oder Nordvirginia die Angst umtrieb, dass es dort zu viele Araber auf den Straßen gebe. Überall witterte er sie dort, fühlte sich ständig von ihnen umzingelt. Seine Vergangenheit als berüchtigter Experte für Leibesvisitiationen und Verhöre in amerikanischen Gefängnissen in Afghanistan und Irak nährt seine Angst, dass ihm nun aus jeder Ecke Vergeltung droht.

    Seine Zeit als Verhörleiter, zuerst im Bagram-Gefängnis in Afghanistan und später, und noch schmerzlicher, in Abu Ghraib – dem höllenähnlichsten Ort, den Damien Corsetti je auf Erden sah – hat etwas in ihm abgetötet. “Abu Ghraib: Wenn es je einen üblen Ort gab, dann den. Es war alles einfach nur Tod, beschissener Tod. Dieser Ort hat jeden, der dort war, verändert. Etwas Krebsartiges wucherte da.”

    Textauszug aus “Krieg um jeden Preis” von James Risen.

    Krieg um jeden Preis, über Gier, Machtmissbrauch und das Milliardengeschäft mit dem Kampf gegen den Terror.

    Trommler und Krieg
  • Historische Berufswappen

    Berufswappen, Motive erhältlich unter https://exlibris-insel.de

    Berufe und Wappen
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