Autor: stralsund

  • Was ist los in Berlin im Monat März

    Hallo, ich bin Klaus. Schön, dass Du da bist. Als Kurator und Wahl-Berliner ist es meine Leidenschaft, die Fäden der Stadt zu entwirren und die wirklich spannenden Momente im hiesigen Kulturbetrieb herauszufiltern. Berlin im März 2026 – das ist diese seltsame Zwischenzeit, in der die Stadt zwischen grauem Asphalt-Chic und dem ersten vorsichtigen Knospen im Tiergarten schwankt.

    Ich habe dir drei Highlights zusammengestellt, die gerade das Gespräch der Stadt sind.


    🎨 Das Highlight im Hamburger Bahnhof: Shilpa Gupta

    Ausstellung: What Still Holds Wo: Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart

    Gestern war die Eröffnung, und ich sage es ganz direkt: Wer sich in dieser unruhigen Welt nach einer künstlerischen Auseinandersetzung mit Grenzen, Identität und dem, „was uns hält“, sehnt, muss hierher. Shilpa Gupta ist eine Meisterin darin, das Politische ins Poetische zu übersetzen.

    • Der Kern: Die Schau zeigt Werke aus den letzten zwei Jahrzehnten, darunter ihre ikonischen Installationen aus Absperrband und Sound.
    • Warum hingehen? In Zeiten, in denen wir ständig über Mauern und Pässe sprechen, erinnert uns Gupta daran, dass die stärksten Grenzen oft in unseren Köpfen existieren.
    • Mein Tipp: Nimm dir Zeit für die Sound-Installationen. Es geht nicht nur ums Sehen, sondern ums Spüren der Vibration im Raum.

    „Gupta schafft es, die Schwere der Welt in eine Leichtigkeit zu hüllen, die einen erst Stunden später mit voller Wucht trifft.“ – Klaus


    🎭 Ein Solo-Triumph am Schiffbauerdamm

    Aufführung: Der Hauptmann von Köpenick (nach Carl Zuckmayer) Wo: Berliner Ensemble

    Man könnte meinen, wir hätten genug vom Schustervogt Wilhelm Voigt gesehen. Aber weit gefehlt. Max Hopp hat gestern Abend im Berliner Ensemble bewiesen, dass dieser Stoff absolut zeitlos ist – wenn man ihn so radikal reduziert wie er.

    • Die Inszenierung: Hopp liest und spielt das Stück als Solo-Performance, unterstützt durch Musik, die die absurde Preußen-Mentalität demaskiert.
    • Der Vibe: Es ist kein verstaubtes Museumstheater. Hopp kitzelt den puren Berliner Witz heraus, ohne die Tragik der Figur zu verraten.
    • Fazit: Ein Muss für alle, die das BE für seine schauspielerische Brillanz lieben.

    🗿 Die Stille der Form: Brancusi in der Neuen Nationalgalerie

    Ausstellung: Constantin Brancusi – Eine Retrospektive Wo: Neue Nationalgalerie

    Mies van der Rohes Glashalle und Brancusis radikale Reduktion der Form – das ist eine Ehe, die im Architekturhimmel geschlossen wurde. Seit dem 20. März ist diese Retrospektive für das Publikum geöffnet.

    • Das Erlebnis: Die Art, wie das Licht durch die Glasfassade auf den polierten Bronze-Vogel im Raum fällt, ist fast religiös.
    • Der Kontrast: Brancusi wollte die „Essenz der Dinge“ einfangen. In unserer lauten, digitalen Welt von 2026 ist dieser Ort der ultimative Rückzugsort für das Auge.

    Klaus’ Kurz-Tipps für das Wochenende:

    • Für Fotografie-Fans: Persistence of Vision im Gropius Bau. Der Dialog zwischen Peter Hujar und Liz Deschenes ist melancholisch, schwarz-weiß und absolut Berlin.
    • Für Neugierige: Simon Faithfull im KINDL in Neukölln. Seine Videoarbeiten über den „Earth-ling“ sind so schräg wie klug.

    Berlin ist gerade ein riesiger Spielplatz für den Geist. Vielleicht sehen wir uns ja bei einer Vernissage – ich bin meistens der Typ mit dem schwarzen Rollkragen und dem leicht skeptischen, aber begeisterten Blick.

    Vorschläge für Deine Routen:

    🏛️ Route 1: Klassik trifft Kontroverse (Mitte)

    Dieser Walk konzentriert sich auf die Gegend rund um die Auguststraße und die Museumsinsel. Ideal für einen Nachmittag.

    1. Start: Neue Nationalgalerie
      • Was: Constantin Brancusi – Eine Retrospektive. (Seit 20.03.2026)
      • Warum: Beginne mit der Stille. Die Symbiose aus Brancusis Skulpturen und der Mies-Architektur ist das ästhetische Fundament deines Tages.
    2. Transfer: Mit dem 200er Bus oder einem kurzen Spaziergang Richtung Friedrichstraße/Auguststraße.
    3. Galerie Haverkampf Leistenschneider (Auguststraße 12/13)
      • Was: Gruppenausstellung Figures of Delay (u.a. Katherine Bradford, Alex Müller).
      • Warum: Hier siehst du, was die Berliner Malerei-Szene aktuell bewegt – von figurativ bis abstrakt.
    4. KOW Berlin (Lindenstraße 35 oder via Friedrichstraße)
      • Was: Hudinilson Jr. (im Rahmen der Gallery Weekend Previews).
      • Warum: KOW steht für politisch-gesellschaftlich relevante Kunst. Hudinilson Jr. setzt sich intensiv mit dem Körper und dem Narzissmus auseinander.
    5. Abschluss: Hamburger Bahnhof
      • Was: Shilpa Gupta: What Still Holds.
      • Warum: Das monumentale Wort „TRUTH“, durch das man hindurchlaufen kann, ist der perfekte Schlusspunkt, um über die Macht der Sprache nachzudenken.

    🍻 Route 2: Neuköllner Industrie-Chic & Streetart

    Dieser Walk ist für Entdecker, die den Kontrast zwischen hippen Cafés und konzeptioneller Kunst lieben.

    1. Start: KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst (Am Sudhaus 3)
      • Was: Simon Faithfull – Earth-ling. (Seit 22.03.2026)
      • Warum: Besuche das Maschinenhaus. Faithfulls „Bienenstock“-Skulptur an der Fassade und seine Videoarbeiten im M1 VideoSpace thematisieren unsere Verbindung zum Planeten auf sehr eigenwillige Weise.
    2. Museum Neukölln (Alt-Britz 81 – kurz mit dem Rad oder Bus M44)
      • Was: ZEICHEN.SPRACHEN.STADTRAUM.
      • Warum: Diese Ausstellung über Streetart und Graffiti in Neukölln gibt dir den nötigen Kontext für das, was du gleich auf der Straße siehst.
    3. Galerie im Körnerpark (Schierker Str. 8)
      • Was: Architecture of Hidden Activity.
      • Warum: Der Körnerpark ist eine der schönsten Anlagen Berlins. Die Ausstellung beleuchtet die physischen Dimensionen des Digitalen – ein spannender Kontrast zur neobarocken Parkanlage.
    4. Abschluss: Weserstraße
      • Tipp: Kehr in eine der vielen Bars ein (z. B. TiER oder Ä), um die Eindrücke sacken zu lassen. In Neukölln verschwimmen die Grenzen zwischen Kunstraum und Lebensraum oft komplett.

    💡 Klaus’ Insider-Tipp:

    Wenn du am kommenden Wochenende (28./29. März) unterwegs bist: In vielen Galerien in Mitte laufen bereits die Vorbereitungen für das große Gallery Weekend im Mai. Oft hängen schon die „Pre-Shows“. Achte besonders auf die Fenster der Galerien in der Linienstraße – dort gibt es oft tolle Entdeckungen, ohne dass man eine Klinke drücken muss.

  • Ethik oder Moral / Wesen oder Vermögen

    In Anbetracht deines Wesens: Was sollst du tun? (Doch die Ethik fragt:) In Anbetracht deines Vermögens: Was kannst du tun?

    Die Welt der Moral erreicht mit Kant ihre Vollendung, bei ihm wird ein vorausgesetztes menschliches Wesen in der Form einer reinen Handlung selbst zum Zweck. Ethik ist keineswegs so beschaffen. Diese beiden Ethik und Moral sind zwei völlig verschiedene Welten. Welche moralische Empfehlung hätte Spinoza anderen geben können? Keine. Moral ist ein System des Urteilens. Ein doppeltes Urteil: Du beurteilst dich selbst und wirst beurteilt. Diejenigen, die einen Geschmack für Moral haben, sind eben diejenigen, die einen Geschmack für das Urteilen haben. Urteilen setzt stets eine Instanz voraus, die dem Sein übergeordnet ist, es setzt stets etwas voraus, das über die Ontologie hinausgeht.

    In der Ethik hingegen ist die Lage völlig anders. In der Ethik urteilt man nicht, vielmehr sagt man: Was immer du tust, du wirst nur das haben, dessen du würdig bist.

    Es ist die quantitative Bestimmung des Vermögens, die ein Seiendes von einem anderen unterscheidet. Spinoza sagt immer wieder, dass das Wesen selbst das Vermögen ist. Man beachte, welchen Schock er damit der Philosophie versetzt.

    Ethik spricht nicht davon, was etwas ist, sondern davon, was es zu ertragen vermag und was es zu tun vermag. Während das „Wesen“ uns sagt, was eine Gesamtheit von Dingen ist, sagt uns die Ethik darüber nichts, da sie dies prinzipiell nicht wissen kann. Ein Fisch ist nicht imstande, das zu tun, was der neben ihm kann. Somit sehen wir uns mit einer unendlichen Differenzierung der Quantität von Vermögen unter den Seienden konfrontiert. Die Dinge unterscheiden sich folglich quantitativ, da sie nach der Skala des Vermögens bemessen werden. Man muss die Menschen als kleine Bündel von Vermögen betrachten. Aus ethischer Perspektive werden alle Wesen und alles Seiende nach einer quantitativen Skala gemessen ,der Skala des Vermögens. Menschen, Dinge und Tiere unterscheiden sich je nach dem, was sie vermögen; das heißt, sie sind nicht zu denselben Dingen fähig.

    Ein Moralist definiert den Menschen niemals nach dem, was er vermag, sondern nach dem, was er ist nach dem, was ihm dem Recht nach zukommt (das heißt: nach dem, was sein soll). Daher definiert der Moralist den Menschen als ein vernünftiges Tier und das ist das Wesen.

    Spinoza hingegen definiert den Menschen niemals als vernünftiges Tier, sondern nach dem, was er vermag: als Körper und Geist. Wenn wir sagen, dass vernünftig nicht das Wesen des Menschen ist, sondern etwas, wozu der Mensch fähig ist, dann ergibt sich eine grundlegende Verschiebung; denn unvernünftig wird dann ebenfalls zu einem Zustand, zu dem der Mensch fähig ist. Wahnsinn gehört ebenso zu den Möglichkeiten des Menschen. Dasselbe Problem zeigt sich auch im Hinblick auf Tiere. Spinoza erklärt , dass dieser oder jener Körper keineswegs irgendein Körper ist, sondern eine Antwort auf die Frage: „Was vermagst du?“

    Avesta

  • Modern Coaching Dynamics und Kata Integration

    Die vorliegenden Quellen thematisieren moderne Coaching-Ansätze und deren Anwendung in dynamischen Unternehmensstrukturen. Während das klassische Coaching primär auf die individuelle Entwicklung und persönliche Reflexion von Fach- und Führungskräften abzielt, konzentriert sich das Kata-Coaching auf systematische Lernroutinen zur kontinuierlichen Prozessverbesserung. Die Texte verdeutlichen, dass eine Kombination beider Methoden besonders wirksam ist, um sowohl die persönliche Haltung als auch die operative Problemlösungskompetenz in Teams zu stärken. Ergänzend werden fachspezifische Publikationen vorgestellt, die Themen wie Resilienz, Konfliktbewältigung mittels Tetralemma und psychologisches Wissen für den digitalen Wandel behandeln. Insgesamt bieten die Quellen einen fundierten Überblick über Strategien zur Förderung einer nachhaltigen Veränderungskultur und professionellen Weiterbildung.

    Worin unterscheiden sich Kata und klassisches Coaching im Kern?

    Wie kombiniere ich Kata-Routinen am besten mit individueller Resilienzförderung?

    Wann ist Kata der bessere Ansatz für die Prozessverbesserung?

    Du bist ein Coach für Teilnehmer aus der Business Welt. Analysiere das bereitgestellte Material und bringe die Inhalte in eine klare, didaktisch sinnvolle Struktur. Plane eine Unterrichtsstunde mit folgender Stundenstruktur: Doppelstunde, Einzelstunde, Doppelstunde, Einzelstunde. Vorgaben: In den Doppelstunden: Durchführung von Experimenten. In den Einzelstunden: Theoriearbeit (Lesen im Buch, Verständnisaufgaben, Übungen) Anforderungen: klare Struktur pro Stunde (Ziel, Ablauf, Inhalte). sinnvolle Verzahnung von Theorie und Praxis. Ziel: ein praxistauglicher Unterrichtsplan, der direkt umsetzbar ist.

    Hier ist ein didaktisch strukturierter Unterrichtsplan für ein Training zum Thema KATA-Managementkultur, basierend auf den bereitgestellten Materialien. Dieser Plan ist speziell auf Teilnehmer aus der Business-Welt zugeschnitten und verzahnt Theorie mit praxisnahen Experimenten.

    ——————————————————————————–

    Unterrichtsplan: KATA – Wissenschaftliches Denken als Führungsroutine

    Zielgruppe: Führungskräfte, Projektleiter und Prozessverbesserer. Gesamtziel: Die Teilnehmer verstehen das Muster der Verbesserungs- und Coaching-KATA und können erste Experimente nach wissenschaftlichen Standards durchführen.

    ——————————————————————————–

    1. Block: Doppelstunde (90 Min.) – Praxis & Experiment

    Thema: Die Wissensgrenze und das erste Experiment

    • Ziel: Erfahren, wie das Gehirn bei Unsicherheit reagiert (Voreilige Schlüsse) und die Notwendigkeit wissenschaftlichen Arbeitens erkennen.
    • Ablauf:
      1. Einstiegsexperiment (30 Min.): Durchführung einer einfachen Montageaufgabe oder eines Prozessspiels (z.B. „KATA to Run“). Die Teilnehmer erhalten eine fast unmögliche Herausforderung ohne fertige Lösung.
      2. Beobachtung (20 Min.): Dokumentation der „Wissensgrenze“ – Wo hören Fakten auf und wo beginnt die Spekulation?.
      3. Reflexion (40 Min.): Diskussion über die „Vermeidungskonditionierung“ und den Drang des Gehirns, Wissenslücken sofort mit (oft falschen) Annahmen zu füllen.
    • Inhalte: Wissensgrenze, Intuition vs. Wissenschaft, Wahrnehmungsverzerrung.

    ——————————————————————————–

    2. Block: Einzelstunde (45 Min.) – Theorie

    Thema: Das Vier-Stufen-Modell der Verbesserungs-KATA

    • Ziel: Die theoretische Struktur der Verbesserungs-Routine verinnerlichen.
    • Ablauf:
      1. Lesephase (20 Min.): Studium der vier Schritte der Verbesserungs-KATA: 1. Herausforderung verstehen, 2. Ist-Zustand erfassen, 3. Zielzustand definieren, 4. Experimentieren.
      2. Verständnisaufgabe (15 Min.): Abgrenzung zwischen „Herausforderung“ (langfristig) und „Zielzustand“ (kurzfristig, 1 Woche bis 1 Monat) erarbeiten.
      3. Zusammenfassung (10 Min.): Kurz-Präsentation der Teilnehmer zu den Elementen eines Zielzustands (Termin, Ergebnismetrik, Prozessmetrik).
    • Inhalte: Makro- und Mikrodefinition von KATA, Starter-KATA als „Tonleiter“ für Anfänger.

    ——————————————————————————–

    3. Block: Doppelstunde (90 Min.) – Praxis & Experiment

    Thema: Die Coaching-KATA und tägliche PDCA-Zyklen

    • Ziel: Anwendung der 5 Coaching-Fragen in einer realen Lernsituation.
    • Ablauf:
      1. Vorbereitung (15 Min.): Aufbau von Coaching-Tafeln (Visualisierung von Ist-Zustand, Zielzustand und Hindernissen).
      2. Durchführung von Coaching-Zyklen (60 Min.): Die Teilnehmer arbeiten in Triaden (Coach, Lerner, Beobachter).
        • Der Lerner führt ein Experiment durch.
        • Der Coach nutzt die 5 Fragen der Coaching-KATA, um den Lernprozess zu führen, ohne Lösungen vorzugeben.
        • Der Beobachter gibt Feedback zum Einhalten der Routine.
      3. Debriefing (15 Min.): Analyse der Schwierigkeiten: „Alte Rolle“ der Führungskraft vs. Rolle als Coach.
    • Inhalte: Experimentier-Protokoll, Reflexion des letzten Schritts, Vermeidung von Suggestivfragen.

    ——————————————————————————–

    4. Block: Einzelstunde (45 Min.) – Theorie

    Thema: Nachhaltigkeit und Kulturentwicklung

    • Ziel: Verstehen, wie KATA zur täglichen Gewohnheit und Teil der Unternehmenskultur wird.
    • Ablauf:
      1. Theorie-Input (15 Min.): Warum Training allein nicht reicht – Die Rolle von Wiederholung (21 bis 365 Mal) für neue neuronale Pfade.
      2. Fallstudien-Analyse (20 Min.): Diskussion der These „Culture eats Projects for Breakfast“ und Analyse von Stolpersteinen bei der Einführung (z.B. Zeitmangel, fehlende Prozesskennzahlen).
      3. Abschlussübung (10 Min.): Erstellung eines persönlichen „Roll-out-Plans“: Wo wird morgen das erste 10-Minuten-Coaching stattfinden?.
    • Inhalte: Lernende Organisation, psychologische Sicherheit, Verzahnung von Strategie (Hoshin Kanri) und Shopfloor Management.

    ——————————————————————————–

    Didaktische Hinweise für den Coach:

    • Lernen mit dem Körper: Achten Sie darauf, dass die Teilnehmer in den Praxisphasen wirklich handeln (aufstehen, an die Tafel gehen, Experimente haptisch durchführen), um das „Körpergedächtnis“ zu aktivieren.
    • Fehlerkultur: Betonen Sie, dass Experimente, die nicht wie erwartet verlaufen, die wertvollsten Lernmomente bieten („Lernen aus dem Unterschied“).
    • Struktur vor Improvisation: Bestehen Sie anfangs strikt auf den Wortlaut der Starter-KATA, um eine gemeinsame Sprache im Unternehmen zu etablieren (Shu-Ha-Ri Prinzip).

    Briefing-Dokument: Synergie von Kata-Coaching, klassischem Coaching und organisationaler Resilienz

    Executive Summary

    Dieses Dokument synthetisiert aktuelle Ansätze der Personal- und Organisationsentwicklung mit Fokus auf den Vergleich zwischen Kata-Coaching und klassischem Coaching sowie der Förderung von Resilienz.

    Die wesentliche Erkenntnis ist, dass in einem dynamischen Marktumfeld kein „Entweder-oder“ zwischen den Methoden besteht. Während das klassische Coaching die individuelle Reflexions- und Handlungsfähigkeit stärkt, etabliert Kata-Coaching eine systemische Routine des kontinuierlichen Lernens und der Problemlösung direkt am Prozess. Ergänzt wird dies durch Konzepte zur Resilienzförderung (wie das FiRE-Modell), die sowohl auf individueller als auch auf organisationaler Ebene die Widerstandsfähigkeit stärken. Der größte Hebel für Unternehmen liegt in der bewussten Kombination dieser Ansätze: Kata für die Prozessoptimierung im Team und klassisches Coaching für die Begleitung von Schlüsselpersonen in Transformationsphasen.

    ——————————————————————————–

    1. Kata-Coaching: Die Routine des Lernens

    Kata ist ein strukturierter Übungs- und Lernprozess, der darauf abzielt, kontinuierliche Verbesserung und zielgerichtetes Experimentieren fest im Arbeitsalltag zu verankern. Der Begriff leitet sich aus den Kampfkünsten ab und bezeichnet dort verinnerlichte Bewegungsabfolgen.

    1.1 Die zwei Säulen der Kata

    Im Unternehmenskontext wird zwischen zwei zentralen Formen unterschieden:

    • Improvement Kata (Verbesserungs-Kata): Eine Routine zur systematischen Verbesserung durch den Mitarbeiter.
      • Schritte: Zielbild verstehen → Aktuellen Zustand erfassen → Nächsten Zielzustand definieren → Hindernisse identifizieren → In kleinen Schritten experimentieren.
    • Coaching Kata: Eine Führungsroutine, bei der die Führungskraft den Mitarbeiter durch strukturierte Dialoge (Kata-Gespräche) beim Lernen begleitet.
      • Fokus: Nicht das Geben von Lösungen, sondern die Moderation der Lernschritte und die Stärkung der Selbstständigkeit.

    1.2 Charakteristika und Nutzen

    • Fehlerkultur: Fehler werden im Lean-Denken nicht negativ bewertet, sondern als Chance zur Verbesserung begriffen.
    • Transparenz: Die Visualisierung erfolgt häufig über Boards direkt im Arbeitsumfeld.
    • Skalierbarkeit: Der Ansatz lässt sich effizient auf ganze Teams und Bereiche ausrollen, um ein gemeinsames „Betriebssystem für Lernen“ zu schaffen.

    ——————————————————————————–

    2. Klassisches Coaching: Individuelle Reflexion

    Klassisches Coaching ist eine personenbezogene, meist zeitlich begrenzte Begleitung zur Stärkung der persönlichen Handlungsfähigkeit.

    • Fokus: Individuelle Muster, Rollenklärung, Entscheidungsdilemmata und persönliche Krisen.
    • Struktur: Flexibler Rahmen, anlassbezogene Sitzungen und eine große Vielfalt an Methoden (z. B. Fragetechniken, Feedback, Rollenanalysen).
    • Rahmen: Findet oft in einem geschützten, vertraulichen Raum statt.

    ——————————————————————————–

    3. Vergleich: Kata vs. Klassisches Coaching

    Die folgende Tabelle stellt die zentralen Unterschiede gegenüber:

    MerkmalKata-CoachingKlassisches Coaching
    Primärer FokusProzesse, Ergebnisse und TeamkontextIndividuelle Entwicklung der Person
    StrukturStark standardisierte Routine (festes Frage-Set)Flexibler Rahmen, methodenreich
    ZielhorizontKontinuierlich, oft ohne Enddatum (Kaizen)Klar definierter, zeitlich begrenzter Rahmen
    SichtbarkeitDirekt im Arbeitsalltag (Boards/Routinen)Ergebnisse meist nur über Verhaltensänderung sichtbar
    HebelStärkt die Führungsroutine im SystemStärkt die Person als Führungskraft

    ——————————————————————————–

    4. Resilienz und Transformation

    Resilienz ist eine kritische Fähigkeit für Individuen, Teams und Organisationen, um mit Herausforderungen konstruktiv umzugehen.

    4.1 Das FiRE-Modell nach Karsten Drath

    Das Modell (Factors in Resilience Enhancement) umfasst acht Sphären zur Resilienzförderung. Ein zentraler Aspekt ist die mentale Agilität:

    • Diese wird wie ein „Muskel“ trainiert, indem die Komfortzone regelmäßig verlassen wird.
    • Voraussetzung: Ein Training ist nur bei einer guten „Ressourcenlage“ sinnvoll, da ansonsten negativer Stress droht.

    4.2 Gestaltung von Veränderungsprozessen

    Erfolgreicher Wandel erfordert laut Experten (Rauen/Steinhübel) die Würdigung des Bisherigen. Ohne diese Anerkennung entstehen Kränkungen, die Transformationen blockieren können. Resilienzfaktoren dienen hierbei als Basis für den Prozess.

    ——————————————————————————–

    5. Die Führungskraft als Coach (Managerial Coaching)

    Aktuelle Studien (z. B. Quadriga Coaching Studie 2022) belegen, dass die Anwendung von Coaching-Techniken durch Führungskräfte eine etablierte Methode ist.

    • Kernpotenzial: Fragetechniken können eingefahrenes Denken lösen und neue Denkräume für kreative Lösungen öffnen.
    • Erfolgsfaktor Haltung: Die Wirksamkeit hängt weniger von der Methode ab als von der inneren Haltung – insbesondere dem Glauben an die Lernfähigkeit und Selbstverantwortung der Mitarbeiter.
    • Nutzen für die Führungskraft: Eine coachende Haltung fördert die Entwicklung der Mitarbeiter und beugt gleichzeitig der eigenen Überlastung der Führungskraft vor.

    ——————————————————————————–

    6. Weitere methodische Ansätze zur Problemlösung

    Zusätzlich zu Kata und Coaching werden in der Fachliteratur (Coaching-Magazin 1/2023) folgende Methoden hervorgehoben:

    • Tetralemma: Eine Methode zur Konfliktlösung, um aus scheinbar unvereinbaren Positionen neue Lösungsideen zu entwickeln und die gemeinsame Handlungsfähigkeit zu stärken.
    • Introvision-Coaching: Ein Ansatz zum Umgang mit „inneren Alarmen“ und zur Auflösung mentaler Blockaden.
    • Neurowissenschaftliche Fundierung: Wirksames Coaching sollte drei Gedächtnisebenen ansprechen: das Erlebnis-, das Verhaltens- und das Körpergedächtnis.
    • 75 Übungen für Brainstorming: Spezielle Methoden für kreative Team-Workshops zur Förderung von Innovation.

    ——————————————————————————–

    7. Handlungsleitfaden: Wann welcher Ansatz?

    Bei der Entscheidung für eine Methode sollten folgende Leitfragen berücksichtigt werden:

    1. Liegt ein konkretes Prozess- oder Ergebnisproblem vor?
      • Ja → Kata (Fokus auf Messbarkeit wie Durchlaufzeiten oder Fehlerquoten).
    2. Stehen personenbezogene Themen (Stress, Rollenkonflikte) im Vordergrund?
      • Ja → Klassisches Coaching (geschützter Raum erforderlich).
    3. Soll eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung skaliert werden?
      • Ja → Kata als systemisches Betriebssystem.
    4. Befindet sich die Organisation in einer Umbruchphase mit hohem Widerstandspotenzial?
      • Ja → Kombination (Resilienzförderung und Würdigung des Bestehenden).

    ——————————————————————————–

    Fazit

    Der wirksamste Hebel für moderne Organisationen liegt nicht in der Wahl eines einzigen Systems, sondern in der bewussten Kombination. Während Kata-Coaching die tägliche Problemlösungskompetenz in den Teams sicherstellt, fängt das klassische Coaching die individuellen Herausforderungen von Schlüsselpersonen auf. Flankiert durch Ansätze zur Resilienzstärkung entsteht eine agile, lernfähige und belastbare Organisationskultur.

  • Hamburg, Altona & Wandsbek – History

    Hamburg, Altona & Wandsbek – Eine Geschichte

    Moin und herzlich willkommen zu unserem historischen Deep Dive. Wir reisen heute zurück in eine Zeit, als die Elbe nicht nur ein Strom des Handels war, sondern eine Grenze zwischen Welten. Wir sprechen über das „Dreigestirn“ des Nordens: Hamburg, Altona und Wandsbek. Stellen Sie sich vor, Sie stünden an der heutigen Reeperbahn – im Rücken die stolze Hansestadt Hamburg mit ihrem strengen lutherischen Zunftzwang, vor Ihnen das dänisch geprägte Altona, das mit dem Versprechen von Freiheit lockte. Doch diese Nachbarschaft war über Jahrhunderte von einer erbitterten Rivalität geprägt, die sich in gewaltigen Festungswällen und ökonomischen Barrieren manifestierte. Warum bekämpften sich diese Städte so beharrlich? Und welche traumatischen Ereignisse – insbesondere die dunklen Jahre unter französischer Besatzung – schweißten sie schließlich zu der Metropole zusammen, die wir heute kennen? Tauchen wir ein in eine Geschichte von menschlichem Leid, politischem Kalkül und unerwarteter Resilienz.

  • Kata: Wissenschaftliches Denken

    Die vorliegenden Quellen beschreiben die Toyota Kata als ein systematisches Modell zur Etablierung einer wissenschaftlichen Denkweise und einer Kultur der kontinuierlichen Verbesserung. Im Kern besteht diese Methode aus der Verbesserungs-Kata, die Lernende durch experimentelle Schritte zu anspruchsvollen Zielen führt, und der Coaching-Kata, mit der Führungskräfte diesen Prozess aktiv begleiten. Durch tägliche, strukturierte Routinen sollen Problemlösungsfähigkeiten als mentale Gewohnheiten tief im Unterbewusstsein verankert werden. Dieser Ansatz hilft Organisationen dabei, Unsicherheiten in dynamischen Märkten zu bewältigen und nachhaltige Erfolge jenseits temporärer Projekte zu erzielen. Ergänzend wird die neurobiologische Wirkung dieser Übungen erläutert, die durch ständige Wiederholung neue neuronale Bahnen für effizientes Handeln unter Druck schafft. Damit dient die Toyota Kata als strategisches Bindeglied zwischen theoretischen Lean-Prinzipien und der praktischen, alltäglichen Umsetzung von Innovationen.

    Kata
  • Zwischen Glauben und Handeln: Der lange Schatten der Ideologie

    Zwei Denker, eine Erfahrung – und ein Streit, der bis in die Gegenwart reicht.

    Ideologien, so scheint es, erleben eine Renaissance. Doch was geschieht, wenn man sich von ihnen löst? Zwei der eindringlichsten Antworten darauf stammen aus der Mitte des 20. Jahrhunderts: von Whittaker Chambers in seinem Werk „Witness“ und von Hannah Arendt in „Vita activa oder Vom tätigen Leben“. Beide verbindet ein radikaler Bruch mit ideologischen Weltbildern – doch ihre Konsequenzen könnten kaum unterschiedlicher sein.

    Der Moment des Bruchs

    Sowohl Chambers als auch Arendt begreifen Ideologie nicht als bloßen Irrtum, sondern als Zustand geistiger Erstarrung. Für Chambers war der Kommunismus ein Glaubenssystem, dessen Verlassen einem religiösen Erwachen gleichkam. Arendt hingegen analysierte Ideologie als Ersatz für eigenständiges Denken – als eine Logik, die sich über die Wirklichkeit hinwegsetzt.

    Ihr gemeinsamer Nenner: Nicht falsches Denken ist das Problem, sondern das Aufhören zu denken überhaupt.

    Doch genau hier beginnt die Trennung.

    Rückzug oder Rückkehr

    Chambers zieht aus seiner Erfahrung eine zutiefst pessimistische Konsequenz. Politik erscheint ihm als gefährliches Terrain, Geschichte als geistlicher Kampf, den der Mensch nicht gewinnen kann. Erlösung liege außerhalb der Welt – im Glauben, nicht im Handeln. Seine Antwort auf totalitäre Versuchungen lautet: Rückzug, Askese, Zeugenschaft.

    Arendt wählt den entgegengesetzten Weg. Für sie entsteht Freiheit nur im gemeinsamen Handeln. Politik ist kein Übel, sondern Voraussetzung menschlicher Existenz. Es gibt keine Erlösung, kein finales Ziel – nur die permanente Aufgabe, im öffentlichen Raum zu urteilen und zu handeln. Ihre Antwort: mehr Politik, nicht weniger.

    Ein unversöhnlicher Gegensatz

    Die Differenzen lassen sich kaum überbrücken. Während Chambers das Heil jenseits der Welt sucht, verortet Arendt es mitten im menschlichen Zusammenleben. Für ihn ist Geschichte von Verfall geprägt, für sie bleibt sie offen. Freiheit ist bei Chambers eine innere Haltung – bei Arendt ein öffentliches Geschehen.

    Der deutsch-amerikanische Philosoph Heinrich Blücher, ein oft übersehener Einfluss, hätte diesen Gegensatz wohl zugespitzt: Wer nach Sinn statt nach Verantwortung fragt, flieht vor der Freiheit.

    Politische Vereinnahmung

    Gerade heute wird Arendt häufig vereinnahmt – und missverstanden. Besonders in rechten Diskursen dient sie mitunter als Kronzeugin für eine Kritik am Liberalismus oder an der „Massengesellschaft“. Doch Arendt selbst sah die Gefahr nicht in zu viel Freiheit, sondern im Verlust politischer Teilhabe und Urteilskraft – Entwicklungen, die in unterschiedlichsten Systemen auftreten können.

    Auch die Gleichsetzung von „Masse“ mit Migration oder kultureller Vielfalt greift zu kurz. Für Arendt sind Massen vor allem politisch entwurzelte Menschen – nicht ethnisch definierte Gruppen. Totalitarismus ist für sie kein fremdes Phänomen, sondern ein Produkt moderner Gesellschaften selbst.

    Der falsche Schulterschluss

    Besonders problematisch erscheint die häufige Nähe, die zwischen Arendt und dem Staatsrechtler Carl Schmitt konstruiert wird. Beide kritisieren zwar den Liberalismus – doch ihre Antworten könnten gegensätzlicher nicht sein.

    Schmitt denkt Politik vom Ausnahmezustand her: Souverän ist, wer im Ernstfall entscheidet. Arendt hingegen denkt Politik vom gemeinsamen Handeln her. Für sie ist der Ausnahmezustand kein Höhepunkt, sondern das Scheitern von Politik.

    Wo Schmitt auf Homogenität und Abgrenzung setzt, verteidigt Arendt Pluralität. Wo er Gewalt als legitimes Mittel begreift, sieht sie darin den Zerfall von Macht.

    Ein Streit mit Gegenwartswert

    Warum dieser Gegensatz heute wieder relevant ist, liegt auf der Hand. In Zeiten politischer Polarisierung wächst die Versuchung, einfache Antworten zu suchen: klare Feindbilder, starke Entscheidungen, vermeintliche Ordnung.

    Doch genau hier liegt die Warnung Arendts: Ideologie beginnt dort, wo das Denken endet – unabhängig vom politischen Lager.

    Chambers, so ließe sich sagen, hilft beim Ausstieg aus ideologischen Systemen. Arendt hingegen zeigt, wie man verhindert, wieder in sie hineinzurutschen.

    Ein Unterschied, der entscheidend sein könnte.

  • Selling Germany by the Euro

    Diese Quellen befassen sich synonym mit dem fünften Studioalbum der Rockband Genesis sowie dessen kulturellen und politischen Hintergründen. Im Zentrum steht dabei der Titel „Selling England by the Pound“, der ein Wortspiel mit der britischen Währung und Gewichtseinheiten darstellt, um den Ausverkauf englischer Identität und die zunehmende Amerikanisierung zu kritisieren. Die Texte analysieren detailliert den Eröffnungssong „Dancing with the Moonlit Knight“, der durch seine Mischung aus Artussage und moderner Konsumkritik als Kommentar zum gesellschaftlichen Verfall gilt. Ergänzend werden die theatralischen Live-Darbietungen von Peter Gabriel sowie die musikalische Entwicklung der Band innerhalb des Progressive Rock beleuchtet. Abschließend enthalten die Dokumente Verweise auf Berliner Kultureinrichtungen, die sich mit surrealistischer Kunst und avantgardistischen Projekten beschäftigen.

  • Die Stempelkunst in Japan

    Die Stempelkunst in Japan – Reisekultur, Grafik und Erinnerung in Japan existiert eine besondere Form der visuellen Reisekultur: das Sammeln von Stempeln. Was zunächst wie ein einfaches Souvenir wirkt, ist tatsächlich eine eigene kleine Kunstform zwischen Grafikdesign, Tourismusmarketing und kultureller Tradition. Besonders bekannt sind die sogenannten Eki-Stempel, also Bahnhofsstempel, die Reisende in Japan seit fast einem Jahrhundert sammeln.

    Japanische Bahnhofsstempel

    Ihre Motive erzählen Geschichten über Orte, Landschaften, Tempel und lokale Identität – und machen aus einer Reise eine visuelle Chronik.


    Ursprung der japanischen Stempeltradition

    Die moderne Sammeltradition der Reise-Stempel hat zwei Wurzeln.

    1. Religiöse Pilgerstempel (Goshuin)
      In buddhistischen Tempeln und Shintō-Schreinen erhalten Pilger seit Jahrhunderten sogenannte Goshuin – kalligraphische Stempel mit roter Farbe. Sie dienen als Nachweis eines Besuchs und werden in speziellen Büchern gesammelt.
    2. Bahnhofsstempel (Eki Stamps)
      Der erste Bahnhofsstempel wurde 1931 in Fukui eingeführt. Die Idee war, Reisende zu motivieren, unterwegs Erinnerungsstempel zu sammeln und damit mehr Orte zu besuchen.

    Heute gibt es Tausende solcher Stempel – an Bahnhöfen, Flughäfen, Museen, Touristenattraktionen und sogar in Kaufhäusern.


    Typische Gestaltung japanischer Reisestempel

    Die japanischen Stempel besitzen eine eigene grafische Sprache:

    • meist kreisförmige Komposition
    • Ortsname in Kanji-Schrift
    • lokale Symbole oder Sehenswürdigkeiten
    • häufig zinnoberrote Farbe (traditionelles Tempelrot)
    • Kombination aus Illustration und Schriftzeichen

    Der Stempel ist somit eine Art grafisches „Emblem“ des jeweiligen Ortes.

    Viele Designs orientieren sich sogar an Kamon, den traditionellen japanischen Familienwappen.


    Beispiele japanischer Stempel

    1. Bahnhofs-Stempel

    Bahnhöfe gehören zu den häufigsten Orten für Sammelstempel.

    Typische Motive:

    • berühmte Gebäude der Umgebung
    • lokale Spezialitäten
    • Maskottchen oder historische Figuren

    Beispiele:

    • Tokyo Station
      Stempel mit dem Kanji 東 („Ost“) und dem Tokyo Tower.
    • Ryōgoku Station
      Darstellung eines Sumoringers – Symbol für das traditionelle Sumoringen des Viertels.
    • Enoshima Station
      Darstellung der Küste und eines surfenden Maskottchens.

    Diese Stempel sind meist kostenlos und stehen auf kleinen Tischen neben den Ticket-Schaltern.


    2. Stempel von Tourist Attractions

    Auch touristische Sehenswürdigkeiten haben eigene Stempel.

    Typische Motive:

    • historische Bauwerke
    • Landschaften
    • kulturelle Symbole

    Beispiele:

    • Aizu-Wakamatsu Castle
      Stempel mit dem Schloss und der legendären roten Kuhfigur Akabeko.
    • Jigokudani Monkey Park
      Stempel mit den berühmten Schneeaffen.

    Diese Stempel verbinden Tourismus mit visueller Identität der Region.


    3. Flughafen-Stempel

    Auch Flughäfen beteiligen sich an dieser Sammelkultur.

    Beispiel:

    • Narita International Airport
      Stempel zeigen häufig Flugzeuge, Terminalgebäude oder das Wahrzeichen der Region.

    Flughafenstempel sind besonders beliebt bei internationalen Reisenden.


    4. Tempel- und Schrein-Stempel

    Eine besonders kunstvolle Variante sind die religiösen Stempel.

    Beispiel:

    • Kongobu-ji
      Stempel mit kalligraphischen Zeichen, Tempelsiegeln und Datum.

    Diese Goshuin werden oft von Mönchen handschriftlich ergänzt und besitzen daher eine fast kalligraphische Qualität.


    Stempelrallyes – Sammeln als Spiel

    Japanische Bahnunternehmen organisieren regelmäßig sogenannte Stamp Rallies.

    Dabei erhalten Reisende:

    • eine Sammelkarte
    • mehrere Stempelstationen
    • kleine Preise nach vollständigem Sammeln

    Diese Events verbinden Reisen mit spielerischer Exploration der Städte.


    Vergleich mit Europa

    Die Stempelkultur existiert auch in Europa – jedoch in anderer Form.

    AspektJapanEuropa
    Verbreitungsehr verbreitet (Bahnhöfe, Museen, Tempel)selten
    Gestaltungkunstvolle grafische Illustrationenmeist einfache Textstempel
    Traditionreligiöse Pilgerstempel seit Jahrhunderteneher moderne Touristenpraxis
    Sammelkulturgesellschaftlich akzeptiertes Hobbyeher Nischeninteresse
    Zugänglichkeitmeist frei zugänglichoft nur in Tourist Offices

    Beispiele in Europa

    • Pilgerstempel auf dem Camino de Santiago
    • Museums- und Besucherzentrumsstempel
    • Sonderstempel von Postämtern

    Die europäischen Varianten sind jedoch oft funktional – weniger grafisch ausgearbeitet.


    Kulturelle Bedeutung

    Die japanische Stempelkunst zeigt drei kulturelle Prinzipien:

    1. Erinnerungskultur
    Reisen wird als Sammlung von visuellen Momenten verstanden.

    2. Lokale Identität
    Jeder Stempel ist ein grafisches Porträt einer Stadt.

    3. Demokratische Kunst
    Anders als Museumsobjekte sind diese Mini-Grafiken frei zugänglich und für jeden Reisenden verfügbar.

    So entsteht eine Art grafischer Atlas Japans, der nicht in einem Museum, sondern in tausenden kleinen Notizbüchern existiert.


    Fazit

    Während Stempel in Europa meist administrative Funktionen erfüllen, hat Japan daraus eine eigenständige Kunstform entwickelt. Die kleinen runden Drucke verbinden Grafikdesign, lokale Kultur und Reiseerlebnis – und machen aus jeder Reise ein persönliches Kunstarchiv.

  • Der lange Schatten des Krieges

    Warum ein Konflikt wie der zwischen Amerika und Iran die alten Friedensideen Europas wieder aktuell macht.

    Dieser Artikel von Radio Stralsund thematisiert die zeitlose Relevanz historischer Friedenskonzepte angesichts moderner globaler Spannungen, wie dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Der Text beleuchtet einflussreiche Denker wie Bertha von SuttnerBertrand Russell und Alfred Nobel, die den Krieg nicht als Heldenepos, sondern als irrationales menschliches Versagen begriffen. Trotz des technologischen Fortschritts bei Waffensystemen bleibt die politische Dynamik oft in veralteten Mustern der Eskalation und Abschreckung gefangen. Die Quelle plädiert dafür, die diplomatischen Traditionen des 19. Jahrhunderts wiederzubeleben, um militärische Logik durch institutionelle Verhandlungen zu ersetzen. Letztlich wird betont, dass dauerhafte Stabilität nur durch den Sieg über das kriegerische Denken selbst und nicht durch bloße Waffengewalt erreicht werden kann. Die europäische Geschichte dient dabei als mahnendes Beispiel für die Notwendigkeit einer zivilisierten Konfliktlösung.

    Es gibt Momente in der Geschichte, in denen die Welt plötzlich wieder alt wirkt. Der gegenwärtige Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran ist ein solcher Moment. Raketen, Drohnen, Luftschläge – die technischen Formen haben sich verändert, doch die politische Dramaturgie wirkt vertraut: Misstrauen, Machtprojektion, Eskalation. Und doch ist es eine seltsame Ironie der Geschichte, dass gerade in solchen Momenten die Stimmen der Vergangenheit wieder hörbar werden. Stimmen aus einer Zeit, in der Europa selbst ein Kontinent permanenter Kriege war – und zugleich begann, über Frieden nachzudenken.

    Im späten 19. Jahrhundert trafen sich Politiker, Juristen, Schriftsteller und Idealisten zu internationalen Friedenskongressen, unter anderem in Rom und Bern. Es waren keine Gipfeltreffen der Macht. Es waren eher Versammlungen der Hoffnung. Man diskutierte über Schiedsgerichte zwischen Staaten, über diplomatische Vermittlung und über die Möglichkeit, Konflikte zu zivilisieren. Heute wirken solche Ideen beinahe selbstverständlich. Doch damals waren sie revolutionär.

    Der Gedanke, dass Krieg nicht das natürliche Mittel der Politik sein müsse, war im Europa des 19. Jahrhunderts keineswegs Konsens. Krieg galt vielen als legitimes Instrument nationaler Größe. Militärische Siege begründeten Staaten, verschoben Grenzen und schufen nationale Mythen. In diese Welt hinein schrieb die österreichische Pazifistin Bertha von Suttner ihren Roman Die Waffen nieder!. Das Buch war weniger Literatur als ein politisches Signal. Suttner schilderte den Krieg nicht als heroisches Ereignis, sondern als eine Folge menschlicher Katastrophen. Ihre zentrale Idee war bemerkenswert modern: Kriege entstehen nicht nur aus Interessen, sondern auch aus Denkgewohnheiten. Solange Gesellschaften Krieg als legitimes Mittel akzeptieren, wird er immer wieder zurückkehren.

    Der Satz klingt heute fast selbstverständlich. Aber er war eine Provokation in einer Zeit, in der Militärparaden zur politischen Normalität gehörten. Die Geschichte nahm bekanntlich einen anderen Verlauf. Wenige Jahrzehnte nach den Friedenskongressen stürzte Europa in den Ersten Weltkrieg. Die Katastrophe von 1914 war auch das Scheitern jener frühen Friedensbewegung. Doch ihre Ideen verschwanden nicht.

    Der britische Philosoph Bertrand Russell griff sie im 20. Jahrhundert wieder auf. Für Russell war Krieg im Zeitalter moderner Technologie nicht nur moralisch fragwürdig, sondern schlicht irrational. Je mächtiger die Waffen werden, desto sinnloser wird ihre Anwendung. Im Atomzeitalter, argumentierte Russell, könne ein großer Krieg nicht mehr gewonnen werden. Er könne nur verloren werden – von allen Beteiligten. Man könnte meinen, diese Einsicht sei heute selbstverständlich. Doch die internationale Politik scheint sie immer wieder zu vergessen.

    Auch im aktuellen Konflikt zwischen Washington und Teheran folgt die Dynamik der vertrauten Logik der Abschreckung. Jede Seite versucht, Stärke zu demonstrieren. Jede militärische Aktion soll die Gegenseite von weiteren Schritten abhalten. Doch gerade diese Logik führt häufig zur Eskalation.

    Eine andere Figur aus der Geschichte der Friedensbewegung wirkt heute fast wie ein Paradox: Alfred Nobel. Der Mann, der das Dynamit erfand und damit die industrielle Kriegsführung revolutionierte, wurde zugleich zum Stifter des berühmtesten Friedenspreises der Welt. Nobel hatte erkannt, dass technische Macht allein keine politische Lösung ist. Sein Friedenspreis sollte jene Menschen auszeichnen, die sich um Verständigung zwischen Nationen bemühen. Es war ein symbolischer Versuch, eine andere Tradition der Politik sichtbar zu machen – eine Tradition der Vermittlung.

    Heute scheint diese Tradition manchmal in Vergessenheit zu geraten. Militärische Optionen werden schneller diskutiert als diplomatische. Sanktionen ersetzen Gespräche, Drohungen ersetzen Verhandlungen. Doch die Geschichte zeigt, dass Kriege selten durch militärische Überlegenheit beendet werden. Sie enden meist durch Verhandlungen, oft nach langen Umwegen. Der Kalte Krieg beispielsweise wurde nicht durch einen militärischen Sieg entschieden, sondern durch eine langsame politische Entspannung. Verträge, Gipfeltreffen, diplomatische Kanäle – all dies schuf eine fragile, aber funktionierende Ordnung.

    Im Nahen Osten fehlt eine solche Ordnung bis heute. Der Konflikt zwischen den USA und Iran ist daher mehr als eine regionale Auseinandersetzung. Er ist ein Symptom einer Welt, in der internationale Institutionen schwächer geworden sind und geopolitische Rivalitäten wieder stärker. Gerade deshalb wäre es ein Fehler, den Konflikt ausschließlich militärisch zu betrachten.

    Die eigentliche Herausforderung besteht darin, eine politische Struktur zu schaffen, die Eskalation verhindert. Ein neues Atomabkommen, regionale Sicherheitsgarantien und internationale Vermittlung wären mögliche Schritte. Europa könnte dabei eine wichtige Rolle spielen. Der Kontinent hat im Laufe seiner Geschichte gelernt, dass dauerhafte Stabilität nicht durch Machtpolitik allein entsteht. Die europäische Einigung selbst ist ein Ergebnis dieser Erkenntnis – ein Versuch, Konflikte durch Institutionen zu ersetzen. Vielleicht liegt darin eine der stillen Lehren der Geschichte: Friedensordnungen entstehen selten in Zeiten der Ruhe. Sie entstehen meist nach Krisen, wenn die Alternativen sichtbar werden.

    Der Konflikt zwischen Amerika und Iran ist noch weit davon entfernt, eine solche Einsicht hervorzubringen. Doch gerade deshalb lohnt es sich, an jene Stimmen zu erinnern, die schon vor mehr als hundert Jahren über Frieden nachdachten. Die Friedenskongresse von Rom und Bern waren keine spektakulären Ereignisse. Sie verhinderten keinen Krieg und veränderten nicht sofort die Weltpolitik. Aber sie pflanzten eine Idee in die politische Kultur: die Idee, dass Konflikte zwischen Staaten nicht zwangsläufig auf Schlachtfeldern entschieden werden müssen. Diese Idee ist heute vielleicht aktueller denn je. Denn in einer Welt, in der Kriege technisch immer effizienter werden, bleibt eine alte Wahrheit bestehen: Der schwierigste Sieg ist nicht der militärische. Es ist der Sieg über die Logik des Krieges selbst.

    KK

  • Heinrich Heine – Deutschland

    Ein Wintermärchen

    Im traurigen Monat November war’s,
    Die Tage wurden trüber,
    Der Wind riß von den Bäumen das Laub,
    Da reist ich nach Deutschland hinüber.

    Und als ich an die Grenze kam,
    Da fühlt ich ein stärkeres Klopfen
    In meiner Brust, ich glaube sogar
    Die Augen begannen zu tropfen.

    Und als ich die deutsche Sprache vernahm,
    Da ward mir seltsam zumute;
    Ich meinte nicht anders, als ob das Herz
    Recht angenehm verblute.

    Ein kleines Harfenmädchen sang.
    Sie sang mit wahrem Gefühle
    Und falscher Stimme, doch ward ich sehr
    Gerühret von ihrem Spiele.

    Sie sang von Liebe und Liebesgram,
    Aufopfrung und Wiederfinden
    Dort oben, in jener besseren Welt,
    Wo alle Leiden schwinden.

    Sie sang vom irdischen Jammertal,
    Von Freuden, die bald zerronnen,
    Vom jenseits, wo die Seele schwelgt
    Verklärt in ew’gen Wonnen.

    Sie sang das alte Entsagungslied,
    Das Eiapopeia vom Himmel,
    Womit man einlullt, wenn es greint,
    Das Volk, den großen Lümmel.

    Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
    Ich kenn auch die Herren Verfasser;
    Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
    Und predigten öffentlich Wasser.

    Ein neues Lied, ein besseres Lied,
    O Freunde, will ich euch dichten!
    Wir wollen hier auf Erden schon
    Das Himmelreich errichten.

    Wir wollen auf Erden glücklich sein,
    Und wollen nicht mehr darben;
    Verschlemmen soll nicht der faule Bauch,
    Was fleißige Hände erwarben.

    Es wächst hienieden Brot genug
    Für alle Menschenkinder,
    Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,
    Und Zuckererbsen nicht minder.

    Ja, Zuckererbsen für jedermann,
    Sobald die Schoten platzen!
    Den Himmel überlassen wir
    Den Engeln und den Spatzen.

    Und wachsen uns Flügel nach dem Tod,
    So wollen wir euch besuchen
    Dort oben, und wir, wir essen mit euch
    Die seligsten Torten und Kuchen.

    Ein neues Lied, ein besseres Lied!
    Es klingt wie Flöten und Geigen!
    Das Miserere ist vorbei,
    Die Sterbeglocken schweigen.

    Die Jungfer Europa ist verlobt
    Mit dem schönen Geniusse
    Der Freiheit, sie liegen einander im Arm,
    Sie schwelgen im ersten Kusse.

    Und fehlt der Pfaffensegen dabei,
    Die Ehe wird gültig nicht minder –
    Es lebe Bräutigam und Braut,
    Und ihre zukünftigen Kinder!

    Ein Hochzeitkarmen ist mein Lied,
    Das bessere, das neue!
    In meiner Seele gehen auf
    Die Sterne der höchsten Weihe –

    Begeisterte Sterne, sie lodern wild,
    Zerfließen in Flammenbächen –
    Ich fühle mich wunderbar erstarkt,
    Ich könnte Eichen zerbrechen!

    Seit ich auf deutsche Erde trat,
    Durchströmen mich Zaubersäfte –
    Der Riese hat wieder die Mutter berührt,
    Und es wuchsen ihm neu die Kräfte.

    Während die Kleine von Himmelslust
    Getrillert und musizieret,
    Ward von den preußischen Douaniers
    Mein Koffer visitieret.

    Beschnüffelten alles, kramten herum
    In Hemden, Hosen, Schnupftüchern;
    Sie suchten nach Spitzen, nach Bijouterien,
    Auch nach verbotenen Büchern.

    Ihr Toren, die ihr im Koffer sucht!
    Hier werdet ihr nichts entdecken!
    Die Konterbande, die mit mir reist,
    Die hab ich im Kopfe stecken.

    Hier hab ich Spitzen, die feiner sind
    Als die von Brüssel und Mecheln,
    Und pack ich einst meine Spitzen aus,
    Sie werden euch sticheln und hecheln.

    Im Kopfe trage ich Bijouterien,
    Der Zukunft Krondiamanten,
    Die Tempelkleinodien des neuen Gotts,
    Des großen Unbekannten.

    Und viele Bücher trag ich im Kopf!
    Ich darf es euch versichern,
    Mein Kopf ist ein zwitscherndes Vogelnest
    Von konfiszierlichen Büchern.

    Glaubt mir, in Satans Bibliothek
    Kann es nicht schlimmere geben;
    Sie sind gefährlicher noch als die
    Von Hoffmann von Fallersleben! –

    Ein Passagier, der neben mir stand,
    Bemerkte, ich hätte
    Jetzt vor mir den preußischen Zollverein,
    Die große Douanenkette.

    »Der Zollverein« – bemerkte er –
    »Wird unser Volkstum begründen,
    Er wird das zersplitterte Vaterland
    Zu einem Ganzen verbinden.

    Er gibt die äußere Einheit uns,
    Die sogenannt materielle;
    Die geistige Einheit gibt uns die Zensur,
    Die wahrhaft ideelle –

    Sie gibt die innere Einheit uns,
    Die Einheit im Denken und Sinnen;
    Ein einiges Deutschland tut uns not,
    Einig nach außen und innen.«

    Zu Aachen, im alten Dome, liegt
    Carolus Magnus begraben.
    (Man muß ihn nicht verwechseln mit Karl
    Mayer, der lebt in Schwaben.)

    Ich möchte nicht tot und begraben sein
    Als Kaiser zu Aachen im Dome;
    Weit lieber lebt’ ich als kleinster Poet
    Zu Stukkert am Neckarstrome.

    Zu Aachen langweilen sich auf der Straß’
    Die Hunde, sie flehn untertänig:
    »Gib uns einen Fußtritt, o Fremdling, das wird
    Vielleicht uns zerstreuen ein wenig.«

    Ich bin in diesem langweil’gen Nest
    Ein Stündchen herumgeschlendert.
    Sah wieder preußisches Militär,
    Hat sich nicht sehr verändert.

    Es sind die grauen Mäntel noch
    Mit dem hohen, roten Kragen –
    (Das Rot bedeutet Franzosenblut,
    Sang Körner in früheren Tagen.)

    Noch immer das hölzern pedantische Volk,
    Noch immer ein rechter Winkel
    In jeder Bewegung, und im Gesicht
    Der eingefrorene Dünkel.

    Sie stelzen noch immer so steif herum,
    So kerzengerade geschniegelt,
    Als hätten sie verschluckt den Stock,
    Womit man sie einst geprügelt.

    Ja, ganz verschwand die Fuchtel nie,
    Sie tragen sie jetzt im Innern;
    Das trauliche Du wird immer noch
    An das alte Er erinnere.

    Der lange Schnurrbart ist eigentlich nur
    Des Zopftums neuere Phase:
    Der Zopf, der ehmals hinten hing,
    Der hängt jetzt unter der Nase.

    Nicht übel gefiel mir das neue Kostüm
    Der Reuter, das muß ich loben,
    Besonders die Pickelhaube, den Helm
    Mit der stählernen Spitze nach oben.

    Das ist so rittertümlich und mahnt
    An der Vorzeit holde Romantik,
    An die Burgfrau Johanna von Montfaucon,
    An den Freiherrn Fouqué, Uhland, Tieck.

    Das mahnt an das Mittelalter so schön,
    An Edelknechte und Knappen,
    Die in dem Herzen getragen die Treu
    Und auf dem Hintern ein Wappen.

    Das mahnt an Kreuzzug und Turnei,
    An Minne und frommes Dienen,
    An die ungedruckte Glaubenszeit,
    Wo noch keine Zeitung erschienen.

    Ja, ja, der Helm gefällt mir, er zeugt
    Vom allerhöchsten Witze!
    Ein königlicher Einfall war’s!
    Es fehlt nicht die Pointe, die Spitze!

    Nur fürcht ich, wenn ein Gewitter entsteht,
    Zieht leicht so eine Spitze
    Herab auf euer romantisches Haupt
    Des Himmels modernste Blitze! – –

    Zu Aachen, auf dem Posthausschild,
    Sah ich den Vogel wieder,
    Der mir so tief verhaßt! Voll Gift
    Schaute er auf mich nieder.

    Du häßlicher Vogel, wirst du einst
    Mir in die Hände fallen;
    So rupfe ich dir die Federn aus
    Und hacke dir ab die Krallen.

    Du sollst mir dann, in luft’ger Höh’,
    Auf einer Stange sitzen,
    Und ich rufe zum lustigen Schießen herbei
    Die rheinischen Vogelschützen.

    Wer mir den Vogel herunterschießt,
    Mit Zepter und Krone belehn ich
    Den wackern Mann! Wir blasen Tusch
    Und rufen: »Es lebe der König!«

    Zu Köllen kam ich spätabends an,
    Da hörte ich rauschen den Rheinfluß,
    Da fächelte mich schon deutsche Luft,
    Da fühlt ich ihren Einfluß –

    Auf meinen Appetit. Ich aß
    Dort Eierkuchen mit Schinken,
    Und da er sehr gesalzen war,
    Mußt ich auch Rheinwein trinken.

    Der Rheinwein glänzt noch immer wie Gold
    Im grünen Römerglase,
    Und trinkst du etwelche Schoppen zuviel,
    So steigt er dir in die Nase.

    In die Nase steigt ein Prickeln so süß,
    Man kann sich vor Wonne nicht lassen!
    Es trieb mich hinaus in die dämmernde Nacht,
    In die widerhallenden Gassen.

    Die steinernen Häuser schauten mich an,
    Als wollten sie mir berichten
    Legenden aus altverschollener Zeit,
    Der heil’gen Stadt Köllen Geschichten.

    Ja, hier hat einst die Klerisei
    Ihr frommes Wesen getrieben,
    Hier haben die Dunkelmänner geherrscht,
    Die Ulrich von Hutten beschrieben.

    Der Cancan des Mittelalters ward hier
    Getanzt von Nonnen und Mönchen;
    Hier schrieb Hochstraaten, der Menzel von Köln,
    Die gift’gen Denunziatiönchen.

    Die Flamme des Scheiterhaufens hat hier
    Bücher und Menschen verschlungen;
    Die Glocken wurden geläutet dabei
    Und Kyrie eleison gesungen.

    Dummheit und Bosheit buhlten hier
    Gleich Hunden auf freier Gasse;
    Die Enkelbrut erkennt man noch heut
    An ihrem Glaubenshasse. –

    Doch siehe! dort im Mondenschein
    Den kolossalen Gesellen!
    Er ragt verteufelt schwarz empor,
    Das ist der Dom von Köllen.

    Er sollte des Geistes Bastille sein,
    Und die listigen Römlinge dachten:
    In diesem Riesenkerker wird
    Die deutsche Vernunft verschmachten!

    Da kam der Luther, und er hat
    Sein großes »Halt!« gesprochen –
    Seit jenem Tage blieb der Bau
    Des Domes unterbrochen.

    Er ward nicht vollendet – und das ist gut.
    Denn eben die Nichtvollendung
    Macht ihn zum Denkmal von Deutschlands Kraft
    Und protestantischer Sendung.

    Ihr armen Schelme vom Domverein,
    Ihr wollt mit schwachen Händen
    Fortsetzen das unterbrochene Werk,
    Und die alte Zwingburg vollenden!

    O törichter Wahn! Vergebens wird
    Geschüttelt der Klingelbeutel,
    Gebettelt bei Ketzern und Juden sogar;
    Ist alles fruchtlos und eitel.

    Vergebens wird der große Franz Liszt
    Zum Besten des Doms musizieren,
    Und ein talentvoller König wird
    Vergebens deklamieren!

    Er wird nicht vollendet, der Kölner Dom,
    Obgleich die Narren in Schwaben
    Zu seinem Fortbau ein ganzes Schiff
    Voll Steine gesendet haben.

    Er wird nicht vollendet, trotz allem Geschrei
    Der Raben und der Eulen,
    Die, altertümlich gesinnt, so gern
    In hohen Kirchtürmen weilen.

    Ja, kommen wird die Zeit sogar,
    Wo man, statt ihn zu vollenden,
    Die inneren Räume zu einem Stall
    Für Pferde wird verwenden.

    »Und wird der Dom ein Pferdestall,
    Was sollen wir dann beginnen
    Mit den Heil’gen Drei Kön’gen, die da ruhn
    Im Tabernakel da drinnen?«

    So höre ich fragen. Doch brauchen wir uns
    In unserer Zeit zu genieren?
    Die Heil’gen Drei Kön’ge aus Morgenland,
    Sie können woanders logieren.

    Folgt meinem Rat und steckt sie hinein
    In jene drei Körbe von Eisen,
    Die hoch zu Münster hängen am Turm,
    Der Sankt Lamberti geheißen.

    Der Schneiderkönig saß darin
    Mit seinen beiden Räten,
    Wir aber benutzen die Körbe jetzt
    Für andre Majestäten.

    Zur Rechten soll Herr Balthasar,
    Zur Linken Herr Melchior schweben,
    In der Mitte Herr Gaspar – Gott weiß, wie einst
    Die drei gehaust im Leben!

    Die Heil’ge Allianz des Morgenlands,
    Die jetzt kanonisieret,
    Sie hat vielleicht nicht immer schön
    Und fromm sich aufgeführet.

    Der Balthasar und der Melchior,
    Das waren vielleicht zwei Gäuche,
    Die in der Not eine Konstitution
    Versprochen ihrem Reiche,

    Und später nicht Wort gehalten – Es hat
    Herr Gaspar, der König der Mohren,
    Vielleicht mit schwarzem Undank sogar
    Belohnt sein Volk, die Toren!

    Und als ich an die Rheinbrück’ kam,
    Wohl an die Hafenschanze,
    Da sah ich fließen den Vater Rhein
    Im stillen Mondenglanze.

    »Sei mir gegrüßt, mein Vater Rhein,
    Wie ist es dir ergangen?
    Ich habe oft an dich gedacht
    Mit Sehnsucht und Verlangen.«

    So sprach ich, da hört ich im Wasser tief
    Gar seltsam grämliche Töne,
    Wie Hüsteln eines alten Manns,
    Ein Brümmeln und weiches Gestöhne:

    »Willkommen, mein Junge, das ist mir lieb,
    Daß du mich nicht vergessen;
    Seit dreizehn Jahren sah ich dich nicht,
    Mir ging es schlecht unterdessen.

    Zu Biberich hab ich Steine verschluckt,
    Wahrhaftig, sie schmeckten nicht lecker!
    Doch schwerer liegen im Magen mir
    Die Verse von Niklas Becker.

    Er hat mich besungen, als ob ich noch
    Die reinste Jungfer wäre,
    Die sich von niemand rauben läßt
    Das Kränzlein ihrer Ehre.

    Wenn ich es höre, das dumme Lied,
    Dann möcht ich mir zerraufen
    Den weißen Bart, ich möchte fürwahr
    Mich in mir selbst ersaufen!

    Daß ich keine reine Jungfer bin,
    Die Franzosen wissen es besser,
    Sie haben mit meinem Wasser so oft
    Vermischt ihr Siegergewässer.

    Das dumme Lied und der dumme Kerl!
    Er hat mich schmählich blamieret,
    Gewissermaßen hat er mich auch
    Politisch kompromittieret.

    Denn kehren jetzt die Franzosen zurück,
    So muß ich vor ihnen erröten,
    Ich, der um ihre Rückkehr so oft
    Mit Tränen zum Himmel gebeten.

    Ich habe sie immer so liebgehabt,
    Die lieben kleinen Französchen –
    Singen und springen sie noch wie sonst?
    Tragen noch weiße Höschen?

    Ich möchte sie gerne wiedersehn,
    Doch fürcht ich die Persiflage,
    Von wegen des verwünschten Lieds,
    Von wegen der Blamage.

    Der Alfred de Musset, der Gassenbub’,
    Der kommt an ihrer Spitze
    Vielleicht als Tambour, und trommelt mir vor
    All seine schlechten Witze.«

    So klagte der arme Vater Rhein,
    Konnt sich nicht zufriedengeben.
    Ich sprach zu ihm manch tröstendes Wort,
    Um ihm das Herz zu heben:

    »O fürchte nicht, mein Vater Rhein,
    Den spöttelnden Scherz der Franzosen;
    Sie sind die alten Franzosen nicht mehr,
    Auch tragen sie andere Hosen.

    Die Hosen sind rot und nicht mehr weiß,
    Sie haben auch andere Knöpfe,
    Sie singen nicht mehr, sie springen nicht mehr,
    Sie senken nachdenklich die Köpfe.

    Sie philosophieren und sprechen jetzt
    Von Kant, von Fichte und Hegel,
    Sie rauchen Tabak, sie trinken Bier,
    Und manche schieben auch Kegel.

    Sie werden Philister ganz wie wir,
    Und treiben es endlich noch ärger;
    Sie sind keine Voltairianer mehr,
    Sie werden Hengstenberger.

    Der Alfred de Musset, das ist wahr,
    Ist noch ein Gassenjunge;
    Doch fürchte nichts, wir fesseln ihm
    Die schändliche Spötterzunge.

    Und trommelt er dir einen schlechten Witz,
    So pfeifen wir ihm einen schlimmern,
    Wir pfeifen ihm vor, was ihm passiert
    Bei schönen Frauenzimmern.

    Gib dich zufrieden, Vater Rhein,
    Denk nicht an schlechte Lieder,
    Ein besseres Lied vernimmst du bald –
    Leb wohl, wir sehen uns wieder.«


    Vorwort

    Das nachstehende Gedicht schrieb ich im diesjährigen Monat Januar zu Paris, und die freie Luft des Ortes wehete in manche Strophe weit schärfer hinein, als mir eigentlich lieb war. Ich unterließ nicht, schon gleich zu mildern und auszuscheiden, was mit dem deutschen Klima unverträglich schien. Nichtsdestoweniger, als ich das Manuskript im Monat März an meinen Verleger nach Hamburg schickte, wurden mir noch mannigfache Bedenklichkeiten in Erwägung gestellt. Ich mußte mich dem fatalen Geschäfte des Umarbeitens nochmals unterziehen, und da mag es wohl geschehen sein, daß die ernsten Töne mehr als nötig abgedämpft oder von den Schellen des Humors gar zu heiter überklingelt wurden. Einigen nackten Gedanken habe ich im hastigen Unmut ihre Feigenblätter wieder abgerissen, und zimperlich spröde Ohren habe ich vielleicht verletzt. Es ist mir leid, aber ich tröste mich mit dem Bewußtsein, daß größere Autoren sich ähnliche Vergehen zuschulden kommen ließen. Des Aristophanes will ich zu solcher Beschönigung gar nicht erwähnen, denn der war ein blinder Heide, und sein Publikum zu Athen hatte zwar eine klassische Erziehung genossen, wußte aber wenig von Sittlichkeit. Auf Cervantes und Molière könnte ich mich schon viel besser berufen; und ersterer schrieb für den hohen Adel beider Kastilien, letzterer für den großen König und den großen Hof von Versailles! Ach, ich vergesse, daß wir in einer sehr bürgerlichen Zeit leben, und ich sehe leider voraus, daß viele Töchter gebildeter Stände an der Spree, wo nicht gar an der Alster, über mein armes Gedicht die mehr oder minder gebogenen Näschen rümpfen werden! Was ich aber mit noch größerem Leidwesen voraussehe, das ist das Zetern jener Pharisäer der Nationalität, die jetzt mit den Antipathien der Regierungen Hand in Hand gehen, auch die volle Liebe und Hochachtung der Zensur genießen und in der Tagespresse den Ton angeben können, wo es gilt, jene Gegner zu befehden, die auch zugleich die Gegner ihrer allerhöchsten Herrschaften sind. Wir sind im Herzen gewappnet gegen das Mißfallen dieser heldenmütigen Lakaien in schwarzrotgoldner Livree. Ich höre schon ihre Bierstimmen: »Du lästerst sogar unsere Farben, Verächter des Vaterlands, Freund der Franzosen, denen du den freien Rhein abtreten willst!« Beruhigt euch. Ich werde eure Farben achten und ehren, wenn sie es verdienen, wenn sie nicht mehr eine müßige oder knechtische Spielerei sind. Pflanzt die schwarzrotgoldne Fahne auf die Höhe des deutschen Gedankens, macht sie zur Standarte des freien Menschtums, und ich will mein bestes Herzblut für sie hingeben. Beruhigt euch, ich liebe das Vaterland ebensosehr wie ihr. Wegen dieser Liebe habe ich dreizehn Lebensjahre im Exile verlebt, und wegen ebendieser Liebe kehre ich wieder zurück ins Exil, vielleicht für immer, jedenfalls ohne zu flennen oder eine schiefmäulige Duldergrimasse zu schneiden. Ich bin der Freund der Franzosen, wie ich der Freund aller Menschen bin, wenn sie vernünftig und gut sind, und weil ich selber nicht so dumm oder so schlecht bin, als daß ich wünschen sollte, daß meine Deutschen und die Franzosen, die beiden auserwählten Völker der Humanität, sich die Hälse brächen zum Besten von England und Rußland und zur Schadenfreude aller Junker und Pfaffen dieses Erdballs. Seid ruhig, ich werde den Rhein nimmermehr den Franzosen abtreten, schon aus dem ganz einfachen Grunde: weil mir der Rhein gehört. Ja, mir gehört er, durch unveräußerliches Geburtsrecht, ich bin des freien Rheins noch weit freierer Sohn, an seinem Ufer stand meine Wiege, und ich sehe gar nicht ein, warum der Rhein irgendeinem andern gehören soll als den Landeskindern. Elsaß und Lothringen kann ich freilich dem deutschen Reiche nicht so leicht einverleiben, wie ihr es tut, denn die Leute in jenen Landen hängen fest an Frankreich wegen der Rechte, die sie durch die französische Staatsumwälzung gewonnen, wegen jener Gleichheitsgesetze und freien Institutionen, die dem bürgerlichen Gemüte sehr angenehm sind, aber dem Magen der großen Menge dennoch vieles zu wünschen übriglassen. Indessen, die Elsasser und Lothringer werden sich wieder an Deutschland anschließen, wenn wir das vollenden, was die Franzosen begonnen haben, wenn wir diese überflügeln in der Tat, wie wir es schon getan im Gedanken, wenn wir uns bis zu den letzten Folgerungen desselben emporschwingen, wenn wir die Dienstbarkeit bis in ihrem letzten Schlupfwinkel, dem Himmel, zerstören, wenn wir den Gott, der auf Erden im Menschen wohnt, aus seiner Erniedrigung retten, wenn wir die Erlöser Gottes werden, wenn wir das arme, glückenterbte Volk und den verhöhnten Genius und die geschändete Schönheit wieder in ihre Würde einsetzen, wie unsere großen Meister gesagt und gesungen und wie wir es wollen, wir, die Jünger – ja, nicht bloß Elsaß und Lothringen, sondern ganz Frankreich wird uns alsdann zufallen, ganz Europa, die ganze Welt – die ganze Welt wird deutsch werden! Von dieser Sendung und Universalherrschaft Deutschlands träume ich oft, wenn ich unter Eichen wandle. Das ist mein Patriotismus.

    Ich werde in einem nächsten Buche auf dieses Thema zurückkommen, mit letzter Entschlossenheit, mit strenger Rücksichtslosigkeit, jedenfalls mit Loyalität. Den entschiedensten Widerspruch werde ich zu achten wissen, wenn er aus einer Überzeugung hervorgeht. Selbst der rohesten Feindseligkeit will ich alsdann geduldig verzeihen; ich will sogar der Dummheit Rede stehen, wenn sie nur ehrlich gemeint ist. Meine ganze schweigende Verachtung widme ich hingegen dem gesinnungslosen Wichte, der aus leidiger Scheelsucht oder unsauberer Privatgiftigkeit meinen guten Leumund in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen sucht und dabei die Maske des Patriotismus, wo nicht gar die der Religion und der Moral, benutzt. Der anarchische Zustand der deutschen politischen und literarischen Zeitungsblätterwelt ward in solcher Beziehung zuweilen mit einem Talente ausgebeutet, das ich schier bewundern mußte. Wahrhaftig, Schufterle ist nicht tot, er lebt noch immer und steht seit Jahren an der Spitze einer wohlorganisierten Bande von literarischen Strauchdieben, die in den böhmischen Wäldern unserer Tagespresse ihr Wesen treiben, hinter jedem Busch, hinter jedem Blatt versteckt liegen und dem leisesten Pfiff ihres würdigen Hauptmanns gehorchen.

    Noch ein Wort. Das »Wintermärchen« bildet den Schluß der »Neuen Gedichte«, die in diesem Augenblick bei Hoffmann und Campe erscheinen. Um den Einzeldruck veranstalten zu können, mußte mein Verleger das Gedicht den überwachenden Behörden zu besonderer Sorgfalt überliefern, und neue Varianten und Ausmerzungen sind das Ergebnis dieser höheren Kritik.

    Hamburg, den 17. September 1844

    Heinrich Heine