Schlagwort: Frankreich

  • Die französische Ära im Rheinland und in Preußen

    Dieser Podcast von Klaus Kampe und Radio-Nice.Club dokumentiert die Ära der napoleonischen Herrschaft in Deutschland, wobei der Schwerpunkt auf der sogenannten „Franzosenzeit“ zwischen 1794 und 1815 liegt. Das Material beleuchtet den tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel im Rheinland, der durch die Einführung des Code Napoléon, die Säkularisation und moderne Verwaltungsstrukturen ausgelöst wurde. Ein weiterer zentraler Aspekt sind die militärischen Ereignisse von 1806, insbesondere der triumphale Einzug Napoleons in Berlin sowie die damit verbundenen preußischen Niederlagen. Augenzeugenberichte und Chroniken schildern eindringlich die Belastungen durch Plünderungen, Einquartierungen und die allgemeine Not der Zivilbevölkerung in Städten wie Templin. Insgesamt vermitteln die Texte ein facettenreiches Bild dieser Epoche, die zwischen modernem Aufbruch und der harten Realität einer fremden Militärbesatzung schwankte. Die Zusammenstellung verbindet dabei offizielle historische Einordnungen mit persönlichen Schicksalen und lokalen Anekdoten aus der Zeit des Zusammenbruchs des alten Preußens.

    Wie erlebten die Bürger in Templin und Berlin die Besatzung?

    Die Besatzungszeit nach 1806 wurde von den Bürgern in Berlin und Templin als eine Phase tiefer Verunsicherung, wirtschaftlicher Ausbeutung und massiver Belastungen durch Einquartierungen erlebt, wobei sich die städtische Atmosphäre in Berlin deutlich von der existenziellen Not in der kleineren Stadt Templin unterschied.

    Erlebnisse in Berlin: Zwischen Prunk und Plünderung

    In der preußischen Hauptstadt Berlin begann die Besatzung mit dem feierlichen Einzug Napoleons am 27. Oktober 1806.

    • Widersprüchliche Eindrücke: Während offizielle französische Berichte von jubelnden Mengen sprachen, schilderten Augenzeugen die Stadt zunächst als „stille und düstere“ Kulisse mit geschlossenen Läden. Dennoch wandelte sich das Bild schnell; Berlin wirkte zeitweise wie ein „kleines Paris“, in dem das gesellschaftliche Leben trotz der Besatzung weiterging.
    • Wirtschaftliche Ausbeutung: Die Bürger hatten enorme Lasten zu tragen. Berlin allein musste eine Kontribution von 10 Millionen Frank aufbringen. Hinzu kamen Zwangsanleihen, die Kosten für die Versorgung der Armee und die Bürokratie der Militärverwaltung.
    • Kulturelle Begegnungen: Der Kammerdiener Tamanti, der Napoleon im Stadtschloss bediente, beschrieb den Kaiser als gebildeten und kultivierten Fürsten, was im Kontrast zu seinem Ruf als rücksichtsloser Ausbeuter stand. Aus dieser Zeit stammt auch die Berliner Warnung vor „Fisimatenten“: Eltern warnten ihre Töchter davor, der Einladung französischer Offiziere in deren Zelte („Visit ma tente“) zu folgen.
    • Kunstraub: Ein bleibendes Symbol der Demütigung war der Abtransport der Quadriga vom Brandenburger Tor im Dezember 1806.

    Erlebnisse in Templin: Existenzkampf und Ruin

    In Templin war die Besatzung von weit chaotischeren und härteren Zuständen geprägt, da die kleine Stadt direkt an einer wichtigen Marschroute lag.

    • Systematische Plünderungen: Bereits beim Einmarsch kam es zu massiven Raubzügen. Häuser, Mühlen und Keller wurden leergeräumt; die Soldaten stahlen Vieh, Bargeld, Wäsche und sogar Kupfergeräte [243–246]. Der Müller von Templin wurde stundenlang gemartert, als er sich den Soldaten entgegenstellte.
    • Massive Einquartierung: Die Belastung war immens. In einem Zeitraum von nur vier Wochen zogen über 250.000 Soldaten durch die Stadt, die damals nur etwa 2.000 Einwohner hatte. In den Bürgerhäusern wurden oft 20 bis 120 Mann gleichzeitig untergebracht, was die Vorräte der Bewohner völlig erschöpfte.
    • Zerstörung der Lebensgrundlagen: Um die hohen Kontributionen und die „Lagersteuer“ bezahlen zu können, sah sich die Stadt gezwungen, ihre Buchenwälder (das Buchholz und die Ahrensnestsche Heide) komplett abzuholzen und das Holz zu verkaufen.
    • Hunger und Seuchen: Die Not gipfelte darin, dass Bürger Hunger litten und sich von Kartoffelschalen ernährten. In der Folge brachen Seuchen wie Ruhr, Scharlach und das „Nervenfieber“ aus. Die psychische Belastung war so hoch, dass Fälle von Wahnsinn und Suizid überliefert sind.

    Ein bemerkenswertes Detail aus Templin ist die Tat des jüdischen Schulmeisters Jacob Abraham, der spontan 20 Carolinen aus eigener Tasche zahlte, um eine drohende Forderung der Franzosen an den Magistrat abzuwenden. Trotz der Härte blieb in Templin später der Spruch in Erinnerung, dass der Franzose als Feind „doch viel besser“ gewesen sei als der Russe (der 1813 kam) als Freund, da die französische Armee zumindest eine gewisse Manneszucht wahrte.Wie erlebten die Bürger in Templin und Berlin die Besatzung?

    Die Besatzungszeit nach 1806 wurde von den Bürgern in Berlin und Templin als eine Phase tiefer Verunsicherung, wirtschaftlicher Ausbeutung und massiver Belastungen durch Einquartierungen erlebt, wobei sich die städtische Atmosphäre in Berlin deutlich von der existenziellen Not in der kleineren Stadt Templin unterschied.

    Erlebnisse in Berlin: Zwischen Prunk und Plünderung

    In der preußischen Hauptstadt Berlin begann die Besatzung mit dem feierlichen Einzug Napoleons am 27. Oktober 1806.

    • Widersprüchliche Eindrücke: Während offizielle französische Berichte von jubelnden Mengen sprachen, schilderten Augenzeugen die Stadt zunächst als „stille und düstere“ Kulisse mit geschlossenen Läden. Dennoch wandelte sich das Bild schnell; Berlin wirkte zeitweise wie ein „kleines Paris“, in dem das gesellschaftliche Leben trotz der Besatzung weiterging.
    • Wirtschaftliche Ausbeutung: Die Bürger hatten enorme Lasten zu tragen. Berlin allein musste eine Kontribution von 10 Millionen Frank aufbringen. Hinzu kamen Zwangsanleihen, die Kosten für die Versorgung der Armee und die Bürokratie der Militärverwaltung.
    • Kulturelle Begegnungen: Der Kammerdiener Tamanti, der Napoleon im Stadtschloss bediente, beschrieb den Kaiser als gebildeten und kultivierten Fürsten, was im Kontrast zu seinem Ruf als rücksichtsloser Ausbeuter stand. Aus dieser Zeit stammt auch die Berliner Warnung vor „Fisimatenten“: Eltern warnten ihre Töchter davor, der Einladung französischer Offiziere in deren Zelte („Visit ma tente“) zu folgen.
    • Kunstraub: Ein bleibendes Symbol der Demütigung war der Abtransport der Quadriga vom Brandenburger Tor im Dezember 1806.

    Erlebnisse in Templin: Existenzkampf und Ruin

    In Templin war die Besatzung von weit chaotischeren und härteren Zuständen geprägt, da die kleine Stadt direkt an einer wichtigen Marschroute lag.

    • Systematische Plünderungen: Bereits beim Einmarsch kam es zu massiven Raubzügen. Häuser, Mühlen und Keller wurden leergeräumt; die Soldaten stahlen Vieh, Bargeld, Wäsche und sogar Kupfergeräte [243–246]. Der Müller von Templin wurde stundenlang gemartert, als er sich den Soldaten entgegenstellte.
    • Massive Einquartierung: Die Belastung war immens. In einem Zeitraum von nur vier Wochen zogen über 250.000 Soldaten durch die Stadt, die damals nur etwa 2.000 Einwohner hatte. In den Bürgerhäusern wurden oft 20 bis 120 Mann gleichzeitig untergebracht, was die Vorräte der Bewohner völlig erschöpfte.
    • Zerstörung der Lebensgrundlagen: Um die hohen Kontributionen und die „Lagersteuer“ bezahlen zu können, sah sich die Stadt gezwungen, ihre Buchenwälder (das Buchholz und die Ahrensnestsche Heide) komplett abzuholzen und das Holz zu verkaufen.
    • Hunger und Seuchen: Die Not gipfelte darin, dass Bürger Hunger litten und sich von Kartoffelschalen ernährten. In der Folge brachen Seuchen wie Ruhr, Scharlach und das „Nervenfieber“ aus. Die psychische Belastung war so hoch, dass Fälle von Wahnsinn und Suizid überliefert sind.

    Ein bemerkenswertes Detail aus Templin ist die Tat des jüdischen Schulmeisters Jacob Abraham, der spontan 20 Carolinen aus eigener Tasche zahlte, um eine drohende Forderung der Franzosen an den Magistrat abzuwenden. Trotz der Härte blieb in Templin später der Spruch in Erinnerung, dass der Franzose als Feind „doch viel besser“ gewesen sei als der Russe (der 1813 kam) als Freund, da die französische Armee zumindest eine gewisse Manneszucht wahrte.

    KK

  • Abdruck aus “Deutsche Exilanten an der Côte d’Azur”

    Eine Reise durch die 1930er von Klaus Kampe

    HISTORISCHER KONTEXT UND EXIL IN SÜDFRANKREICH

    Als im Januar 1933 die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht übernahmen, begann für viele Schriftsteller, Künstler und Intellektuelle eine Zeit der Verfolgung und des Verlustes. Bühnen wurden geschlossen, Redaktionen gesäubert, Bücher verbrannt. Wer blieb, riskierte Berufsverbot, Haft oder Schlimmeres. Wer ging, musste sich eine neue Welt suchen. So setzten sich unzählige Deutsche in Bewegung – mit Koffern voller Manuskripte, Skizzen oder einfach nur Hoffnung.

    Der Süden Frankreichs, die Côte d’Azur, wurde für viele von ihnen zum Rettungsanker. Das Licht, die Weite des Meeres, die Olivenhaine und Pinienhügel gaben den Flüchtenden eine Ahnung von Freiheit. Auch praktisch war die Region günstig: Die Lebenshaltungskosten waren niedriger als in Paris, und von Marseille aus bot sich die Möglichkeit, weiterzureisen, falls die Lage unsicher wurde. Schon zuvor hatten Künstler und Literaten die Küste entdeckt, und so wirkte sie in den 1930er Jahren wie eine alte Bekannte, die nun ein neues Gesicht zeigte – die eines Exils.

    In diesen Jahren trafen hier die großen Namen der deutschen Kultur zusammen: Thomas Mann schrieb in den Pensionen der Küste, sein Bruder Heinrich lebte mit Nelly Kröger in Nizza. Lion Feuchtwanger schuf in seiner Villa in Sanary-sur-Mer einen geistigen Mittelpunkt, an dem Franz Werfel, Alma Mahler-Werfel und viele andere verkehrten. Bertolt Brecht zog unstet durch Südfrankreich, stets auf der Suche nach einem Ort, an dem Arbeit und Sicherheit zusammenfielen. Maler wie Walter Bondy oder Schriftstellerinnen wie Annette Kolb prägten die Atmosphäre zusätzlich.

    Besonders zwei Orte wurden zu Symbolen dieses Exils: Nizza, mit seiner kosmopolitischen Lebendigkeit und den Boulevards, auf denen sich Sprachen und Kulturen mischten; und Sanary-sur-Mer, ein kleiner Fischerort, dessen Hafenbecken zur Bühne einer Welt im Umbruch wurde. Dort, zwischen einfachen Fischerbooten und den Fassaden weißer Häuser, entstand eine dichte Gemeinschaft von Exilanten, die im Schatten der drohenden Diktatur versuchten, ihre Sprache, ihre Kunst und ihre Hoffnung zu bewahren.

    So verband sich an der Côte d’Azur die Schönheit der Landschaft mit der Dringlichkeit des Überlebens – und hinterließ Spuren, die bis heute sichtbar sind.


    INHALTSVERZEICHNIS

    Einleitung

    Varian Fry – Von Berlin nach Marseille

    Historischer Kontext und Exil in Südfrankreich

    Exilanten in Nizza – Die Stadt der Zuflucht

    Sanary-sur-Mer – Das deutsche Dorf

    Berühmte Persönlichkeiten im Exil

    Die Portraits – Gesichter einer verlorenen Welt

    Marta und Lion Feuchtwanger

    Treffen im Café du Lyon

    Max Colpet

    Thomas Mann und die Exil-Salonkunst

    Die Stimmen im Exil

    Kunst, Literatur und das Ringen um das Wort

    Begegnungen und Gemeinschaften

    Bedrohung, Internierung und Flucht

    Die Wohnorten heute – Historische Orte entdecken

    Vergleich von historischen Fotografien

    Links zu Fotos und Orten

    Bildquellen

    Epilog

    Anhang

  • Französische Chansoniers

    Léo Ferres Vater arbeitete als Personalchef bei der fürstlichen Kurverwaltung von Monaco, seine Mutter war italienischer Herkunft. Da beide Eltern sehr religiös waren, verbrachte er seine frühe Kindheit im klösterlichen Internat von Bordighera, Italien. Dies kam für den damals schon recht freidenkenden Jungen einer Katastrophe gleich. Entgegen den Vorstellungen seines Elternhauses, wo man ihn gerne in der Verwaltung in einer guten Stellung gesehen hätte, wurde Ferré Musiker. Mit seiner ersten Frau wohnte er in einem kleinen Dorf nahe Monaco und bewirtschaftete ein kleines Anwesen. Autodidaktisch bildete er sich musikalisch weiter und erhielt Theoriestunden in Komposition von Leonid Sabaniev, einem verarmten russischen Emigranten, der in seiner Jugend bei Alexander Skrjabin studiert hatte. Die Bezahlung erfolgte in Form von Naturalien.